i30 Kombi/Octavia Combi/Golf Variant: Test Neuer i30 Kombi gegen starke Gegner

von Elmar Siepen 05.12.2017
Inhalt
  1. Test: Hyundai i30 Kombi gegen Golf und Octavia
  2. Nur der i30 mit konventionellem Fahrwerk
  3. Motor/Getriebe: Golf-Aggregat am sparsamsten
  4. Skoda Octavia mit bester Fahrdynamik
  5. Umwelt /Kosten: i30 mit bestem Gesamtpaket

Erster Test des Hyundai i30 Kombi gegen die starke Konkurrenz aus Wolfsburg und Mladá Boleslav. Golf und Octavia treten natürlich auch mit Rucksack an. Geht der Sieg nach Südkorea?

Was waren das noch für Zeiten, als koreanische Autos milde belächelt wurden: mit ihrer barocken Karosserie-Optik stark an den asiatischen Geschmack angelehnt, im Innenraum so trist wie ein nordkoreanisches Wohnsilo und in den Fahreigenschaften so weit vom europäischen Standard entfernt wie die Erde vom Mond. Doch das Lächeln verging der Konkurrenz recht schnell, denn die Asiaten lernten in atemberaubendem Tempo. Inzwischen schlägt Hyundai in manchen Vergleichstests VW. Deshalb wurde der i30 Kombi schon mit Spannung erwartet – und der Vergleichstest gegen die Kompakt-Kombi-Rivalen aus dem VW-Konzern noch mehr.

Der Hyundai i30 im Video:

 
 

Test: Hyundai i30 Kombi gegen Golf und Octavia

Wer Kombis kauft, fragt in der Regel nach dem Platzangebot. Während die Unterschiede auf den vorderen Plätzen marginal ausfallen, kann man beim Blick auf die Fondplätze des Skoda nur staunen, denn der Tscheche bietet mit maximal 41 Zentimeter Knieraum Oberklasse-Niveau, während der neue Hyundai i30 Kombi knapper geschnitten ist. Nicht nur das Ladeabteil ist beim Octavia mit bis zu 1740 Litern das Größte, sondern er bietet mit 519 kg auch die höchste Zuladung. Zwar hat der i30 mit 1650 Liter Stauraum sogar 30 Liter mehr als der Golf Variant, verschenkt diesen Vorteil aber mit der geringsten Zuladung im Testfeld: 474 kg. Hinzu kommt, dass er keinen durchgängig ebenen Ladeboden aufweist und seinen Käufern im Gegensatz zu denen von Skoda und VW die Option auf einen klappbaren Beifahrersitz vorenthält. Auf der Habenseite des Hyundai steht, abgesehen von der fehlenden Klarlack-Lackierung im Motorraum und auf dem Heckklappenrahmen, die gute Verarbeitung. Bei der Bedienung liegen alle drei wieder dicht beieinander, man findet sich ohne großes Studium der Betriebsanleitung gut zurecht. In puncto Sicherheit hat Hyundai mächtig aufgeholt. So sind beispielsweise eine City-Notbremsfunktion und ein aktiver Spurhalteassistent serienmäßig. Ein Totwinkelwarner, die Verkehrszeichenerkennung und ein Abstandsregeltempomat gibt es als Optionen in der Preisliste. Doch steht der Golf am Ende noch besser da, denn er lässt sich im Gegensatz zum i30 Kombi optional beispielsweise auch mit Kurvenlicht ausrüsten.

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Nur der i30 mit konventionellem Fahrwerk

Während die Konkurrenz mit aufpreispflichtigen adaptiven Dämpfern vorfährt, muss sich der Hyundai generell mit einem konventionellen Fahrwerk bescheiden – und überrascht: Straff, aber keineswegs unkomfortabel federnd pariert er Fahrbahnunebenheiten aller Art und sticht dabei sogar den Skoda aus, dessen Verbundlenker-Hinterachse im Komfort-Modus insbesondere auf Querkanten teils kräftige Schläge austeilt. Unter Ausnutzung der vollen Last schlägt er auf den Rüttelpisten des Testgeländes sogar zuweilen durch. Hier zeigt der Koreaner – ebenso wie der Golf Variant – höhere Reserven und federt immer noch geschmeidig bei kontrolliert gedämpfter Aufbaubewegung. Die Vordersitze in Octavia und i30 punkten mit einer ordentliche Konturierung und straffen Polstern. Doch der Golf kann es noch besser, denn seine ErgoActive-Sitze (650 Euro) bieten nicht nur noch vielfältigere Einstellungsmöglichkeiten, sondern auch eine Massagefunktion auf der Fahrerseite. Sitztechnisch reist man im Skoda-Fond am bequemsten, was in der besten Oberschenkelauflage begründet liegt. Ergonomisch wiederum überzeugt der Hyundai mit gut ablesbaren Instrumenten und optimal platziertem Bildschirm. Dass Skoda und VW seit dem jüngst erfolgten Facelift etwa auf den klassischen Drehknopf für die Lautstärkeregelung verzichten und sich einzelne Funktionen nur über das jeweilige Zentralmenü ansteuern lassen, dürfte Geschmacksache sein. Ihre hochauflösenden Bildschirme stoßen dagegen auf breite Zustimmung in der Testmannschaft. Im Alltag glänzt der Golf gegenüber dem Skoda zusätzlich noch mit einem automatischen Haubenaufsteller.

