A6 Avant/5er Touring/E-Klasse T-Modell: Test A6 Avant fordert 5er Touring und E-Klasse T-Modell heraus

von Marcel Kühler 23.11.2020
Inhalt
  1. Audi A6 Avant, BMW 5er Touring und Mercedes E T-Modell im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Audi A6 Avant fällt im Federungskomfort zurück
  3. Motor/Getriebe: Mercedes E-Klasse T-Modell mit dem niedrigsten Verbrauch
  4. Fahrdynamik: BMW 5er Touring fühlt sich lebendig an
  5. Umwelt/Kosten: Audi A6 Avant entscheidet das Kosten-Kapitel für sich
  6. Messwerte & technische Daten Audi A6 Avant 40 TDI, BMW 520d Touring & Mercedes E 220 d T-Modell

Wie schlägt sich der populäre BMW 5er Touring gegen den Audi A6 Avant und das Mercedes E-Klasse T-Modell? Die Antwort gibt der Vergleichstest!

Gesamtbewertung (max. Punkte)Audi A6 Avant 40 TDIBMW 520d TouringMercedes E 220 d T-Modell
Karosserie (1000)720737730
Fahrkomfort (1000)780811799
Motor/Getriebe (1000)644658651
Fahrdynamik (1000)735679658
Eigenschaftswertung (4000)287928852838
Kosten/Umwelt (1000)314312310
Gesamtwertung (5000)319331973148
Platzierung213

Durch eine sanfte Elektrifizierung soll das Triebwerk des antriebsseitig überarbeiteten BMW 520d Touring nun noch mehr Sorgfalt beim Konsum fossiler Brennstoffe walten lassen. Ob sich der hohe technische Aufwand lohnt, zeigt der Vergleichstest gegen den Audi A6 Avant 40 TDI und das Mercedes E 220 d T-Modell.

 

Audi A6 Avant, BMW 5er Touring und Mercedes E T-Modell im Vergleichstest

Mit Außenlängen von gut über 4,90 Metern und einer Breite von knapp 1,90 Metern gehören der Audi A6 Avant, der BMW 5er Touring und das Mercedes E-Klasse T-Modell sicherlich zu den stattlichsten Business-Kombis überhaupt. Der Vorteil dieser doch eher Parkhaus-unfreundlichen Abmessungen: Innen finden Fahrgäste hier wie da geradezu fürstliche Platzverhältnisse vor. Und auch für Gepäck stellen die Edel-Laster in diesem Vergleichstest reichlich Volumen bereit, selbst wenn das Mercedes E 220 d T-Modell mit seinem 640 bis 1820 Liter großen Frachtabteil in diesem Punkt leicht die Nase vorn hat. Verstecken müssen sich der Audi A6 Avant 40 TDI und der BMW 520d Touring mit 565 bis 1680 beziehungsweise 570 bis 1700 Litern jedoch keineswegs – zumal sie wie der Daimler serienmäßig eine dreiteilig umlegbare Rückbank mitbringen. Darüber hinaus wartet das T-Modell mit einem gänzlich ebenen Ladeboden auf und kann auf Wunsch mit zwei zusätzlichen für Kinder und Jugendliche gedachten Sitzgelegenheiten im Gepäckraum dienen. Diese beiden Eigenheiten bescheren dem Schwaben einen Punktevorsprung in der Variabilität. Doch die drei Testgegner sind weit mehr als nur hochpraktikable Lastesel. Vielmehr stellen sie rollende Hightech-Tempel dar mit nahezu unzähligen Fahr- und Infotainment- Funktionen. Am intuitivsten bedienen lassen sich diese nach wie vor im BMW, dessen iDrive-System mit der Kombination Dreh-Drück-Steller, dem perfekt im Sichtfeld platzierten Touchscreen, der optionalen Gestensteuerung sowie einer gut funktionierenden Sprachsteuerung das Maß aller Dinge darstellt. Auf einem erfreulich hohen Niveau bewegen sich überdies die komplexen Sicherheitsausstattungen der Wettstreiter, die neben den üblichen Helfern, etwa zum Spurhalten oder Spurwechseln, auch einige automatisierte Fahrfunktionen beinhalten – jedenfalls gegen Aufpreis.

