Musk plant Tesla-Rückzug von Börse: Privatisierung Musk twittert Privatisierungs-Gedanken

von Alexander Koch 08.08.2018
Inhalt
  1. Musk erwägt Tesla-Rückzug von Börse & Privatisierung
  2. Tesla-Quartalsbericht: Verlust verdoppelt
  3. Entlassungen: Tesla braucht dringend Geld
  4. Ex-Mitarbeiter erhebt Vorwürfe gegen Tesla
  5. Tesla-Fabrik in Shanghai (China) bestätigt
  6. Elon Musk löscht Tesla-Facebook-Seite
  7. Ex-GM-Chef Bob Lutz: Tesla Pleite kommt
  8. Vertragsverlängerung für Tesla-Chef Musk

Schlagzeilen bei Tesla: Elon Musk erwägt die Privatisierung mittels Rückzug von der Börse, nachdem bekannt wurde, dass der Staatsfonds Saudi Arabiens Anteile am Unternehmen hält. Dazu: Der Autobauer verdoppelt seinen Verlust und bittet Zulieferer angeblich um Geld. Entlassung von 3000 Mitarbeitern und die Planung einer neuen Fabrik in China!

Tesla kommt nicht zur Ruhe und erwägt in Person Elon Musks die Privatisierung durch einen Rückzug von der Börse. Am 7. August 2018 wird bekannt, dass der Saudi-Arabische Staatsfonds PIF zwischen drei und fünf Prozent Anteile am US-amerikanischen Autobauer hält. Das entspricht einem Wert von 1,7 bis 2,9 Milliarden US-Dollar. Laut "Financal Times" kam der Fonds über Umwege an die Anteile, nachdem eine offizielle Anfrage an Musk und Tesla bezüglich neu ausgegebener Aktien nicht erfolgreich war. Mithilfe der Großbank JPMorgan kaufte man daraufhin bereits ausgegebene Tesla-Aktien. Kurze Zeit später, noch am gleichen Tag, brachte Musk mit einem Tweet die Börse zum Beben: Er "erwäge Tesla für 420 Dollar zu privatisieren. Finanzierung gesichert". Nach einer anschließenden Schlingerfahrt der Aktie, entschied man sich dazu, den Handel auszusetzen. In einer späteren E-Mail an seine Angestellten bestätigte er entsprechende Pläne um in Zukunft ohne den Druck von Quartalszahlen, Einfluss von Spekulanten und wilde Kurssprünge operieren zu können. Nachdem der Handel wieder aufgenommen wurde, stieg der Wert der Tesla-Aktie und schloss mit einem Tagesplus von fast elf Prozent ab. Mehr zum Thema: Das kostet das Tesla Model S

Elektroauto Tesla Model 3 (2017)
Tesla Model 3: Goodwood Festival of Speed 2018  

Europa-Premiere in Goodwood

Geschichte Teslas im Video:

 
 

Musk erwägt Tesla-Rückzug von Börse & Privatisierung

Der Quartalsbericht, den Tesla am 1. August 2018 präsentierte, weist eine Verdopplung des Verlusts aus. Ein Minus von umgerechnet 615 Millionen Euro stand demnach zu Buche. Firmenchef Elon Musk sprach allerdings davon, dass man kurz davor seie, nachhaltig profitabel zu werden. Großen Anteil daran soll das Model 3 haben, dessen Produktion nun richtig Fahrt aufzunehmen scheint. Man geht davon aus, dass man ab Ende August 6000 Model 3 pro Woche produzieren werde und auch die Wochenproduktion von 10.000 Stück soll schon bald realisiert werden. Musk teilte mit, dass man ab einer Wochenproduktion von 7000 Einheiten profitabel wirtschaften werde. Die positiven Aussichten reichten aus, um die Aktie nachbörslich um über neun Prozent in die Höhe zu treiben. Wohl auch ein Grund: Der stark gestiegene Umsatz um mehr als 40 Prozent auf 4,0 Milliarden Dollar. Tesla produzierte im abgelaufenen Quartal 53.339 Fahrzeuge, davon entfielen 18.449 Exemplare auf das neue Model 3.

