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Audi TT TS Roadster/Porsche 718 Boxster S: Test Reihen-Fünfer gegen Turbo-Boxer

von Marcel Kühler 09.04.2018
Inhalt
  1. Audi TT RS und Porsche 718 Boxster S im Test
  2. Fahrdynamik: TT RS gut, 718 Boxster S besser
  3. Beim Fahrkomfort hat der TT RS die Nase vorn
  4. Karosserie: Der Audi TT RS bietet mehr Platz
  5. Umwelt/Kosten: Happiger Porsche-Preis

400 PS, 280 km/h Spitze und in 3,7 Sekunden auf 100 km/h: Der Audi TT ist spätestens als Topmodell RS zu einem ernsthaften Sportwagen gereift, der vor allem als Roadster nach oben offenen Fahrspaß bietet. Doch wie schlägt er sich im Test gegen das bekannt agile Präzisionsinstrument Porsche 718 Boxster S?

Gute Nachrichten aus der Autowelt sind derzeit eher Mangelware. Skandale wie das omnipräsente Dieselgate oder aber das eher gemächliche Fortschreiten der Elektrifizierung der mobilen Fortbewegung bestimmen heutzutage das Tagesgeschehen in der spannendsten Branche der Welt. Umso schöner, dass dieser Test zum Ausgleich Pretiosen vom Schlage eines Audi TT RS mit seinem famosen Fünfzylinder-Turbo oder eines Porsche 718 Boxster S mit seinem unbändigem Drang nach querdynamischen Höchstleistungen bietet. Beide dienen vornehmlich einem Zweck: raus aus dem Alltag, ab auf einsame Landstraßen oder – im Idealfall – die Rennstrecke und einfach nur Längs- und Querkräfte spielerisch kontrollieren. Doch welche der beiden grundsympathischen Fahrmaschinen bietet das bessere Gesamtpaket?

Der Porsche Boxster S im Video:

 
 

Audi TT RS und Porsche 718 Boxster S im Test

Von Audis turbogeladenem Reihenfünfzylinder – übrigens momentan weltweit der einzige Vertreter dieser Spezies – geht etwas Magisches aus. Die Art, wie dieser Prachtmotor den fast 1,6 Tonnen schweren TT RS Roadster eigentlich über den gesamten Drehzahlbereich mit unbändiger Kraft antreibt, lässt niemanden mit Benzin im Blut kalt. Das Gleiche gilt für den unverwechselbaren Klang. Verstärkt durch die optionale Sportabgasanlage, brüllt unser Testwagen seine Lebensfreude in die Umwelt. Doch das Triebwerk des Porsche ist keineswegs weniger faszinierend: Auch wenn das ebenfalls 2,5 Liter große Aggregat sein Käfer-Dogma wohl nie wieder los wird: Der Vierzylinder-Boxer des 718 S gehört nicht nur wegen seines komplett eigenständigen Sounds und des überaus spontanen Ansprechverhaltens zu den charakterstärksten Motoren überhaupt. Allerdings will er mit deutlich höheren Drehzahlen bei Laune gehalten werden als der Audi-Fünfzylinder, der bereits bei niedrigen Drehzahlen gnadenlos zubeißt. Dass beide offenen Sportler in unter vier Sekunden auf 100 respektive in unter 14 Sekunden auf 200 km/h rennen, verdient genauso viel Respekt wie die möglichen Minimalverbräuche von 8,8 (Audi) beziehungsweise 8,4 Litern (Porsche) je 100 Kilometer. Bei normaler Fahrt gönnen sich die zwei Sportler dagegen knapp elf Liter.

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Fahrdynamik: TT RS gut, 718 Boxster S besser

Es soll tatsächlich immer noch Menschen geben, die im Audi TT eher einen Boulevard-Cruiser als einen rassigen Sportler sehen. Etwaige Zweifel an seiner fahrdynamischen Ernsthaftigkeit wischt jedoch gerade der RS mit brutaler Vehemenz vom Tisch. Dank seines energischen Antriebs, der stoischen Traktion und der fast schon irrwitzig hohen Seitenführung der Pirelli-Reifen prescht der Zweisitzer in diesem Test mit irrem Speed über den Handlingkurs. Doch dann steigt man in den Porsche um – und erlebt alles noch direkter und unmittelbarer. Kurven seziert der Zuffenhausener, der seinem Widersacher auf der Rundstrecke 0,7 Sekunden abnimmt, mit der Präzision eines Skalpells – was vornehmlich an der großartigen Lenkung liegt. Mit glasklarem Feedback gesegnet, treibt sie jedem sportlich ambitionierten Fahrer die Freudentränen in die Augen und hilft dabei, der Ideallinie millimetergenau zu folgen. Zur Freude aller weniger erfahrenen Piloten hat Porsche seinem Mittelmotor-Renner überdies jene Zickigkeit beim Überschreiten des Grenzbereichs ausgetrieben, die diesem Fahrzeugkonzept gern nachgesagt wird. Übertreibt es der Akteur am Volant, schiebt der Boxster S im Test sanft über die Vorderräder. Das schafft Vertrauen. Das gilt auch für die mit 7319 Euro zugegebenermaßen sehr teure Karbon-Keramik-Bremsanlage. Sie liefert in allen Temperaturfenstern über jeden Zweifel erhabene Verzögerungswerte von 31,2 Metern. Beim Audi, der mit kalter Anlage innerhalb von nur 31,3 Metern zum Stillstand kommt, lässt mit steigender Belastung/Temperatur allmählich die Bremswirkung nach. Anders als die Stopper des TT RS übersteht die Bremse des 718 zudem viele schnell gefahrene Rennstrecken-Runden, ohne dass sich der Pedaldruckpunkt auch nur ansatzweise Richtung Bodenblech verschiebt.

