Pkw-Maut Deutschland: Berechnung, Kosten, Infos EU-Kommission stellt Mautverfahren gegen Deutschland ein

von Lena Reuß 17.05.2017
Inhalt
  1. Pkw-Maut: EU gibt Ok, Österreich will klagen
  2. Kommt eine streckenabhängige Pkw-Maut?
  3. Pkw-Maut von Bundesrat und -tag beschlossen
  4. Nachbesserungen für das Maut-Gesetz
  5. ADAC-Studie: Pkw-Maut ein Minusgeschäft?
  6. Vorwürfe: Warum die Pkw-Maut ungerecht sei
  7. Steuererleichterungen kompensieren Pkw-Maut
  8. Wer muss Pkw-Maut zahlen?
  9. Berechnung: Kosten Pkw-Maut für Autofahrer
  10. Berechung: Kosten Pkw-Maut für ausländische Autofahrer
  11. Wann soll die Maut eingeführt werden?
  12. Welche Ausnahmen soll es von der Maut geben?
  13. Wie wird die Maut erhoben?
  14. Welche Strafen drohen?
  15. So ist die Maut in anderen EU-Ländern geregelt

Die Bundesregierung will Autofahrer für die Straßennutzung zahlen lassen – aber ohne Mehrbelastung für Inländer. Ist das mit EU-Recht vereinbar? Die EU-Kommission sagt jetzt ganz formell Ja. Erst kürzlich hatte die Pkw-Maut die letzte Hürde genommen und wurde im Bundesrat beschlossen. Wir erklären, wie die Maut-Berechnung funktioniert, was sie kostet und wann sie kommt!

Der jahrelange Streit um die Pkw-Maut zwischen Brüssel und Berlin ist offiziell beigelegt. Nach den bereits im Dezember vereinbarten Zugeständnissen der Bundesregierung hat die EU-Kommission ihr Verfahren gegen Deutschland nun eingestellt. Es gebe keine Diskriminierung ausländischer Fahrer mehr, teilte die Brüsseler Behörde am Mittwoch, 17. Mai 2017, mit. Sie wolle aber im Auge behalten, ob das Gesetz korrekt angewendet werde. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat die Einstellung des Verfahrens der EU-Kommission gegen eine Pkw-Maut in Deutschland begrüßt. "Ich freue mich, dass die EU-Kommission das Vertragsverletzungsverfahren eingestellt und der Maut in Deutschland grünes Licht gegeben hat." Die Maut soll nach Planungen der Bundesregierung ab 2019 fällig werden. Offen ist allerdings, ob andere EU-Staaten die "Infrastrukturabgabe" noch zu Fall bringen können. Österreich sieht weiterhin einen Verstoß gegen EU-Recht, weil Ausländer bei der Autobahn-Nutzung stärker belastet werden sollen als Inländer. Die Wiener Regierung hat deshalb bereits eine Klage vor dem EuGH angekündigt. Auch Tschechien und die Niederlande haben einen solchen Schritt angedeutet. Die EU-Kommission, die über die Einhaltung europäischen Rechts wacht, hatte lange bemängelt, dass inländische Autohalter auf den Cent genau bei der Kfz-Steuer entlastet werden sollten. Aus Brüsseler Sicht stellte dies eine unerlaubte Benachteiligung ausländischer Fahrer dar. Ohne Einigung hätte es in einer Klage der EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) und möglichen Geldbußen münden können.

Alles zur Pkw-Maut im Video:

 
 

Pkw-Maut: EU gibt Ok, Österreich will klagen

Österreich lässt im Maut-Streit mit Deutschland auch nach dem grünen Licht aus Brüssel für die Berliner Pläne nicht locker: Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) bereitet eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vor. "Die Fehlentscheidung der Kommission öffnet der wechselseitigen Diskriminierung zwischen EU-Mitgliedstaaten Tür und Tor", erklärte Leichtfried am Mittwoch in Wien. Zuvor hatte die EU-Kommission ihr Verfahren gegen die Bundesrepublik nach Zugeständnissen eingestellt. In einem bis zu dreimonatigen Verfahren muss sich die Kommission nun nach österreichischen Angaben erneut mit dem Thema befassen und Stellungnahmen von Deutschland und Österreich einholen. "Wird die Kommission im Anschluss nicht selbst erneut aktiv, ist der Weg für eine österreichische Klage frei", erklärte Leichtfried. Wien hält die Ausgestaltung der geplanten Maut für diskriminierend. Dass am Ende nur Ausländer zahlten, sei nicht mit den Grundwerten der EU vereinbar, hatte Leichtfried schon im Vorfeld betont. "Alle werden zur Kasse gebeten, nur die Deutschen nicht." Ein von Wien in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten attestiere gute Aussichten auf einen Erfolg vor Gericht.

