Ford-News: Vorstandschef, Wirtschaft & Stellenabbau Ford-Chef Jim Hacket tritt zurück

von AUTO ZEITUNG 04.08.2020
Inhalt
  1. August 2020: Jim Farley folgt auf Ford-Chef Jim Hackett
  2. Wirtschaft: Ford Deutschland auf der Überholspur
  3. April 2019: Ford steigt bei Telsa-Rivalen ein
  4. März 2019: Ford-Sparkurs & Stellenabbau in Deutschland
  5. September 2018: Diesen Ford-Modellen droht das Aus
  6. September 2018: Ford-Geschäftsführer Kopplin wechselt zu Emil Frey
  7. 2018: Ford-Absatzrekord in Deutschland

Ford-News: Ford-Chef Jim Hackett tritt im August 2020 nach nur rund drei Jahren im Amt zurück. Top-Manager Jim Farley wird zu seinem Nachfolger befördert. Und: In Deutschland ist Ford auf der Überholspur, im Rest der Welt stehen die Zeichen dagegen auf Sturm. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Kölner? Die USA betrachtet hingegen mit Sorge die schlechten Zahlen in Europa sowie China und drängt auf einen Stellenabbau. Dieser Artikel wird laufend aktualisiert! 

 

August 2020: Jim Farley folgt auf Ford-Chef Jim Hackett

Ford-Chef Jim Hackett tritt zurück, wie kriselnde US-Autoriese überraschend am 4. August 2020 mitteilt. Die Nachfolge des 65-Jährigen, der erst seit Mai amtierender Vorstandschef war, wird Top-Manager Jim Farley zum 1. Oktober antreten. Bislang kümmert sich der 58-Jährige im Vorstand um das Tagesgeschäft. Damit stellt Ford seine Konzernspitze bereits zum zweite Mal in gut drei Jahren neu auf. Der Konzern steckt in einem tiefgreifenden Umbau, Hackett war eigentlich als großer Modernisierer angetreten. Auch sein Vorgänger Mark Fields hatte den Spitzenposten nach nur rund drei Jahren schon wieder geräumt.

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Wirtschaft: Ford Deutschland auf der Überholspur

Der Ford-Konzern steuerte 2019 durch stürmische Gewässer: In China, dem größten Automarkt der Welt, brachen die Verkäufe der Amerikaner um 26,1 Prozent ein. Hier forderte besonders der Handelskrieg zwischen den USA und der Volksrepublik seinen Tribut. Doch auch in Indien verbuchte Ford ein sattes Minus von 24,7 Prozent. Und in Großbritannien, dem bis 2018 noch vor Deutschland größten europäischen Markt für die Amerikaner, sorgten die Brexit-Vorbeben für ein Minus von 7,1 Prozent. Im Heimatmarkt USA kann Ford zwar weiterhin mit seinem Pick-up der F-Serie punkten, der seit 38 Jahren das meistverkaufte Fahrzeug in den Staaten ist. Aber dessen Zuwächse können den dramatischen Verkaufsrückgang bei den Autos (-29 Prozent) nicht stoppen. Am Ende steht auch in den USA ein Minus von 3,5 Prozent unter dem Strich. Lediglich ein Markt ragt wie ein Leuchtturm aus dem Sturm heraus: Deutschland. Hier feierte Ford mit 279.719 Neuzulassungen 2019 ein Plus von 10,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit Ausnahme des Jahrs der Abwrackprämie 2009 war es das beste Verkaufsergebnis für die Kölner seit 1999. Lag Ford 2010 in Deutschland noch auf Rang sechs der erfolgreichsten Marken, haben die Amerikaner seitdem Opel, Audi und BMW überholt und sich auf Platz drei vorgeschoben. Ohne den deutschen Beitrag wäre das Ford-Ergebnis 2019 in der EU noch deutlich schlechter als -1,3 Prozent ausgefallen. Mehr zum Thema: Neue Ford-Markenausrichtung "Bereit für Morgen"

