508 SW/Superb Combi/Passat Variant: Vergleichstest Plug-in-Hybride im Kombi-Dreikampf

von Elmar Siepen 20.05.2020
Inhalt
  1. Peugeot 508 SW Hybrid, Skoda Superb Combi iV & VW Passat Variant GTE im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Adaptive Dämpfer gehören beim Skoda Superb Combi iV zur Serie
  3. Motor/Getriebe: Der Peugeot 508 SW Hybrid hinterlässt den spritzigsten Eindruck
  4. Fahrdynamik: Der VW Passat Variant GTE mit sportlichstem Fahrverhalten
  5. Umwelt/Kosten: Skoda Superb Combi iV siegt im Kosten-Kapitel
  6. Messwerte & technische Daten Peugeot 508 SW Hybrid, Skoda Superb Combi iV & VW Passat Variant GTE

Mit dem neuen Skoda Superb Combi iV, dem Peugeot 508 SW Hybrid 225e und dem VW Passat Variant GTE hat die Elektrowoge die Familienkombis erfasst. Wie spannend wird es? Welches Modell kann sich in diesem Vergleichstest durchsetzen?

Gesamtbewertung (max. Punkte)Peugeot 508 SW Hybrid 225e EAT8Skoda Superb Combi iVVW Passat Variant GTE
Karosserie (1000)646686692
Fahrkomfort (1000)719741744
Motor/Getriebe (1000)659643629
Fahrdynamik (1000)636588656
Eigenschaftswertung (4000)266026582721
Kosten/Umwelt (1000)347375361
Gesamtwertung (5000)300730333082
Platzierung321

In diesem Vergleichstest stellt sich der Peugeot 508 SW Hybrid den Konkurrenten Skoda Superb Combi iV und VW Passat Variant GTE. Bis vor wenigen Jahren galt der Umstieg auf ein Diesel-Fahrzeug als eine der effizientesten Möglichkeiten, den CO2-Ausstoß zu verringern. Doch seitdem nahezu täglich über schmelzende Gletscher berichtet wird und das Diesel-Image durch Abgasschummeleien unnötigerweise tiefe Kratzer erlitt, hat sich das Klima geändert. Die Plug-in Hybrid- Technik gilt als ein Weg zu mehr Umweltfreundlichkeit und befindet sich im Aufwind. Nicht zuletzt, weil der Kauf mit der Elektroprämie und der Unterhalt für Dienstwagennutzer mit einer niedrigeren Besteuerung gefördert werden. Folglich nimmt das Angebot an Fahrzeugen, unter deren Motorhauben Verbrenner und E-Maschinen gemeinsame Sache machen und die dank einer aufladbaren Batterie etliche Kilometer rein elektrisch fahren können, stetig zu. Wie effizient und alltagstauglich sie sind, klärt der Test.

Der Skoda Superb iV im Video:

 
 

Peugeot 508 SW Hybrid, Skoda Superb Combi iV & VW Passat Variant GTE im Vergleichstest

Erfreulicherweise geht die Hybrid-Technik beim Peugeot 508 SW Hybrid nicht zu Lasten des Platzangebots im Innenraum oder des Kofferraumvolumens. Beim VW Passat Variant GTE und beim Skoda Superb Combi iV verkleinert sich der Kofferraum (Skoda: 510 bis 1800; VW: 483 bis 1613 Litern) gegenüber den Verbrenner-Versionen (Skoda: 660 bis 1950; VW: 650 bis 1780 Liter) beträchtlich. Lademeister in diesem Vergleichstest bleibt trotzdem der Skoda, der auch beim Platzangebot für die Passagiere ganz vorn fährt. Vor allem sein Fondabteil kann sich locker mit dem von Luxuslimousinen in Langversion messen. Am anderen Ende der Geräumigkeitsskala liegt der Peugeot, dessen elegante, niedrige Dachlinie Kompromisse bei der Kopffreiheit erfordert. Auch bei der Zuladung (469 kg) liegt er hinter der Konkurrenz. Dafür hebt er sich mit seiner eigenständigen Armaturenbrettgestaltung, den hologrammartigen Digitalanzeigen und dem kleinen Lenkrad wohltuend von den Rivalen ab. In Sachen Sicherheitsausstattung ist er gar der Einzige, der mit einem Nachtsichtasisstenten aufwarten kann. Moderne Kombis wie diese verfügen über eine Vielzahl an Fahr-Features, die mehr oder weniger komplexe Bediensysteme hervorbringen, in denen man sich aber mit etwas Eingewöhnung gut zurecht findet. Doch gibt es auch Schattenseiten. So setzt der Digital-Radio-Empfang im Peugeot öfter auf Strecken aus, auf denen VW und Skoda problemlos die Sender halten. Dafür brauchen deren Bordsysteme nach dem morgendlichen Kaltstart unerwartet lange zum Hochfahren. Ärgerlich, wenn zum Beispiel direkt nach dem Losfahren der Fahrmodus geändert oder ein Navigationsziel eingegeben werden soll. Bei allen dreien reagieren außerdem die Touchscreens nicht immer auf die erste Berührung.