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Motor/Getriebe: Golf-Aggregat am sparsamsten

Mitten in der Dieselkrise stellt sich die Frage nach dem Antrieb neu. Die Testkandidaten sind mit 1,4 -(Hyundai und Skoda) beziehungsweise 1,5-Liter-Turbo-Benzindirekteinspritzern aus- gerüstet, die allesamt einen positiven Eindruck hinterlassen und zumindest für jene, die eine überschaubare Jahresfahrleistung haben, durchaus als Selbstzünder-Alternative taugen. Mit 242 beziehungsweise 250 Nm maximalem Drehmoment stellen sie genügend Durchzugskraft zur Verfügung, um auch mit Kind und Gepäck an Bord zügig vorwärtszukommen. Mit 140 PS ist der Hyundai zwar zehn PS schwächer als die Konkurrenz, liegt aber in der Beschleunigung von null auf 100 km/h mit 8,9 Sekunden gleichauf mit dem VW. In der Elastizitätsprüfung setzt er sich gar mit 7,6 Sekunden zwischen 60 und 100 km/h im fünften Gang an die Spitze des Trios. Im sechsten Gang zwischen 80 und 120 km/h beschleunigt dagegen der Skoda geringfügig besser als seine Rivalen, während der VW mit 218 km/h bei der Höchstgeschwindigkeit die Spitze markiert. Im Interesse eines geringen Verbrauchs setzen die Wolfsburger auf Zylinderabschaltung: Bei geringer Last und bis zu 3200 /min kann der Variant-Motor als Zweizylinder laufen. Wird mehr Leistung gefordert, arbeiten wieder alle vier Zylinder. Das Umschalten ist nur durch einen ganz leichten Ruck spürbar. An der Tankstelle macht sich die Technik mit dem niedrigsten Testverbrauch von nur 6,2 Liter Super auf 100 Kilometern bemerkbar, wobei der Skoda mit 6,4 Litern nicht viel schlechter abschneidet. Ganz im Gegensatz dazu der Hyundai, der einen ganzen Liter mehr benötigt. Was die Kraftübertragung betrifft, lassen sich die Gänge bei Skoda und VW noch eine Spur exakter Schalten als das Hyundai-Getriebe.

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Skoda Octavia mit bester Fahrdynamik

Auch wenn Familienkombis kaum wegen des Fahrspaßes gekauft werden, bieten alle drei Testkandidaten neben einem hohen Fahrsicherheitsniveau eine gute Portion Vergnügungspotenzial. Der Neuling aus Korea lässt sich zackig in die Ecken werfen und gibt sich dabei recht handlich. Seine Lenkung ist von der rückmeldefreudigen Sorte, könnte aber mit etwas kleineren Lenkwinkeln operieren. An der Reifenhaftgrenze tendiert der i30 Kombi zu sanftem Untersteuern. Wer in Kurven vom Gas geht, wird mit einem munter eindrehenden Heck konfrontiert, bevor das ESC (ESP) rechtzeitig den Rettungsanker wirft. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren zeigt der Hyundai allerdings mit pfeifenden Reifen, dass es ihm hier ein wenig an Traktion mangelt. Da ist der Octavia Combi aus anderem Holz geschnitzt, denn er bietet spürbar mehr Grip. Zudem liegt er ruhiger als der Hyundai. Im Grenzbereich arbeitet seine Fahrdynamikregelung deutlich feinfühliger als die des Koreaners, und auch seine Lenkung vermittelt noch einen Hauch mehr Fahrbahnkontakt. Das Pedalgefühl seiner Bremse leidet allerdings etwas unter dem zunehmenden Leerweg bei hoher Belastung auf dem Handlingkurs. Trotzdem liefert der Tscheche in der Bremsprüfung aus 100 km/h bis zum Stand mit jeweils 34, 4 Metern (Kalt- und Warmbremswert) die kürzesten Bremswege. Und auch auf dem Handling- und dem Slalom-Kurs ist er der Schnellste. Der Golf Variant rollte mit R-Line Sport-Paket zum Test (1100 Euro). Dazu zählen die bereits erwähnten adaptiven Dämpfer, eine um zehn Millimeter tiefergelegte Karosserie sowie eine Progressiv-Lenkung. So gerüstet klebt der Golf förmlich auf dem Asphalt und umrundet Kurven mit deutlich weniger Seitenneigung als seine Kontrahenten. Dank der Lenkung, die durch das progressive Übersetzungsverhältnis in Kurven direkter anspricht, entwickelt der Wolfsburger geradezu Kart-Qualitäten, kann aber den Skoda nicht übertrumpfen.

