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Tankrabatt: Bilanz & So geht's weiter Zwiespältiger Erfolg der dreimonatigen Spritpreissenkung

Victoria Zippmann 21.09.2022
Energiesteuer
Foto: Imago
Inhalt
  1. ADAC-Bilanz zum Tankrabatt
  2. Wird der Tankrabatt verlängert?
  3. Wie will die Bundesregierung das Problem zu hoher Spritpreise künftig lösen?
  4. Wie stark ist der Spritpreis nach Auslaufen des Tankrabatts wieder gestiegen?
  5. Hat sich am Fahrverhalten der Deutschen etwas geändert?
  6. Umfrage: Was ist die Benzinpreis-Schmerzgrenze der Deutschen?
  7. Welche Kritik gab es am Tankrabatt?
  8. Was war das Ziel der Spritsteuersenkung?
  9. Wie teuer war der Tankrabatt für den Bund?
  10. Seit wann & wie lang galt die Spritsteuersenkung?

Um die hohen Spritpreise auszugleichen, erfolgte eine temporäre Spritpreissenkung. Wie die Bilanz des dreimonatigen Tankrabatts ausfällt, ob er noch einmal wiederkommt und wie die Politik auf allgemein hohe Spritpreise reagieren will, fasst die AUTO ZEITUNG hier zusammen (Stand: 16.09.2022)!

 

ADAC-Bilanz zum Tankrabatt

Der ADAC sieht beim Tankrabatt Licht und Schatten. Einer Umfrage aus dem Frühjahr 2022 zufolge verzichten Autofahrer:innen bereits in einer hohen Zahl auf Fahrten, um Energie und Kosten einzusparen. Aktuell, im September 2022, lassen 45 Prozent der Befragten das Auto teilweise stehen. Diese Zahl ist allerdings gegenüber dem Frühjahr um vier Prozent gesunken. Der ADAC erklärt das einerseits mit der allgemein in den Sommermonaten steigenden (Reise-)Mobilität. Andererseits scheinen sich Autofahrenden an die hohen Spritpreise eine Stück weit gewöhnt zu haben. Nicht zuletzt hat aber auch der Tankrabatt seinen Teil dazu beigetragen, den Kostendruck zu senken. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn Autofahrer:innen nach ihrer Fahrweise befragt werden. Ein großer Teil der Befragten (47 Prozent) passt zwar bereits seine Fahrweise an, um Kraftstoff zu sparen, aber auch hier ist die Zahl leicht rückläufig. Für den ADAC bedeutet das, dass eine Fortsetzung des Tankrabatts zwar vordergründig wünschenswert erscheinen mag, aber den Bedarf zum Energiesparen in der für den Herbst 2022 zu erwartenden Energieknappheit nicht hinreichend unterstützen würde. ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand: "Wir müssen bessere Wege für eine Entlastung der Bevölkerung suchen. Deshalb schlagen wir vor, direkte Entlastungen im Mobilitätssektor auf besonders Betroffene zu konzentrieren, also auf Berufspendler und fordern, die Entfernungspauschale für den Arbeitsweg bereits ab dem ersten Kilometer auf 38 Cent zu erhöhen. Jenseits dessen sollten Entlastungen außerhalb des Mobilitätsbereichs umgesetzt werden, um die breite Betroffenheit der Menschen bei Wärme, Strom und Kraftstoffen gesamthaft zu berücksichtigen." Nach Angaben des ADAC hat der Tankrabatt zwar dazu geführt, dass die Preise gesunken sind. "Dabei ist die Steuersenkung allerdings insgesamt nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben worden", kritisiert der ADAC Verkehrspräsident. Zuletzt habe sich die Mineralölwirtschaft bereits wieder ein Preispolster verschafft. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

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Wird der Tankrabatt verlängert?

