520d/Audi A6/Jaguar XF/E-Klasse/ Volvo V90/Passat: Test BMW 520d Touring gegen V90, A6, E-Klasse, Passat & Co

von Elmar Siepen 19.02.2018
Inhalt
  1. Test: BMW 520d Touring vs. A6, V90 & Co.
  2. Die Fahrdynamik ist BMW-typisch ausgeprägt
  3. Mercedes E-Klasse T-Modell
  4. Audi A6 Avant
  5. VW Passat Variant
  6. Volvo V90
  7. Jaguar XF Sportbrake

Der "kleine" Diesel bildet die Einstiegsmotorisierung für den bayerischen Nobel-Kombi BMW 520d. Eine Vernunftlösung oder eine Verzichtserklärung? Test gegen Audi A6 Avant, Mercedes E-Klasse T-Modell, Volvo V90, VW Passat und Jaguar XF Sportbrake.

Einstiegsmodelle gelten im automobilen Sprachgebrauch oftmals nur als Kompromiss, wenn die Haushaltskasse die Mittel für Statusträchtigeres oder Fahraktiveres nicht bereitstellt oder das Firmenbudget sie nicht bewilligt. Grund genug zu überprüfen, wie es um die Qualitäten der 190 PS starken und vierzylindrigen Dieselversion des neuen 5er Touring steht. Wie für BMW typisch glänzt auch der neue Kombi mit viel Platz für Passagiere und Gepäck sowie hoher Qualitätsanmutung. Bereits nach dem Druck auf den Startknopf wird klar, dass der aktuelle Vierzylinder-Diesel eine hervorragende Geräuschdämmmung bietet. Das Verbrennungsgeräusch schleicht sich wie aus weiter Entfernung in die Gehörgänge und ruft das Arbeitsprinzip zwar in Erinnerung, ohne sich aber aufzudrängen. Das bleibt übrigens über das gesamte Drehzahlband so und stellt damit einen Fortschritt gegenüber dem Vorgänger dar. Unterwegs hängt der Motor gut am Gas, während die Achtstufen-Automatik (Steptronic mit Schaltwippen, 2400 Euro) die Gänge früh und kaum spürbar wechselt. Das Aggregat entwickelt markentypische Drehfreude, viel öfter nimmt man indes die Zugkraft wahr: 400 Nm sind schon eine Ansage, die im Verkehrsalltag eine beachtliche Souveränität generieren. An Autobahnsteigungen wünscht man sich zwar etwas mehr Punch, aber das ist Klagen auf hohem Niveau. Auch die Laufkultur zählt zum Besten, was man bei Vierzylinder- Dieseln erwarten kann.

Der BMW 5er Touring im Video:

 
 

Test: BMW 520d Touring vs. A6, V90 & Co.

Die Fahrleistungen lassen im Alltagsbetrieb ebenfalls keinerlei Wünsche offen, wie der Sprint von null auf 100 km/h in nur 8,5 Sekunden zeigt. Der 520d Touring ist mit 225 km/h Spitze allerdings deutlich langsamer als seine stärkeren Typenkollegen, doch diesen Vorteil können letztere nur selten auf langen, leeren Autobahnstücken ausspielen. Viel bedeutsamer gerät der Blick auf die Tankrechnung. Mit einem Testverbrauch von nur 6,5 Liter Diesel pro 100 km rangiert der Oberklasse-Kombi sowohl beim Verbrauch als auch beim CO2-Ausstoß beinahe auf Kompaktklasse-Niveau und dürfte damit all jenen zu denken geben, die bereits die Abschiedsmelodie auf den Selbstzünder pfeifen. Dass der 520d perfekt für Langstrecken taugt, liegt neben der guten Vorstellung seines Antriebsstrangs auch an den Komforteigenschaften: Die Dynamische Dämpfer Control (1190 Euro) sorgt mit ihren adaptiven Dämpfern dafür, dass selbst besonders grob geflickte Asphaltoberflächen ordentlich ausgebügelt werden – trotz der recht üppigen 18-Zoll-Bereifung. Maßgeblichen Anteil am Wohlbefinden haben natürlich auch die vorderen Komfortsitze (2290 Euro) samt Massage-Funktion (990 Euro), die mit körpergerechter Abstützung von Torso und Oberschenkeln aufwarten.

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Das kostet der Kombi-5er

 

Die Fahrdynamik ist BMW-typisch ausgeprägt

Hinten reisen die Passagieren auf bequemen Polstern mit angenehmer Oberschenkelauflage. Die Luft der Klimaanlage lässt sich für den olfaktorischen Genuss mit Duftaromen anreichern, sofern man das Ambient Air Paket (320 Euro) bestellt. Das alles sorgt für Wellness-Ambiente und lässt den hauseigenen Slogan von der Freude am Fahren fast vergessen. Grund genug, hier direkt nachzuhaken und den 520d Touring über kurviges Terrain zu scheuchen. Dort zeigt er trotz des deutlichen Komfortgewinns gegenüber den Vorgänger-Generationen, dass auch der Einstiegs-5er-Touring die Fahrdynamik-Fahne des Hauses hoch hält. Geradezu spielerisch folgt er Richtungsänderungen, woran die Integral-Aktivlenkung (1250 Euro) samt mitlenkenden Hinterrädern einen hohen Anteil hat. Unterdessen liefert der Münchner beste Rückmeldung von der Fahrbahn. Der Familienkombi bleibt stets fahrsicher, und seine Fahrdynamik-Regelsysteme arbeiten im Grenzbereich recht feinfühlig. So fühlt sich Genuss ohne Reue an, was wiederum zeigt, dass auch der "kleine" 5er Touring große Freude bereiten kann.