 

Kommt eine streckenabhängige Pkw-Maut?

Könnte es doch noch eine streckenabhängige Pkw-Maut in Deutschland geben? Nachdem der "Stern" unter Berufung auf den Bundesrechnungshof darüber berichtet hatte, dass die Berechnung der Pkw-Maut in Deutschland an die gefahrenen Kilometer gekoppelt werden soll, wurde dies nun durch das Bundesverkehrsministerium und Bundesfinanzministerium zurückgewiesen: "Eine streckenbezogene Pkw-Maut ist weder geplant noch politisch gewollt. Die Bundesregierung verfolgt keine Pläne für eine streckenbezogene PKW-Maut", heißt es von den beiden Ministerien. Deutsche Autofahrer können also wieder aufarmen. Es bleibt bei der bisher festgelegten Berechnungr für die Infrstrukturabgabe. Die Diskussion um die letztendlichen Kosten der Maut, sorgen immer wieder für Diskussionen und Medienberichtet. So lag zuletzt der Berliner Zeitung nach eigenen Angaben ein geheimes Gutachten zur Pkw-Maut vor, das belegen soll, dass Autofahrer in Zukunft tiefer in die Tasche greifen müssten. So könnte sich laut des Papiers die Mautgebühr für Autofahrer erhöhen, sobald etwa die Maut für Lkw nicht mehr zur Deckung der anfallenden Kosten ausreicht. In dem von der Wirtschaftsprüfergesellschaft PricewaterhouseCooper angefertigten Gutachten heißt es beispielsweise, dass "in der Praxis" eine "Adjustierung zwischen Lkw-Maut und Infrastrukturabgabe" erforderlich sein werde. Experten werten dies als Mechanismus, der die Pkw-Maut in bestimmten Fällen automatisch teurer werden ließe.

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Pkw-Maut von Bundesrat und -tag beschlossen

Der Weg für die Einführung einer Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen und Bundesstraßen ist frei. Der Bundesrat ließ das vom Bundestag beschlossenes Gesetzespaket am Freitag, den 31. März 2017, trotz erheblicher Kritik passieren. Eine mögliche Anrufung des Vermittlungsausschusses fand in der Länderkammer keine Mehrheit. Damit kann Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die nächsten Schritte für die bisher gestoppte Maut-Einführung angehen. Zuvor verteidigte er noch das Vorhaben erneut gegen Kritik. Die Maut habe "das klare Prädikat der EU-Kommission" zu ihrer Rechtmäßigkeit bekommen, sagte er vor der Abstimmung im Bundesrat. Es entstünden "substanzielle Einnahmen", die für Straßen-Investitionen zweckgebunden seien. "Zum allerersten Mal beteiligen sich alle, die unsere Straßen nutzen, auch an deren Finanzierung", sagte Dobrindt. Inländische Autobesitzer würden nicht zusätzlich belastet. Die Bundesländer hatten noch mautfreie Autobahn-Abschnitte in Grenzregionen gefordert, was Dobrindt erneut ablehnte. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) warnte vor Einbußen für Handel und Gastronomie in den Grenzregionen. Der Aufwand passe nicht zu den Einnahmen, die Schäden für das europäische Zusammenleben seien inakzeptabel. Baden-Württembergs Resortchef Winfried Hermann (Grüne) kritisierte "eine verheerende Signalwirkung" für Europa. Eigentlich war die Pkw-Maut schon 2015 beschlossen worden. Da Brüssel kurz darauf ein Verfahren wegen der Verletzung von EU-Recht gegen Deutschland eröffnete, wurden die Gesetze aber bisher nicht umgesetzt. Zentraler Streitpunkt war der Vorwurf einer Benachteiligung von Fahrern aus dem Ausland, da nur Inländer für Mautzahlungen vollständig über eine geringere Kfz-Steuer entlastet werden sollen. Dobrindt einigte sich aber im Dezember 2016 mit der EU-Kommission auf Änderungen am Modell, im Mai 2017 schließlich stellte die EU das Mautverfahren ein.

