Verkehrstote (Deutschland): Unfallstatistik 2020 Zahl der Verkehrstoten im Pandemiejahr gesunken

von Christina Finke 01.03.2021
Inhalt
  1. Verkehrstote in Deutschland: Vorläufige Zahlen der Unfallstatistik 2020
  2. Ergebnisse des Unfallverhütungsberichts Straßenverkehr 2018/2019
  3. Unfallstatistik 2019: Tiefststand bei der Zahl an Verkehrstoten in Deutschland

Die Unfallstatistik 2020 zeigt, dass die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland während der Coronakrise auf einen neuen historischen Tiefstand gesunken ist. Die Entwicklung zeigte sich bereits in den Jahren zuvor, wie auch aus dem Unfallverhütungsbericht für 2018 und 2019 hervorgeht. Die Ergebnisse im Detail!

Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland ist 2020 auf einen historischen Tiefstand gesunken: Während der Coronakrise sind vorläufigen Zahlen der Unfallstatistik 2020 zufolge 2724 Menschen bei Verkehrsunfällen auf deutschen Straßen gestorben. Das waren 322 Verkehrstote oder 10,6 Prozent weniger, als noch 2019. Das berichtet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Darüber hinaus ging auch die Zahl der Verletzten 2020 um 14,7 Prozent auf rund 328.000 Personen zurück. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede im Hinblick auf die Verkehrsmittel: Den vorläufigen Zahlen der Unfallstatistik 2020 zufolge gab es bei Pkw den stärksten prozentualen Rückgang. Tödliche Autounfälle gingen um 14,3 Prozent oder 176 Verkehrstote zurück. Bei Motorrädern gab es einen Rückgang von 8,6 Prozent, bei Fußgänger:innen von 9,1 Prozent und bei Radfahrer:innen um 12,9 Prozent. Allein bei den Pedelecfahrer:innen zeigt sich eine andere Entwicklung: Die Zahl der getöteten stieg hier um 19,1 Prozent auf 137. Insgesamt nahm die Polizei 2020 rund 2,3 Millionen Unfälle – und damit 15,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor – auf. Die gesunkenen Zahlen seien vor allem darauf zurückzuführen, "dass wegen der Corona-Pandemie im Jahr 2020 auf deutschen Straßen deutlich weniger Kilometer zurückgelegt wurden als im Vorjahr", berichteten die Statistiker:innen. Die Zahlen von 2020 sind daher nicht repräsentativ für die Entwicklung der Verkehrssicherheit. Mehr zum Thema: Bei Verkehrsunfällen immer die Polizei rufen?

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Unfall-Szenarien auf der Autobahn (Video):

 
 

Verkehrstote in Deutschland: Vorläufige Zahlen der Unfallstatistik 2020

Bereits 2019 war die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland auf einen historischen Tiefstand gesunken. Dennoch sank die Zahl der Getöteten weniger stark, als sich die Bundesregierung ursprünglich vorgenommen hatte. Das zeigt der Unfallverhütungsbericht Straßenverkehr 2018/2019, den das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur alle zwei Jahre dem Bundestag vorlegt. So wurde im Verkehrssicherheitsprogramm 2011 angestrebt, die Zahl der Verkehrstoten im Straßenverkehr bis 2020 um 40 Prozent zu verringern. Tatsächlich hat sich die Zahl der Verkehrstoten bis 2019 aber nur um 24 Prozent verringert. Und auch wenn es 2020 offenbar noch mal deutlich weniger Verkehrstote gab, wird das selbst gesteckte Zwischenziel dem Bericht zufolge nicht erreicht. Nun arbeitet das Verkehrsministerium am nächsten Verkehrssicherheitsprogramm von 2021 bis 2030, das noch im Frühjahr 2021 fertig sein soll. "Der Unfallverhütungsbericht zeigt: Unsere Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit wirken", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Man wolle aber vor allem noch mehr Schutz für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen. Denn vor allem die Zahl der Fahrradunfälle ist laut dem Bericht seit 2000 deutlich gestiegen. Mit härteren Strafen für Autofahrer:innen bei entsprechenden Verstößen sollte eigentlich der neue Bußgeldkatalog helfen, Radfahrende und Fußgänger:innen besser zu schützen. Allerdings ist dieser wegen eines Formfehlers in Teilen außer Kraft gesetzt. Darüber hinaus fordert etwa der ADAC zusätzliche Radwege. Bis die Politik ihr langfristiges Ziel, die sogenannte "Vision Zero" erreicht, ist es demzufolge noch ein langer Weg: Die Bundesregierung will die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland mittelfristig auf null senken. 

