Opel Kadett GSi 16V vs. VW Golf GTI 16V: Ventil-Duell der 80er
Es liest sich wie ein Ampelduell der späten 80er: Opel Kadett E GSi 16V gegen VW Golf 2 GTI 16V. Beide Kompaktsportler sind inzwischen gesuchte Klassiker. Verlernt haben die Vierventil-Erzrivalen bis heute nichts.
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So wie sie heute nebeneinander stehen, so spielten sich in den späten 80ern unzählige Ampel-Duelle in Deutschland ab. Volkswagen gegen Opel, Golf gegen Kadett. Gran Turismo Injection gegen Grand Sport Injection. Und in diesem Fall: 16V gegen 16V. Immer wieder aufs neue wird das Duell um die Frage, wer den besseren Kompaktsportler hat, ausgefahren. Heute sind die Kürzel GTI und GSi längst Mythos und Kult zugleich. Dabei war die Entstehung einer sportlichen Kompakt-Limousine keineswegs selbstverständlich. Bevor die GTI-Klasse überhaupt begründet wurde, fürchtete man in Wolfsburg zu geringe Verkaufszahlen.
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Der VW Golf R (2023) im Fahrbericht (Video):

Opel Kadett E GSi 16V trifft VW Golf 2 GTI 16V: Duell der Doppelnocker-Giganten
Die Angst vor weiteren Ölkrisen und das Debakel des Käfers "Gelb-Schwarzer Renner" 1303 S waren noch zu präsent, um an der PS-Schraube zu drehen. Nur ein "Geheimbund" aus Ingenieur:innen, Marketing-Expert:innen und Presseabteilung glaubte an das Konzept und entwickelte den GTI – ohne Auftrag, ohne Budget und vor allem: ohne Wissen des Vorstandes. Nachdem dieser dann doch überzeugt war, stand der 110 PS (81 kW) starke GTI auf der IAA. Eigentlich sollten nur 5000 Exemplare des "Sport-Golf" mit dem Motor aus dem Audi 80 GTE aufgelegt werden. Der Erfolg gab dem Konzept schließlich recht. Allein 460.000 Stück verkaufte VW vom Golf I GTI.
Doch Anfang 1984 geriet der aufkeimende Mythos ins Wanken. Der nächsten GTI-Generation des Golf mangelte es an Sportlichkeit. Zu schwer, zu träge, zu komfortabel sei er geworden, monierten die Tester:innen von damals. Kein Wunder, denn der 1,8-l-Motor des Vorgängers wurde weitgehend unverändert übernommen. Die 112 PS (82 kW) kämpften jedoch mit dem Mehrgewicht, das zu Lasten der ursprünglichen Agilität ging. Neben den Fettpolstern hatte der Golf 2 GTI aber ein viel größeres Problem in Form des Kadett GSI. Opel hatte im Herbst 1984 die bisherige Bezeichnung GT/E in Rente geschickt. Sportliche Modelle mit dem Blitz hießen fortan GSi.

Das Wettrennen um die Pferdestärken bei VW und Opel
Der erste Opel Kadett GSi wartete mit einem 115 PS (85 kW) starken Vierzylinder auf. Im direkten Vergleich, dem "Duell des Jahres", wie die AUTO ZEITUNG im September 1984 titelte, muss sich der GTI dem GSi geschlagen geben. Der Kadett düpierte den Golf in allen Bereichen, die der GTI zuvor dominiert hatte. Er war wendiger, schneller und vor allem stärker. Nicht zuletzt ging der Sieg wegen der ausgefeilten Aerodynamik an den Opel. Weil VW die Schmach nicht auf sich sitzen lassen wollte, die Karosserie des neuen Golf aber nicht ändern konnte, musste mehr Leistung in den Wolfsburger, um die Krone der GTI-Klasse und die Gunst der Kundschaft zurückzuerobern. Deshalb griffen die Ingenieur:innen auf das bereits auf der IAA 1983 vorgestellte Vierventil-Aggregat zurück, das von 1985 an zunächst im Scirocco II GTX 16V angeboten wurde.
Volkswagen hatte sich also rechtzeitig auf eine Technologie, die im Automobilbau schon seit 1912 bekannt war, besonnen, um dem GTI wieder Beine zu machen. Im März 1986 ging der VW Golf GTI 16V in Serie. Vier Ventile pro Zylinder, die von zwei obenliegenden Nockenwellen angetrieben werden, machten den GTI-Motor zum technischen Leckerbissen. Volkswagen warb stolz mit der "neuen Superlative im Golf-Sport". Die 16 Ventile schleusten rund 20 Prozent mehr Kraftstoff durch den Brennraum als beim Zweiventiler. Das führte zu 139 PS (102 kW) ohne Katalysator und deutlich über 200 km/h Höchstgeschwindigkeit.