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Skoda Superb Combi Facelift (2019): Motor Auch der Superb Combi wird geliftet

 

Fahrkomfort: Adaptive Dämpfer gehören beim Skoda Superb Combi iV zur Serie

Auf Reisen gefallen der VW Passat Variant GTE und der Peugeot 508 SW Hybrid subjektiv mit dem besseren Geräuschkomfort, während sich im Skoda Superb Combi iV zum Beispiel auf Kopfsteinpflaster Abrollgeräusche deutlich stärker ins Klangbild schleichen. Für Entspannung sorgen indes seine Sitze mit angenehm straffer Polsterung, was Ermüdungserscheinungen im verlängerten Rücken erfolgreich vorbeugt. Noch besser bettet der VW seinen Fahrer. Wer hier mit ordentlichem Seitenhalt, ausziehbarer Oberschenkelauflage, Lordosenstütze und Massagefunktion reisen möchte, zahlt aber auch für eine solche Platzkarte auf dem "Ergo Comfort-Sitz" satte 1225 Euro. Die beste Oberschenkelauflage auf den Fondsitzen gibt es im Passat dagegen aufpreisfrei. Da muss, wer im Peugeot hinten reist, schon etwas robuster sein. Auch der Franzose kann vorn mit Komfortsitzen samt Massagefunktion verwöhnen (750 Euro). Doch sind deren Polster etwas weicher als jene der Konkurrenz in diesem Vergleichstest. Zudem muss man für diese Option die 6500 Euro teure GT-Ausstattung hinzubuchen. Alle drei Kandidaten sind mit adaptiven Dämpfern bestückt, die nur beim Superb zur Serie gehören. Damit zeigt der Skoda beachtliche Nehmerqualitäten. Auf Straßenbelägen, die einem Flickenteppich gleichen, gerät seine Karosserie aber etwas stärker ins Zittern als die des Peugeot. Der 508 SW gleitet, dem positiven Klischee französischer Autos entsprechend, relativ weich gefedert über Fahrbahnunebenheiten, braucht mit zunehmendem Tempo seine Federwege aber spürbar auf und schlägt mit voller Beladung an Bord im Extremfall durch. Dagegen beweist der VW Passat Variant GTE selbst auf viertklassigem Asphalt deutlich höhere Steherqualitäten.

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Peugeot 508 II SW (2018): Motor & Hybrid Peugeot 508 SW Hybrid ab 45.100 Euro

 

