Testfahrt im Hyundai Ioniq 3: Wilder, milder Mix
Der neue Hyundai Ioniq 3 trägt ein ungewöhnlich expressives Design – bleibt mit 99 kW (135 PS) aber bodenständig motorisiert. Eine gelungene Kombination?
Erster Eindruck: Der Hyundai Ioniq 3 wirkt größer und stärker, als er ist
Wer den Ursprung des neuen Hyundai Ioniq 3 in Fernost oder – aufgrund des Designs – gar in außerirdischen Welten vermutet, der täuscht sich: Entwickelt wurde der Elektro-Kompakte in und für Europa, gebaut wird er in der Türkei, und der koreanische Markt wird ihn niemals zu sehen bekommen. Der Fokus lag auf effizientem Vorankommen, versierten Fahreigenschaften und einem guten Platzangebot bei gleichzeitig handlichen Abmessungen.
Es ist schon erstaunlich, wie sehr einen der Ioniq 3 beim Erstkontakt täuschen kann. Das Auto wirkt größer, als es effektiv ist und sieht – besonders mit N Line-Ausstattung – deutlich stärker aus, als das Datenblatt schlussendlich offenbart. Für die erste Fahrt nördlich von Istanbul steht für uns der elektrische Ioniq 3 mitPrime-Ausstattung bereit, was eine optische Entschärfung bedeutet. Was aber alle Modelle eint, sind schmale Tagfahrleuchten, ausgelagerte LED-Scheinwerfer, variable Lufteinlass-Klappen und auffällige Pixel-Elemente an Front sowie Heck.
Hyundai Ioniq 3: Vorstellung im Video

Innenraum: Überraschend viel Platz in Kofferraum und Fond
Der Innenraum des Testwagens ist hell ausgekleidet, was dem Raumgefühl zuträglich ist. Doch auch unabhängig vom subjektiven Eindruck überzeugt das Platzangebot. Sogar hinten sitzt man bequemer als befürchtet. Allein der Zustieg fordert ein wenig Verrenkungen. Der Kofferraum entpuppt sich gar als echte Überraschung: Dank großer, auswaschbarer Wanne unter dem Boden fasst er sehr gute 441 Liter. Einen Frunk gibt es nicht.
Die AC-Ladekabel können, wenn man das Technik-Paket für 1650 Euro ordert, mit bis zu 22 kW Ladeleistung für elektrischen Nachschub sorgen. Das Paket umfasst zudem einen V2L-Adapter zum Anschluss von Elektro-Geräten und die Vorbereitung für Vehicle-to-Grid. Am Schnelllader sind bis zu 110 kW möglich, was rund 30 Minuten für den Hub von 10 auf 80 Prozent State-of-Charge (SoC) bedeutet. Nein, zu den Schnellsten gehört der Ioniq 3 wirklich nicht. Aber es kommt auf die Perspektive an: Elektro-Umsteiger, die zuvor einen Kleinwagen mit kleinem Benziner gefahren sind, dürfte der viel höhere Antriebskomfort im Ioniq schlicht begeistern.
Fahreindruck: Komfortable und effiziente Fortbewegung
Hyundai-Spezialitäten wie die mannigfaltig einstellbare Rekuperation via Wippen sind natürlich auch an Bord. Widerstandsreduziertes Segeln, One-Pedal-Driving oder adaptiv das Auto entscheiden lassen: alles möglich. Zudem über-zeugt der Geräuschkomfort – mit Abzügen in der B-Note: Rund um die Windschutzscheibe rauscht es bei hohem Tempo kräftig. Zur Wahrheit gehört aber auch: Früher hätte hier ein plärrender Verbrenner den Ton angegeben.
Das Fahrvergnügen wird von einem gut abgestimmten Fahrwerk und einer passend adaptierten Lenkung unterstützt. Verschiedene Fahrmodi lassen einen gewissen Spielraum für persönliche Vorlieben bei Lenkung und Gasannahme. Selbst ausgeprägte Bodenwellen bringen den kleinen Koreaner nicht aus der Ruhe, wenngleich er bisweilen tief eintaucht. Kurven begegnet er sogar mit einer gewissen Willigkeit. Dass die Lenkung sich mehr dem Komfort statt der sportlichen Direktheit verschreibt, passt ins Gesamtbild.

Da das digitale Cockpit erst ab der Trend-Ausstattung serienmäßig ist, sollte man einen Bogen um die Einstiegsversion Select machen. Hier übernimmt der zentrale Touchscreen die Informationswiedergabe – Tesla lässt grüßen. Weil das neue Infotainment deutlich umfangreicher als in der Vergangenheit ausfällt, hat man mit Musikwiedergabe, Navi und Co. genug, was über den Screen geregelt werden muss. Die ausgelagerte Klimabedienung nehmen wir ebenso gern mit wie die unkomplizierte Konfiguration der vorgeschriebenen Assistenzsysteme.
Der große Akku des Testwagens kostet 4000 Euro Aufpreis gegenüber dem 42-kWh-Modell. Nach der 138 Kilometer langen Testrunde spuckt der Bordcomputer einen Verbrauch von 14,2 kWh aus, was rechnerisch rund 430 km Reichweite entspricht – und somit fast der WLTP-Angabe.
Fazit
Der Ioniq 3 ergänzt die Hyundai-Modellpalette sinnvoll. Die schnittige Linie verspricht zwar eine Dynamik, die der Hyundai nicht ganz einlösen kann – dafür fällt das Platzangebot aber auch besser aus als befürchtet. Der attraktive Einstiegspreis von unter 30.000 Euro fordert Kompromisse – mit wichtigen Funktionen wie Wärmepumpe oder digitalem Cockpit nähert man sich recht schnell der 40.000-Euro-Marke.
Technische Daten des Hyundai Ioniq 3
AUTO ZEITUNG 22/2026 | Hyundai Ioniq 3 |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | permanenterregte Synchronmaschine |
Antrieb | Konstant-Übersetzung; Vorderrad |
Leistung | 99 kW / 135 PS |
Max. Drehmoment | 250 Nm |
Kapazität / Spannung | 61,0 kWh / 400 V |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 4155 / 1800 / 1505 mm |
Leergewicht / Zuladung | 1555 / 540 kg |
Kofferraumvolumen | 441 – 1213 l |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 9,5 s |
Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 14,1 kWh |
Reichweite | 484 km |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 32.950 € |
Alle Daten Werksangaben für den Hyundai Ioniq 3 mit 61-kWh-Batterie; Grundpreis mit 42-kWh-Batterie: 28.950 Euro | |
















