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Tankrabatt (Deutschland): Ab wann/Höhe Ein Monat Spritsteuersenkung – die Bilanz ist zwiespältig

Victoria Zippmann 01.07.2022
Energiesteuer
Foto: Imago
Inhalt
  1. Bilanz nach einem Monat Tankrabatt in Deutschland
  2. Seit wann & wie lang gilt die Spritsteuersenkung?
  3. Wie teuer ist der Tankrabatt für den Bund?
  4. Was ist das Ziel der Spritsteuersenkung?
  5. Welche Kritik gibt es am Tankrabatt?
  6. Hat sich am Fahrverhalten der Deutschen etwas geändert?
  7. Wie will die Bundesregierung das Problem zu hoher Spritpreise lösen?

Um die hohen Spritpreise auszugleichen, erfolgte im Juni 2022 eine temporäre Spritpreissenkung. Wie hoch der Tankrabatt ausfällt, fasst die AUTO ZEITUNG hier ebenso zusammen wie die Kritik und etwaige Lösungsvorschläge der Bundesregierung (Stand: 30.06.2022)!

 

Bilanz nach einem Monat Tankrabatt in Deutschland

Einen Monat nach dem Start sind viele Autofahrende enttäuscht vom Tankrabatt. An keinem Tag seit dem 1. Juni 2022 waren Benzin oder Diesel um die volle Höhe der Steuerentlastung billiger als am 31. Mai, wie aus aktuellen Zahlen des ADAC hervorgeht (Stand: 30.06.2022). Insbesondere bei Diesel wurde die Entlastung schnell von einem Preisanstieg aufgezehrt, sodass der Kraftstoff zwischenzeitlich sogar teurer war als vor der Spritpreissenkung. Zuletzt haben die Spritpreise wieder etwas nachgegeben. "Das Preisniveau ist weiter massiv überhöht – bei Superbenzin mindestens 25 Cent, bei Diesel noch deutlich mehr", sagte ADAC-Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht. "Im Moment geht es zwar bei Diesel ganz leicht in die richtige Richtung, aber die Preise müssen noch weit sinken, bis sie wieder angemessen sind. Für die Autofahrer ist das eine schwere Belastung", betonte er und warnt: "Nach wie vor besteht die Gefahr, dass sich das aktuell überhöhte Preisniveau durch einen Gewöhnungseffekt verfestigt." Dass die Spritpreise im Juni 2022 tendenziell stiegen, ist allerdings ein Effekt, der nicht nur in Deutschland auftrat, wie die Zahlen der EU-Kommission zeigen. Rechnet man den Effekt der Steuersenkung heraus, liegt Deutschland bei Superbenzin etwa im Mittelfeld, bei Diesel gehört es dagegen zu den Ländern mit den stärkeren Anstiegen. Das Bundeskartellamt verwies auf hohe Abstände der Spritpreise zu den Rohölpreisen im Juni 2022. Beobachtungen wie diese seien "ein wichtiger Indikator bei unserem engen Monitoring der Preisbewegungen insgesamt", sagte Präsident Andreas Mundt. Auch die Preisentwicklung in Nachbarländern könne "ergänzende Hinweise geben". Für belastbare Rückschlüsse sei aber eine vertiefte Analyse notwendig. "Genau hier soll unsere Sektoruntersuchung mit dem Schwerpunkt Raffinerien und Großhandel ansetzen und insbesondere die Marktstruktur, die Kostenstrukturen und die tatsächlichen Gewinnmargen näher beleuchten." Aktuell werden dafür laut Kartellamt etwa 20 deutsche Raffinerien umfassend befragt. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

Kommentar Tankrabatt (Kommentar)
Tankrabatt gescheitert: Kommentar Die Spritpreissenkung ist gescheitert

So setzt sich der Benzin- und Dieselpreis zusammen (Video):

 
 

Seit wann & wie lang gilt die Spritsteuersenkung?

Mit dem Tankrabatt ist die Energiesteuer mit dem 1. Juni 2022 bei Benzin um 29,55 Cent pro Liter, bei Diesel um 14,04 Cent gesunken. Berücksichtigt man auch die Auswirkung auf die Mehrwertsteuer, beträgt die Steuerentlastung pro Liter Benzin insgesamt 35,2 Cent und pro Liter Diesel 16,7 Cent. Die Spritpreissenkung gilt für die Monate Juni, Juli und August 2022.

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Aktueller Spritpreis Auf Niveau vor Tankrabatt

 

Wie teuer ist der Tankrabatt für den Bund?

Der Tankrabatt entspricht dem in der EU erlaubten Mindestmaß und hat staatliche Mindereinnahmen von 3,15 Milliarden Euro zur Folge.

