Bentley Bentayga/Porsche Cayenne Turbo S: Test Bentayga gegen Cayenne Turbo S

von AUTO ZEITUNG 05.02.2018
Inhalt
  1. Bentley Bentayga und Porsche Cayenne im Test
  2. W12 hat mit Bentayga leichtes Spiel
  3. Porsche Cayenne mit viel Platz
  4. Bentley Bentayga mit toller Fahrdynamik

Der Bentley Bentayga setzt ein glasklares Luxus-Statement. Aber kann der Zwölfzylinder-befeuerte Brite auch im Vergleichstest gegen den sportlichen Porsche Cayenne Turbo S überzeugen?

Auch Super-Luxus-Fahrzeuge müssen neben erlesener Auskleidung und einem bärenstarken Antrieb praktische Eigenschaften bieten – das gilt besonders für SUV. Stellen Sie sich vor, der Scheich will nach dem Ritt durch die Dünen noch zum Baumarkt und ein paar Bretter für den neuen Greifvogel-Verschlag kaufen. Oder die Oligarchen-Gattin braucht Platz für die neueste Pelzkollektion – dann sind nicht nur Holzfurniere aus australischem Eukalyptus und Bildschirm-Bespaßung im Fond gefragt, sondern Stauraum und Variabilität. Und so muss sich der Bentley Bentayga mit einem Rivalen messen lassen, der Luxus, Sport und Pragmatismus schon seit Jahren sehr gut vereint: dem Porsche Cayenne Turbo S. Obwohl der Zuffenhausener komplett auf Sport getrimmt ist, gefällt er auf der Autobahn mit satter Straßenlage und guten Komforteigenschaften. Okay, die vierflutige Abgasanlage macht nur selten einen Hehl daraus, dass am anderen Ende ein potenter V8 arbeitet. Das straffe Fahrwerk spricht jedoch fein an und bringt den hohen Aufbau nicht aus der Ruhe. Eine Klasse besser ist aber der Bentayga – ebenfalls adaptiv gedämpft sowie luftgefedert. Die Fahrmodi "Sport" und "Comfort" kann man allerdings getrost überspringen – der eine ist zu straff, der andere zu weich. Am besten arbeitet der 2576-Kilo-Trumm in "B" wie Bentley – äußerst sensibel ansprechend und trotzdem immer vorgespannt, um bei spontanen Ausweichmanövern nicht aus der Ruhe zu geraten.

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Neuer Cayenne mit noch mehr Pfeffer

 

Bentley Bentayga und Porsche Cayenne im Test

Apropos Ruhe: Besuchen Sie doch bei Gelegenheit mal einen Showroom und testen Sie die Komfortsitze im Fond des Bentley Bentayga. Einfach entspannend – mit Fußstütze, ausfahrbahrer Beinauflage, Ohrensessel-Kopfstützen sowie Massageprogramm. Und die Sessel in der ersten Reihe – wie im Porsche Cayenne Turbo S mit einstellbaren Seitenwangen, ausfahrbarer Oberschenkelauflage und Lendenwirbelstütze  – überzeugen nicht nur mit formidablem Langstreckenkomfort, sondern auch mit ihren Maßen, die zu fast jeder Fahrerfigur passen. Selbst beim Thema Ergonomie punktet der Bentayga mit zahlreichen praktischen Ablagen. Die Ablesbarkeit der reduzierten Analog- und Digital-Instrumente klappt gut, und dank Luftfederfahrwerk kann man die Karosserie zum Beladen des Kofferraums um bis zu zehn Zentimeter absenken – die des Cayenne übrigens auch.

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So fährt das Bentley-Luxus-SUV

 

W12 hat mit Bentayga leichtes Spiel

Die Antriebe von Bentley Bentayga und Porsche Cayenne Turbo S könnten unterschiedlicher kaum sein: Im Briten ein doppelt aufgeladener W12 mit 608 PS, der nach dem Start so zurückhaltend läuft, dass man gleich darauf die Drehzahlnadel fixiert, um zu überprüfen, ob das Aggregat nicht schon wieder abgestorben ist. Und im Deutschen ein Biturbo-V8, der sich grollend mit acht unruhig stampfenden Kolben meldet. 570 PS leistet das 4,8 Liter große Kraftwerk und katapultiert den Porsche in nur 3,8 Sekunden auf Tempo 100 und mit gar nicht mal so viel Anlauf bis auf 284 km/h. Nur eine Zehntelsekunde langsamer sprintet der 300 Kilo schwerere Bentayga bis auf Landstraßengeschwindigkeit und tritt dabei so vehement an, dass man die Gesetze der Massenträgkeit anzweifeln könnte. Der Blick ins Datenblatt bestätigt: Das kompakt bauende Sechsliter-Ungetüm auf der Vorderachse türmt bereits bei 1350 Touren gigantische 900 Newtonmeter Drehmoment auf. Und dann zeigt der Bentley seine ruhige Seite – mit automatischem Motorstopp im Stand, Segelfunktion der ZF-Achtstufen-Automatik und Zylinderabschaltung beim gemütlichen Dahingleiten. Technisch derart aufgerüstet, zügelt sich der W12 beim Verbrauchstest und genehmigt sich 16,2 Liter Super Plus auf 100 Kilometern. Quasi genauso viel Kraftstoff spritzt der deutlich leichtere Cayenne in die acht Brennräume. Er muss dank seines 100-Liter-Tanks allerdings seltener an die Zapfsäule.

