Neuer Gumpert Nathalie (2019): Testfahrt begleitet Mit Nathalie über den Nürburgring

von Alexander Koch 24.10.2018
Inhalt
  1. Begleitete Testfahrt im neuen Gumpert Nathalie (2019)
  2. Brennstoffzelle mit Methanol betrieben
  3. Neuer Nathalie (2019) mit tiefem Schwerpunkt
  4. Gumpert Nathalie (2019) als Modellfamilie

Mit dem neuen Gumpert Nathalie (2019) betritt der Petrolhead Roland Gumpert ganz neues Terrain: das von Elektroautos und Brennstoffzellen. Bei einer Testfahrt auf dem Nürburgring dürfen wir im Prototypen Platz nehmen!

"Elektroautos sind sch...!" Wer zur ersten Testfahrt im – wohlgemerkt – elektrisch betriebenen Gumpert Nathalie (2019) Lobeshymnen auf die Elektromobilität erwartet, den holt Roland Gumpert direkt wieder auf den nackten Boden der Tatsachen – beziehungsweise auf den der Fahrerboxen am Nürburgring. Auf dem steht der mit rund 4,3 Metern Länge recht kompakte Sportwagen schon bereit, um Gäste über ein Teilstück der Nordschleife zu fahren. In seiner letztlich doch sehr ruhig-analytischen Art schiebt der Ingenieur auch gleich eine Erklärung für seinen Ausbruch gegen E-Autos hinterher: zu wenig Reichweite, zu schwer und nicht zuletzt durch die Brandgefahr zu riskant. Mit der neuen, chinesischen Mutterfirma Aiways und verpflichtenden E-Auto-Quote in China kommt allerdings auch Gumpert nicht mehr um Elektroautos herum. Nach der Insolvenz der Gumpert Sportwagenmanufaktur 2014 und der Neugründung der Gumpert Aiways Automobile GmbH bedeutet dessen Umschwung auf elektrische Autos auch eine Rückbesinnung auf alte Wurzeln: Wie schon zu Zeiten bei Audi betätigt sich der mehrfache Familienvater nun wieder in der Entwicklung für einen großen Konzern. "Für Aiways sind wir das deutsche Silicon Valley", sagt er stolz und mit Blick auf den neuen Gumpert Nathalie (2019).

Neuer Gumpert Nathalie (2019) im Video:

 
 

Begleitete Testfahrt im neuen Gumpert Nathalie (2019)

Die Besonderheit des neuen, auf einem Gitterrohrahmen aufbauenden Gumpert Nathalie (2019) erschließt sich allerdings nicht durch das Äußere. Das erinnernt zumindest entfernt an eine Mischung aus Audi TT und Nissan GT-R. Aus schmalen LED-Tagfahrleuchten und für ein Elektroauto fast schon grotesk großen Lufteinlässen guckt der Deutsch-Chinese grimmig in die Umgebung. Am Heck dominieren etwas klobig wirkende runde Vorserien-Rückleuchten, die später durch eckige LED-Lichtleiter ersetzt werden sollen. Nein, um den Unterschied festzumachen, muss man sich schon unter der niedrigen Dachlinie auf den bequemen, schalenartigen Beifahrersitz zwängen. Mit Blick auf den fahrerzugewandten Armaturenträger, die zwei Touchscreens und die digitale Tachoanzeige dringt zur Begrüßung ein süßlicher Geruch in die Nase. Auf den ersten Metern an der Seite von Rennfahrerin Gabriela Jilkova verstärkt er sich zunehmend. Und als auch noch aus der Mittelkonsole zischend Wasserdampf hochsteigt, gerät die auf Anhieb für überzeugend befundene Abstimmung des neuen, rund 400.000 bis 500.000 Euro teuren Gumpert Nathalie (2019) in den Hintergrund.