 

Nachbesserungen für das Maut-Gesetz

Die von der EU geforderten Nachbesserungen an der Pkw-Maut sind  beschlossene Sache: Konkret sollen die Preise der Kurzzeittarife für Fahrer aus dem Ausland stärker differenziert werden. Inländer mit abgasarmen Euro-6-Autos sollen als Ausgleich für Mautzahlungen um 100 Millionen Euro zusätzlich bei der Kfz-Steuer entlastet werden. Am angestrebten Ertrag von jährlich 500 Millionen Euro gibt es weiterhin Zweifel. Der Länderkammer lagen Empfehlungen der zuständigen Ausschüsse vor, den gemeinsamen Vermittlungsausschusses mit dem Bundestag anzurufen. Darüber wurde aber nicht mehr im einzelnen abgestimmt, nachdem ganz allgemein für ein Vermittlungsverfahren keine Mehrheit zustande kam. Dies hätte das Verfahren verzögern können. Dobrindt hat angekündigt, nach Ende des Gesetzgebungsverfahrens eine europaweite Ausschreibung zu starten, mit der ein Betreiber für das Mautsystem gesucht wird. Einer Berichterstattung im "Handelsblatt" zufolge, könnte die Mauterhebung frühestens im Jahr 2020 starten. Dies gehe aus Ausschreibungsunterlagen zur Maut-Einführung, aus denen zitiert wird. Bisher war stets 2019 als Starttermin für die Pkw-Maut im Gespräch. Und noch eine Neuigkeit ergibt sich aus den Dokumenten: Demnach soll das Mautsystem so aufgebaut werden, dass nach Autos auch Motorräder und Omnibusse der Abgabe unterliegen könnten. Zudem sei den Unterlagen das zu entnehmen, was schon längst von vielen Seiten befürchtet wird: Die deutsche Pkw-Maut könnte teurer werden, denn es seien mehr Mitarbeiter für die Kontrollfunktionen nötig als bisher kalkuliert. Doch das Bundesverkehrsministerium hat bereits Stellung bezogen und dementiert die Aussagen in den Dokumenten mit dem Hinweis, dass es sich um alte Ausschreibungsunterlagen handele, die nicht mehr aktuell seien.

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ADAC-Studie: Pkw-Maut ein Minusgeschäft?

Was die Einnahmeprognosen durch die Pkw-Maut von 500 Millionen Euro pro Jahr für Investitionen in Infrastruktur angeht, gibt es auch nach der Entscheidung im Bundestag und -rat noch Zweifel. Neben Negativ-Prognosen der Grünen und des Bundesrechnungshofes ergab auch eine vom ADAC beauftragte Studie, dass dem Staat mit der Pkw-Maut vielleicht sogar ein Minusgeschäft droht. 71 Millionen Euro Defizit lautet das Ergebnis der Studie. Die Untersuchung prognostiziert lediglich 139 Millionen Euro Überschuss nach Abzug der Kfz-Steuer-Entlastung, die Systemkosten beliefen sich jährlich jedoch auf rund 211 Millionen Euro. Die Kosten zur Systemeinführung, die das Ministerium auf 380 Millionen Euro bezifferte, seien noch gar nicht miteinberechnet. Würden diese über einen Abschreibungszeitraum von fünf Jahren mitberücksichtigt, läge der Verlust laut ADAC sogar bei 147 Millionen Euro. Gleichzeitig geht der Automobilclub von weniger Einnahmen durch die Kurzzeitvignetten von ausländischen Autofahrern aus. Das Verkehrsministerium hielt den Berechnungen der ADAC-Studie jedoch ein eigenes Gutachten entgegen, das zeitgleich veröffentlicht wurde. Alexander Dobrindt verteidigte seine Zahlen unterdessen weiter als "solide und konservativ gerechnet". Insgesamt plant das Ministerium Maut-Einnahmen von 3,7 Milliarden Euro im Jahr ein, wovon am Ende 524 Millionen Euro als reiner Ertrag stünden.

