Audi A7/BMW 630d/VW Arteon: Test BMW 630d & Audi A7 im Test gegen VW Arteon

von Markus Schönfeld 29.10.2018
Inhalt
  1. Audi A7, BMW 630d & VW Arteon im Test
  2. Karosserie: 6er GT bietet großzügige Lounge
  3. Fahrkomfort: Arteon wirkt geradezu sportlich straff
  4. Motor/Getriebe: A7 nach Abgasnorm Euro 6d zugelassen
  5. Fahrdynamik: Audi giert nach Kurven
  6. Umwelt/Kosten: VW am preiswertesten
  7. Technische Daten BMW 630d, Audi A7 & VW Arteon 

Audi A7 50 TDI, BMW 630d und der VW Arteon SCR TDI im Test. Alle drei Oberklasse-Limousinen haben ihre Sicherheitsstandard erhöht und das Bedienungskonzept komplett modernisiert. Welches Coupé kann gänzlich überzeugen?

Im Vergleichstest stehen der Audi A7, der VW Arteon und der BMW 630d. Obwohl der große Bruder, der neue Audi A8 gerade eindrucksvoll demonstriert hat, dass klassische Luxus-Limousinen immer noch den Gipfel automobilen Fortschritts darstellen, so findet man höchste Exklusivität doch längst auch in anderen Segmenten. Ob große SUV oder viertürige Coupés wie hier – vor allem in die Nischen strahlt noch viel vom Glanz der Luxusklasse. Um in der Audi-Welt zu bleiben, erhält man das exquisite A8-Gefühl genauso im Q7, demnächst im Q8 oder gerade im neuen A7. Optisch ist der mit seinen schnittig eleganten Linien sogar der auffälligste. Dem aggressiv dreinschauenden VW Arteon geht es ganz ähnlich – auch wenn er sein Ticket in die Oberschicht vom Mittelklässler Passat gemopst hat. Und der stattliche Fünfer-Ableger BMW 6er Gran Turismo zeigt als letzter im Trio, wie sehr die Klassengrenzen verschwimmen. Vergleichstest dreier Charakterköpfe.

Der BMW 6er GT im Video:

 
 

Audi A7, BMW 630d & VW Arteon im Test

Herrschen in den etablierten Klassen eher konservative Formen, dürfen sich die Designer in den Nischen richtig austoben. So elegant und charismatisch wie der neue A7 rollt derzeit jedenfalls kaum ein anderes Auto über die Straßen. Traditionalisten werden mit dem Innenraum-Styling und der Bedienung über die vielen Displays aber so ihre Probleme haben. Nicht nur, dass die vielen spiegelnden Oberflächen schmutzempfindlich sind, sie erschweren auch die Suche nach dem richtigen Bedienelement. Einen zentralen Dreh-Drück-Steller wie im BMW oder gar einen Lichtschalter gibt es nicht mehr. Stattdessen dominieren drucksensible Flächen und zwei große Touchscreens mit haptischer Rückmeldung für Klimaeinstellungen (unten) und Infotainment (oben). Und noch eines stört im zweifellos fein verarbeiteten Innenraum: Wegen der elegant niedrigen Dachlinie muss man mit Einbußen bei der Kopffreiheit im Fond leben. Trotz fast fünf Meter Fahrzeuglänge gibt es da jedenfalls keinen Deut mehr Platz als im gut zehn Zentimeter kürzeren Arteon. Dazu schränken die sehr flachen Fensterflächen hier wie da die Rundumsicht ein. Die Frontscheibe des VW ist fast irrwitzig schmal.

 

Karosserie: 6er GT bietet großzügige Lounge

Welch großzügige Lounge zwei Erwachsenen dagegen im Heck des 6er GT empfängt, lässt selbst die etwa zehn Zentimeter längere wie höhere Karosserie kaum erwarten. Solch Bewegungsfreiheit adelt den BMW zum Chauffeurwagen erster Wahl – erst recht, wenn die elektrische Sitzlehnenverstellung (hinten) mit den zwei Komfortkissen für 540 Euro extra geordert wurde. Ebenso großzügig zeigt sich der Laderaum des Gran Turismo, der es in zwei Ladeebenen locker mit 610 Litern Gepäck aufnimmt. Elektrisch per Knopfdruck aus dem Kofferraum klappen die Rücksitzlehnen um und machen Platz für maximal 1800 Liter. Doch auch hinter die großen Klappen der Konkurrenten passt so einiges an Gepäck. Bei Zuladung und Anhängelast zeigt der VW sogar die besten Nehmerqualitäten (555 und 2200 Kilogramm). Audi kontert mit der besten Sicherheitsausstattung. Viele Systeme wie Notbremsassistent, Spurhalter oder Multikollisionsbremse sind bei ihm bereits serienmäßig an Bord. Alle anderen wie Kreuzungsassistent, Ausstiegswarner oder Querverkehrerkennung hinten gibt es in fair kalkulierten Paketen gegen Aufpreis – alles wie auch beim neuen A8.