Angesichts stark steigender Energiepreise hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gefordert, den am 31. August 2022 ausgelaufenen Tankrabatt zu verlängern. "Ich bin für die Fortsetzung", sagte der SPD-Politiker am 29. August 2022 dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das helfe "vor allem Pendlern, die nun einmal viel unterwegs sein müssen". Auch in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" sprach er sich dafür aus, den Tankrabatt zu verlängern. Um einen weiteren Anstieg zu verhindern, müsse notfalls der Stromhandel an der Börse in Leipzig ausgesetzt werden: "Die Regeln der Strombörse passen nicht für die aktuelle Lage", sagte er. Allem Anschein nach handele es sich vor allem "um riesige Spekulationsgewinne, die derzeit eingefahren werden". Denn anders als beim Gas sei die Menge der verfügbaren Energie, mit Ausnahme außergewöhnlich hoher Exporte nach Frankreich nicht geringer als in den Vorjahren.

 

Wie will die Bundesregierung das Problem zu hoher Spritpreise künftig lösen?

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Grüne) droht den Ölkonzernen mit einem harten Durchgreifen. Er will das Kartellrecht verschärfen und notfalls auch eine Zerschlagung der Unternehmen ermöglichen. Zudem sollen unrechtmäßige Gewinne leichter abgeschöpft werden können. Das sieht im Kern ein Positionspapier des Bundeswirtschaftsministeriums vor, über das am 12. Juni 2022 zunächst der "Spiegel" berichtete. "Das greift zwar jetzt nicht mehr für den Tankrabatt, aber es schärft die Schwerter für die Zukunft und sendet das klare Signal, dass Bereicherung auf Kosten anderer nicht so einfach geht."

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Wie stark ist der Spritpreis nach Auslaufen des Tankrabatts wieder gestiegen?

Nach dem Ende des Tankrabatts sind die Kraftstoffpreise massiv gestiegen. Insbesondere der Preis für Benzin ist regelrecht explodiert. Wie die aktuelle ADAC-Auswertung der Kraftstoffpreise am 2. September 2022 zeigte, kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel 1,992 Euro, das ist ein Anstieg von 21,6 Cent im Vergleich zur Vorwoche. Auch Diesel ist binnen Wochenfrist deutlich teurer geworden. Ein Liter kostet aktuell 2,157 Euro, das sind 8,2 Cent mehr als vor einer Woche. Damit war Diesel am 2. September 2022 16,5 Cent teurer als Super E10 – so groß war die Differenz zwischen den beiden Sorten noch nie ohne den Sondereffekt des Tankrabatts. Die Energiesteuer auf Diesel ist seit 1. September 2022 wieder rund 21 Cent niedriger ist als auf Benzin, dies spiegelt sich jedoch in den aktuellen Preisen in keiner Weise wider. Obwohl erst nach dem Ende des Tankrabatts am 31. August 2022 die Steuerbelastung bei Benzin um 35 Cent je Liter und bei Diesel um 17 Cent gestiegen ist, wurden die Kraftstoffpreise insbesondere in der zweiten Augusthälfte bereits massiv angehoben. So sind die Preise laut ADAC damals um rund sieben Cent bei Super E10 und 15 Cent beim Diesel gestiegen, obwohl der Ölpreis auf ähnlichem Niveau liegt.

 

Hat sich am Fahrverhalten der Deutschen etwas geändert?