 

Vorwürfe: Warum die Pkw-Maut ungerecht sei

Um die Pkw-Maut in Deutschland im Sinne des EU-Rechts zu gestalten, hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bereits am 1. Dezember 2016 mit EU-Kommissarin Violeta Bulc über die Maut-Pläne verhandelt. Das Ergebnis waren einige Kompromisse, die bereits vom Bundestag und zuletzt vom Kabinett abgesegnet wurden. Doch ein Gutachten im Auftrag der Grünen-Fraktion des Bundestags ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker: Laut der Studie verstoßen die Mautpläne von Dobrindt gegen EU-Recht. Im Detail heißt es, das Gesetz sei "eine mittelbare Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit" zu Lasten von Straßennutzern aus anderen EU-Mitgliedstaaten. Damit wirft das Gutachten der deutschen Pkw-Maut Diskriminierung ausländischer Autofahrer vor und bestärkt vor allem EU-Nachbarländer, die ohnehin schon gegen die Maut rebellieren. Davon lässt sich Alexander Dobrindt jedoch nicht beeindrucken und hält an den Maut-Plänen fest: "Die Maut kommt. [...] Sie ist gerecht und europarechtskonform. Das hat auch die EU-Kommission bestätigt."

Alles zur blauen Plakette im Video:

 

 

Steuererleichterungen kompensieren Pkw-Maut

Die Pkw-Maut in Deutschland soll mit die Kfz-Steuersenkungen einhergehen, sodass kein Autofahrer in Deutschland finanziellen Mehrbelastungen ausgesetzt wird. Für die Euro-6-Autos könnte die Bilanz durch die mit der EU-Kommission beschlossene Änderung jedoch deutlich besser ausfallen: "Wer ein besonders umweltfreundliches Euro-6-Fahrzeug fährt, zahlt unterm Strich sogar weniger als bisher", verspricht Alexander Dobrindt. Dadurch steigen die Entlastungen jedoch 100 Millionen Euro höher, als ursprünglich vorgesehen. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reichte dazu einen Gesetzesentwurf ein, der zumindest in den ersten beiden Jahren nach der Einführung sicherstellt, dass die jeweilige Kfz-Steuer soweit reduziert wird, dass die Maut-Gebühr in jedem Fall komplett ausgeglichen wird. Ab dem dritten Jahr soll diese zusätzliche Steuersenkung wieder reduziert werden. Als zweiten Punkt beschloss das Kabinett geänderte Kurzzeittarife für Autofahrer aus dem Ausland. Abhängig vom Schadstoffausstoß der Pkw wird eine Zehn-Tages-Maut in sechs Preisstufen berechnet (die genauen Kosten und ihre Berechnung sind weiter unten zu finden).

 

Wer muss Pkw-Maut zahlen?

Neben Pkw fallen auch Wohnmobile unter die Mautpflicht in Deutschland. Von den Gebühren ausgenommen sind Motorräder, Elektroautos, Wagen von Behinderten und Krankenwagen.

 

Berechnung: Kosten Pkw-Maut für Autofahrer

Maut-VignetteKosten
mit Benzinmotor: 
Euro 0/1/2/36,50 € je angefangene 100ccm Hubraum
Euro 4/52 € je angefangene 100 ccm Hubraum
Euro 61,80 € je angefangene 100 ccm Hubraum
mit Dieselmotor: 
Euro 0/1/2/39,50 € je angefangene 100 ccm Hubraum
Euro 4/55 € je angefangene 100 ccm Hubraum
Euro 64,80 € je angefangene 100 ccm Hubraum
Wohnmobile16 € je angefangene 200 kg zulässiges Gesamtgewicht
Oldtimer130 Euro

 

