Tesla: Börsenaufsicht & Gewinn (Verlust) Musk muss sich Tweets vorab genehmigen lassen

von Alexander Koch 29.04.2019
Inhalt
  1. April 2019: Tesla macht wieder Verlust (kein Gewinn)
  2. Tesla: Einigung mit Börsenaufsicht & Stellenabbau
  3. Oktober 2018: FBI-Ermittlungen gegen Tesla
  4. Oktober 2018: Tesla schreibt Gewinn
  5. Oktober 2018: Musk einigt sich mit US-Börsenaufsicht 
  6. Juli 2018: Tesla-Fabrik in Shanghai (China) bestätigt
  7. Juni 2018: Ex-Mitarbeiter erhebt Vorwürfe gegen Tesla
  8. Januar 2018: Vertragsverlängerung für Tesla-Chef Musk

Nach einem halben Jahr mit Gewinnen ist Tesla im April 2019 wieder tief in die roten Zahlen gerutscht. Und: Alles zur Auseinandersetzung zwischen Tesla-Chef Elon Musk un der Börsenaufsicht. Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Rückschlag für Tesla-Chef Elon Musk: Der Verkaufsstart des Model 3 in Europa hat dazu geführt, dass der Elektroauto-Hersteller im April 2019 zunächst wieder Verluste macht. Im vergangenen Quartal gab es einen Verlust von 702 Millionen Dollar, wie Tesla nach US-Börsenschluss Ende April 2019 mitteilte. Zwar stieg der Umsatz im Jahresvergleich von 3,4 auf 4,54 Milliarden Dollar – verglichen mit dem vorherigen Quartal ist das aber ein Rückgang um 37 Prozent. Mit schwarzen Zahlen rechnet der Elektroauto-Hersteller erst Mitte 2019 wieder. Tesla verwies darauf, dass mit Beginn der Model-3-Auslieferungen in Europa und Asien viele Fahrzeuge zum Ende des Quartals noch auf dem Weg zu den Kunden gewesen seien. Damit würden diese Verkäufe erst im laufenden Vierteljahr verbucht. Zudem sei rund die Hälfte der Auslieferungen im ersten Quartal 2019 erst in den letzten zehn Tagen erfolgt. Bisher wird der Hoffnungsträger Model 3 nur in Kalifornien gebaut, Tesla-Chef Elon Musk sprach in dem Zusammenhang vom größten logistischen Problem, das er bisher erlebt habe. Außerdem werden die langen Lieferwege laut Tesla im gesamten Jahr dafür sorgen, dass deutlich mehr Autos gebaut als ausgeliefert werden dürften: 360.000 bis 400.000 Fahrzeuge sollen in diesem Jahr an Kunden gehen. Da sich zugleich die Auslieferungen für die älteren Modelle S und X halbierten, vermuten Analysten, dass das günstigere Model 3 zu diesem Rückgang führt. Musik betonte aber, die Fahrzeuge sprächen aus Sicht von Tesla verschiedene Käuferschichten an. Mehr zum Thema: Das kostet das Tesla Model S

Elektroauto Tesla Model Y (2019)
Tesla Model Y (2019): Motor & Ausstattung Model Y soll im Herbst 2020 starten

Geschichte Teslas im Video:

 
 

April 2019: Tesla macht wieder Verlust (kein Gewinn)

Nach einer Einigung mit der US-Börsenaufsicht SEC muss sich Tesla-Chef Elon Musk auf deutliche Einschränkungen in seinem Verhalten bei Twitter einstellen. Er soll eine lange Liste von Themen bekommen, zu denen er sich jegliche Kommunikation vorab von einem in Wertpapierfragen erfahrenen Anwalt freigeben lassen muss. Dazu zählen unter anderem Finanzen, Produktionsziele, Übernahmen und Fusionen, die den Elektroautobauer betreffen. Die Vereinbarung muss noch von der zuständigen Richterin gebilligt werden. Der Grund für die Auseinandersetzung mit der Börsenaufsicht war ein Tweet des Firmenchefs, den er am 19. Februar 2019 auf Twitter absetzte: "Tesla baute 0 Autos 2011, aber wird 2019 rund 500 000 bauen". In ihm sah die Börsenaufsicht einen Verstoß gegen Auflagen, die Tesla-Boss Musk einhalten muss, seitdem ein Vergleich den im Herbst 2018 erstmals eskalierten Streit zwischen ihm und der Börsenaufsicht beendete. Die Auflagen untersagen dem Firmenchef, marktbewegende Nachtrichten eigenmächtig über seine Social-Media-Kanäle abzusetzen. Er muss alle Meldungen, die den Aktienkurs beeinflussen könnten, vom Unternehmen prüfen lassen. Musk selbst reagierte bereits kurz nach der eigenen Veröffentlichung und relativierte die 500.000 Autos als eine auf das Jahr hochgerechnete Produktionsrate, die Ende 2019 erreicht werden könnte. Das würde sich in etwa mit den zuvor von Tesla kommunizierten Zahlen decken. Die Meldung ließ die Tesla-Aktie nachbörslich um zeitweise mehr als fünf Prozent fallen. Bereits 2018 hatten sich Börsenaufsicht und Musk darauf verständigt, dass der Tesla-Chef sich alle kursrelevanten Tweets freigeben lassen muss. Wie konkret entschieden wird, ob die Nachrichten Einfluss auf Teslas Aktienkurs haben könnten, war jedoch nich klar geregelt – und kein einziger Musk-Tweet war seitdem vorab überprüft worden.

