Interview

Günstig Auto leasen: Tipps von Carwow-Chef Arne Stöcker

In Zeiten steigender Preise und schneller technischer Entwicklung wird Leasing auch für Privatpersonen zunehmend interessant – doch die Suche nach günstigen Deals ist komplex und Verträge können Fallstricke bergen. Arne Stöcker, Managing Director Deutschland der Online-Vergleichsplattform Carwow, gibt Tipps zum Auto-Leasing.

Ein Portrait von Arne Stöcker neben einem Symbolbild für einen Leasingvertrag.
Arne Stöcker, Managing Director Deutschland bei Carwow, gibt im Interview Tipps zum Privatleasing. Foto: Carwow, Imago / Collage: AUTO ZEITUNG
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Für welche Zielgruppen eignet sich Leasing und für welche vielleicht weniger?

Prinzipiell kann Leasing für viele Zielgruppen sinnvoll sein – besonders aber für Menschen, die planbare Monatskosten wollen. Und solche, die technologische Sprünge mitmachen möchten, ohne Risiken einzugehen und sich um Restwerte zu kümmern. Lange hat es den Irrglauben gegeben, dass Leasing ein reines Gewerbethema ist, aber es ist auch für Privathaushalte sehr relevant.

Wir sehen gerade mit Elektroautos oder auch Hybridantrieben, dass wir rasante technologische Weiterentwicklungen haben: Batteriekapazitäten, Ladegeschwindigkeiten etc. Aber auch Displays oder Ähnliches – das Risiko für sinkende Restwerte liegt mit Leasing nicht bei der Endkundschaft. Außerdem machen es Förderungen und Herstelleraktionen preislich auch für Privatpersonen attraktiv.

„Für ein günstiges Angebot sollte man sich schnell entscheiden und bei der Ausstattung flexibel sein“
Arne Stöcker

Wie finde ich denn jetzt am einfachsten ein für mich passendes Angebot?

Am allereinfachsten natürlich bei Carwow! Die ganze Antwort: Man sollte sich bewusst darüber werden, was man möchte und was einem wichtig ist, und dann echte Monatskosten bewerten. Für die Laufzeit des Leasings liegt der „Sweetspot“ unseres Erachtens in der Regel bei zwölf bis 24 Monaten (mit Ausnahme von Fahrzeugen der Elektroförderung).

Bei der Fahrleistung pro Jahr sind häufig 10.000 bis 15.000 km empfehlenswert. Warum? Weil unsere Erfahrung zeigt, dass eine längere Leasingdauer oder mehr Kilometer das Angebot in der Regel etwas teurer machen. Sonderzahlungen wie Zwangs-Wartungspakete oder Überführungskosten tendieren außerdem dazu, die Monatskosten geringer wirken zu lassen als sie in der Realität sind.

Auch Wünsche für Mehrausstattung können zusätzliche Kosten verursachen. Zudem sind gute Angebote in der Regel eher kurzfristig verfügbar, denn Hersteller wollen ihre Bestände verkleinern oder es sind Lagerfahrzeuge, die schon vor Ort beim Händler stehen. Für ein günstiges Angebot sollte man sich also schnell entscheiden und bei der Ausstattung flexibel sein – und bereit dazu sein, ein Fahrzeug schnell in Empfang zu nehmen.

Zum Thema Einmal- und Sonderzahlungen: Auf welche „versteckten Kosten“ sollte ich als Leasing-Neuling achten?

Leasingangebote werden meist sehr dominant mit der Monatsrate beworben, die sicherlich auch wichtig ist. Aber dazu kommen teilweise Einmalzahlungen, die man vorweg oder bei der Übergabe leistet. Immer wieder gibt es jedoch auch Überführungskosten oder Pflichtservices, bei denen man ein Wartungspaket kaufen muss. Auch Sonderausstattungen oder Winterräder können extra berechnet werden. Dominierend sind aber Einmalzahlungen und Überführungskosten, das sollte man wirklich im Blick haben.

Manche befürchten, dass der Händler bei der Rückgabe des Leasingwagens jede Gebrauchsspur als Schaden in Rechnung stellt. Gehe ich da beim Leasing ein Risiko ein?

Nein, das kann ich so nicht bestätigen, denn grundsätzlich herrscht Transparenz. Leasinggesellschaften haben Schadenskataloge, in denen klar definiert ist, was übliche Gebrauchsspuren sind und was über die normale Nutzung hinausgeht. Teilweise sind dort für die jeweiligen Schäden auch schon Kosten veranschlagt. Vor der Rückgabe das Fahrzeug aufbereiten zu lassen, kann ebenfalls Diskussionen vermeiden.

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Was ist der Leasingfaktor und wie aussagekräftig ist er?

Der Leasingfaktor beschreibt auf einen Blick, wie teuer die Leasingrate im Verhältnis zum Fahrzeugpreis ist. Damit ist er ein wichtiger Indikator. Er berechnet sich, indem man die monatliche Leasingrate durch den Bruttolistenpreis teilt und das Ganze Mal 100 nimmt. Teilt man 500 Euro monatliche Rate durch einen Preis von 80.000 Euro und multipliziert das Ergebnis mit 100, ergibt sich beispielsweise ein Leasingfaktor von 0,625.

Allerdings fließen die eben angesprochenen Einmalkosten in den Leasingfaktor nicht ein. Einen Überblick kann man sich mit dem Leasingfaktor also verschaffen, ich würde aber dazu raten, alle Kosten auf die Leasingrate zu addieren. So kann man die effektive monatliche Rate berechnen und sich gegebenenfalls dann noch mal ein Bild über den Leasingfaktor machen.

Als Faustregel würde ich sagen: Alles unter einem Leasingfaktor von 0,4 ist sehr stark, bis 0,7 sprechen wir von einem guten Angebot. Das heißt nicht, dass ein Angebot mit Leasingfaktor 1,0 per se schlecht ist – besonders hochpreisigere Autos gibt es häufig nicht mit niedrigerem Faktor.

Kann ich beim Leasing von der aktuellen E-Auto-Förderung des Bundes profitieren?

Ja, die Förderung des Bundes schließt explizit Leasingfahrzeuge ein. Wichtig ist, die Förderfähigkeit zu beachten. Ich muss als Privatperson mit meinem Einkommen förderfähig sein und das Fahrzeug muss auf mich zugelassen werden. Außerdem gibt es eine Mindestlaufzeit von 36 Monaten, weil das im Rahmen der Elektroförderung die Mindesthaltedauer ist, die für das Leasing ebenso gilt wie für den Kauf. Deswegen muss man den genannten „Sweetspot“ von zwölf bis 24 Monaten Leasingdauer bei der Elektroförderung ausklammern.

In der Regel veranschlagen Händler zudem ein Äquivalent zur durchschnittlichen Förderung als Einmalzahlung, dementsprechend aber auch attraktivere Monatsraten. Ein hoher Anteil der Kundschaft erhält letztlich eine Förderung in Höhe der Einmalzahlung und kann sich die Summe nach Antritt des Leasingvertrages vom Bund zurückholen. Sollte die Förderhöhe nicht zur Einmalzahlung passen, kann man versuchen, ein individuelles Angebot auszuhandeln.