 

Fahrkomfort: Audi A6 Avant fällt im Federungskomfort zurück

Langes Reisen ist die Domäne aller drei Testaspiranten. Dementsprechend bestücken die Hersteller ihre prunkvollen Kombis mit hochkomfortablen Optionssitzen, die das Kilometerfressen so wenig ermüdend wie irgend möglich gestalten sollen. Besonders hervortun können sich hier die 2300 Euro teuren Sitze des BMW 5er Touring, die nicht nur mehr Seitenabstützung als die Fauteuils der Wettbewerber bereitstellen, sondern auch mehr Einstellmöglichkeiten. So lässt sich beim 5er etwa das obere Lehnensegment unabhängig vom unteren Teil in der Neigung einstellen. Das hat in diesem Vergleichstest kein anderer zur bieten. Fondpassagiere haben es indes im Audi A6 Avant durch die entspannte Sitzposition und die angenehme Rückenkontur noch etwas gemütlicher als in den Wettbewerbern. Beim Federungskomfort fällt der Audi A6 Avant 40 TDI, der den Test mit feisten 20-Zoll-Rädern bestreitet, jedoch etwas hinter die Konkurrenz zurück. Sein um adaptive Dämpfer erweitertes Set-up sorgt zwar durch seine straffe Auslegung für ein überaus sattes Fahrverhalten in schnellen Autobahnkurven, kann jedoch Kanten oder Asphaltflicken nicht ganz vor seinen Fahrgästen verbergen. Die große Stärke der optionalen Air-Body-Control- Luftfederung des Mercedes E-Klasse T-Modells indes ist das schnelle Reisen mit hoher Beladung. Dann gleitet der Schwabe sanft über lange und kurze Wellen hinweg. Das sehr sensible Anfedern des BMW 520d Touring auf Querfugen, gerade bei niedrigeren Geschwindigkeiten, ist aber auch ihm fremd.

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Motor/Getriebe: Mercedes E-Klasse T-Modell mit dem niedrigsten Verbrauch

Im Zuge des Generationenwechsels im Jahr 2018 wurde der Audi A6 Avant zur Steigerung der Effizienz grundsätzlich mild-hybridisiert und im Fall des Vierzylinder-TDI auf Basis des herkömmlichen 12-Volt-Bordnetzes um einen Riemen-Starter-Generator erweitert. BMW zieht nun nach und rüstet seinen bewährten Zweiliter-Turbodiesel ebenfalls mit einem Starter-Generator sowie 48-Volt-Bordspannung aus. Dieses System ermöglicht beim Ausrollen ein deutlich früheres Abschalten des Motors sowie eine Segelfunktion, die nicht nur den Leerlauf aktiviert, sondern den Motor gänzlich abstellt. Der Fahrer bekommt davon durch die nahezu unmerklich agierende Start-Stopp-Automatik, die den Verbrenner nahezu schwingungsfrei ab- und wieder anschaltet, kaum etwas mit. Offensichtlich hingegen ist der geringe Durst des BMW 520d Touring. Auf unserer Verbrauchsrunde begnügt er sich mit 6,7 Litern je 100 Kilometer. Der A6 40 TDI verbrennt pro 100 Kilometer durchschnittlich 7,2 Liter, was für einen derart großen Luxuskombi sicherlich auch kein Grund zur Klage ist. Dennoch ist das Mercedes E 220 d T-Modell das sparsamste Gefährt des Trios. Er gibt sich sogar mit 0,1 Liter weniger Kraftstoff zufrieden als der 48-Volt-5er. Ein weiterer Effekt des Mild-Hybrid-Systems des BMW neben der guten Effizienz: Der Momentenverlauf des Triebwerks wird laut Hersteller in Teilbereichen leicht optimiert. In der Praxis geht das nach wie vor 190 PS starke Triebwerk sehr kultiviert und spontan zur Sache. Es dreht ohne große Verzögerung hoch und beschleunigt den immerhin 1857 Kilogramm schweren Kombi aus dem Stand in 7,6 Sekunden auf Tempo 100. Das 194 PS kräftige Mercedes E-Klasse T-Modell schlägt er dabei nur knapp, nämlich um 0,2 Sekunden, distanziert dafür aber den 204 PS starken Ingolstädter Kontrahenten um immerhin ein glatte Sekunde. Letzterer gewinnt mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 241 km/h jedoch klar den Topspeed-Vergleich in diesem Vergleichstest. Ein weiterer großer Vorzug des BMW 5er Touring wiederum ist die serienmäßige Achtstufen-Automatik von ZF. Sie wechselt die Übersetzungen sehr schnell, dabei aber stets extrem sanft. Zudem ist sie immer in der situativ passenden Fahrstufe unterwegs. Das Doppelkupplungsgetriebe des Audi A6 Avant 40 TDI schwächelt durch den verzögerten Kraftschluss beim Anfahren, während die Automatik des Mercedes teilweise etwas unentschlossen durch die neun Stufen zappt.

