Werke von BMW-Designer Chris Bangle: Classic Cars Als BMW zur Design-Marke wurde

von Tim Neumann 11.09.2020

Ob "Turnschuh", "Tränensäcke" oder "Hängebauchschwein", das Design polarisierte nie so sehr wie in der Ära von BMW-Designer Chris Bangle. Mittlerweile sind viele Modelle auf dem besten Weg, Classic Cars zu werden. Ein Rückblick!

1992 begann bei BMW eine neue Ära, als die Münchner den amerikanischen Designer Chris Bangle vom Centro Stile Fiat abwarben und als BMW-Chefdesigner einstellten. Das Coupé Fiat, das eines seiner berühmtesten Entwürfe werden würde, bekommen die Öffentlichkeit und die BMW-Verantwortlichen erst ein Jahr später zu Gesicht. Eines seiner ersten Projekte bei BMW ist 1993 das Konzeptauto Z13, das einen ersten, dezenten Hinweis auf den Stil gab, der sich in den kommenden Jahren bei BMW-Modellen durchsetzen sollte. Auf dem Papier las sich der Z13 durchaus spannend – ein Motorrad-Triebwerk als Mittelmotor, ein Layout mit drei Sitzen wie im McLaren F1 –  doch die Hülle nahm den Appetit wieder. Die übergroße Windschutzscheibe in Verbindung mit der niedrigen Schulterlinie wirkt, als hätte man einen Fiat Multipla auf einen BMW Z1 geschraubt. Zugegeben: Der ebenfalls berüchtigte Multipla kam erst sechs Jahre später, doch wer weiß? Vielleicht hatte BMW-Designer Chris Bangle schon ein paar Zeichnungen zum Minivan in der Schublade. Auch wenn die Planung eines BMW-Kompaktmodells wegen der Übernahme von Mini erstmal ad Acta gelegt wird, feiert die Idee 1997 auf der IAA ein Revival: BMW stellt das Z3 Coupé vor. Auf Basis des Roadsters zeichnet Bangle einen Shooting Brake, der von Kritikern fortan den Spitznamen "Turnschuh" erhält und seit jeher Meinungen spaltet. Mehr zum Thema: Das sind die verrücktesten M3, die nie in Serie gingen

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Polarisierende Werke von BMW-Designer Chris Bangle

Doch BMW-Designer Chris Bangle kann nicht nur polarisieren: Als eines seiner legendärsten BMW-Designs gilt der Z8, bei dem er klassische Elemente des 507 aufgreift und modernisiert, ohne ihn einfach zu kopieren. Der traditionellen Silhouette gelingt damit auch die hohe Kunst, sportlich zu wirken, ohne dass der Fahrer die Fahrleistungen des Sportwagens ständig abrufen will. Eine der interessantesten BMW-Studien folgt 2001 mit dem X Coupé. Chris Bangle und sein Design-Team spielen erstmals mit der Idee, die Dynamik einer Coupé-Form auf ein SUV zu übertragen. Der erste Schritt zum X6, der ab 2008 ein völlig neues Segment begründen sollte. Leider gelingen die Proportionen des Showcars auf X5-Basis nicht optimal. Aus heutiger Sicht erinnert es mit seiner geschwungenen Seitenansicht an einen hochgelegten BMW Z4 – der zu diesem Zeitpunkt mitten in der Entwicklungsphase steckte. Der hohe Heckabschluss wirkt wegen seiner zurückhaltenden Linien ungewöhnlich schmal. In den Fokus der Öffentlichkeit gerät BMW-Designer Chris Bangle wie nie zuvor durch das klobige Design des BMW 7ers E65. Die bullige Front und der aufgesetzte Heckdeckel haben nichts mehr gemein mit den sonst immer zurückhaltenden großen Limousinen aus München. Besonders in die Kritik geraten die nach unten gewölbten Frontscheinwerfer, die den zweifelhaften Spitznamen "Tränensäcke" erhalten. 2002 rufen BMW-Fans sogar eine Petition im Netz ins Leben, um BMW-Designer Chris Bangle zum Rücktritt zu bewegen. Doch Bangle bleibt und der 7er erhält ab 2005 ein Facelift, welches ihn etwas ansehnlicher macht.

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BMW-Design von Chris Bangle immer eigenständig

Weil weder der BMW 1er E87 noch der BMW 6er E63 einen direkten Vorgänger haben, kann sich das BMW-Designteam um Chris Bangle relativ frei entfalten. Dem 1er gelingt es erfolgreich, den dynamischen Auftritt eines BMW in die Kompaktklasse zu übertragen. Glücklicherweise steht der BMW Z13 dafür nicht Pate. Das einzige Manko des ersten 1ers: Die nach unten geschwungene Linie an den Seitenschwellern, die ihm den Titel "Hängebauchschwein" einbrocken. Der 6er hingegen fußt auf den organischen Formen des Z9 Gran Turismo Concept von 1999 und erhält – wie schon der strittige 7er – einen auffälligen Heckbürzel, der sich nicht so recht in den sehr rundlichen Heckbereich einpassen möchte. Doch neben den gewagten Designexperimenten Bangles bei BMW ist schnell vergessen, dass in dieser Ära ebenfalls viele gelungene Modelle für den Massengeschmack entstanden. Die 3er E46 und E90, die 5er E39 und E60, sowie die X-Palette, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dem BMW-Designteam gelingt es dabei, jeder Modellreihe eine unverkennbare Eigenständigkeit zu verleihen. Es ist ebenfalls eine Ära voller zukünftiger Klassiker, nicht nur optisch, sondern auch weil BMW motorenseitig groß denkt – M3 mit V8 und M5 sowie M6 mit V10 wird es wegen des Downsizing-Trends nie wieder geben. 2009 verlässt Chris Bangle BMW im Guten und kehrt dem Automobildesign den Rücken. Seine einzigartigen Werke können wir dagegen noch heute bewundern oder belächeln.

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