Ford USA drängt auf Sparkurs Ford will Jobs in Europa streichen

von Alexander Koch 10.01.2019
Inhalt
  1. Ford auf Sparkurs: Stellenstreichungen in Europa
  2. Ford-Geschäftsführer Kopplin wechselt zu Emil Frey
  3. Ford: Absatzrekord in Deutschland

Ford USA betrachtet mit Sorge die schlechten Zahlen in Europa sowie China und drängt auf einen harten Sparkurs. Nun will der Autobauer in Europa Jobs streichen. Auch Werksschließungen sind nicht ausgeschlossen. Auf einer spekulativen Streichliste: C-Max, Galaxy, S-Max & Mondeo. Dabei feierte Ford Deutschland zuletzt Absatzrekorde!

2018 war für Ford Deutschland ein Rekordjahr: 252.323 zugelassene Autos bedeuteten ein Plus von 5734 Fahrzeugen und 2,3 Prozent im Vergleich zum Ergebnis von 2017. Doch der Schein trügt: Das Europageschäft als Ganzes kriselt, am Ford-Hauptsitz in Dearborn nahe der US-Autohochburg Detroit wird seit September 2018 über einen harten Sparkurs nachgedacht. Nun will Ford die schwächelnde Europasparte mit Stellenstreichungen und womöglich auch Werksschließungen wieder in die Gewinnzone führen. Um die strukturellen Kosten zu verbessern, würden auch "Personalüberhänge sowohl im gewerblichen als auch im kaufmännischen Bereich in allen Unternehmensteilen abgebaut", teilte das Unternehmen im Januar 2019 mit. Außerdem soll die Profitabilität über die gesamte Modellpalette erhöht werden, wobei sich Ford unter anderem auf margenstarke Modelle konzentrieren will. "Wir ergreifen wirksame Maßnahmen, um das Europa-Geschäft von Ford neu aufzustellen", sagte Europachef Steven Armstrong. Auch Werksschließungen seien nicht ausgeschlossen. Konkrete Angaben dazu, wie viele Jobs dem Sparkurs zum Opfer fallen und welche Werke betroffen sein könnten, machte Ford bislang allerdings nicht. Nach Unternehmensangaben sollen die Personalkosten in Europa aber so weit wie möglich durch die freiwillige Auflösung von Arbeitsverhältnissen gesenkt werden. In Europa beschäftigt Ford rund 54.000 Mitarbeiter – vor allem in Deutschland, Großbritannien und Spanien. Mehr zum Thema: Das kostet der neue Ford Focus

Neuheiten Ford Focus Limousine (2018)
Ford Focus Limousine (2018): Erste Fotos  

Das ist die Focus Limousine

Ford Fiesta ST (2018) im Video:

 
 

Ford auf Sparkurs: Stellenstreichungen in Europa

"Wir sind extrem unzufrieden mit unserer Leistung in Europa und China", sagte Vorstandschef Jim Hackett nach Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal 2018. Einen Bericht der Sunday Times, nach dem in Europa bis zu 24.000 Stellen auf der Kippe stehen könnten, wies der Konzern Mitte 2018 aber noch als Spekulation zurück. In Deutschland arbeiten rund 25.000 Mitarbeiter, davon allein 18.600 am Stammsitz in Köln. Spekulationen gibt es auch bezüglich der Modellpalette: Hier könnten neben dem Kompaktvan C-Max auch die größeren Vans Galaxy und S-Max vor dem Aus stehen. Sogar dem Ford Mondeo droht in Europa das Aus. Der Grund: ein schrumpfendes Segment und eine mögliche Konzentration auf SUV-Modelle. In den drei betrachteten Monaten verschlechterte sich das operative Ergebnis im Jahresvergleich um 195 Millionen Dollar, letztlich fiel ein Quartalsverlust von 73 Millionen Dollar (64 Mio Euro) an. Laut Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ist Ford Europa im Wettbewerb abgeschlagen: Pro verkauftem Fahrzeug ergab sich im zweiten Quartal 2018 ein operativer Verlust von 165 Euro. In den USA macht Ford hingegen ein Gewinn von 1977 Euro je Fahrzeug, weltweit immerhin von 759 Euro. Mit einer Gewinnspanne von 0,3 Prozent war die Tochter des US-Autobauers im ersten Halbjahr 2018 zudem das Schlusslicht in der Profitabilitäts-Rangliste Dudenhöffers. Zum Vergleich: Das langfristige Ziel sind sechs Prozent. Mehr zum Thema: Sport-Focus im Serientrimm

