City-Car-Vergleich 2013: Audi A1 gegen Fiat 500, Mini One und Opel Adam Kleine Herzensbrecher

25.06.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Wer behauptet, City-Cars müssten nur automobile Grundbedürfnisse befriedigen, der irrt. Audi, Mini, Fiat und Opel demonstrieren im Vergleichstest, dass die Kleinen auch was für Auge und Herz sein können.

In der ganz kleinen Klasse lässt sich nur wenig verdienen. Der enorme Konkurrenzdruck in diesem preissensiblen Segment drückt die Gewinnmargen und spült nur wenig Geld in die Kassen der Hersteller. Doch die sind ja durchaus kreativ, wenn es um das Thema Geldverdienen geht. Bestes Beispiel dafür ist Mini. Der moderne Klassiker verkauft sich wie geschnitten Brot und wirft dank des hohen Preisniveaus sowie der hohen Sonderausstattungsrate für BMW satte Gewinne ab. Dass die Kunden bereit sind, für so wenig Auto so viel zu zahlen, liegt neben dem zeitlosen, coolen Design auch an dem besonderen Image, das der Käufer mit einem Mini erwirbt.

Kein Wunder, dass dieses erfolgreiche Konzept Nachahmer findet. Inzwischen sind Fiat mit dem 500er, Audi mit dem A1 und nun auch Opel mit dem neuen Adam auf denselben Zug aufgesprungen. Und der Rüsselsheimer will den drei Konkurrenten beweisen, dass hinter der ganzen Marketing- Folklore und der schönen Schale auch ein ernstzunehmendes Auto steckt. Zum Vergleichstest treten die vier Charmeure mit Benzinern um die 90 PS an.

 

Karosserie

Türen auf und hinein in die modischen City-Cars: Wobei man auf den vorderen Sitzen des Audi A1 schnell vergisst, dass man in der kleinsten Baureihe der Ingolstädter sitzt. Viel Kopf- und Armfreiheit sowie das offen gestaltete Cockpit sorgen für Kompaktklassegefühl. Die Kontrahenten können da nicht mithalten. Am stärksten engt der kleinste der Kleinen, der Fiat 500, Fahrer sowie Beifahrer in alle Richtungen ein. Allerdings gönnt der Italiener den hinteren Passagieren mehr Freiraum als Audi und Mini, in denen es an Kopf- (A1) respektive Kniefreiheit (Mini) mangelt. Am meisten Bewegungsfreiheit genießen die Insassen jedoch auf der Opel-Rückbank. Dank passend für die Knie ausgeschnittener Vordersitzlehnen und viel Platz für die Füße reisen auch bis zu 1,80 Meter große Personen recht bequem im Fond des Adam.

Eine Gemeinsamkeit der vier Flitzer: Mit ihren kompakten Längen zwischen 3,55 Metern (Fiat) und 3,95 Metern (Audi) lassen sie sich unaufgeregt durch die Stadt dirigieren und problemlos einparken, wobei der Mini mit großen Fensterflächen und schmalen Dachsäulen am übersichtlichsten ist. Wer auf Nummer sicher gehen und die Karosserie vor unschönen Kratzern schützen will, bekommt bei allen Herstellern ab 300 Euro Aufpreis Parksensoren in den hinteren Stoßstangen. Lediglich Audi (630 Euro) und Opel (580 Euro) offerieren diese auch vorn. Und nur die Rüsselsheimer spendieren ihrem neuen Sprössling im Paket dazu noch einen Einpark- und einen Spurwechselassistenten. Bixenon- und Nebelscheinwerfer sucht man in der Opel-Preisliste aber vergebens. Dennoch liegen A1, Mini und Adam in puncto Sicherheitsausstattung auf Augenhöhe – sie hängen den 500er deutlich ab.

Der Cinquecento überzeugt im Gegenzug mit dem zweitgrößten Kofferraum im Test. Er fasst zwischen 185 und 610 Litern und muss sich nur den üppigen 270 bis 920 Litern des Audi geschlagen geben, der außerdem mit bis zu 1000 Kilogramm Anhängelast glänzt. Darüber hinaus erleichtert der A1 mit seiner niedrigen Ladekante (67 cm) und einem ebenen Kofferraumboden den Transport von sperrigen Gegenständigen. Ein Manko beim Opel: Seine sehr hohe Ladekante (85 cm) und der rund 30 Zentimeter tiefer liegende Kofferraumboden erschweren das Einladen von Gepäck erheblich.

Dafür entschädigt der Adam als günstigster Kandidat mit einer soliden Verarbeitung und einem Innenraum auf Mini-Niveau. Qualitativ rangiert das Interieur des Audi aber in einer noch höheren Klasse.

KarosserieMax. PunkteAudi A1 1.2 TFSIMini One MinimalistOpel Adam 1.4 ecoFLEXFiat 500 0.9 TwinAir
Raumangebot vorn10064586054
Raumangebot hinten10025273228
Übersichtlichkeit7041454342
Bedienung/ Funktion10085787570
Kofferraumvolumen10016124
Variabilität10026242222
Zuladung/ Anhängelast8023181617
Sicherheit15054555336
Qualität/ Verarbeitung200143130130120
Kapitelbewertung1000477436433393

 

Fahrkomfort

Nicht zu hart, nicht zu weich: Die Sitze des Mini sind vorn angenehm straff und auch auf längeren Strecken sehr bequem. Gleiches gilt für die A1-Sitze, während das Adam-Gestühl etwas zu weich gepolstert ist. Auf der Rückbank reist man allerdings nirgends mit so viel Sitzkomfort wie auf den tiefen Polstern des Mini. Dafür sorgen im Audi die weit nach vorn schiebbaren Vordersitze und die breiten Türöffnungen für den bequemsten Einstieg nach hinten. Genau wie in Fiat und Opel stört auf Dauer aber die zu aufrechte Sitzposition. Im Italiener fallen zudem die Sitzflächen am kleinsten aus.