 

Fahrkomfort: Arteon wirkt geradezu sportlich straff

Vorbei sind in Ingolstadt die Jahre der knochentrockenen Sportfahrwerke. Schon auf den ersten Metern zeigen sich alle drei Kontrahenten von einer ausgesprochen sanften Seite. Dabei sind Audi und BMW nicht nur mit einer adaptiven Dämpferregelung (VW Serie) ausgerüstet, sondern auch mit knapp 2000 Euro teuren Luftfederungen. Und die bleiben auf allen erdenklichen Untergründenausgesprochen gelassen. Zugegeben, das Stahlfeder-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern von VW arbeitet auch mit 20-Zoll-Bereifung tadellos. Doch gegen die empfindsamen Luftkissen der Konkurrenz wirkt der Wolfsburger geradezu sportlich straff. Während man im Audi Veränderungen des Fahrbahnbelags noch mitbekommt, entkoppelt der BMW die Insassen komplett von der Außenwelt. Nur hin und wieder dringt das Singen der Reifen auf grobporigem Beton in den Innenraum. Ansonsten schwebt der Münchener regelrecht über die Piste. Die gute Geräuschdämmung sowie die üppig bemessenen und flauschig gepolsterten Komfortsitze überzeugen einen endgültig von der Ultralangstrecken-Tauglichkeit dieses Gran Turismo. Dazu gibt es mehr und größere Ablagen als bei den Mitstreitern, die bessere Ergonomie und einen unschlagbaren Sitzkomfort eben auch auf der Rückbank. In VW und Audi halten es vier Erwachsene natürlich auch auf längeren Strecken bequem aus. Doch muss man sich hier in der zweiten Reihe mit deutlich kürzerer Beinauflage, einer tieferen Sitzposition und dem spitzeren Kniewinkel abfinden.

 

Motor/Getriebe: A7 nach Abgasnorm Euro 6d zugelassen

Der neue Audi A7 verfügt im Trio über den einzigen Antrieb, der schon nach der neuen Abgasnorm Euro 6d-Temp zugelassen wurde. Damit sind seine Abgase nicht sauberer als die der anderen beiden Testkandidaten, sondern sie wurden lediglich unter realitätsnäheren Bedingungen gemessen. SCR-Kats und Partikelfi lter sind bei allen drei Autos Standard. Mit 286 PS ist der Sechszylinder Diesel von Audi hier das kräftigste Triebwerk, gefolgt vom BMW-Reihensechser mit 265 PS. Im Vergleich zu den Dreiliter-V6-Schwergewichten holt der VW seine 240 PS aus nur zwei Liter Hubraum und vier Zylindern. Auch wenn die Fahrleistungen damit nicht auf das Niveau der übermächtigen Bayern klettern, so erstaunen die Leistung und die Drehfreudigkeit des Biturbo-TDI ungemein. Zudem verrichtet der gut gekapselte Langhuber über das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe fast spielerisch seinen Dienst. In nur sechs Sekunden schiebt er den Allradler von null auf Tempo 100. So viel schneller schaffen das die rund 250 kg schwereren Widersacher auch nicht. Dafür strahlen die Sechszylinder in vielen Lebenslagen mehr Souveränität und Kultiviertheit aus. Vor allem der dumpfe Sound und das Antrittsvermögen des BMW-Motors samt Achtgang-Automatik hinterlassen immer wieder einen erhabenen Eindruck. Dagegen klingt der Audi-Motor zuweilen etwas gequält. Sparsam ist der 3.0 TDI, pardon 50 TDI samt Achtstufen-Automatik aber ohne Frage. Mit 7,8 Litern auf der Testrunde setzt er hier die Bestmarke. Mit sensiblem Gasfuß und vorausschauender Fahrweise lassen sich alle Kandidaten mit weniger als sieben Litern bewegen.