Eine spritsparendere Fahrweise lässt sich laut einer Auswertung von TomTom-Navigationsdaten für das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus nicht beobachten, berichtet das Nachrichtenportal tagesschau.de. Das Ergebnis der erstmals in diesem Umfang durchgeführten Auswertung: Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen betrug im Mai 2022 104 km/h und im Februar 2022, vor dem rasanten Anstieg der Kraftstoffpreise, 105 km/h. "Die Deutschen fahren wie früher, und Geld scheint keine Rolle zu spielen", sagt TomTom-Datenanalyst Ralf-Peter Schäfer der Tagesschau. Rund ein Viertel der deutschen Autofahrenden fährt zudem unverändert im Durchschnitt 130 bis 150 km/h  – hier könnte man durch ein verringertes Tempo Treibstoff einsparen. Laut dem ADAC Nordrhein seien je nach Automodell und Fahrweise etwa 20 Prozent Einsparung möglich. Würden Autofahrer:innen sich auf eine Geschwindigkeit von 100 km/h beschränken, "könnte der Kraftstoffverbrauch um über drei Millionen Liter gesenkt werden. Das würde gleichzeitig auch über neun Millionen Tonnen CO2 einsparen", sagt Claudia Kemfert vom Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Doch trotz Sparpotenzial und der Kritik an nach wie vor hohen Spritpreisen hat sich das Verhalten auf deutschen Autobahnen nicht geändert. Hauptgründe, wie sie Befragte an Autobahnraststätten der ARD-Wirtschaftssendung nannten, sind Zeitdruck, Druck von anderen schnellen Autos oder Tankkosten, die man nicht selbst bezahlen muss.

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Tankrabatt gescheitert: Kommentar Die Spritpreissenkung ist gescheitert

 

Umfrage: Was ist die Benzinpreis-Schmerzgrenze der Deutschen?

In einer repräsentativen Umfrage des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft (infas) im Rahmen der Continental-Mobilitätsstudie 2022 haben Befragte aus Deutschland angegeben, ab welchem Preis für Benzin sie sich Autofahren nicht mehr leisten können. Mehr als 50 Prozent könnten demnach ihr Auto nicht mehr nutzen, wenn der Preis pro Liter Benzin 2,80 Euro erreicht.

 

Welche Kritik gab es am Tankrabatt?

Nur einen Tag nach Einführung der Spritsteuersenkung verringerte sich die Ersparnis an der Tankstelle – und die Preise von Benzin und Diesel stiegen trotz des Tankrabatts wieder an. Auch ADAC-Berechnungen zufolge kam er nicht vollständig bei den Verbraucher:innen an. Obendrein hatten die Kraftstoffpreise vor der Einführung der Spritpreissenkung noch einmal kräftig angezogen. Laut ADAC war das Preisniveau über Wochen hinweg massiv überhöht – daran hatte sich bis zum 1. Juni 2022 und mit der Spritpreissenkung nichts geändert.

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Was war das Ziel der Spritsteuersenkung?

Das Ziel des Tankrabatts: Superbenzin wieder auf das Preisniveau vor Ausbruch des Ukraine-Krieges zurückführen. Am Tag vor dem russischen Angriff hatte die Sorte E10 im bundesweiten Durchschnitt noch 1,75 Euro pro Liter gekostet, am Tag danach waren es 2,103 Euro. Bei Diesel waren die Vorkriegswerte dagegen außer Reichweite – vor allem, weil die Spritpreissenkung aus rechtlichen Gründen geringer ausfällt. Zieht man sie vom Dieselpreis des 24. Februar 2022 ab, landete man mit dem Tankrabatt bei gut 1,85 Euro. Das sind fast 19 Cent mehr als vor Kriegsbeginn. Zudem waren auch die Werte vor Kriegsbeginn bereits sehr hoch. Noch bis Jahresbeginn 2022 hatte Diesel im bundesweiten Tagesschnitt nie 1,60 Euro und Super E10 nur an wenigen Tagen mehr als 1,70 Euro gekostet.

 

Wie teuer war der Tankrabatt für den Bund?

Der Tankrabatt entspricht dem in der EU erlaubten Mindestmaß und hatte staatliche Mindereinnahmen von 3,15 Milliarden Euro zur Folge.

Ratgeber Tanken (Symbolbild)
Aktueller Spritpreis Benzin stagniert, Diesel günstiger

 

Seit wann & wie lang galt die Spritsteuersenkung?

Der Tankrabatt galt vom 1. Juni bis 31. August 2022.
Mit dp

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