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Damit lag der GTI leistungstechnisch klar über dem nun mit einem 2,0-l-Motor mit Kat und 115 PS (85 kW) ausgerüsteten GSi, womit die Führungsrolle nominell wieder an den Wolfsburger ging. Mit dem von Juli 1986 an bei den Händlern ausliegenden Prospekt versuchte Volkswagen, die Kundschaft vom Understatement des Spitzen-GTI zu überzeugen: "Der VW Golf GTI 16V hat es nun wirklich nicht nötig, mit pseudo-sportiven optischen Gags über nicht vorhandenes Potenzial hinwegzutäuschen."
Äußerlich gab das Topmodell neben den GTI-typischen Insignien nur durch kleine 16V-Embleme, Doppelscheinwerfergrill, eine große Frontspoilerlippe mit Lufteinlässen, eine Doppelrohr-Auspuffanlage und die 16V-typische Antenne dezente Hinweise. Die seitherige Stabantenne wanderte aufs Dach, denn der Zündverteiler des 16V ist an der Stirnseite der zweiten Nockenwelle montiert und damit zu nah an der üblichen Antennenplatzierung.
Ein Cosworth-Kopf macht dem Kadett Beine
Im September 1987 ging das Duell GTI gegen GSi in eine neue Runde: Auf der IAA 1987 präsentierte Opel den Kadett GSi 16V. Wieder legten die Rüsselsheimer:innen auch äußerlich deutlich nach. Von außen zeigte der Vierventil-GSi mit markantem Heckspoiler, Lüftungsschlitzen in der Haube, Schwellerverkleidungen und speziellen Front- und Heckstoßstangen seine sportliche Seite. Technisch setzte Opel beim GSi 16V auf die gleiche Methode wie Volkswagen. Auf einem erprobten Großserien-Rumpfmotor thront ein Doppelnockenwellen-Vierventil-Kopf aus Alu mit natriumgefüllten Auslassventilen und hydraulischen Tassenstößeln.
Wie ernst Opel das prestigeträchtige Duell nahm, wird unter der Haube deutlich: Der Zylinderkopf entstand in Zusammenarbeit mit der Motorenschmiede Cosworth. Einlasskanäle und Brennräume wurden im Werk von Hand bearbeitet. Eine selektive Klopfregelung überwacht jeden der mit Schmiedekolben ausgerüsteten Zylinder. Die Abgase gelangen strömungsgünstig über einen Edelstahl-Fächerkrümmer in die Abgasanlage mit zwei rechteckigen Endrohren. Das Ergebnis: 150 PS (110 kW), rund 220 km/h Spitze und klar schneller auf Tempo 100 als der VW Golf GTI 16V.
Der GTI ist dem GSi fahrdynamisch klar unterlegen
Aber wie wirkt sich das alles auch heute noch im direkten Vierventiler-Duell aus? Zu unserem Vergleich traten ein 1988er Opel Kadett E GSi 16V und ein 1991er VW Golf GTI 16V mit abgasgereinigten 129 PS (95 kW) an. Das Kapitel Platzangebot geht knapp an den Golf. Vor allem die Fondpassagiere erfreuen sich hier über mehr Bein- und Kopffreiheit. Auf der Fahrerposition bietet der Kadett jedoch für Großgewachsene mehr Platz. Das Kofferraumangebot ist auf gleichem Niveau. Bei der Bedienungsfreundlichkeit teilen sich die beiden Bestseller die Punkte. Hier wird niemand vor große Schwierigkeiten gestellt.
Bei den Fahrleistungen hingegen könnten die Eindrücke nicht unterschiedlicher ausfallen. Der GTI 16V schiebt ab 3000 Touren zwar noch einmal kräftig nach, aber ein "Aha-Erlebnis" bleibt aus. Die Leistungsentfaltung geht sehr souverän und gleichmäßig vonstatten. Eine ganz andere Welt offenbart der Kadett GSi 16V. Schon aus niedrigen Drehzahlen zieht er druckvoll nach vorne. Der auf sportliche Fahrleistungen abgestimmte Plan geht voll auf. Der GTI ist dem GSi in den Belangen Durchzug, Höchstgeschwindigkeit und Spritzigkeit unterlegen.