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Mit zwei Tonnen durch die Hölle

 

Porsche Cayenne mit viel Platz

Der Bentley Bentayga ist ein Palast auf vier Rädern. Vielleicht nicht ganz so groß, denn das Standard-Kofferraumvolumen gibt Bentley für den Viersitzer mit gerade mal 431 Litern an, dafür jedoch höchst edel ausgekleidet mit dicken Lederbezügen bis in die Tiefen der Fußräume und Echtholzfurnier rundum. Im Vergleich zur Handwerkskunst aus Crewe wirkt der ebenfalls penibel verarbeitete Cayenne wie ein Industrie-Produkt von der Stange. Was hingegen gar nicht zum Bentley passt, sind leichte Knarzgeräusche beim Überfahren von Buckelpisten, ein paar Tropfen Wasser im Kofferraum nach dem Besuch der Waschanlage und leichte Vibrationen in den Türen ab etwa 200 km/h. Viel mehr Platz als im Cayenne hat man im Bentayga vorn nicht, und auf der Rückbank glänzt der Brite lediglich mit etwas mehr Raum für die Ellenbogen. An die Bein- und Kopffreiheit des Porsche reicht er jedoch nicht heran. Unterm Strich kann man es so ausdrücken: Der Bentayga bietet innen deutlich weniger Platz, als man es von der 5,14 Meter langen und fast zwei Meter breiten Karosserie erwartet – beim Cayenne ist es genau umgekehrt. Dass beide Luxus-SUV besonders nach hinten schlecht überschaubar sind, machen die serienmäßigen Parksensoren schnell vergessen – besonders, wenn man einen Hänger an den optionalen Haken nehmen will. Ja, Sie haben richtig gelesen: Auch für den Bentayga ist eine Anhängerkupplung im Angebot, selbstverständlich elektrisch ausfahr- und mit bis zu 3,5 Tonnen belastbar. Das sollte für Sportboote oder Warmblüter reichen. Dass der Cayenne schon ein paar Jahre unterwegs ist, merkt man vor allem bei Bedienung und Sicherheitsausstattung: Die Menüstruktur des Touchscreens lenkt manchmal etwas zu sehr ab. Außerdem stehen – anders als beim Bentley – weder Nachtsichtkamera noch Head-up-Display oder eine präventive Crash-Sensorik in der 122 Seiten langen Porsche-Preisliste.

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Bentley Bentayga mit toller Fahrdynamik

Dafür ist der Porsche Cayenne Turbo S ab Werk mit allem ausgestattet, was aus dem hohen, schweren SUV einen flinken Sportler macht: Wankausgleich, Torque Vectoring, Sportlenkung, 21-Zöller und eine Karbon-Keramik-Bremsanlage. Letztere fehlt dem Bentley – und das merkt man ihm unter höchster Belastung auch an. Allerdings ist seine Vorstellung bei den zehn objektiven Bremsmessungen stark. Noch besser ist jedoch die des Cayenne mit 32,9 Metern aus Tempo 100 bis zum Stillstand. Im Slalom aber düpiert der Bentayga den Cayenne: Er ist serienmäßig mit einem 48-Volt-Teilbordnetz ausgerüstet, das die Elektromotoren der aktiven Schaeffler-Stabis blitzschnell ansteuert, welche die Wank- und Nickbewegungen des Kolosses sehr gekonnt unterdrücken. Auf dem Handlingkurs spielt der Cayenne dann zwar die Gewichtskarte, kann jedoch auch hier den Achtungserfolg des Bentayga nicht verhindern: Derart leicht haben sich fast 2,6 Tonnen noch nie angefühlt. Über so viel Luxus können Normalverdiener nur mit dem Kopf schütteln. Einige tausend Bentley-Kunden dagegen haben genickt und den Kaufvertrag für das Luxus-SUV direkt unterschrieben. Vom Cayenne Turbo S hat Porsche bekannterweise auch schon diverse Exemplare unters Großverdiener-Volk gebracht. Und wer mit ein paar Extras bis zu 300.000 Euro für ein Auto ausgibt, der weiß, dass Wartung, Versicherung und Kraftstoff noch einmal fünfstellige Beträge pro Jahr verschlingen können – vom Wertverlust ganz zu schweigen. Unser Fazit zum Vergleichstest der beiden teuren Offroader finden Sie unterhalb der technischen Daten.

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Unser Fazit

Edel und stark sind sie beide. Doch mit Geräusch-, Federungs- und Sitzkomfort auf sehr hohem Niveau, bullig-lässigem Antrieb und den praktischeren Qualitäten holt der sündhaft teure Bentley Bentayga die entscheidenden Punkte gegen den Porsche Cayenne Turbo S. Der Schwabe beeindruckt aber auch nach fast sechs Jahren Bauzeit immer noch mit extremer Dynamik, kompaktem Fahrgefühl, bärenstarkem Antrieb und hoher Alltagstauglichkeit.

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