Doch wie konnten die Kölner in Deutschland eine solche Erfolgsgeschichte schreiben? Zuallererst mit den passenden Produkten: So hat sich der Focus zu einem der besten Kompaktwagen entwickelt, was auch seine Siege in den Vergleichstests der AUTO ZEITUNG belegen. Der Fiesta gehört ebenfalls zu den Testsiegern in seiner Klasse. Dazu kommt die SUV-Offensive der Kölner: Auf den Kuga, das drittmeistverkaufte SUV in Deutschland, folgten Eco-Sport, Edge und jüngst der Puma. 2020 setzt der Ford Explorer als siebensitziger Plug-in-Hybrid die Offensive weiter fort. Und gegen Ende des Jahres kommt der Mustang Mach-E, das erste reine Elektro-SUV der Marke mit bis zu 600 Kilometer Reichweite und maximal 465 PS Systemleistung. Doch im Gegensatz zu den Amerikanern kaufen die Deutschen nicht nur SUV, sondern weiterhin auch große Vans: Und hier ist Ford mit Galaxy und S-MAX seit Jahren Marktführer. Zwar gibt es immer wieder Gerüchte, dass die Firmenzentrale in Detroit die Modelle einstellen möchte. Doch die Produktion läuft weiter – 2021 wird es von beiden sogar Hybrid-Versionen geben. Kein Wunder, liefert Ford die Vans doch häufig in der teuren Vignale-Ausstattung aus. Die Einführung der internen Edelmarke war ein cleverer Schachzug der Kölner. Denn immer mehr deutsche Käufer verlangen nach höherwertigen, besonderen Ausstattungen. Und davon hat Ford mit Vignale, ST-Line und den Active-Modellen eine ganze Menge im Angebot – vom kleinen Fiesta bis zum großen Mondeo. Damit erzielt Ford eine deutlich höhere Marge pro verkauftem Fahrzeug. Und auch die Händler haben ihren Teil zum Absatzwachstum der letzten Jahre geleistet, indem sie in ihre Betriebe und Serviceleistungen investierten. Aber der Erfolg von Ford in Deutschland kann eines nicht verdecken: Läuft es weltweit schlecht, hat das auch langfristig Auswirkungen auf die Standorte in der Bundesrepublik, etwa in Köln. Da kann der Leuchtturm noch so hell strahlen.

von Markus Bach

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April 2019: Ford steigt bei Telsa-Rivalen ein

Mit 500 Millionen Dollar (447 Millionen Euro) beteiligt sich US-Autobauer Ford am Tesla-Rivalen Rivian. Die Investition erfolge im Rahmen einer strategischen Partnerschaft, bei der gemeinsam batteriebetriebene Elektrofahrzeuge entwickelt würden, teilten beide Unternehmen Ende April 2019 mit. Genau wie Ford sitzt auch Rivian im US-Bundesstaat Michigan und machte bislang vor allem mit der Entwicklung eines E-SUV und E-Pickups auf sich aufmerksam. Ford will nun die begehrte "Skateboard-Plattform" mitnutzen. Im Februar 2019 war bereits Amazon bei dem vor rund zehn Jahren gegründeten Unternehmen Rivian eingestiegen. Mehr zum Thema: Fords E-SUV Mustang Mach-E

 

März 2019: Ford-Sparkurs & Stellenabbau in Deutschland

Ford USA drängt auf einen Sparkurs und streicht in Deutschland 5000 Arbeitsplätze, wie ein Sprecher des Unternehmens Mitte März 2019 bestätigte. Demnach sollen so mindestens 500 Millionen Dollar eingespart werden. Betriebsbedingte Kündigungen sollen aber vermieden werden. Der US-Autobauer will den Stellenabbau vor allem über Abfindungen für Beschäftigte bis 49 Jahren und Frühverrentungen von Mitarbeitern über 50 Jahren erreichen. Welche Standorte wie stark betroffen seien werden, ist noch nicht bekannt. Auf Betriebsversammlungen am 26. März 2019 sollen die Mitarbeiter Details zum Stellenabbau erfahren. Derzeit beschäftigt der Autobauer rund 24.000 Mitarbeiter in Deutschland: Knapp 18.000 davon in Köln, 6000 im saarländischen Saarlouis und rund 200 in Aachen. Hinzu kommt eine derzeit unklare Zahl an Leiharbeitern, die von den angekündigten Stellenstreichungen ebenso betroffen sein werden wie die Stammbelegschaft. "Diese Ankündigung ist Teil der bereits im Januar angekündigten Restrukturierung für Ford in Europa mit dem Ziel, in Europa schnellstmöglich wieder zu einem profitablen Geschäft zurückzukehren", kommentiert ein Ford-Sprecher den Ford-Sparkurs. 