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Beim Fahrkomfort hat der TT RS die Nase vorn

Beide Sportwagen erkaufen sich ihre überragende Fahrdynamik durch eine Portion Härte im Alltag. Daher erfordert längeres Reisen hier wie dort eine gewisse Kompromissbereitschaft seitens der Passagiere. Den insgesamt etwas besseren Federungskomfort liefert im Test der Porsche, dessen elektronisch geregelte Dämpfer (PASM, 1666 Euro) ein sanfteres Anfedern erlauben als das Fahrwerks-Setup des TT RS, der im Test ohne optionale adaptive Dämpfer antritt. Dafür geht es im Innenraum des Ingolstädters leiser zu als in dem des Boxster. Im wahrsten Sinne des Wortes eine coole Sache ist übrigens die Klimaanlage des TT RS. Sie merkt sich unterschiedliche Einstellungen bei geschlossenem und geöffnetem Verdeck und stellt diese dann jeweils selbstständig um, sobald die Verdeckautomatik betätigt wird.

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Karosserie: Der Audi TT RS bietet mehr Platz

Sehr aufgeräumt, perfekt verarbeitet und mit erlesenen Materialien bestückt präsentiert sich der Innenraum des Audi. Die Bedienung von Fahrzeug-, Kommunikations- und Multimedia-Parametern kann komplett über das Lenkrad erfolgen – wofür allerdings etwas Eingewöhnungszeit einkalkuliert werden sollte. Alternativ steht die aus anderen Audi-Modellen bekannte MMI-Bedieneinheit auf der Mittelkonsole samt Dreh-Drück-Steller mit Touch-Oberfläche zur Schreibeingabe per Finger bereit. Porsche hat beim 718 zwar die Bedienung verschlankt, und mit seinen vielen Tasten wirkt das Cockpit des Zuffenhauseners deutlich konventioneller. Doch echte Vorteile bei der Nutzerfreundlichkeit bietet der Porsche nicht. Die Material- und Verarbeitungsgüte ist dafür genauso den hohen Preisen angemessen wie die des TT. Dennoch: Mit seinem deutlich besseren Platzangebot – der Porsche ist vor allem in der Breite merklich knapper geschnitten – entscheidet der Ingolstädter das Karosseriekapitel dieses Tests für sich. In beiden Fällen ausbaufähig ist die Sicherheitsausstattung. Mit Ausnahme von Verkehrszeichen-Erkennung, Fernlicht-Automatik oder Spurwechselassistenten sind kaum moderne Helfer für die zwei Sportler verfügbar.

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Umwelt/Kosten: Happiger Porsche-Preis

Der Audi TT RS Roadster gewinnt das Kostenkapitel aufgrund des wesentlich niedrigeren bewerteten Preises, der die testrelevanten Extras, welche die Komforteigenschaften oder die Fahrdynamik positiv beeinflussen, berücksichtigt. Dass diese Summe aber bei Weitem noch nicht das tatsächliche Ende der Fahnenstange darstellen muss, beweisen die Gesamtpreise der Testwagen inklusive sämtlicher Sonderausstattungen, die genauso atemberaubend wie die Fahrleistungen der zwei Sportler sind. So kostet der getestete Audi TT RS Roadster 88.050 Euro, während der Porsche 718 Boxster S mit happigen 102.382 Euro zu Buche schlägt.

Technische DatenAudi TT RS RoadsterPorsche 718 Boxster S
MotorR5/4, TurboB4/4, Turbo
Hubraum2480 ccm2497 ccm
Leistung400 PS350 PS
Maximales Drehmoment480 Nm420 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung7-Gang, Doppelkupplung (optional)
AntriebAllrad. permanentHinterrad
0-100 km/h3,7 s3,9 s
Höchstgeschwindigkeit280 km/h285 km/h
Leergewicht1530 kg1385 kg
Kofferraum280 l150 l (v) + 125 l (h) = 275 l
L/B/H in mm4191/1832/13454379/1801/1281
Testverbrauch10,9 l SP/100 km10,5 l SP/100 km
Grundpreis69.200 Euro67.212 Euro
Testwagenpreis72.845 Euro87.520 Euro
Platzierung12

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Mit seinem rasiermesserscharfen Handling, dem ungestümen Vorwärtsdrang und der extrem belastbaren Bremsanlage kommt der Porsche 718 Boxster S dem Idealbild eines offenen Sportwagens sehr nahe. Diese Eigenschaften verhelfen dem teuren Zuffenhausener Mittelmotor-Boliden zum Sieg in der Eigenschaftswertung. Der Test-Gesamtsieg geht aufgrund des 14.675 Euro günstigeren Testwagenpreises aber an den Audi TT RS Roadster. Ihn auf das günstigere Angebot zu beschränken, wäre jedoch ungerecht. Schließlich handelt es sich bei dem scharfen Ingolstädter gleichfalls um einen reinrassigen Sportwagen, der mit toller Fahrdynamik und einem famosen Fünfzylinder-Turbo begeistert. Ganz klar: Dieses feine und faszinierende Stück Technik gehört unter Artenschutz gestellt!

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