Citroen Ami Super: Fahrbericht, Bilder & technische Daten Der kleine Freund

07.04.2014

Plattformrahmen von der Ente, Motor mit 54 PS aus dem GS: Mit diesen Zutaten debütierte der Citroën Ami Super vor 40 Jahren. Fahrbericht

Ami heißt „Freund“ auf Französisch. Und wenn man auch heute dank der Werbung eher dem Renault 5 den Zusatz „Der kleine Freund“ zuschreibt: Citroën hatte schon vorher die Idee. Der Ami 6 kam 1961 auf den Markt, der R5 erst 1972.

Ami 6 – ein Auto, das schon ab Werk aussah wie mit 80 Sachen gegen die Wand gefahren: zerklüftete Front, geknautschtes Blech, trauriger Blick. Dazu ein schmalbrüstiger Zweizylinder-Motor mit anfangs nur 19, später dann 24,5 PS und sogar 32 PS. Dieses stärkste Aggregat wurde zur Grundmotorisierung des Citroën Ami 8, der 1969 debütierte. Er hatte im Vergleich zur Limousine des Ami 6 ein Schrägheck und nicht mehr die seltsam nach innen wegknickendes Heckscheibe, die nur einen kleinen Kofferraumdeckel ermöglichte. Hinzu kam eine deutlich beruhigte Front.

Gerade in der Version Ami Super, die 1973 – also vor 40 Jahren – vorgestellt wurde, sollte er die Lücke im Citroën-Programm zwischen der billigen Ente und dem deutlich teureren Citroën GS schließen. Von dem erbte der Ami Super den Motor: vier statt nur zwei Zylinder, wieder im Boxerprinzip angeordnet mit je einer oben liegenden Nockenwelle pro Seite. Damit zog ganz schön Leistung ein unterm Blechkleid des französischen Freundes: 54 PS waren 1973 durchaus noch kon-kurrenzfähig – auch einige Mittelklasseautos dieser Zeit hatten als Basismotor kaum mehr zu bieten.

Und da der Ami mit seinen rund 800 Kilogramm Leergewicht auch noch leicht war, konnte man so recht beschwingt im Verkehr mitschwimmen. Beschwingt ist übrigens ein gutes Stichwort, wenn es ums Kurvenfahren geht. Der Citroën Ami baut auf dem gleichen Plattformrahmen wie die Ente auf. Der Radstand ist gleich, die Spur hinten sogar etwas schmaler. Für den Super verstärkte Citroën das Fahrwerk und gab dem Boliden Breitreifen mit auf den Weg: 135 SR 15! Die Ente hatte nur 125er Reifen zu bieten.

Damit schmeißt sich der Ami mit Verve in jede Biegung und neigt sich für den unbedarften Betrachter bedenklich nach außen. Doch wer sich mit dem französischen Federvieh und seinem nächsten Verwandten auskennt, der weiß: Der kleine Freund will nur spielen und radiert gutmütig über den Asphalt, um auf der Geraden schnell wieder in Ruhe zu kommen.

 

CITROEN AMI SUPER: WIE EINE ZORNIGE ENTE

Dank des GS-Herzens beschleunigt der Citroën in etwa 17,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Dabei schlägt ihm der etwas träge Motor ein Schnippchen. Erst mit einigem Anlauf, so ab 3000 Umdrehungen pro Minute, ziehen die 54 Pferde merklich an. Auf freier Strecke sind knapp 150 km/h möglich, doch dann dröhnt der luftgekühlte Boxermotor an seiner Leistungsgrenze vor sich hin und klingt wie eine zornige Ente – aber nur, wenn man ihm die volle Leistung abverlangt.

Bei Tempo 100 bis 120 gleitet der Ami Super nonchalant und zufrieden brummend dahin. Abseits der großen Straßen erweist sich das mit langen Federwegen gesegnete Fahrwerk als über alle Maßen schluckfreudig. Das wünscht man sich heute bei so manchem Auto.

Im Innenraum gibt sich der Ami Super sehr spartanisch. Immerhin: Es sind große Ablagen vorhanden. Die Bedienelemente liegen griffgünstig. Der Tacho versteckt sich in einer Plastikhöhle. Die Tester der AUTO ZEITUNG sprachen damals nicht besonders gut von den Materialien und der Verarbeitung. Nach 40 Jahren aber muss man sagen: Es ist alles noch da und alle Anzeigen und Regler funktionieren bestens.

Der Kunststoff ist nirgends gebrochen oder von der Sonne verfärbt. Und dasselbe gilt auch für die grünen Bezugsstoffe der Sitze: Immer noch frisch wie am ersten Tag – nur der Schaumstoff darunter hat deutlich gelitten. Man sinkt extrem tief ins Gestühl ein. Hinten sackt man gar aufs Bodenblech durch, was zu einer wenig rückenfreundlichen Sitzhaltung für die Fondpassagiere führt.

Das muss bei der Auslieferung noch anders gewesen sein. Von „salonmäßig gepolsterten Sitzen“ wussten die Tester zu berichten und lobten zudem die Seitenführung der Vordersitze. Was auch heute noch beeindruckt, ist der Platz, den man in einem von den Außenabmessungen her kleinen Fahrzeug vorfindet. Zwei Personen können sich vorn ganz bequem ausbreiten, und hinten gibts mehr Knieraum als in vielen heutigen Kleinwagen. Hinzu kommt die hervorragende Rundumsicht dank schmaler Dachsäulen.