Motor/Getriebe: Der Peugeot 508 SW Hybrid hinterlässt den spritzigsten Eindruck

Unter den Hauben der drei Teilzeitelektriker findet man auf der Verbrennerseite alte Bekannte: Im Peugeot 508 SW Hybrid arbeitet der 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, der noch aus der früheren Kooperation mit BMW stammt und hier 181 PS leistet. Unterstützung erhält er von einer 81-kW-E-Maschine (110 PS), die in das Gehäuse der Achtstufen-Automatik integriert ist. So kommt der Franzose auf 224 PS Systemleistung. Im Skoda Superb Combi iV und im VW Passat Variant GTE arbeitet der konzernweit verwendete 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, der früher ab Golf aufwärts in vielen Modellen von VW zum Einsatz kam. Entsprechend modifiziert leistet er in den Hybriden jeweils 156 PS, während der Elektromotor hier wie dort 85 kW (115 PS) dazusteuert. Beide nutzen in diesem Vergleichstest das gleiche Doppelkupplungsgetriebe, das wegen des E-Motors nur sechs Gänge bietet. Die jeweilige Systemleistung: 218 PS. In allen dreien funktioniert das Zusammenspiel beziehungsweise der Wechsel zwischen Verbrenner und Elektromotor harmonisch und nahezu kaum merklich. Doch hinterlässt der Peugeot den spritzigsten Eindruck. Zwar verfehlt er beim Standardsprint mit 8,0 Sekunden auf 100 km/h die Werte der Konkurrenz um fast eine Sekunde (Skoda: 7,2, VW: 7,1 Sekunden), in höheren Geschwindigkeitsregionen kann er die Rivalen aber distanzieren. Der druckvolle Schub, begleitet von einem angenehm sportlich-kernigen Ton, und die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h (Skoda: 224, VW: 222 km/h) sorgen auf der Autobahn für reichlich Verblüffung. Erfreulich: Mit einem Testverbrauch von 5,9 Litern und 4,7 kWh ist der kultivierte 508-Antrieb sogar sparsamer als die Aggregate der Konkurrenten. Einziger Schönheitsfehler: Im Stop-an-go-Betrieb produziert die Automatik beim Fahrstufenwechsel mitunter Schaltrucke. Auch die beiden Kandidaten aus dem VW-Konzern gehen bei Bedarf mit ihren 400 Newtonmeter Systemdrehmoment recht antrittsstark zu Werke und beweisen ebenfalls, dass Hybrid-Piloten auf nichts verzichten müssen. Dennoch zeigt der Test auch, dass die werksseitigen Verbrauchsangaben sowie die in Aussicht gestellten rein elektrischen Reichweiten, die je nach Hersteller zwischen 52 und 66 Kilometern liegen sollen, in der Praxis nicht zu erreichen sind. So kommt bei rein elektrischer Fahrt der Peugeot im Test lediglich 29, der Skoda 30 und der VW maximal 34 Kilometer weit. Rechnet man den Stromverbrauch anhand des aktuellen deutschen Strommixes in CO2 und darüber hinaus in ein Kraftstoffäquivalent um, kommt man beim Gesamtverbrauch auf Werte, die ungefähr auf dem Niveau von kräftige Dieseln liegen – diese können allerdings nicht lokal emissionsfrei fahren.

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VW Passat GTE Facelift (2019): Hybrid-Motor Das kostet der Hybrid-Passat

 

Fahrdynamik: Der VW Passat Variant GTE mit sportlichstem Fahrverhalten

Zwar dürfte ein möglichst hohes Maß an Fahrdynamik in diesem Vergleichstest kaum das ausschlaggebende Argument für den Kauf eines Plug-in-Hybrid-Kombis sein, aber die Fahrdynamikprüfungen gehören dazu, um das Testbild der Kandidaten zu vervollständigen. In diesen Disziplinen überzeugt der Peugeot auf dem Handling-Parcours mit einem mustergültig agilen Einlenkverhalten. Nahezu Kart-gleich wirft sich der Franzose in Biegungen jeglicher Art. Leider lässt es die Lenkung dabei mit jedem Grad an zusätzlichem Lenkwinkel zunehmend an Fahrbahnkontakt vermissen, was die Lenkpräzision beeinträchtigt. Schade, denn auch seine Traktion hat mit einer forcierten Gangart kein Problem. Zweifellos bringt der Peugeot 508 SW Hybrid das Talent für ein gehobenes Fahrdynamik-Niveau mit, allerdings bremst ihn sein übereifriges ESP recht früh ein. Prima: Mit 35,3 Meter Kaltbremsweg aus 100 km/h bis zum Stillstand bremst er seine Mitstreiter aus. Im direkten Vergleich zum Franzosen wirkt der tschechische Kombi in Kurven deutlich weniger behände, was daran liegt, dass er bereits bei gemäßigtem Kurventempo über die Vorderräder zum Außenrand schiebt. Obendrein fällt der Skoda Superb Combi iV bei der Bremsprüfung hinter seine Konkurrenten zurück und verliert auch Punkte wegen der gewöhnungsbedürftigen Dosierbarkeit. Die Verzögerungsleistung verläuft nämlich, auch bedingt durch das Rekuperationsverhalten, nicht linear zum Pedalweg. Diese Eigenschaft ist beim VW Passat Variant GTE subjektiv etwas weniger stark ausgeprägt. Ansonsten zeigt der Wolfsburger wieder einmal, wie es geht: Bestückt mit der sehr wirkungsvollen elektronischen Differenzialsperre XDS und der zielgenauen Progressiv-Lenkung legt er ein beinahe schon sportliches Fahrverhalten an den Tag. Mit neutralem Eigenlenkverhalten durcheilt er die Handlingstrecke agil und souverän. An der Haftgrenze reichen feine, wohldosierte Regelintervalle, um ihn auf Kurs zu halten. So und nicht anders sollte es bei einem Fronttriebler sein.