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Ergebnisse des Unfallverhütungsberichts Straßenverkehr 2018/2019

Deutschland hatte laut der aktuellen Unfallstatistik 2019 des Statistischen Bundesamts (Destatis) 3046 Verkehrstote zu beklagen – das ist der niedrigste Stand seit mehr als 60 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr starben 2019 sieben Prozent (229) Menschen weniger im Straßenverkehr. Auch die Zahl der Verletzten ist zurückgegangen, um drei Prozent auf 384.000 Menschen. Und das, obwohl die Polizei mit insgesamt 2,7 Millionen so viele Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen zählte wie noch nie seit 1991. Wie bereits in den Vorjahren ereigneten sich auch 2019 die meisten Unfälle mit Personenschaden innerhalb von Ortschaften (69,2 %). Jedoch wurden dort nur 30,6 Prozent der Getöteten registriert. Die meisten Verkehrstoten in Deutschland gab es der Unfallstatistik 2019 zufolge auf Landstraßen (57,7 %), wobei dort nur jeder vierte Unfall mit Personenschaden stattfand (24,2 %). 6,7 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden und 11,7 Prozent aller Getöteten wurden auf Autobahnen gezählt. Als Grund für die häufig schlimmeren Folgen bei Unfällen auf Autobahnen und Landstraßen gibt Destatis unter anderem die höheren Fahrgeschwindigkeiten an. Auf Landstraßen kämen demnach zudem Risiko-erhöhende Faktoren wie die fehlende Trennung des Gegenverkehrs, schlechte Überholmöglichkeiten sowie Kreuzungen oder ungeschützte Hindernisse wie Bäume neben der Fahrbahn hinzu.

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Unfallstatistik 2019: Tiefststand bei der Zahl an Verkehrstoten in Deutschland

Wie die Unfallstatistik 2019 zeigt, ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland im Vergleich zu 2010 um 16,5 Prozent gesunken. Allerdings gibt es dem Statistischen Bundesamt zufolge deutliche Unterschiede zwischen den wichtigsten Beteiligten am Straßenverkehr: Während die Zahl der getöteten Pkw-Insassen 2019 um 25,9 Prozent niedriger war als im Jahr 2010, fielen die Rückgänge bei Menschen, die auf einem Kraftrad unterwegs waren, sowie bei Fußgängerinnen und Fußgängern mit 14,7 beziehungsweise 12,4 Prozent geringer aus. Die Zahl der getöteten Radfahrer:innen ist dagegen seit 2010 um 16,8 Prozent gestiegen. Trotz des überdurchschnittlichen Rückgangs der Anzahl der Verkehrstoten seit 2019 waren die meisten Getöteten 2019 Pkw-Insassen: 1364 kamen in einem Auto ums Leben, 605 in einem Kraftrad, 445 auf dem Fahrrad. 417 waren laut der Unfallstatistik 2019 Fußgänger:innen und 152 Insassen von Güterkraftfahrzeugen. Im EU-weiten Vergleich landet Deutschland mit 37 Verkehrstoten je eine Million Einwohner gemeinsam mit Finnland auf Rang neun. Am gefährlichsten war es demnach auf den Straßen in Rumänien (96) und Bulgarien (89), am sichersten in Schweden (22) und Irland (29). Die Bundesregierung hat sich der Vision Zero verpflichtet, die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland mittelfristig auf null zu senken. Das Zwischenziel, bis 2020 die Verkehrstoten um 40 Prozent gegenüber 2010 zu verringern, wurde jedoch deutlich verfehlt.

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