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Was ist das Ziel der Spritsteuersenkung?

Das Ziel des Tankrabatts: Superbenzin wieder auf das Preisniveau vor Ausbruch des Ukraine-Krieges zurückführen. Am Tag vor dem russischen Angriff hatte die Sorte E10 im bundesweiten Durchschnitt noch 1,75 Euro pro Liter gekostet, am Tag danach waren es 2,103 Euro. Bei Diesel waren die Vorkriegswerte dagegen außer Reichweite – vor allem, weil die Spritpreissenkung aus rechtlichen Gründen geringer ausfällt. Zieht man sie vom Dieselpreis des 24. Februar 2022 ab, landet man mit dem Tankrabatt bei gut 1,85 Euro. Das sind fast 19 Cent mehr als vor Kriegsbeginn. Zudem waren auch die Werte vor Kriegsbeginn bereits sehr hoch. Noch bis Jahresbeginn 2022 hatte Diesel im bundesweiten Tagesschnitt nie 1,60 Euro und Super E10 nur an wenigen Tagen mehr als 1,70 Euro gekostet.

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Welche Kritik gibt es am Tankrabatt?

Nur einen Tag nach Einführung der Spritsteuersenkung verringerte sich die Ersparnis an der Tankstelle wieder – und die Preise von Benzin und Diesel stiegen an. Darum fordert der Bund der Steuerzahler e.V ein vorzeitiges Ende des Tankrabatts. "Am Ende erzeugt der Tankrabatt Verdruss über die Politik", sagt der Präsident des Steuerzahlerbundes im Interview mit der Augsburger Allgemeinen. Doch nicht nur, dass der Tankrabatt ADAC-Berechnungen zufolge nicht vollständig bei den Verbraucher:innen ankommt. Obendrein hatten die Kraftstoffpreise vor der Einführung der Spritpreissenkung noch einmal kräftig angezogen. Laut ADAC war das Preisniveau über Wochen hinweg massiv überhöht – daran hatte sich bis zum 1. Juni 2022 und der Spritpreissenkung nichts geändert.

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Hat sich am Fahrverhalten der Deutschen etwas geändert?

Trotz des Tankrabatts belasten hohe Spritpreise die Geldbeutel deutscher Autofahrer:innen, doch eine spritsparendere Fahrweise lässt sich laut einer Auswertung von TomTom-Navigationsdaten für das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus nicht beobachten, berichtet das Nachrichtenportal tagesschau.de. Das Ergebnis der erstmals in diesem Umfang durchgeführten Auswertung: Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen betrug im Mai 2022 104 km/h und im Februar 2022, vor dem rasanten Anstieg der Kraftstoffpreise, 105 km/h. "Die Deutschen fahren wie früher, und Geld scheint keine Rolle zu spielen", sagt TomTom-Datenanalyst Ralf-Peter Schäfer der Tagesschau. Rund ein Viertel der deutschen Autofahrenden fährt zudem unverändert im Durchschnitt 130 bis 150 km/h  – hier könnte man durch ein verringertes Tempo Treibstoff einsparen. Laut dem ADAC Nordrhein seien je nach Automodell und Fahrweise etwa 20 Prozent Einsparung möglich. Würden Autofahrer:innen sich auf eine Geschwindigkeit von 100 km/h beschränken, "könnte der Kraftstoffverbrauch um über drei Millionen Liter gesenkt werden. Das würde gleichzeitig auch über neun Millionen Tonnen CO2 einsparen", sagt Claudia Kemfert vom Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Doch trotz Sparpotenzial und der Kritik an nach wie vor hohen Spritpreisen, hat sich das Verhalten von Autofahrenden auf deutschen Autobahnen nicht geändert. Hauptgründe, wie sie Befragte an Autobahnraststätten der ARD-Wirtschaftssendung nannten, sind Zeitdruck, Druck von anderen schnellen Autos oder Tankkosten, die man nicht selbst bezahlen muss.

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Wie will die Bundesregierung das Problem zu hoher Spritpreise lösen?

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Grüne) droht den Ölkonzernen mit einem harten Durchgreifen. Er will das Kartellrecht verschärfen und notfalls auch eine Zerschlagung der Unternehmen ermöglichen. Zudem sollen unrechtmäßige Gewinne leichter abgeschöpft werden können. Das sieht im Kern ein Positionspapier des Bundeswirtschaftsministeriums vor, über das am 12. Juni 2022 zunächst der "Spiegel" berichtete. "Das greift zwar jetzt nicht mehr für den Tankrabatt, aber es schärft die Schwerter für die Zukunft und sendet das klare Signal, dass Bereicherung auf Kosten anderer nicht so einfach geht."
Mit dpa

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