Berechung: Kosten Pkw-Maut für ausländische Autofahrer

Maut-VignetteKosten
Jahresvignette mit Benzinmotor: 
Euro 0/1/2/36,50 € je angefangene 100ccm Hubraum
Euro 4/52 € je angefangene 100 ccm Hubraum
Euro 61,80 € je angefangene 100 ccm Hubraum
Jahresvignette mit Dieselmotor: 
Euro 0/1/2/39,50 € je angefangene 100 ccm Hubraum
Euro 4/55 € je angefangene 100 ccm Hubraum
Euro 64,80 € je angefangene 100 ccm Hubraum
KurzzeitvignettenKosten gemäß aktuellem GesetzGeplante Kostenanpassung
10-Tages-Vignette  
wenn Jahresvignette weniger als 20 Euro kosten würde5 Euro2,50 Euro
wenn Jahresvignette zwischen 20 und 40 Euro kosten würde5 Euro4 Euro
wenn Jahresvignette zwischen 40 und 70 Euro kosten würde10 Euro8 Euro
wenn Jahresvignette zwischen 70 und 100 Euro kosten würde15 Euro14 Euro
wenn Jahresvignette über 100 Euro kosten würde15 Euro20 Euro
2-Monats-Vignette  
wenn Jahresvignette weniger als 20 Euro kosten würde16 Euro7 Euro
wenn Jahresvignette zwischen 20 und 40 Euro kosten würde16 Euro11 Euro
wenn Jahresvignette zwischen 40 und 70 Euro kosten würde22 Euro18 Euro
wenn Jahresvignette zwischen 70 und 100 Euro kosten würde30 Euro30 Euro
wenn Jahresvignette über 100 Euro kosten würde30 Euro40 Euro
 

Wann soll die Maut eingeführt werden?

Die Entscheidung zur Pkw-Maut in Deutschland wurde am 1. Dezember 2016 gefällt. Nach monatelangem Streit und intensiven Verhandlungen zwischen EU-Kommission und dem deutschen Verkehrsministerium sei eine Lösung gefunden worden, gab EU-Kommissarin Violeta Bulc in Brüssel bekannt. Und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) fügte hinzu: "Jetzt ist klar, dass die Maut kommt." Für Dobrindt waren die Verhandlungen mit der EU-Kommission die letzte Chance, sein Projekt einer deutschen Pkw-Maut noch in dieser Legislaturperiode in trockene Tücher zu bringen. Dabei hat sich herauskristalliert, dass Deutschland durch die Maut weit weniger Steuereinnahmen als geplant einnehmen wird. Umgesetzt werden könnten die Pläne nach der aktuellen Entscheidung durch den Bundestag im Jahr 2019. Einer aktuellen Berichterstattung des "Handelsblatts" zufolge, ist es jedoch erst 2020 soweit. Das gehe aus Ausschreibungsunterlagen hervor, die der Zeitung vorlägen.

Verkehrsrecht Maut-Vignette Österreich
Maut Österreich: Digitale Vignette ab 2018  

Österreich führt digitale Vignette ein

 

Welche Ausnahmen soll es von der Maut geben?

Nachdem zu Beginn der Maut-Verhandlungen Ausnahmen für Grenzregionen im Gespräch waren, lehnte die Bundesregierung diese Forderung des Bundesrats ab. Mit der Beschränkung der Mautpflicht für Fahrer aus dem Ausland auf die deutschen Autobahnen "wird den Belangen der Grenzregionen bereits in ausreichendem Maß Rechnung getragen", heißt es in einer Äußerung der Regierung zu einer Stellungnahme der Länderkammer. Inländische Autofahrer müssen auch auf Bundesstraßen Maut zahlen. Der Bundesrat hatte gefordert, auf bestimmten Autobahn-Abschnitten solle auf die Mautpflicht verzichtet werden können, "wenn dies zur Vermeidung nachteiliger Auswirkungen auf grenznahe Unternehmen gerechtfertigt ist". Die Bundesregierung argumentiert, eine Herausnahme der Autobahnen in Grenzregionen würde zu Mindereinnahmen führen. Zudem würde der Verwaltungsaufwand steigen, da eigens mit Schildern verdeutlicht werden müsste, "wo Abgabenpflicht besteht und wo nicht".

 

Wie wird die Maut erhoben?