Elektroauto Gumpert Nathalie (2020)
Gumpert Nathalie (2020): Preis & Methanol Serienversion der Gumpert Nathalie

 

Brennstoffzelle mit Methanol betrieben

Auf die Technik des neuen Gumpert Nathalie (2019) angesprochen, grinst Roland Gumpert: "Um die nach wie vor zu geringe Reichweite von Elektroautos zu erweitern, haben wir experimentiert." Die erste Idee, eine Gasturbine als Range-Extender zu nutzen, hat die in Ingolstadt angesiedelte Entwicklungsmannschaft wegen des schlechten Wirkungsgrades verworfen. Der zweite Ansatzpunkt war die Brennstoffzelle. Was bei Hyundai – zumindest relativ gesehen – schon in Großserie gefertigt wird, stimmte den 74-Jährigen aber auch nicht zufrieden. "Wissen Sie, wie teuer und aufwändig Wasserstofftankstellen sind? Wie viel Energie es kostet, ein Brennstoffzellenauto zu betanken?" Recht schnell stieß der Sportwagenbauer auf einen Ersatzkraftstoff für die Brennstoffzelle, nämlich auf Methanol. Die zur Gruppe der Alkohole zählende Flüssigkeit ist ähnlich unkompliziert wie Benzin, genauso ungefährlich und macht vor allem keine Druckbetankung notwendig. In der Brennstoffzelle wird der Alkohol verdampft und dadurch in Wasserstoff und CO2 aufgespalten. Der Wasserstoff reagiert in Verbindung mit Sauerstoff zu Wasserdampf – was bei der Testfahrt durch den noch fehlenden Auspuff im Prototypen durch die Mittelkonsole aufstieg – und erzeugt somit Strom. Bei einem Verbrauch von 4,5 Litern Methanol je Stunde produziert der neue Gumpert Nathalie (2019) konstant fünf kWh. Damit wird die 60-kWh-Batterie gefüttert, die in T-Form im Fahrzeugboden um Fahrer und Beifahrer herumgebaut ist. Mehr zum Thema: Gumpert meldet Insolvenz an

 

Neuer Nathalie (2019) mit tiefem Schwerpunkt

Der tiefe Schwerpunkt und das im Verhältnis von 48 zu 52 Prozent wohl verteilte Gewicht von rund 1,5 Tonnen ist dem neuen Gumpert Nathalie (2019) auf dem kurvigen Geläuf auf Anhieb anzumerken. Obwohl Gabriela Jilkova aus Rücksicht auf die noch ungekühlten Batteriepacks nur gut 50 Prozent der 815 PS Systemleistung abruft, schiebt der Wagen äußerst souverän an. Die E-Motoren von Bosch verteilen die Kraft auf der Geraden erst gleichmäßig und bei hoher Kurvengeschwindigkeit schließlich verstärkt auf die kurveninneren Räder. Torque Vectoring nennt sich das schon bekannte, durch die vier Elektromotoren aber äußerst einfach umzusetzende Prinzip, die Räder für den optimalen Grip gezielt anzusteuern. Nicht weniger clever sind die zwei Getriebe, die achsweise verbaut und hintereinander geschaltet sind. Dadurch existiert beim nur 0,25 Sekunden dauernden Schaltvorgang faktisch keine Zugkraftunterbrechung. Allerdings macht sich das klauenartig aufgebaute Getriebe noch durch vernehmliches Ruckeln bemerkbar, wenn der neue Gumpert Nathalie (2019) bei Tempi jenseits der 160 km/h in den zweiten Gang schaltet. Von all dem sollen die Insassen später im Serienmodell nichts mehr mitkriegen, einer Synchronisierung sei Dank.

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Gumpert Nathalie (2019) als Modellfamilie

Bei all den ausgeklügelten Lösungen muss sich Roland Gumpert ausgerechnet dem eigenen und größten Kritikpunkt geschlagen geben: Denn auch der neue, auf 500 Stick limitierte Gumpert Nathalie (2019) benötigt einen Akku. Sobald nämlich der Leistungsbedarf der vier E-Motoren deutlich ansteigt, ist die Brennstoffzelle heutiger Bauart schlichtweg überfordert. Ein Puffer muss in solchen Momenten die benötigte und zuvor gespeicherte Energie stellen. Daraus zieht Gumpert aber auch seine Motivation, mit Vehemenz weiterzutüfteln. Seine Visionen: Die Abwärme der chemischen Reaktion für Heizung und per Ammoniak-Klimaanlage auch zur Kühlung zu nutzen, eine kleine, aber feine Modellfamilie mit einem noch radikaleren Sportwagen sowie einer viertürigen Nathalie aufzubauen und die Brennstoffzelle leistungsstärker und die Batterie dadurch kleiner zu machen. Das hehre Ziel: Ein Gumpert Nathalie (2019) komplett ohne Akku. Wofür emotionale Ausbrüche nicht alles gut sein können! Mehr zum Thema: Das ist der Apollo Intensa Emozione

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