 

Fahrdynamik: Audi giert nach Kurven

Die Möglichkeit, per Knopfdruck den Fahrwerkscharakter zu ändern, bieten alle drei Kontrahenten. Allerdings werden beim Druck auf die Sport-Taste weder der BMW noch der VW zum brettharten Slalomkünstler. Am deutlichsten verändert der Audi sein Wesen per Drive-Select-Schalter. Der ist hier übrigens in den Klima-Touchscreen integriert. Mit gestraffter Federung, bissigen Bremsen und zackig geschärfter Lenkung giert der Zweitonner regelrecht nach Kurven. Wer im Grenzbereich dabei Lastwechsel provoziert, kann sogar leicht mit dem Heck lenken – vorausgesetzt, das Sportdifferenzial mit variabler Kraftverteilung an der Hinterachse für 1500 Euro und die Dynamiksitze Allradlenkung (1900 Euro) sind an Bord. Weniger wild, dafür aber kaum langsamer umrundet der BMW den Rundkurs. Mit guter Traktion und authentischerer Lenkung kommt er zwar nicht an die Rundenzeiten des Audi heran, kann sich aber deutlich vom leichten und wendigen VW absetzen, der hier mangels Leistung als letzter, aber keinesfalls langsam über die Ziellinie fährt.

 

Umwelt/Kosten: VW am preiswertesten

Knapp 17.000 Euro günstiger ist der VW Arteon im Vergleich zum BMW. Der 6er liefert aber bereits in der Grundausstattung viele überzeugende Argumente. LED-Scheinwerfer, großes Navigationssystem mit 10,25-Zoll-Bildschirm, WLAN-Hotspot, Remote Services, Einparkassistent samt Rückfahrkamera – alles serienmäßig. Dennoch kommt der 6er GT in der hier getesteten Version für knapp 76.000 Euro am teuersten. Der Abstand zum Audi ist allerdings nicht groß. Auch der Ingolstädter erreicht mit der für den Test relevanten Ausstattung gut 74.000 Euro. Das zum Test angerollte Exemplar in vollem Ornat und Avalongrün Metallic kostet sogar 110.385 Euro. Klar, dass der VW Arteon in diesem Kapitel das Rennen macht. Denn schließlich bekäme man für den Preis des hier gezeigten Audi A7 gleich zwei Exemplare des Wolfsburger Flaggschiffs.

 

Technische Daten BMW 630d, Audi A7 & VW Arteon 

 Audi A7 50 TDI quattroBMW 630d xDrive Gran TurismoVW Arteon TDI SCR 4Motion
MotorV6/4; TurbodieselR6/4; TurbodieselR4/4; Bi-Turbodiesel
Hubraum2967 ccm2993 ccm1968 ccm
Leistung286 PS265 PS240 PS
Getriebe8-Stufen-Automatik8-Stufen-Automatik7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
AntriebAllrad, permanentAllrad, permanentAllrad, permanent
Max. Drehmoment620 Newtonmeter620 Newtonmeter500 Newtonmeter
Leergewicht1880 kg1880 kg1753 kg
Fahrleistung
0-100 km/h5,6 s5,9 s6,0 s
0-200 km/h23,8 s25,7 s28,5 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h250 km/h245 km/h
Bremsweg aus 100 km/h warm32,6 Meter34,1 Meter33,8 Meter
Verbrauch (Test/EU)7,8 Liter/5,5 Liter D/100 Kilometer8,2 Liter/ 5,7 Liter D/100 Kilometer7,9 Liter/5,9 Liter D/100 Kilometer
Verbrauch: CO2 (lt. Test / EU)207/142 g/km217/151 g/km209/152 g/km
Grundpreis66.300 Euro69.500 Euro52.700 Euro
Testwagenpreis74.175 Euro75.790 Euro55.090 Euro
Gesamtwertung (max. 5000 Punkte)323432463179
Platzierung213

von Markus Schönfeld von Markus Schönfeld
Unser Fazit

Es fällt nicht gerade leicht, einen würdigen Gegner für den neuen Audi A7 zu finden. Die Mischung aus hochmoderner Sicherheitsausstattung und feinem Fahrkomfort bei gleichzeitig ausgesprochenem Sportsgeist und reichlich Luxus an Bord legt die Messlatte jedenfalls weit nach oben. Der BMW 6er GT ist ähnlich exklusiv und liefert sich mit dem Ingolstädter ein Spitzenduell auf Augenhöhe. Weil sein Gesamtkonzept aber deutlich mehr Platz und Komfort bietet, darf der Münchener am Ende einen knappen Sieg feiern. Bei diesem spektakulären Schlagabtausch geht beinahe unter, dass auch der VW Arteon ein Wörtchen in der Oberklasse mitzureden hat. Er verkörpert schließlich ganz ähnliche Tugenden bei deutlich geringeren Kosten.

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