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September 2018: Diesen Ford-Modellen droht das Aus

Das Europageschäft als Ganzes kriselt, am Ford-Hauptsitz in Dearborn nahe der US-Autohochburg Detroit wird bereits seit September 2018 über einen harten Sparkurs nachgedacht. Neben Stellenstreichungen und womöglich auch Werksschließungen ist auch die Profitabilität in der gesamten Modellpaletten ein Thema, weshalb sich Ford unter anderem auf margenstarke Modelle konzentrieren will. "Wir ergreifen wirksame Maßnahmen, um das Europa-Geschäft von Ford neu aufzustellen", sagte Europachef Steven Armstrong.  Neben dem Kompaktvan C-Max könnten auch die größeren Vans Galaxy und S-Max vor dem Aus stehen. Sogar dem Ford Mondeo droht in Europa das Aus. Der Grund: ein schrumpfendes Segment und eine mögliche Konzentration auf SUV-Modelle. Laut Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ist Ford Europa im Wettbewerb abgeschlagen: Pro verkauftem Fahrzeug ergab sich im zweiten Quartal 2018 ein operativer Verlust von 165 Euro. In den USA macht Ford hingegen ein Gewinn von 1977 Euro je Fahrzeug, weltweit immerhin von 759 Euro. Mit einer Gewinnspanne von 0,3 Prozent war die Tochter des US-Autobauers im ersten Halbjahr 2018 zudem das Schlusslicht in der Profitabilitäts-Rangliste Dudenhöffers. Zum Vergleich: Das langfristige Ziel sind sechs Prozent. Mehr zum Thema: Das kostet der Ford Focus

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September 2018: Ford-Geschäftsführer Kopplin wechselt zu Emil Frey

Wolfgang Kopplin, scheidender Ford-Deutschland-Geschäftsführer für Marketing und Verkauf, wechselte zur Emil-Frey-Gruppe in die Schweiz. Kopplin folgte am 1. September 2018 auf Christian Klingler, der Ende April 2018 gegangen ist, berichtete die Automobilwoche. Allerdings werde Kopplin andere Aufgaben übernehmen, nämlich als Mitglied der Geschäftsleitung den deutschen Markt verantworten. Nach einem strukturellen Umbau der Gruppe soll es künftig Länderverantwortliche in der Geschäftsleitung der Automobilhandels-Gruppe geben. Wolfgang Kopplin war zuletzt Geschäftsführer Marketing und Verkauf der Ford Werke Köln und stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. Sein Aus in Köln kam überraschend, Nachfolger wurde der ehemalige Verkaufsdirektor Hans-Jörg Klein. Die Emil-Frey-Gruppe ist Europas größte Autohausgruppe, agiert aber nicht nur im Fahrzeug-, sondern auch im Teile- und Zubehörhandel. In Deutschland halten die Schweizer 89 Standorte mit 24 Auto- und Nutzfahrzeugmarken. Mehr zum Thema: So stark ist der neue Ford Focus ST

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2018: Ford-Absatzrekord in Deutschland

Ford befindet sich auf der Überholspur. Zum sechsten Mal in Folge ist Ford auf dem deutschen Markt gewachsen. 2018 entschieden sich fast 4000  Privatkunden mehr für einen Ford als im Vorjahr. Mit 252.232 zugelassenen Pkw hat Ford 5734 mehr Fahrzeuge auf deutsche Straßen gebracht als noch 2017. Das entspricht einem Wachstum von 2,3 Prozent. Die Zulassungen aller Hersteller in Deutschland hingegen waren in 2018 um 0,2 Prozent rückläufig. Damit ist Ford im zurückliegenden Jahr gegen den Trend in der Automobilindustrie gewachsen. "Der konsequente Fokus auf das Endkundengeschäft und unser starkes Produktangebot sind die Basis unseres Erfolgs", sagte Hans Jörg Klein, Geschäftsführer Marketing und Verkauf der Ford-Werke GmbH. Der Gesamtjahres-Marktanteil beläuft sich für das Jahr 2018 auf 7,3 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte über dem von 2017. Besonders stark nachgefragt waren die Modelle Fiesta (47.241 Zulassungen), Focus (49.234 Zulassungen) und kuga (42.298 Zulassungen).  "2018 war für uns das sechste Jahr in Folge, in dem Ford im deutschen Markt gewachsen ist. Das stimmt uns sehr positiv auf das Geschäftsjahr 2019 ein", so Klein weiter. Mehr zum Thema: Ford-Rückruf

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