 

Tesla-Quartalsbericht: Verlust verdoppelt

Tesla braucht einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge dringend Geld und bittet Zulieferer um finanzielle Hilfen. Die Firma von Tech-Milliardär Elon Musk habe Zulieferbetriebe gebeten, einen großen Teil der seit 2016 geleisteten Zahlungen zurückzuerstatten, schrieb das Magazin unter Berufung auf ein entsprechendes Schreiben. Der Brief formuliere die finanzielle Hilfe als entscheidend für die Fortführung des Geschäfts und als Unterstützung bei Teslas Bemühen, profitabel zu werden. Tatsächlich bestätigte der Autobauer, sich um niedrigere Preise bei Zulieferern zu bemühen, ohne dabei auf das Schreiben oder den Artikel weiter einzugehen. Es handele sich um eine gängige Verhandlungspraxis, um die Wettbewerbsfähigkeit Teslas zu erhöhen. "Es ist einfach aberwitzig und zeigt, dass Tesla momentan verzweifelt ist", zitierte die Zeitung einen langjährigen Branchenkenner und kritischen Experten. Tesla-Chef Musk hatte angekündigt, dass der Autobauer im dritten und vierten Quartal 2018 schwarze Zahlen schreiben werde. In der fast 15-jährigen Tesla-Geschichte wurde noch kein einziger Jahresgewinn gemacht. Sein rasantes Wachstum bezahlte der Autobauer zuletzt mit immer größeren Verlusten. 2017 stand unter dem Strich ein Minus von fast zwei Milliarden Dollar. Zusätzlich verschlang der holperige Produktionsstart des Tesla Model 3 viel Geld.

 

Entlassungen: Tesla braucht dringend Geld

Um profitabler zu werden, plant Tesla zusätzlich, neun Prozent seiner Mitarbeiter zu entlassen, um profitabler zu werden. Letzteres verkündete CEO Elon Musk der Belegschaft in einer E-Mail Mitte Juni 2018. Die Entscheidung sei "schwierig, aber notwendig", um "Kosten zu senken und profitabel zu werden". Wie viele Kündigungen es konkret werden, ist nicht eindeutig. Doch nimmt man den letzten Jahresbericht von Tesla zugrunde, arbeiteten beim US-amerikanischen Autobauer Ende 2017 rund 37.500 Mitarbeiter. Demzufolge entsprächen neun Prozent rund 3000 Jobs, die wegfallen sollen. Angesichts der rasanten Expansion und der Einstellungsoffensive im Zusammenhang mit dem Tesla Model 3 dürfte die Beschäftigung 2018 aber noch einmal kräftig gestiegen sein, es könnten also noch mehr Stellen auf der Kippe stehen. Jobs in der Produktion würden nicht gestrichen, die Fertigung des Model 3 bleibe unberührt, teilt Elon Musk weiter mit. Der Gewinn sei für ihn und Tesla keine Motivation, ohne gehe es langfristig aber auch nicht: "Wir werden unsere Mission niemals erfüllen können, wenn wir nicht irgendwann demonstrieren, dass wir dauerhaft profitabel sein können".

 

Ex-Mitarbeiter erhebt Vorwürfe gegen Tesla

Der von Tesla-Chef Elon Musk der Sabotage bezichtigte und wegen Datenklaus, Geheimnisverrats und mutwilliger Geschäftsschädigung verklagte Ex-Mitarbeiter hat den Autobauer bei der US-Börsenaufsicht SEC angezeigt. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wirft er Tesla vor, die wöchentlichen Produktionszahlen des Tesla Model 3 um bis zu 44 Prozent höher angegeben zu haben als sie tatsächlich lauten. Außerdem behauptet er, Tesla habe im Model 3 fehlerhafte und schlecht verarbeitete Batterien eingebaut. Tesla hatte im Juni 2018 Klage gegen den ehemaligen Mitarbeiter eingereicht, der einige Monate in der "Gigafactory" im US-Bundesstaat Nevada gearbeitet hatte. Der Autobauer wirft ihm vor, sich ins System gehackt und dort Änderungen vorgenommen zu haben. Der Beschuldigte soll mehrere Gigabyte an internen Daten an Dritte weitergegeben und falsche Angaben gegenüber den Medien gemacht haben. Tesla gehe davon aus, dass der Angestellte "mutwillig und arglistig" gehandelt habe, um dem Unternehmens gezielt zu schaden, heißt es in der Anklageschrift. Der Angestellte habe unter falschen Nutzernamen direkte Änderungen an Teslas Produktionssystem vorgenommen und große Mengen hochsensibler Daten an Dritte herausgegeben. Sein Motiv sei eine gewünschte Beförderung gewesen, die ihm versagt wurde. Der 40-jährige Beklagte wiederum streitet ab, sich in Teslas Produktionssystem gehackt zu haben – dazu habe er gar nicht die Fähigkeiten. Mehr zum Thema: Tesla Roadster ins All geschossen

 