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5er Touring toppt die Qualitäten der Limousine

Technische DatenBMW 520d Touring
Motor4/4, Turbodiesel
Hubraum1995 ccm
Leistung190 PS
Maximales Drehmoment400 Nm
Getriebe8-Stufen-Automatik
AntriebHinterrad
0-100 km/h8,5 s
Höchstgeschwindigkeit225 km/h
Leergewicht1852 kg
Kofferraum570-1700 l
L/B/H in mm4943/1868/1498
Testverbrauch6,5 l D/100 km
Grundpreis48.600 Euro
BMW 520d Touring
PositivTop Qualität und Verarbeitung, gutes Multimediaangebot, niedriger Verbrauch, komfortabel
NegativKeine Seitenairbags im Fond, hoher Preis
 

Mercedes E-Klasse T-Modell

Der Schwabe gilt bei der solventen Kombi-Kundschaft als so etwas wie das Urmeter der Luxus-Laster, seine konzeptionellen Wurzeln reichen bereits bis zum seligen W 123. Das Platzangebot für Passagiere und Gepäck lässt keinerlei Wünsche offen. Die Sicherheitsausstattung ist ebenfalls sehr umfangreich, wenngleich teilweise nur gegen heftige Aufpreise lieferbar. Ohnehin sollte Geld nicht das Thema sein, wenn es um das T-Modell geht, denn der Schwabe ist teuer. Dafür gibt es aber auch einen sehr soliden Sternen-Frachter, der über die Jahre selbst fahrdynamisch ordentlich zugelegt hat. Der 2,0-Liter-Diesel ist schnell und sparsam, das Fahrverhalten insgesamt geprägt von hoher Fahrsicherheit. Die Bedienung krankt an teilweise versteckten Untermenüs und verlangt von T-Modell-Neukunden eine gewisse Eingewöhnungszeit.

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E-Klasse T-Modell ab 48.665 Euro

Technische DatenMercedes E-Klasse T-Modell
Motor4/4, Turbodiesel
Hubraum1990 ccm
Leistung194 PS
Maximales Drehmoment400 Nm
Getriebe9-Stufen-Automatik
AntriebHinterrad
0-100 km/h7,8 s
Höchstgeschwindigkeit235 km/h
Kofferraum640-1820 l
L/B/H in mm4933/1852/1475
Testverbrauch6,0 l D/100 km
Grundpreis50.486 Euro
Mercedes E-Klasse T-Modell
PositivGrößter Kofferraum, sehr gute Fahrleistungen, topmoderner Selbstzünder
NegativErschwerte Bedienung durch teils unübersichtliche Menüführung
 

Audi A6 Avant

Auch wenn der Ingolstädter in die Jahre gekommen sein mag: Etliche Punkte sprechen nach wie vor für einen Kauf des Audi-Kombis, der bei den Ingolstädtern traditionelle Avant genannt wird. So zählt die Verarbeitungsqualität zum Besten, was man in dieser Klasse kaufen kann. Der vergleichsweise günstige Preis ist ebenfalls ein Argument. Verglichen mit der Konkurrenz kann der A6 Avant zudem mit niedrigen Werkstattkosten und Versicherungstarifen auftrumpfen. Sein serienmäßiger Vorderradantrieb kommt mit dem üppigen Drehmoment des 190 PS starken 2.0 TDI, der in Sachen Laufkultur immer noch auf der Höhe der Zeit ist, relativ gut zurecht. Traktionsliebhaber ordern den optionalen quattro-Antrieb für 2750 Euro hinzu. Tadellose Bremsen sprechen für die Fahrsicherheit des Ingolstädters. Somit ist der A6 Avant eher gereift denn gealtert.

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Audi A6 Avant 3.0 TDI quattro

Technische DatenAudi A6 Avant
Motor4/4, Turbodiesel
Hubraum1968 ccm
Leistung190 PS
Maximales Drehmoment400 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung (optional)
AntriebVorderrad
0-100 km/h8,0 s
Höchstgeschwindigkeit226 km/h
Kofferraum565-1680 l
L/B/H in mm4943/1874/1641
Testverbrauch6,7 l D/100 km
Grundpreis47.700 Euro
Audi A6 Avant
PositivEine tolle Verarbeitung ist nach wie vor Markenzeichen des Avant A6
NegativBeim Thema Komfort merkt man dem Audi sein Alter durchaus an
 

VW Passat Variant

Der Passat ist im Lauf seiner Modellgenerationen nicht nur immer größer geworden, sondern hat auch an Qualitätsanmutung und technischem Anspruch zugelegt. Somit kann der Wolfsburger durchaus als Alternative zu den Premiumkombis gelten, zumal er im Vergleich zu deren Tarifen mit Kampfpreisen aufwartet. Seine Fahreigenschaften sind gemessen an seinem Image als zuverlässigen, aber keineswegs aufregenden Familienkombi alles andere als langweilig, denn er kann sich zu beachtlicher Fahrdynamik aufschwingen. Und der 190 PS starke Diesel verdient sich redlich die Prädikate spritzig sowie sparsam.

