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Mercedes S 500 4Matic: Test Mercedes S-Klasse als S 500 im Test

von Caspar Winkelmann 01.03.2021
Inhalt
  1. Mercedes S 500 4Matic im Test
  2. Mercedes S-Klasse definiert Komfort neu
  3. Connectivity-Check bei der Mercedes S-Klasse
  4. Messwerte & technische Daten Mercedes S 500 4Matic

Das beste Auto der Welt? Diese Frage stellt sich immer, wenn Mercedes die S-Klasse neu auflegt. Fest steht: So digital war das Schwaben-Flaggschiff noch nie. Weiteres klärt der erste Test des Mercedes S 500 4Matic.

PositivKomfort setzt Maßstäbe, kraftvoll-effizienter Antrieb,
edel, kleiner Wendekreis
NegativPreisniveau, Bedienung muss erlernt werden

Eine gute Vorbereitung ist alles. Im Falle eines Tests der Mercedes S-Klasse aber vor allem eines: zeitintensiv. Ganze 94 Seiten umfasst die digitale Pressemappe von Mercedes zur neuen S-Klasse, die sich der Autor zu Gemüte führen muss, bevor der Stuttgarter Sternenkreuzer auf den Redaktionsparkplatz rollt. Und wo wir gerade beim Durchstöbern von PDF- und Word-Dokumenten sind: Die traditionell umfangreiche Preisliste bringt es auf über 60 Seiten. Immer wenn die S-Klasse neu auf den Markt kommt, soll – oder besser gesagt – muss sie Maßstäbe in puncto Komfort und Technik setzen. Gerade heute, in Zeiten, in denen es teilautonome Fahrfunktionen bereits in Kompaktautos gibt, die digitale Vernetzung klassenübergreifend schon zum Standard gehört und die größte Aufmerksamkeit der E-Mobilität gilt, erscheint diese Aufgabe herausfordernder denn je. Schließlich ist das Grundkonzept des schwäbischen Topmodells als große und luxuriöse Limousine mit kräftigem Verbrennungsmotor schon einige Jahrzehnte alt. Genug der Vorreden, denn soeben fährt der brandneue Mercedes S 500 4Matic in klassischem Silbermetallic und mit "kurzem" Radstand (über 3,1 m) zum Test vor. Die Front wirkt mit schmaleren, auf Wunsch in HD-Technik ausgeführten LED-Scheinwerfern moderner als die des Vorgängermodells, die Gesamterscheinung lässt sich am besten als imposant beschreiben. Das liegt auch an den enormen Abmessungen: Der Neue misst in der Länge 5,18 Meter, die Breite beträgt ohne Außenspiegel 1,95 Meter, mit Spiegeln 2,11 Meter. Beim Einsteigen erweisen sich die elektrisch ausfahrbaren Türgriffe (1428 Euro) als kleines Hindernis, weil die E-Motoren bei Griffbetätigung etwas träge reagieren.

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Mercedes S 500 4Matic im Test

Das Interieur der Mercedes S-Klasse ist eine Mischung aus First-Class-Lounge und Raumschiff Enterprise – für einen vergleichbaren Wow-Effekt sorgten in den letzten Jahren nur die Cockpits der Tesla-Modelle. An diese erinnert auch das 12,8 Zoll große und brillante Bilder liefernde OLED-Zentraldisplay. Die Bedienung verlangt aufgrund der teils verschachtelten Untermenüs nach Eingewöhnung, die großen Icons erleichtern im Test aber das Touchen während der Fahrt, und die intelligente Sprachsteuerung verarbeitet meist auch anspruchsvollere Kommandos. Edles Leder, viele Hochglanzoberflächen (Achtung vor Staub und Fingerabdrücken) und die vermutlich coolste Ambientebeleuchtung der Welt komplettieren das Erlebnis S-Klasse. Dazu passen die Multikontursitze vorn, die sich mit schmeichelnder Lederpolsterung, zahlreichen Einstellmöglichkeiten und Massagefunktionen dafür verantwortlich zeigen, dass man auch nach stundenlanger Fahrt tiefenentspannt und praktisch ohne Ermüdungserscheinungen aussteigt. Das gilt auch für die einstellbaren Einzelsitze im Fond, auf denen vor allem erfolgreiche Unternehmer, Promis oder Politiker Platz nehmen dürften. Kopfraum, Ellenbogen- und Beinfreiheit hinten sind über jeden Zweifel erhaben. Letztere fällt bei der Langversion – weltweit wird die S-Klasse in neun von zehn Fällen mit langem Radstand verkauft – natürlich noch großzügiger aus. Über das in der Mittelarmlehne befindliche MBUX Fond-Tablet können Passagiere im Internet surfen oder Ambientebeleuchtung und Co. einstellen. Fun Fact: Auf dem Samsung-Tablet des Testwagens ist eine inzwischen antiquierte Android-Software installiert, was nicht so ganz zum technologischen Führungsanspruch von Mercedes passt. Wir nehmen wieder vorn links Platz und drücken den Startknopf des Mercedes S 500 4Matic. Wirkungsvoll gedämmt meldet sich der an ein 48-Volt-Bordnetz samt Riemen-Starter-Generator gekoppelte Reihensechszylinder-Turbobenziner zum Dienst. Die Zeiten, in denen ein 500er stets einen V8 unter der Haube hatte, sind vorbei. Sicher: An den samtigen Sound eines V8 kommt der R6 nicht ganz heran, er leistet jedoch mit E-Boost 457 PS und beschleunigt den 2127 Kilogramm schweren Mercedes S-Klasse in 4,9 Sekunden auf Tempo 100. Nach 9,9 Sekunden meldet der Digitaltacho schon 150 km/h, und in keiner Fahrsituation kommt der Wunsch nach mehr Leistung auf. Noch beeindruckender ist aber die Effizienz der derzeit stärksten S-Klasse: Verbräuche mit einer Acht vor dem Komma sind bei entspannten Autobahnfahrten mühelos möglich. Auf unserer Verbrauchsrunde mit Stadtverkehr und Volllastanteil genehmigt sich der Mercedes S 500 im Test 9,4 Liter Super Plus. Das liegt auch am Luftwiderstandsbeiwert, der ausstattungsabhängig bestenfalls bei 0,22 liegt. Der Testwagen bringt es auf 0,25.