Tesla-Fabrik in Shanghai (China) bestätigt

Tesla glaubt an seine Zukunft, eröffnet zur Expansion eine Fabrik in China. Diese soll bei Shanghai in China entstehen. Die Kapazität der Anlage soll 500.000 Fahrzeuge im Jahr betragen. Die Produktionsstätte soll eine so genannte Gigafactory werden, die Fahrzeug- und Batterie-Produktion an einem Standort umfasst. Man wolle vom stark wachsenden Markt der Elektroautos im Reich der Mitte profitieren. Gleichzeitig entgeht der Autobauer so den erhöhten Einfuhrzöllen auf Fahrzeuge aus US-Produktion. Aus diesem Grunde musste man jüngst erst die eigenen Preise für Neuwagen auf dem chinesischen Markt erhöhen. Tesla in China sind nun etwa 70 Prozent teurer als auf dem heimischen Markt in den USA.

 

Elon Musk löscht Tesla-Facebook-Seite

Elektro-Pionier und Querdenker Elon Musk geht im jüngst bekanntgewordenen Datenskandal um Facebook einen drastischen Schritt: Der Milliardär hat die Facebook-Seiten seiner beiden Unternehmen Tesla und SpaceX "gelöscht". Ob des sich um einen dauerhaften Protest seitens Musk handelt, oder ob die Seiten von Tesla und SpaceX wieder aktiviert werden, gab der gebürtige Südafrikaner noch nicht bekannt. Die aktuelle Schieflage beim Social-Netzwerk Facebook wurde durch den Datenklau des Unternehmens Cambridge Analytica hervorgerufen. Rund 50 Millionen Facebook-Profile sollen ausgespäht worden sein. Andere Unternehmen, beispielsweise Mozilla (Firefox) und Sonos (Lautsprecher) haben angekündigt, auf absehbare Zeit keine Werbung mehr auf Facebook zu schalten.

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Neuer Tesla Roadster fährt 402 km/h

 

Ex-GM-Chef Bob Lutz: Tesla Pleite kommt

Ex-GM-Chef Robert "Bob" Lutz prophezeit das baldige Ende von Tesla. Der General-Motors-Veteran rät Sammlern seltener Fahrzeuge, sich so schnell wie möglich ein Tesla Model S zuzulegen. Er ist der Meinung, dass die Geschäftspraktiken von Firmenchef Elon Musk keinen Erfolg haben werden und  dass die Relation zwischen Umsätzen und Kosten nicht stimme. "Die Umsätze müssen höher sein als die Kosten." Ein weiteres Problem besteht laut Bob Lutz darin, dass beispielsweise Tesla und GM etwa eine Milliarde US-Dollar pro Quartal investieren, Tesla diese Kosten aber nicht mit den laufenden Gewinnen decken könne. Der 85-Jährige sehe bei Tesla außerdem keine einzigartige Technik und somit auch keinen technologischen Vorsprung gegenüber etablierten Herstellern wie GM, Ford, BMW, Daimler und VW. Daneben hapert es für Lutz auch an einem fehlenden Händlernetz, zu hohen monatlichen Fixkosten und ineffizienten Produktionsverhältnissen. Daher ist der GM-Veteran überzeugt, dass das Produkt Tesla zwar sehr gut ist, aber Chef Musk falsche Entscheidungen trifft. Ob er tatsächlich Recht behält, wird Tesla in der Zukunft zeigen. Bob Lutz war seit 1963 in der Automobilindustrie für General Motors, Ford, BMW und Chrysler tätig.

 

Vertragsverlängerung für Tesla-Chef Musk

Trotz der schweren Kritik des ehemaligen GM-Chefs Bob Lutz hat Tesla-Fimenchef Elon Musk im Januar 2018 seinen Vertrag für weitere zehn Jahre verlängert. Allerdings wird dem Chef des Elektro-Autobauers kein Gehalt ausgezahlt, er soll ausschließlich mit Aktien bezahlt werden. Diese Entlohnung ist zusätzlich an wirtschaftlichen Erfolg gekoppelt. Musks Ziele für die nächsten Jahre sind sehr sportlich gesteckt: So hat sich Tesla vorgenommen, seinen Börsenwert in 50-Milliarden-US-Dollar-Schritten bis hin zu 650 Milliarden US-Dollar zu vervielfältigen. Im Januar 2018 war Tesla 59 Milliarden US-Dollar wert. Wenn Musk jede Stufe der verfolgten Börsenwerte erreicht, erhält er 1,69 Millionen Aktien, was derzeit ein Prozent am Unternehmen bedeutet.

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