 

Tesla: Einigung mit Börsenaufsicht & Stellenabbau

Um sein Model 3 günstiger anbieten zu können, will Tesla Arbeitsplätze streichen. Der geplante Abbau von sieben Prozent der Vollzeitstellen, soll Kosten einsparen. Die Produktion will Tesla-Chef Elon Musk hingegen hochfahren. Das soll ermöglichen, dass Tesla sein 3er-Modell in der Stadardversion für 35.000 US-Dollar anbieten kann. Derzeit liegt der Einstiegspreis noch bei 44.000 Dollar. In dem Memo, das Musk zum geplanten Stellenabbau an seine Mitarbeiter verschickte, schrieb der Tesla Chef angeblich auch, dass erste Berechnungen auf ein schwächeres Ergebnis im vierten Quartal im Vergleich zu den drei Vormonaten hinwiesen.

 

Oktober 2018: FBI-Ermittlungen gegen Tesla

Das FBI ermittelt gegen Tesla. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, seien die von der US-Staatsanwaltschaft geleiteten strafrechtlichen Untersuchungen gegen den US-Autobauer Ende Oktober 2018 intensiviert worden. Gegenstand der Ermittlungen ist die Frage, ob Tesla falsche Produktionszahlen zum Model 3 angegeben hat. Teslas Pressestelle habe eingeräumt, dass das Justizministerium zu den Prognosen der Model-3-Produktion Dokumente angefordert habe. Dies läge aber schon Monate zurück. Außerdem habe der Autobauer kooperiert und seitdem weder Anfragen noch Vorladungen erhalten. Nach wie vor kämpft der Autobauer darum, die Produktionszahlen des Model 3 hochzufahren. Das FBI überprüft nun, ob das Unternehmen wissentlich Produktionsziele ausgab, die nicht möglich gewesen seien, um so Investoren zu täuschen. 

 

Oktober 2018: Tesla schreibt Gewinn

Tesla macht im Oktober 2018 erstmals nach zwei Jahren wieder Gewinn: Im dritten Quartal des laufenden Jahres hat der E-Autobauer 311,5 Millionen US-Dollar (274 Millionen Euro) erwirtschaft, wie das Unternehmen am Mittwoch, 24. Oktober 2018, nach US-Börsenschluss bekanntgab. Exakt ein Jahr zuvor hatte der Autobauer noch 619 Millionen US-Dollar Verlust gemacht. Grund für die schwarzen Zahlen ist die gestiegene Produktion des Tesla Model 3 (wöchentliche Produktionsrate: 5300 Model Stück), durch das die Erlöse um rund 130 Prozent auf 6,8 Milliarden US-Dollar gestiegen sind. Damit übertraf Tesla seine eigenen Erwartungen, was die Börse mit um bis zu 14 Prozent gestiegenen Aktien honorierte. Tatsächlich aber hatte Tesla-Chef Elon Musk schon Monate zuvor angekündigt, dass der Autobauer im Oktober 2018 die Verlustzone verlassen würde. Zuletzt hatte Tesla Schlagzeilen gemacht, in dem es Zulieferer um finanzielle Hilfen gebeten und Mitarbeiter entlassen hat. Wie viele der Medienberichten zufolge 3000 zur Disposition stehenden Jobs tatsächlich wegfielen, ist unklar. 

Elektroauto Tesla Model 3 (2017)
Tesla Model 3 (2018): Motor & Reichweite Basis-Model 3 wird teurer

 