So hoch ist der Gewinn pro Auto für Hersteller (Video):

 
 

Ford-Geschäftsführer Kopplin wechselt zu Emil Frey

Wolfgang Kopplin, scheidender Ford-Deutschland-Geschäftsführer für Marketing und Verkauf, wechselte zur Emil-Frey-Gruppe in die Schweiz. Kopplin folgte am 1. September 2018 auf Christian Klingler, der Ende April 2018 gegangen ist, berichtete die Automobilwoche. Allerdings werde Kopplin andere Aufgaben übernehmen, nämlich als Mitglied der Geschäftsleitung den deutschen Markt verantworten. Nach einem strukturellen Umbau der Gruppe soll es künftig Länderverantwortliche in der Geschäftsleitung der Automobilhandels-Gruppe geben. Wolfgang Kopplin war zuletzt Geschäftsführer Marketing und Verkauf der Ford Werke Köln und stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. Sein Aus in Köln kam überraschend, Nachfolger wurde der ehemalige Verkaufsdirektor Hans-Jörg Klein. Die Emil-Frey-Gruppe ist Europas größte Autohausgruppe, agiert aber nicht nur im Fahrzeug-, sondern auch im Teile- und Zubehörhandel. In Deutschland halten die Schweizer 89 Standorte mit 24 Auto- und Nutzfahrzeugmarken. Mehr zum Thema: Ford-Rückruf für 190.000 Fahrzeuge

Vergleichstest Ford Focus/VW Golf/Opel Astra
Ford Focus/Opel Astra/VW Golf: Test  

Testsieg für den neuen Focus

 

Ford: Absatzrekord in Deutschland

Ford befindet sich auf der Überholspur. Zum sechsten Mal in Folge ist Ford auf dem deutschen Markt gewachsen. 2018 entschieden sich fast 4000  Privatkunden mehr für einen Ford als im Vorjahr. Mit 252.232 zugelassenen Pkw hat Ford 5734 mehr Fahrzeuge auf deutsche Straßen gebracht als noch 2017. Das entspricht einem Wachstum von 2,3 Prozent. Die Zulassungen aller Hersteller in Deutschland hingegen waren in 2018 um 0,2 Prozent rückläufig. Damit ist Ford im zurückliegenden Jahr gegen den Trend in der Automobilindustrie gewachsen. "Der konsequente Fokus auf das Endkundengeschäft und unser starkes Produktangebot sind die Basis unseres Erfolgs", sagte Hans Jörg Klein, Geschäftsführer Marketing und Verkauf der Ford-Werke GmbH. Der Gesamtjahres-Marktanteil beläuft sich für das Jahr 2018 auf 7,3 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte über dem von 2017. Besonders stark nachgefragt waren die Modelle Fiesta (47.241 Zulassungen), Focus (49.234 Zulassungen) und kuga (42.298 Zulassungen).  "2018 war für uns das sechste Jahr in Folge, in dem Ford im deutschen Markt gewachsen ist. Das stimmt uns sehr positiv auf das Geschäftsjahr 2019 ein", so Klein weiter. Mehr zum Thema: Ford plant sportliches E-Modell für 2020

Neuheiten Ford Fiesta auf der IAA
Ford Fiesta (2017): Motoren & Ausstattung  

Ford Fiesta auch als Vignale erhältlich

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