Auch beim Fahrverhalten agiert der Opel Kadett E GSi 16V souveräner. Hier machen sich der verstärkte Stabilisator vorne und die zwei hinteren Stabis positiv bemerkbar. Fährt der Kadett bei abrupten Lastwechseln wie auf Schienen, schiebt der VW Golf GTI 16V dabei über die Vorderräder und lupft dabei das kurveninnere Hinterrad. Beim Fahrkomfort hingegen macht der Golf wieder Boden gut. Querfugen und wellige Autobahnpassagen schluckt das Fahrwerk souverän. Der Kadett gibt die Stöße polternd und nahezu ungefiltert weiter. Der Golf ist zudem deutlich leiser.
In den Kapiteln Verbrauch und Wartungsaufwand sind die beiden nahezu gleich. Ölwechselintervalle und Kosten liegen auf ähnlichem Niveau. Im Bereich Technik kann der Opel wieder punkten. Er liefert den aufwändiger konstruierten und von Hand nachbearbeiteten Motor. Der Kadett GSi 16V bietet zudem eine elektronisch gesteuerte Einspritzung, die zu einem sehr hohen Wirkungsgrad führt. Dem Golf GTI 16V muss eine mechanischen KE-Jetronic genügen.
Der G60 drückte das Duell in eine neue Stufe
Was die Wertentwicklung betrifft, liegt der Opel Kadett E GSi 16V knapp vor dem VW Golf 2 GTI 16V. Da er aber bauartbedingt deutlich rostanfälliger ist, wird er immer rarer, vor allem im Originalzustand. Bei ihm ist also noch Steigerungspotenzial vorhanden. Viel Spaß bereiten beide Vierventiler auf ihre ganz eigene Art und Weise, deshalb gibt es bei diesem Faktor die Höchstpunktzahl. Der Kadett ist der ungestüme Sportler, während der Golf durch souveränes Understatement glänzt. Der bessere 16V ist auf jeden Fall der GSi. Das erkannte VW nach einigen verlorenen Vergleichstests auch. Im Februar 1990 legten die Wolfsburger mit einem 160 PS (118 kW) starken GTI nach: Mit dem Golf GTI G60 mit G-Lader und elektronischer Einspritzung ging das Duell in der Klasse der Kompaktsportler in eine neue Runde.
Technische Daten von Opel Kadett E GSi 16V und VW Golf 2 GTI 16V
| Classic Cars05/2015 | Opel Kadett E GSi 16V | VW Golf 2 GTI 16V |
| Zylinder/Ventile pro Zylin. | R4/4 | R4/4 |
| Hubraum | 1998 cm³ | 1781 cm³ |
| Leistung | 110 kW/150 PS 6000/min | 95 kW/129 PS 5800/min |
| Max. Gesamtdrehmoment bei | 196 Nm 4800/min | 168 Nm 4250/min |
| Getriebe/Antrieb | 5-Gang-Schaltgetriebe/Vorderrad | 5-Gang-Schaltgetriebe/Vorderrad |
| L/B/H | 3998/1663/1400 mm | 4040/1680/1405 mm |
| Leergewicht | 1070 kg | 1050 kg |
| Bauzeit | 1987–1991 | 1986–1991 |
| Stückzahl | 3.779.289 (Kadett E ges.) | 6.300.987 (Golf 2 ges.) |
| Beschleunigung null auf 100 km/h | 7,6 s | 9,1 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 218 km/h | 200 km/h |
| Verbrauch auf 100 km | 9,2 l | 9,4 l |
| Grundpreis (Jahr) | 28.425 Mark (1988) | 29.830 Mark (1989) |
Fazit
Golf oder Kadett? Die Mutter aller Kompakt-Duelle entscheidet in diesem Fall der Kadett E GSi 16V für sich. Er bietet mehr Sportlichkeit fürs Geld, ist zudem in kürzester Zeit zum gesuchten und entsprechend teuren Klassiker geworden. Auf der Langstrecke dürfte der Rüsselsheimer allerdings das Nachsehen haben. Dafür ist der alltagstauglichere VW Golf GTI 16V einfach zu solide konstruiert. Das belegen auch die Zahlen des KBA: Vom VW waren zum 1. Januar 2014 noch 1233 Fahrzeuge gemeldet (420 ohne, 813 mit Kat). Das waren zum gleichen Zeitpunkt dreimal mehr als vom Opel. Es wird zunehmend schwieriger, original erhaltene Exemplare dieser häufi g von Tunern verbastelten und oft verheizten Autos zu finden – ein großes Danke geht an dieser Stelle daher an Volkswagen Classic und Kadett- Besitzer Malcolm Kirchner. Wird die Entscheidung mit dem Bauch getroffen, stellt sich für Fans der jeweiligen Marke die oben gestellte Frage indes nicht.