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VW Passat B8 (2014): Preis & Ausstattung  

Alle Preise für den B8 Passat

Technische DatenVW Passat Variant
Motor4/4, Turbodiesel
Hubraum1968 ccm
Leistung190 PS
Maximales Drehmoment400 Nm
Getriebe6-Gang, Doppelkupplung (optional)
AntriebVorderrad
0-100 km/h7,9 s
Höchstgeschwindigkeit233 km/h
Kofferraum650-1780 l
L/B/H in mm4767/1832/1477
Testverbrauch6,4 l D/100 km
Grundpreis39.650 Euro
Audi A6 Avant
PositivKlassenloses Image und vergleichsweise günstige Unterhaltskosten
NegativEine lange Aufpreisliste und manche Extras gibt es nur in teuren Paketen
 

Volvo V90

Es gibt Leute, die sich vom deutschen Kombi-Establishment bewusst abgrenzen. Diese werden beim außerordentlich adrett gestylten Volvo V 90 fündig. Der Schwede setzt im Gegensatz zu früheren Volvo-Kombis nicht länger auf einen üppigen Laderaum. 560 bis 1526 Liter Volumen findet man nämlich schon in der Kompaktklasse. Dafür haben die Skandinavier ihr Herz für die Fond-Passagiere entdeckt und bescheren ihnen ein fürstliches Raumangebot. Vorbildlich, weil bestens zum Image passend: die üppige Sicherheitsausstattung. Wenn es ums Fahren geht, übernimmt der V 90 die Rolle des gelassenen Gleiters.

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Volvo V90 (2016): Preis (Update!)  

Volvo V90 jetzt auch als Hybrid

Technische DatenVolvo V90
Motor4/4, Turbodiesel
Hubraum1969 ccm
Leistung190 PS
Maximales Drehmoment400 Nm
Getriebe8-Stufen-Automatik (optional)
AntriebVorderrad
0-100 km/h8,8 s
Höchstgeschwindigkeit225 km/h
L/B/H in mm4936/1879/1475
Testverbrauch6,9 l D/100 km
Grundpreis47.300 Euro
Volvo V90
PositivViel Platz im Fond lässt Passagiere in der zweiten Reihe erster Klasse reisen
NegativEingeschränkter Federungskomfort mit 20-Zoll-Bereifung
 

Jaguar XF Sportbrake

Eine weitere Alternative bietet die Kombiversion des Jaguar XF, die im Herbst auf den Markt kommt. Deshalb liegen bis jetzt nur wenige Daten vor (siehe rechts). Vierzylinder-Motoren als Diesel und Benziner leisten zwischen 163 bis 250 PS, der V6-Diesel mit drei Liter Hubraum kommt auf 300 PS. Keine Frage, der britische Kombi ist ein Fall für Freunde der vollendeten Form. Das gediegene Innenraumambiente der Limousine dürfte sich ebenso wie deren Fahrspaß-Potenzial im Sportbrake wiederfinden. Das gilt auch für das Connectivity-Angebot, mit dem die traditionsreiche Marke aus Coventry in der Neuzeit auftrumpft.

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Jaguar XF Sportbrake (2017): Preis und Motoren  

Als Sportbrake soll der XF endlich durchstarten

Technische DatenJaguar XF Sportbrake
Motor4/4, Turbodiesel
Hubraum1999 ccm
Leistung163 PS
Maximales Drehmoment400 Nm
Getriebe6-Gang, manuell
AntriebHinterrad
0-100 km/hk.A.
Höchstgeschwindigkeitk.A.
L/B/H in mm4955/k.A./k.A.
Testverbrauch4,5 l D/100 km
Grundpreis43.960 Euro
Jaguar XF Sportbrake
PositivSehr dynamische Optik – kaum ein anderer Kombi sieht schneller aus
NegativDas Ladevolumen ist für einen Oberklasse-Kombi eher durchschnittlich

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Wer sich für den 520d Touring entscheidet, übt Vernunft, ohne groß verzichten zu müssen. Der Antrieb des Basismodells wird auch durchaus gehobenen Ansprüchen gerecht, und der Komfort steht den üppiger motorisierten Versionen ebenfalls in nichts nach. Dies gilt obendrein für die Variabilität mit serienmäßig dreigeteilt klappbarer Rücksitzlehne und separat zu öffnendem Heckfenster. Billig ist der Basis-Kombi allerdings nicht. Hier findet der Einstieg gleich auf hohem Level statt.

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