Mercedes SL 320/SLK 230 Kompressor: Classic Cars SL und SLK im ewigen Roadster-Duell

von Sven Jürisch 10.05.2019
Inhalt
  1. Mercedes SL 320 & SLK 230 Kompressor im Classic Cars-Vergleich
  2. Mercedes SLK überzeugt im Alltag
  3. Mercedes SL punktet durch Stauraum
  4. Technische Daten Mercedes SL 320 & SLK 230

Der Mercedes SL 320  und SLK 230 treten im Classic Cars-Vergleich an. Während früher meist der Preis entscheidend war, sind heutzutage beide Autos erschwinglisch. Wer ist also die Nummer 1?

Wie so oft im Leben werden einem in wirklich schwierigen Fragen die Entscheidungen von praktischen Gegebenheiten abgenommen. So war das auch Mitte der 90er, als es um die Auswahl des Roadsters für die nächsten Sommer ging. Mit dem Mercedes SL und dem SLK bot Mercedes gleich zwei Modelle für den offenen Fahrspaß zu zweit an. Doch der Blick in die Preisliste beendete die freie Wahl in der Regel gleich wieder. 1998 stand der preiswerteste SL, der SL 280 mit dem 204 PS starken V6-Motor, für 127.020 Mark in den Verkaufsräumen, während der gleichstarke SLK mit 64.032 Mark nur rund die Hälfte kostete. Klare Entscheidung also: Der Mercedes SL für die oberen Zehntausend, der SLK für das besser betuchte Volk mit Reihenhaus und E-Klasse vor der Tür. Statusdenken herrschte auch unter dem Blech, denn im SLK 230 mühte sich ein mit einem Kompressor aufgeladener Vierzylinder um den Vortrieb, während der SL mit dem Facelift von 1998 den brandneuen V6- Dreiventiler spendiert bekam.

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Mercedes SL 320 & SLK 230 Kompressor im Classic Cars-Vergleich

Heute, rund 20 Jahre später, darf die Träumerei von einst wieder aufgenommen werden. Ein SLK wechselt inzwischen sehr preiswert den Besitzer, und der Mercedes SL 320 vom Typ R129 ist auch nach Durchschreiten der Preis-Talsohle weiterhin interessant. Für rund 15.000 Euro gelingt der Einstieg in den automobilen Aufstieg, wenn auch nicht unbedingt mit einem V6. In dieser Preislage dominiert die ursprüngliche Version mit klassischem Reihensechszylinder, entweder als Zweiventiler mit 190 oder als Vierventiler mit 220 PS. Dann ist auch die Modellbezeichnung 300 SL dabei – und die weckt auch bei automobilen Laien Erinnerungen an die legendären Verwandten aus den 50er-Jahren. Preislich etwas höher angesiedelt ist der auf diesen Seiten gezeigte 320 SL mit 231 PS starkem Reihensechszylinder. Der SL Typ R129 bietet ursprüngliches Mercedes-Feeling in Reinkultur Es beginnt mit dem haptischen Erlebnis der soliden Türgriffe, geht weiter über das satte Schließgeräusch der Türen und endet noch lange nicht bei dem von zahlreichen Hydraulikzylindern betriebenem Verdeck, bei dem das Einschnappen der beiden Schließwinkel am Dachrahmen sich anhört wie der Verschluss einer sehr teuren Damenhandtasche. Wer gute alte Daimler-Qualität erleben will, der greift zum SL. Der SLK vom Typ R170 kann da nicht mithalten. Er patzt mit einfachen Kunststoffen, preiswerten Sitzbezügen und Schaltern, deren Druckpunkt sich irgendwie weniger robust anfühlt als im SL. Bleibt der Trost, dass der Rost, anders als bei anderen Mercedes-Modellen der späten 1990er, beim SLK kein großes Problem ist.

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Mercedes SLK überzeugt im Alltag

Geht es um das tägliche Miteinander, schlägt die Stunde des SLK 230. Wo mit dem SL immer ein wenig großes Kino im Auftritt herrscht, ist der SLK unprätentiöser. Sein Vario-Metallklappdach macht ihn für Laternenparker ebenso interessant wie für die Ganzjahresnutzung. Beides geht mit dem SL dank Hardtop auch, doch mal ehrlich: Es fühlt sich ungut an, den R129 Nacht für Nacht an den Bordstein zu stellen oder mit ihm über vereiste Straßen zu rutschen. Ein weiterer Bonus des SLK sind seine knapperen Ausmaße, die ihn für den Stadtverkehr prädestinieren. Parklücke anpeilen und in einem Zug besetzen – ein Vorgang, bei dem der große Dampfer SL meist passen muss. Sein Handling ist geprägt von der Schwere der S-Klasse. Hinzu kommt, dass mit den kleinen Sechszylindern und der Automatik nicht wirklich viel Dynamik am Start ist. Die Waage verrät, dass die gefühlte Wertigkeit ihren Preis hat, denn ein SL 320 wiegt mit ein paar Extras rund zwei Tonnen, der SLK über 500 Kilo weniger.

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Mercedes SL punktet durch Stauraum

Punkten kann der SL dagegen, wenn es um den Einkauf oder die Reise zu zweit geht. Im Gegensatz zum SLK bleibt im Mercedes SL der Kofferraum in jeder Lebenslage gleich groß. Sein Softtop liegt in einem separatem Verdeckkasten, während der SLK sein Variodach zu Lasten des Kofferraumvolumens verstaut. Dass der SL bietet zudem beispielsweise Hundebesitzern einen unschätzbaren Vorteil mit seiner üppigen Ablage (wahlweise Notsitze) hinter den Vordersitzen. Einen Roadster kauft man zwar mit Herz, doch ganz außen vor bleiben sollte der Verstand nicht. Der SL 320 ist deutlich teurer als der SLK 230 Kompressor und höhere Unterhaltskosten für den Sechszylinder und die aufwändigere Technik sollte man auch einkalkulieren. Dass aber der Wert des R129 stetig steigen wird, ist kein Geheimnis. Vor allem originale Fahrzeuge mit wenig Kilometern stehen in der Gunst der Liebhaber weit oben. Wem der Sechszylinder zu wenig Punch bietet, der kann auch zu einem 500er SL mit V8 greifen. Beim SLK ist die Situation schwieriger. Die Vierzylinder sind nicht besonders beliebt, und auf einen Wertzuwachs darf man wohl nur bei den späteren V6-Modellen hoffen. Die sind aktuell teurer und liegen fast auf einem Niveau mit dem SL 320 – ohne dessen Aura auch nur annähernd zu erreichen.

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Technische Daten Mercedes SL 320 & SLK 230

 Mercedes SL 320Mercedes SLK 230
ZylinderR6R4
Hubraum3199 cm³2295 cm³
Leistung170 kW/231 PS bei 5600/min142 kW/193 PS bei 5300/min
Maximales Drehmoment314 Nm bei 3750280 Nm bei 2500/min
Getriebe/AntriebFünfgang-Automatik; HinterradantriebFünfgang-Automatik; Hinterradantrieb
Beschleunigung (0 - 100 km/h)8,4 Sekunden7,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit240 km/h227 km/h
Leergewicht1780 Kilogramm1250 Kilogramm
Verbrauch11,0 l/100 Kilometer9,3 l/100 Kilometer
Reifen225/55 R 16205/55 R 16 (vorne)
225/50 R 16 (hinten)
Bauzeit1993 bis 19981996 bis 2000
Preis125.925 Mark (1993)60.950 Mark (1996)
Stückzahl32.223113.520

 

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