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Fahrdynamik: BMW 5er Touring fühlt sich lebendig an

Auf abgesperrter Strecke schlägt die große Stunde des Audi A6 Avant 40 TDI. Die Kombination aus straffer Straßenlage und haftstarker Michelin-Bereifung beschert dem Ingolstädter nicht nur die schnellste Rundenzeit im Handling, sondern auch das höchste Tempo in der Slalomgasse. Darüber hinaus ist er mit einer sehr ausgeprägten Fahrsicherheit gesegnet. Im Grenzbereich zeigt sich der Avant weitgehend neutral und beschleunigt auch aus engen Kurven heraus mit für einen Fronttriebler erstaunlich geringen Traktionsverlusten. Seine Galavorstellung in diesem Vergleichstest beschließt der A6 mit seiner brachial verzögernden Bremsanlage, die den 1825 Kilogramm schweren Luxuskombi aus 100 km/h in kaltem Zustand nach nur 33,0 Metern und in warmem Zustand nach 32,0 Metern wieder zum Stehen bringt. Mit seinen ausgeprägteren Karosseriebewegungen, dem spontanen Einlenkverhalten und der guten Traktion fühlt sich der BMW 520d Touring sehr lebendig an. Einen großen Anteil daran hat auch die 1250 Euro teure Allradlenkung, mit der der Testwagen bestückt ist. Sie liefert reichlich Rückschlüsse über die Fahrbahnbeschaffenheit und arbeitet deutlich direkter als die rein auf die Vorderachse wirkenden Lenkungen der Wettbewerber. Lastwechselreaktionen – wenngleich auch bei deaktiviertem ESP einfach zu parieren – führen jedoch genauso zu Punktabzug wie die im Vergleich zum Audi deutlich längeren Bremswege. Das Mercedes E 220 d T-Modell lässt es beim Bremsen noch etwas gemächlicher angehen und wirkt auch sonst durch die etwas entkoppelte Lenkung und das behäbigere Einlenken nicht so agil wie der Audi A6 Avant oder der BMW 5er Touring. Im Slalom ist das Mercedes E-Klasse T-Modell auch deshalb das Schlusslicht.