Oktober 2018: Musk einigt sich mit US-Börsenaufsicht 

Tesla-Chef Elon Musk hat sich im Herbst 2018 mit der US-Börsenaufsicht geeinigt und kommt in der gegen ihn angstrengten Klage wegen Marktmanipulation mit einem blauen Auge davon. Zwar kann er Firmenchef des US-Autobauers bleiben, muss aber den Vorsitz im übergeordneten Verwaltungsrat und damit die alleinige Macht über den Autobauer für mindestens drei Jahre abgeben. Neu besetzt ist der Posten seit dem 9. November 2018 mit Robyn Denholm. Auch Tweets, die den Aktienkurs beeinflussen könnten, muss Musk künftig kontrollieren lassen. Und er wie Tesla zahlen jeweils 20 Millionen US-Dollar (rund 17,2 Mio Euro) Strafe. Hintergrund sind Tweets aus dem August 2018, als Musk angekündigt hatte, den Elektroautobauer zum Preis von 420 US-Dollar je Aktie von der Börse nehmen zu wollen. "Finanzierung gesichert", hatte er seinerzeit vermeldet. Das Vorhaben hatte viel Aufmerksamkeit erregt, weil es zum einen überraschend kam und zum zweiten viel Kapital dafür nötig gewesen wäre. Nur zwei Wochen später hat der Tesla-Chef den Plan wieder beerdigt. Wegen des Verdachts auf Marktmanipulation schlossen sich Investoren zu Sammelklagen zusammen. Auch die Börsenaufsicht SEC hatte daraufhin ermittelte daraufhin und warf Musk in der Klage vom Freitag, 28. September 2018, vor, in der Sache falsche und irreführende Angaben gemacht zu haben. Der Tesla-Chef wiederum hatte die Klage als ungerechtfertigt bezeichnet.

 

Juli 2018: Tesla-Fabrik in Shanghai (China) bestätigt

Tesla eröffnete im Juli 2018 die Pläne, in China eine Fabrik bauen zu wollen. Diese soll bei Shanghai in China entstehen. Die Kapazität der Anlage soll 500.000 Fahrzeuge im Jahr betragen. Die Produktionsstätte soll eine so genannte Gigafactory werden, die Fahrzeug- und Batterie-Produktion an einem Standort umfasst. Man wolle vom stark wachsenden Markt der Elektroautos im Reich der Mitte profitieren. Gleichzeitig entgeht der Autobauer so den erhöhten Einfuhrzöllen auf Fahrzeuge aus US-Produktion. Aus diesem Grunde musste man jüngst erst die eigenen Preise für Neuwagen auf dem chinesischen Markt erhöhen. Tesla in China sind nun etwa 70 Prozent teurer als auf dem heimischen Markt in den USA.

 

Juni 2018: Ex-Mitarbeiter erhebt Vorwürfe gegen Tesla

Der von Tesla-Chef Elon Musk der Sabotage bezichtigte und wegen Datenklaus, Geheimnisverrats und mutwilliger Geschäftsschädigung verklagte Ex-Mitarbeiter hat den Autobauer im Juni 2018 bei der US-Börsenaufsicht SEC angezeigt. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wirft er Tesla vor, die wöchentlichen Produktionszahlen des Tesla Model 3 um bis zu 44 Prozent höher angegeben zu haben als sie tatsächlich lauten. Außerdem behauptet er, Tesla habe im Model 3 fehlerhafte und schlecht verarbeitete Batterien eingebaut. Tesla hatte im Juni 2018 Klage gegen den ehemaligen Mitarbeiter eingereicht, der einige Monate in der "Gigafactory" im US-Bundesstaat Nevada gearbeitet hatte. Der Autobauer wirft ihm vor, sich ins System gehackt und dort Änderungen vorgenommen zu haben. Der Beschuldigte soll mehrere Gigabyte an internen Daten an Dritte weitergegeben und falsche Angaben gegenüber den Medien gemacht haben. Tesla gehe davon aus, dass der Angestellte "mutwillig und arglistig" gehandelt habe, um dem Unternehmens gezielt zu schaden, heißt es in der Anklageschrift. Der Angestellte habe unter falschen Nutzernamen direkte Änderungen an Teslas Produktionssystem vorgenommen und große Mengen hochsensibler Daten an Dritte herausgegeben. Sein Motiv sei eine gewünschte Beförderung gewesen, die ihm versagt wurde. Der 40-jährige Beklagte wiederum streitet ab, sich in Teslas Produktionssystem gehackt zu haben – dazu habe er gar nicht die Fähigkeiten. Mehr zum Thema: Tesla Roadster ins All geschossen

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Januar 2018: Vertragsverlängerung für Tesla-Chef Musk

Trotz der schweren Kritik des ehemaligen GM-Chefs Bob Lutz hat Tesla-Fimenchef Elon Musk im Januar 2018 seinen Vertrag für weitere zehn Jahre verlängert. Allerdings wird dem Chef des Elektro-Autobauers kein Gehalt ausgezahlt, er soll ausschließlich mit Aktien bezahlt werden. Diese Entlohnung ist zusätzlich an wirtschaftlichen Erfolg gekoppelt. Musks Ziele für die nächsten Jahre sind sehr sportlich gesteckt: So hat sich Tesla vorgenommen, seinen Börsenwert in 50-Milliarden-US-Dollar-Schritten bis hin zu 650 Milliarden US-Dollar zu vervielfältigen. Im Januar 2018 war Tesla 59 Milliarden US-Dollar wert. Wenn Musk jede Stufe der verfolgten Börsenwerte erreicht, erhält er 1,69 Millionen Aktien, was derzeit ein Prozent am Unternehmen bedeutet.

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