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Umwelt /Kosten: i30 mit bestem Gesamtpaket

Inklusive der testrelevanten Extras ist der Hyundai über 5000 Euro günstiger als der VW, der übrigens auch den höchsten Grundpreis aufweist. Hinzu kommt die laut Deutscher Automobil Treuhand (DAT) höchste Wertminderung des Wolfsburgers innerhalb des Testfelds. Da retten ihn auch seine vergleichsweise günstigen Werkstattkosten und die niedrigen Versicherungstarife für Haftpflicht und Vollkasko in diesem Kapitel nicht mehr vor der roten Laterne. Zwar verursacht der Hyundai die höchsten Kraftstoff- und Versicherungskosten, aber durch seinen Preisvorteil in der Anschaffung sowie das mit Abstand beste Garantiepaket gewinnt er souverän das Kostenkapitel. Der niedrigste Grundpreis beschert dem Skoda Octavia Kombi den geringsten Wertverlust. Hinzu kommt, dass der Tscheche bei den jährlichen Werkstattkosten laut ADAC-Berechnung der Günstigste ist. Doch Vorsicht: Beim Studium der Preisliste fällt auf, dass manche Extras für die extrem günstige Basisversion Active nicht erhältlich sind.

Technische DatenHyundai i30 Kombi 1.4 T-GDI
Motor4/4, Turbo
Hubraum1353 ccm
Leistung140 PS
Maximales Drehmoment242 Nm
Getriebe6-Gang, manuell
AntriebVorderrad
0-100 km/h8,9 s
Höchstgeschwindigkeit208 km/h
Leergewicht1204 kg
L/B/H in mm4672/1843/1673
Testverbrauch7,4 l S/100 km
Grundpreis23.350 Euro
Testwagenpreis23.750 Euro
Technische DatenSkoda Octavia Combi 1.4 TSI
Motor4/4, Turbo
Hubraum1395 ccm
Leistung150 PS
Maximales Drehmoment250 Nm
Getriebe6-Gang, manuell
AntriebVorderrad
0-100 km/h8,5 s
Höchstgeschwindigkeit216 km/h
Leergewicht1202 kg
L/B/H in mm4340/1795/11455
Testverbrauch6,4 l S/100 km
Grundpreis21.990 Euro
Testwagenpreis26.040 Euro
Technische DatenVW Golf Variant 1.5 TSI
Motor4/4, Turbo
Hubraum1498 ccm
Leistung150 PS
Maximales Drehmoment250 Nm
Getriebe6-Gang, manuell
AntriebVorderrad
0-100 km/h8,9 s
Höchstgeschwindigkeit218 km/h
Leergewicht1202 kg
L/B/H in mm4667/1814/1465
Testverbrauch6,2 l S/100 km
Grundpreis26.400 Euro
Testwagenpreis28.805 Euro

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Ohne Zweifel haben die Koreaner mit dem Hyundai i30 Kombi ein gutes Auto ohne ernsthafte Schwächen auf die Räder gestellt. Der Test zeigt: Beim Federungskomfort kann sein konventionelles Fahrwerk bei voller Beladung sogar mit den adaptiv dämpfenden Fahrwerken der Konkurrenz mithalten. Trotzdem bleibt nur der dritte Platz, denn sowohl beim Antrieb als auch in der Fahrdynamik leisten die Rivalen mehr. So überzeugt der VW Golf Variant mit einem technisch aufwendigen, dafür aber sehr sparsamen Motor und dem insgesamt besten Komfort, was schließlich zum Testsieg führt. Allerdings ist er sehr teuer. Als Alternative kommt ganz knapp dahinter der Skoda Octavia Combi ins Ziel – deutlich günstiger mit sehr guten Fahrleistungen. Sein Federungskomfort ist allerdings verbesserungswürdig.

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