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Jeep Wrangler: Test Neuer Wrangler gewohnt robust, aber deutlich digitaler

von Caspar Winkelmann 04.04.2019
Inhalt
  1. Der Jeep Wrangler im Test
  2. Jeep Wrangler ist ein Offroad-Experte
  3. Technische Daten des Jeep Wrangler

Im Test stellt sich der Jeep Wrangler vierter Generation vor: Der Ami ist gewohnt geländegängig und dabei deutlich moderner, verliert aber Punkte durch eine schwache Bremskraft!

Der getestete Jeep Wrangler steht für ein Kuriosum in der Automobilwelt: Denn während alle Welt über alternative Antriebe und neuen Formen der Mobilität diskutiert, erfreuen sich der robuste Offroader mit Verbrennungsmotor wie der Wrangler größter Beliebtheit. Pickups etwa verkaufen sich dank moderner Modelle wie Ford Ranger oder Mercedes X-Klasse in Deutschland so gut wie nie. Und mit Suzuki Jimny und Mercedes G-Klasse wurden 2018 zwei Offroad-Klassiker neu aufgelegt. Und der dritte modernisierte Allrad- Spezialist parkt wartet nur darauf, im Testalltag seine Qualitäten unter Beweis zu stellen: die nunmehr vierte Generation des Jeep Wrangler. Urvater dieses robusten Arbeitstiers aus Übersee ist der Willys-Jeep, der ab 1942 US-Soldaten im Feld ein ebenso anspruchsloser wie treuer Gefährte war. Doch wie gut passt der grundlegend erneuerte Jeep Wrangler eigentlich noch ins Jahr 2019 und den meist doch eher urbanen Fahralltag? Das soll der Test beantworten.

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Der Jeep Wrangler im Video:

 
 

Der Jeep Wrangler im Test

Das ikonische Design mit kantiger Karosserieform und prägnanten Scheinwerfern hat sich der Jeep Wrangler über die Jahre bewahrt – sehr zur Freude der großen Fangemeinschaft. Und beim ersten Einsteigen im Test fällt auf, dass es neben der erhabenen Sitzposition auch das rustikale Ambiente in die Neuzeit geschafft hat. Der große Touchscreen mit Online-Anbindung, Smartphone- Konnektivität und Navigation repräsentiert dagegen den digitalen Zeitgeist. In puncto Multimedia steht der Wrangler modernen SUV in nichts nach. Trotz teilweise etwas verschachtelter Menüführung lassen sich der sensibel auf Berührungen ansprechende Zentralmonitor und das digitale Fahrer-Infodisplay zwischen den Tachoinstrumenten gut bedienen. Auch die Sicherheitsausstattung kann sich – zumindest auf den ersten Blick – sehen lassen: Eine Rückfahrkamera zählt zum Serienumfang, Toter-Winkel-Warner oder Querverkehrswarnung sind optional erhältlich. Notbrems- und Spurhalteassistenten sucht man in der Preisliste jedoch vergeblich – hier haben die eingangs erwähnten Pickups und Geländewagen mehr zu bieten. Und bei aller Sympathie für den kernigen Jeep Wrangler würden wir uns genau diese Assistenzsysteme wünschen, zumal ihr Fehlen mitverantwortlich für das sehr dürftige Abschneiden beim Euro NCAP-Crashtest ist.

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Jeep Wrangler ist ein Offroad-Experte

Die hoch montierten und bequem gepolsterten Sitze im Jeep Wrangler sind erklommen, der Wählhebel der sanft die Übersetzungen wechselnden Achtstufen-Automatik steht auf "D" – also ab auf die Straße. Wie seine Vorgänger verfügt auch der Geländewagen über Leiterrahmen und Starrachsen, um abseits befestigter Straßen maximale Performance zu gewährleisten. Weil zumindest hierzulande die alltäglichen Wege zu Supermarkt & Co. asphaltiert sind, muss sich der Jeep im Test auch auf diesem Untergrund beweisen. Sanierungsbedürftige Landstraßen meistert er überraschend kommod und hält selbst üble Fahrbahnverwerfungen ordentlich von den Passagieren fern. Einseitige Anregungen werden jedoch zuweilen mit deutlichen Vertikalbewegungen der Karosserie quittiert, und auf kurze Unebenheiten reagiert die Federung mitunter recht unnachgiebig. Obwohl unser Testwagen mit einem Hardtop ausgerüstet ist nimmt das Geräuschniveau im Innenraum ab Tempo 130 erheblich zu – bei längeren Autobahnetappen sei Jeep-Fahrern deshalb die Richtgeschwindgkeit empfohlen – auch weil der 200 PS starke 2,2-Liter-Turbodiesel dann dank niedriger Drehzahlen sparsam den Kraftstoff verwaltet. Der Testverbrauch von 9,9 Liter Diesel geht angesichts von Karosserieform und 2132 Kilogramm Leergewicht voll in Ordnung und entspricht nahezu dem WLTP-Wert. Das kultiviert arbeitende und kraftvolle Triebwerk ermöglicht den Sprint auf Tempo 100 in respektablen 9,4 Sekunden und ist zudem nach der Abgasnorm Euro 6d-Temp zertifiziert. Fahrdynamische Offenbarungen erwartet vom Jeep Wrangler niemand, Kurven meistert der Offroader dennoch sicher und unaufgeregt. Die Kalt- und Warmbremswerte von je über 43 Metern aus 100 km/h bis zum Stand sind jedoch nicht mehr zeitgemäß. Auf unwegsamem Terrain trumpft die viertürige Sahara-Variante mit zuschaltbarem Allradantrieb samt Untersetzung, 24 Zentimeter Bodenfreiheit und 76 Zentimeter Wattiefe auf. Der deftige Grundpreis von 49.000 Euro (Sahara: 56.000 Euro) dürfte den Jeep Wrangler allerdings vor allem für eingefleischte Markenfans interessant machen.

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Technische Daten des Jeep Wrangler

 Jeep Wrangler 2.2 CRDi
Zylinder/Ventile pro Zylinder4/4; Turbodiesel
Hubraum2143 cm³
Leistung147 kW/200 PS bei 3500/min
Maximales Drehmoment450 Nm bei 2000/min
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik; zuschaltbarer Allradantrieb
0 - 100 km/h9,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit177 km/h
Bremsweg aus 100 km/h warm43,2 Meter
Leergewicht2132 Kilogramm
Verbrauch (Test)9,9 l D/100 Kilometer
Grundpreis56.000 Euro

 

von Caspar Winkelmann von Caspar Winkelmann
Unser Fazit

Auch in der vierten Generation bleibt der Jeep Wrangler ein kerniger Typ mit enormer Offroad-Kompetenz. Die Onroad-Qualitäten gehen alles in allem in Ordnung. Die Bremswege im Test fallen jedoch viel zu lang aus, zudem sind nur wenige moderne Assistenzsysteme erhältlich. Top ist aber das moderne Multimediasystem.

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