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BMW 530d xDrive Touring: Test über 100.000 km Fast 70.000 Kilometer im 5er Touring

 

Umwelt/Kosten: Audi A6 Avant entscheidet das Kosten-Kapitel für sich

Dass wir es hier in diesem Vergleichtest mit gestandenen Premium-Fabrikaten zu tun haben, zeigt der Blick in die jeweiligen Preislisten – die im Fall des Audi A6 Avant übrigens mehr als 150 Seiten umfasst. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die ohnehin schon wenig sozialverträglichen Basispreise durch zahllose Extras beliebig nach oben getrieben werden können. Immerhin bieten alle drei für das viele Geld eine passable Serienausstattung. Beschränkt auf die testrelevanten Optionen der Wettstreiter ergibt sich folgendes Bild: Das Mercedes E 220 d T-Modell ist mit 57.531 Euro das günstigste Fahrzeug des Trios, der BMW 520d Touring mit einem Zuschlag von 2289 Euro das teuerste. Der Audi A6 Avant 40 TDI liegt mit 58.630 Euro ziemlich genau dazwischen. Eine weitere Gemeinsamkeit der schicken Oberklasse-Kombis ist der immense Wertverlust, auf den sich die Besitzer einstellen müssen. In allen drei Fällen können sie laut entsprechender Prognose teils deutlich über 30.000 Euro abschreiben – und das bereits nach vier Jahren! Die laufenden Kosten halten sich derweil – bedingt durch die vergleichsweise niedrigen Kraftstoffkosten – im Rahmen des Erträglichen. Kleinere Unterschiede: Das Mercedes E-Klasse T-Modell bringt die höchsten Wartungsaufwendungen mit sich, während beim BMW 5er Touring die ungünstigen Haftpflicht- und Vollkasko-Einstufungen höhere Kosten zur Folge haben.

Dauertest Mercedes E-Klasse T-Modell
Mercedes E 220 d T-Modell: Test über 100.000 km 100.000 Kilometer im E 220 d T-Modell

 

Messwerte & technische Daten Audi A6 Avant 40 TDI, BMW 520d Touring & Mercedes E 220 d T-Modell

AUTO ZEITUNG
07/2020
Audi A6 Avant 40 TDIBMW 520d TouringMercedes E 220 d T-Modell
Technik 
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbodiesel; Mild-Hybrid4/4; Turbodiesel; Mild-Hybrid4/4; Turbodiesel
Hubraum1968 cm³1995 cm³1950 cm³
Leistung150 kW/204 PS140 kW/190 PS143 kW/194 PS
Max. Drehmoment400 Nm400 Nm400 Nm
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung/
Vorderrad
8-Stufen-Automatik/
HInterrad
9-Stufen-Automatik/ Hinterrad
Messwerte 
Leergewicht (Werk/Test)1710/1825 kg1740/1857 kg1740/1896 kg
Beschleunigung (Test)   
0 - 100 km/h8,6 s7,6 s7,8 s
0 - 150 km/h17,9 s17,0 s17,3 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)241 km/h225 km/h235 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
33,0/32,0 m35,7/34,4 m36,0/35,0 m
Verbrauch (Test/WLTP)7,2/5,7 l D/100 km6,7/5,2 l D/100 km6,6/5,7 l D/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)191/150 g/km178/137 g/km175/150 g/km
Preise 
Grundpreis52.300 Euro53.500 Euro52.152 Euro
Testwagenpreis58.630 Euro59.820 Euro57.531 Euro

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Auch wenn im Lauf des Jahres das große Facelift ansteht: Der BMW 520d Touring präsentiert sich in Bestform und gewinnt dank souveräner Komforteigenschaften, einfacher Bedienung und dem kraftvollen Antrieb den Vergleichstest. Das Mild-Hybrid-System steigert vor allem den Antriebskomfort. Der Zugewinn an Effizienz scheint sich eher in Grenzen zu halten. Der Audi A6 Avant 40 TDI rückt seinem ewigen Konkurrenten ungemütlich nah aufs Blech, was vor allem an der herausragenden Vorstellung in den fahrdynamischen Disziplinen inklusive der sehr kurzen Bremswege liegt. Geräumig, praktisch, komfortabel und sparsam: Das Mercedes E 220d T-Modell ist ein Daimler, wie er im Buche steht. Dass er nicht ganz so dynamisch fährt wie die Konkurrenz, dürfte seinen Anhängern egal sein.

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