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Mercedes S-Klasse definiert Komfort neu

An Bord des Mercedes S 500 4Matic geht es auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr ruhig zu. Bis etwa 80 km/h werden Fahrgeräusche so wirkungsvoll ausgeblendet, dass das Rauschen der Klimaanlage oder das Arbeiten der E-Motoren für die Sitzmassage akustisch dominieren. Serienmäßig verfügen alle S-Klassen über eine Mehrkammer-Luftfederung samt Niveauregulierung. Die Mercedes S-Klasse flauscht damit im Test auch über gröbste Fahrbahnverwerfungen, spricht auf Kanten ebenso so sensibel an wie auf Schlaglöcher oder Fugen. Welliger Untergrund wird mit sanftem Wogen der bocksteifen Karosserie glatt gebügelt. Im schwäbischen Luxus-Kokon nimmt man deshalb bekannte, im Hinterkopf als üble Rüttelpisten abgespeicherte Straßen ganz anders wahr – so schafft das derzeit kein anderes Fahrzeug. Dass die bayerischen Konkurrenten Audi A8 und BMW 7er in der Erinnerung etwas behänder über den Handlingparcours wedeln – geschenkt. Den Fahralltag in Innenstädten oder Tiefgaragen meistert die S-Klasse trotz ihrer gigantischen Außenabmessungen im Test ohne Probleme, weil die Hinterräder einen Lenkwinkel von bis zu zehn Grad ermöglichen und der Wendekreis von rund zehn Metern auf Kleinwagen-Niveau liegt. In ganz anderen Sphären bewegt sich der ab 122.451 Euro teure S 500 4Matic preislich. Das hat aber bei Mercedes ebenso Tradition wie der Anspruch, mit der S-Klasse das beste Auto der Welt zu bauen.

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Connectivity-Check bei der Mercedes S-Klasse

Die Mercedes S-Klasse trumpft mit einer nahezu lückenlosen Multimediaausstattung auf: LTE-Internetzugang, Navigationssystem mit Augmented-Reality-Funktionen, DAB-Radio, Smartphone-Integration und induktive Ladefläche für Smartphones zählen ebenso wie das 12,8 Zoll große OLED-Zentraldisplay mit haptischem Feedback immer zum Serienumfang. Für 1285 Euro gibt es TV-Empfang, das im getesteten Mercedes S 500 4Matic installierte Burmester-Soundsystem kostet 1559 Euro. Übrigens: Die Rechenleistung der zweiten MBUX-Generation übertrifft die des Vorgängermodells um 50 Prozent.

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Messwerte & technische Daten Mercedes S 500 4Matic

AUTO ZEITUNG 04/2021Mercedes S 500 4Matic
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.R6/4; Turbo/elektrischer Zusatzverdichter
Hubraum2999 cm³
Leistung320 + 16 kW/435 + 22 PS bei 6100 /min
Getriebe/Antrieb9-Stufen-Automatik,
Allradantrieb
Messwerte
Leergewicht (Werk)2127 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)4,9 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)250 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,4/34,3 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)9,4/8,1 l SP
CO2-Ausstoß (WLTP)178 g/km
Preise
Grundpreis122.451 € (S 500)

von Caspar Winkelmann von Caspar Winkelmann
Unser Fazit

Der neue Mercedes S 500 4Matic bietet im Test ein Fahrerlebnis der Spitzenklasse: Beim Sitz-, Geräusch- und vor allem Federungskomfort definiert der Sternenkreuzer ein neues Level in der Klasse der Luxuslimousinen. Der durch die Hinterachslenkung geschrumpfte Wendekreis, das Interieurambiente oder der geringe Luftwiderstandswert zeigen, wie viel Know-how die Stuttgarter in die Mercedes S-Klasse gesteckt haben – dafür müssen Kunden aber entsprechend zahlen.

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