Gleichfalls ein hohes Maß an Bewunderung verdienen die vielen kleinen, zwar auf den ersten Blick schrulligen, aber eben auch praktischen Lösungen, wie man sie häufig gerade in älteren französischen Automobilen findet. Da wäre etwa die Halterung für eine Reservedose Öl dort, wo sie hingehört – im Motorraum. Und, heute unvorstellbar, der mitgelieferte Unterlegkeil aus Holz: Er lagert links vorn hinter dem Scheinwerfer, um bei Bedarf schnell hervorgezaubert werden zu können, damit die Fuhre am Berg nicht wegrollt.

 

VARIABILITÄT UND VIELE KLEINE VORTEILE

Wahre Begeisterungsstürme verdient das variable Innenraumkonzept: Sitzbank umklappen, vorklappen, rausnehmen – all das geht in Sekundenschnelle. Das leichte Teil kann von einer Person locker aus dem Auto gehoben werden. Dadurch ergibt sich eine ebene, blecherne Ladefläche. Kein Plastik, keine Verkleidung an den Seiten stört. Noch nicht einmal ein Stoßdämpferdom ragt ins Bild. Man kann die volle Breite zwischen den Radkästen zum Transport nutzen – denn dieser Ami Break muss hin und wieder auch heute noch sperrige Dinge von A nach B bringen.

Der kleine Franzose Citroën Ami Super hat noch viele weitere Vorteile. Da wäre die Möglichkeit zu erwähnen, zur Not eine dritte Person vorn mitfahren zu lassen oder das platzsparend im Motorraum untergebrachte vollwertige Ersatzrad. Und erst die pfiffigen Türinnengriffe: Sie sind so knubbelig geformt, dass man sie auch in völliger Dunkelheit sofort findet. Der große runde Entriegelungsknopf in der Mitte lässt sich ohne Gefummel bedienen. So kann man schnell seine Passagiere einsteigen lassen. Zentralverriegelung? Überflüssig! Übrigens vereint der Citroën Ami Super einige Innovationen unter seinem Aluminium-Dach.

Da wären die innenliegenden Scheibenbremsen vorn zu erwähnen, die extra Bremsbeläge für die Handbremse haben und zur besseren Kühlung vom Motorgebläse immer mit kühler Luft versorgt werden. Es ist also kein Wunder, dass Roman Pätzel, der Besitzer dieses Citroën Ami Super, seinen Wagen liebt. Der im November 1975 gebaute kleine Freund wurde nach Neu-Ulm ausgeliefert und blieb dort lange Jahre in erster Hand. Der Break wurde nur hier und da nachlackiert – geschweißt werden musste er bis heute nicht.

Roman Pätzel übernahm den Ami vor wenigen Jahren mit nur rund 60.000 Kilometern auf dem Tacho und will ihn möglichst lange genau so erhalten, wie er ist. Rostprobleme gibt es nicht. Und die kleinen Macken, ja selbst die durchgesesse-nen Sitze sind für ihn Spuren eines Autolebens. Spuren, die sich der kleine Freund ruhig leisten kann. Die Ami 6 und 8 sind sehr, sehr selten geworden. Es gibt zudem nur wenige Enthusiasten, die sich ihrer annehmen. Der Fahrzeugwert ist gering und spiegelt kaum wider, was dieser Wagen an Ulkigkeit, Seltenheit und Fahrspaß zu bieten hat. Wir haben es jedenfalls sehr genossen, mit diesem kleinen Freund unterwegs zu.

CITROEN AMI SUPER: Technische Daten und Fakten
Antrieb
B4-Zylinder, luftgekühlt, vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; zwei obenliegende Nockenwellen, Zahnriemenantrieb; Gemischb.: ein Weber-Registervergaser 30 DGS; Bohrung x Hub: 74,0 x 59,0 mm; Hubraum: 1015 cm3; Verdichtung: 9,0:1; Leistung: 40 kW/54 PS bei 6500/min; max. Drehmoment: 72 Nm bei 3500/min; Viergang-Getriebe; Mittelschaltung; Vorderradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Plattformrahmen mit aufgeschraubter mittragender Ganzstahlkar., vier Türen, Heckklappe; Radaufh. v./h.: längsliegende Schwingarme, Längsfedern, Stabilisator, hydr. Teleskopstoßdämpfer; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h. innenliegende Scheiben/Trommeln; Reifen: 135 SR 15; Räder: 4,5 x 15
Eckdaten
L/B/H: 3976/1520/1474 mm; Radstand: 2400 mm; Spurweite v./h.: 1260/1220 mm; Leer-/Gesamtgew.: 805/1185 kg; Tankinh.: 40 l; Bauzeit (Ami Super): 1973 bis 1976; Stückzahl (Ami 8): 800.775; Preis (Break, 1973): 6880 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 17,5 s; Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h; Verbrauch: 9,3 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2:  6700 Euro
Zustand 3:  3800 Euro
Zustand 4:  1400 Euro
Wertentwicklung: steigend
Definition der Zustandsnoten

Thorsten Elbrigmann

Tags:
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