Fahrbericht Skoda Superb iV (2019)
Neuer Skoda Superb iV (2019): Erste Testfahrt So fährt der elektrifizierte Superb

 

Umwelt/Kosten: Skoda Superb Combi iV siegt im Kosten-Kapitel

Unter Berücksichtigung der E-Autoprämie für Plug-in-Hybride bis 40.000 Euro Nettolistenpreis kostet der Skoda Superb Combi iV mit testrelevanter Ausstattung 38.810 Euro und ist damit der Günstigste in diesem Trio. Die Preis- und Ausstattungspolitik der Franzosen bedingt, dass der Peugeot 508 SW Hybrid mit der testrelevanten Ausstattung über 9000 Euro teurer ist, was ihn Zähler kostet. Mit günstigen Werkstattkosten, moderatem Wertverlust und ebensolchen Versicherungstarifen entscheidet der Skoda schließlich das Kostenkapitel gegen den Franzosen und den VW Passat Variant GTE in diesem Vergleichstest für sich.

Fahrbericht Peugeot 508 SW Hybrid (2020)
Neuer Peugeot 508 SW Hybrid (2020): Erste Testfahrt Erste Testrunde im Peugeot 508 Hybrid

 

Messwerte & technische Daten Peugeot 508 SW Hybrid, Skoda Superb Combi iV & VW Passat Variant GTE

AUTO ZEITUNG
08/2020
Peugeot 508 SW Hybrid 225e EAT8Skoda Superb Combi iVVW Passat Variant GTE
Technik 
Zylinder/Ventile pro Zylin.R/4; TurboR/4; TurboR/4; Turbo
Hubraum1598 cm³1395 cm³1395 cm³
Gesamtleistung165 kW/224 PS160 kW/218 PS160 kW/218 PS
Max. Gesamtdrehmoment360 Nm400 Nm400 Nm
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik/ Vorderrad6-Gang-Doppelkupplung/ Vorderrad6-Gang-Doppelkupplung/ Vorderrad
Messwerte 
Leergewicht (Werk/Test)1745/1821 kg1677/1769 kg1685/1780 kg
Beschleunigung (Test)   
0 - 100 km/h8,0 s7,2 s7,1 s
0 - 150 km/h14,7 s14,1 s14,1 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)250 km/h224 km/h222 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,3/35,1 m37,5/37,4 m35,7/34,6 m
Testverbrauch (Liter/kWh)5,9 l S/4,7 kWh6,0 l S/5,2 kWh6,5 l S/5,2 kWh
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)159/30 g/km164/30 g/km175/30 g/km
Preise 
Grundpreis45.100 Euro42.590 Euro45.810 Euro
Testwagenpreis47.850 Euro38.810 Euro44.865 Euro

Fahrbericht VW Passat Facelift (2019)
Neues VW Passat Facelift (2019): Erste Testfahrt So fährt sich der modellgepflegte Passat
 

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Plug-in-Hybride können einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, wenn sie mit einer Batterie, die mit "grünem Strom" geladen wurde, lokal emissionsfrei fahren. Das setzt allerdings Disziplin beim Nutzer voraus. Ansonsten schränkt die Hybridtechnik den Alltagsnutzen der drei Kombis kaum ein. In der Summe gewinnt der VW Passat Variant GTE mit bester Verarbeitung, hohem Komfort und ausgezeichneter Fahrdynamik den Test. An zweiter Stelle rangiert der Skoda Superb Combi iV mit dem besten Platzangebot, der günstigsten Kostenbilanz, aber mäßigen Bremsen. Der Peugeot 508 SW Hybrid überzeugt mit mutigem Design und dem sparsamsten Antrieb. Allerdings verhageln dem Dritten im Test das knappe Platzangebot und der hohe Preis eine bessere Platzierung.

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