Anstelle von Klebe-Vignetten wie sie zum Beispiel in Österreich üblich sind, sollen hierzulande die Mautzahler über ihr Kfz-Kennzeichen zu erkennen sein. Kontrolliert werden soll die Zahlung der Mautgebühr stichprobenartig über einen elektronischen Kennzeichen-Abgleich. Die Erhebung der Pkw-Maut soll ein privater Betreiber übernehmen und jährlich 160 Millionen Euro Vergütung bekommen. Der Auftrag soll laut Bundesverkehrsministerium zügig europaweit ausgeschrieben werden. Er umfasst auch, Mautbescheide für inländische Autobesitzer zu versenden und ein Maut-Vertriebssystem für Fahrer aus dem Ausland aufzubauen und zu betreiben. Für die Suche nach einem Betreiber des Pkw-Mautsystems deutete sich schon vor einiger Zeit grundsätzliches Interesse internationaler Anbieter an. Die Firmen warten aber auf die genauen Bedingungen. "Über eine mögliche Bewerbung für den Betrieb des Pkw-Mautsystems können wir erst entscheiden, nachdem wir die Details der Ausschreibung kennen", erklärte der Lkw-Mautbetreiber Toll Collect der Deutschen Presse Agentur. Auch der Mautdienstleister Ages hält eine Beteiligung für möglich. Ohne die Ausschreibung gelesen zu haben, sei dies aber nicht abschließend zu entscheiden, sagte Geschäftsführer Rolf Herzog. Der Betreiber des Mautsystems in Italien, Autostrade per l'Italia, äußerte sich "sehr interessiert an dem deutschen Projekt". Eine Sprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur, man habe bereits in verschiedenen Situationen das gesamte technologische Portfolio erprobt, das zum Einsatz kommen könnte. Der Mautanbieter Kapsch ITS Solutions aus Österreich traf noch keine feste Aussage. Generell sei man interessiert und könne die geforderte Technologie liefern, sagte eine Sprecherin. Es komme auf die Ausschreibungsdetails an. Auch Siemens hat Maut-Erfahrung. In den 90er Jahren erhielt der Konzern Aufträge aus Norwegen und stattete die Brenner-Autobahn in Österreich mit einem Mautsystem aus. In London kam Siemens zum Zug, als die Stadt 2008 eine City-Maut einführte. Dass der Konzern auch bei der Ausschreibung für die Pkw-Maut mitmacht, wäre daher naheliegend. Äußern wollte sich das Unternehmen nicht. Für die französische Vinci-Gruppe, deren Tochter Cofiroute an Toll Collect beteiligt ist, sagte eine Sprecherin, es sei "noch zu früh, um zu erklären, wie Vinci sein Know-how am effizientesten anbieten wird". Toll Collect unterstrich seine grundsätzliche Kompetenz in Sachen Maut und verwies darauf, dass das Unternehmen seit 2005 mehr als 40 Milliarden Euro Lkw-Maut für den Bund eingenommen habe. In der Schweiz wird die Autobahnvignette von der Eidgenössischen Zollverwaltung herausgegeben. Der Zoll ist auch für den Vertrieb an den Grenzen und im Ausland zuständig. Die Zollverwaltung plant nicht, sich an der Ausschreibung in Deutschland zu beteiligen.

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Welche Strafen drohen?

Wer mautpflichtig ist, die Gebühr aber nicht zahlt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Über die Höhe der Geldstrafen wird noch verhandelt. Die Bußgelder sollen auch im Ausland eingetrieben werden.

 

So ist die Maut in anderen EU-Ländern geregelt

LandMaut-RegelungPreis
FrankreichUrlauber müssen auf fast allen Autobahnen Gebühren zahlen.Streckenabhängig
Italien/SpanienBei Auffahrt auf die Autobahn wird ein Ticket ausgestellt, das bei Abfahrt bezahlt wird.Streckenabhängig
KroatienFast alle Autobahnabschnitte sind mautpflichtig.Streckenabhängig
ÖsterreichVignette für die Nutzung von Autobahnen und Schnellstraßen.85,70 EUR/Jahr, 8,80 EUR/10 Tage
PolenDie Autobahnen A1, A2 und A4 sind streckenweise gebührenpflichtig.Streckenabhängig
PortugalDie meisten Strecken sind kostenpflichtig.Streckenabhängig
SchweizVignette für die Nutzung der Nationalstraßen, zu denen auch Autobahnen gehören.40 SFR/Jahr
SlowenienVignette für die Nutzung von Autobahnen und Schnellstraßen.15 EUR/Woche

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