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Neuer BMW X2 M35i xDrive (2019): Erste Testfahrt Neuen BMW X2 M35i angetestet

von Alexander Koch 18.05.2019

Der neue BMW X2 M35i xDrive (2019) zeigt bei der ersten Testfahrt die Gier und die Fahrfreude eines echten BMW. Dem gegenüber stehen ein hohes Gewicht, ein hoher Verbrauch und ein hoher Einstiegspreis. Luxusprobleme? Vermutlich schon...

Von Beginn an ist die erste Testfahrt im neuen BMW X2 M35i xDrive (2019) an große Erwartungen geknüpft. So sehr hat Testkollege Michael Godde vom Motor geschwärmt. Eben jenem kurbelwellenverstärkten, niedrig verdichtenden und mit 2,7 bis 2,9 Bar Ladedruck zwangsbeatmeten B48-Vierzylinder, der im Top-X2 zum Einsatz kommt. Aber: Im Crossover haben die 306 PS und 450 Newtonmeter Drehmoment mit einem recht hohen Aufbau und Gewicht zu kämpfen. Ob das dem sportlichen Charakter im Wege steht? Ein Blick aufs Datenblatt lässt anbahnende Zweifel erst einmal verfliegen: 4,9 Sekunden auf Tempo 100 und eine Spitze von 250 km/h. Das waren vor gut zehn Jahren noch Sportwagenwerte! Sitze mit integrierten Kopfstützen und kräftig zupackenden Wangen erscheinen da weniger als Übertreibung, denn vielmehr als Versprechen. Druck auf den Startknopf. Der Motor meldet sich grummelnd zum Dienst, unterstützt durch einen Sound-Aktuator. Zum Start auf den Fahrmodus "Comfort" eingestellt, rollt der neue BMW X2 M35i xDrive (2019) den kurvigen Landstraßen vor den Toren Münchens entgegen: Seinem natürlichen Habitat, wie begeisterte BMW-Entwickler versichern. Bis dahin sortiert die 8-Gang-Automatik die Gänge schneller als ein Mensch sie aufzählen kann, und hält dadurch Drehzahlen, Geräuschkulisse und Verbrauch gleichermaßen niedrig. Kurz gesagt: einfach entspannt. Mehr zum Thema: M-Performance-Parts für den BMW X2

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Neuer BMW X2 M35i xDrive (2019) im Video:

 
 

Erste Testfahrt mit dem neuen BMW X2 M35i xDrive (2019)

Was sich mit einem Knopfdruck auf Sport radikal ändert: Wie am Schnürchen gezogen, schiebt der neue BMW X2 M35i xDrive (2019) ansatzlos über das Drehzahl- und Geschwindigkeitsband. Die 1658 Kilogramm Leergewicht? Jucken den Zweiliter so wenig wie Usain Bolt die 100 Meter. Geradezu aufreizend lässig schüttelt das Aggregat die Leistung aus dem Ärmel. Kurven – sind zum Spielen da! Wo ein Auto dieser Gewichtsklasse normalerweise über die Vorderachse hinausschiebt, krallt sich der X2 dank Torsendifferenzial an der Vorderachse nur noch weiter in den Asphalt. Und ehe über die prozentuale Verteilung nachgedacht werden kann – bei Volllast sind das übrigens bis zu 38 Prozent –, schmeißt sich der kleine BMW auch schon in die nächste Kurve. Dass die in nur 200 Millisekunden schließende Haldexkupplung die Hälfte der Antriebskraft an die Hinterachse schießt? Kriegt der Fahrer nicht mit. Nur, dass der neue BMW X2 M35i xDrive (2019) jeglichen Ansatz von Untersteuern gnadenlos unterdrückt. Womit das Ende der Fahnenstange noch immer nicht erreicht ist: Wer die ZF-Automatik zusätzlich in die S-Gasse schiebt, erlebt den Crossover richtig gierig. Effizienz, Verbrauchswerte? Vokabeln, die im Drehzahlrausch untergehen. Immer ums Optimum bemüht, denkt der Münchner überhaupt nicht daran, früher als nötig hochzuschalten, schenkt seinem Fahrer die letzten Leistungsreserven und gibt ihm obendrein das Gefühl, stets Herr der Lage zu sein – während die Technik dahinter alles sauber (weg)regelt. Mehr zum Thema: Neuer BMW 1er im Prototypen-Fahrbericht

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Gieriger 2,0-Liter-Turbobenziner im X2 M35i xDrive (2019)

Es ist wahrlich begeisternd, wie der neue BMW X2 M35i xDrive (2019) mit der Physik und den Vorurteilen gegenüber SUV spielt. Zu 100 Prozent gelingt es ihm letztlich aber nicht – angesichts einer Bodenfreiheit von 18,2 Zentimetern sitzt der Fahrer nämlich mehr auf als in dem Auto. Und auch eine Armada von elektronischen Helferlein, schaltbaren Dämpfern, ein Torsendifferenzial und Allradantrieb können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich beim Top-X2 eben doch um ein nicht gerade leichtgewichtiges SUV handelt. Und um ein teures obendrein: 55.200 Euro kostet das Sport Utility Vehicle, das als eines der wenigen SUV das "Sport" auch zurecht im Namen trägt. Wer das letzte Quäntchen Sportlichkeit auskosten möchte, fährt mit dem BMW M135i xDrive wohl trotzdem besser. Mehr zum Thema: So kommt das BMW X1 Facelift

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Unser Fazit

Freude am Fahren? Ja, bitte. Im neuen BMW X2 M35i xDrive (2019) aber nur für die vorderen Passagiere. Zugunsten der modischen Linie bleibt hinten nämlich kaum noch Platz für Mitfahrer. Dafür ist der Motor eine wahre Wucht, genehmigt sich bei sportlicher Fahrweise dafür gerne einen tiefen Schluck aus dem Benzintank. Zweistellige Literzahlen sind kein Problem. Wer auf die Kosten guckt, ist bei diesem Auto aber ohnhin am falschen Platz.

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