Auch in Sachen Ergonomie kann der Stadtfloh aus Turin nicht mit seinen Gegnern mithalten – besonders wegen der kleinen und schlecht erreichbaren Ablageflächen. Der Innenraum des Adam ist durchdachter gestaltet und offeriert größere Fächer in Mittelkonsole und Türen. Allerdings büßt er wegen seines unpraktischen Laderaums Punkte ein. Nützlich im Audi: Befestigungshaken für Einkaufstüten im Kofferraum.

Seinen ausgewogenen Charakter verteidigt der Audi A1 zudem beim Federungs- und Geräuschkomfort. Er erzielt die niedrigsten Schalldruckwerte und weist die geringsten Abrollgeräusche auf. Das fördert den Komfort ebenso wie die feinfühlig agierende Federung – nur die Hinterachse zeigt sich bei Kanten bockig. Opel und Mini liegen dicht beisammen, wobei der Adam auf Unebenheiten mehr Fahrwerksgeräusche erzeugt und einen präsenteren Motor besitzt. Der Brite ist straffer, aber nicht unkomfortabel abgestimmt. Negativ fallen bei Autobahntempo nur die lauteren Windgeräusche auf. Am wenigsten überzeugt hier der Fiat: Sein Motor dröhnt, und die Federung agiert am unsensibelsten.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A1 1.2 TFSIMini One MinimalistOpel Adam 1.4 ecoFLEXFiat 500 0.9 TwinAir
Sitzkomfort vorn15090877869
Sitzkomfort hinten10032383430
Ergonomie150120110102100
Innengeräusche5035313325
Geräuscheindruck10059555237
Klimatisierung5030193028
Federung leer2001061029390
Federung beladen2001021009086
Kapitelbewertung1000574542512465

 

Motor und Getriebe

Unter der kurzen Mini-Haube arbeitet der gedrosselte Benziner aus dem stärkeren Cooper-Modell, im Mini One leistet der 1,6 Liter große Sauger 98 PS. Damit ist der Bayer mit britischen Wurzeln der Kraftmeier in diesem Quartett. Zudem verfügt er als einziger über ein Sechsgang-Getriebe, während sich die Konkurrenz mit fünf Fahrstufen begnügen muss. Die Folge: Der Mini bietet die besten Beschleunigungswerte sowie die höchste Endgeschwindigkeit und erfreut mit dem niedrigsten Verbrauch (5,7 l/100 km). Mini und Opel treten in der Minimalist- (400 Euro) beziehungsweise ecoFLEX-Variante (355 Euro) zum Test an. Erst dann verfügen die beiden Kleinen über eine Start- Stopp-Automatik. Audi und Fiat bringen dieses System bereits serienmäßig mit. Einziger Wermutstropfen des Mini bleiben die mäßigen Elastizitätswerte, hier muss der Fahrer öfters zum knackig geführten Hebel des lang übersetzten Getriebes greifen, damit es flott vorangeht.

Audi und Fiat vertrauen auf aufgeladene Motoren, wobei die Italiener mit dem Zweizylinder einen Sonderweg bestreiten. Gerade einmal 0,9 Liter Hubraum misst der Gleichläufer und entwickelt dennoch stattliche 85 PS und 145 Nm, die bereits ab 1900 Touren parat stehen. Mindestens so viele Umdrehungen sollten auch anliegen, darunter liefert das Triebwerk nur wenig Durchzugskraft und nervt mit unschönen Vibrationen sowie aufdringlichem Motorsound. Der Parallel-Twin hat mit dem 1045 kg leichten Italiener wenig Mühe und verhilft ihm zum zweitbesten Verbrauch (5,9 l/100 km) und den besten Elastizitätswerten.

Im Opel Adam werkelt ein alter Bekannter aus dem Opel Corsa. Der wenig durchzugsstarke 87-PS-Ottomotor will fleißig gedreht werden, soll es zügig vorangehen, entschädigt dafür aber mit ordentlicher Drehfreude. Dass er bei der Elastizitätsmessung mit dem deutlich durchzugsstärkeren A1 nahezu gleichauf liegt, hat er der kurzen Getriebeübersetzung zu verdanken. Die Schattenseite dieser Auslegung ist aber das hohe Drehzahlniveau besonders bei flotter Autobahnfahrt, das zum höchsten Testverbrauch von 6,5 Litern beiträgt. Auch in puncto Reichweite rangiert der Rüsselsheimer mit 585 Kilometern am Ende des Feldes. Am weitesten kommt man mit dem Audi, dessen 45-Liter-Tank einen Aktionsradius von 726 Kilometern zulässt.

Auch in den übrigen Disziplinen hinterlässt der laufruhige, wenngleich wenig drehfreudige Zweiventiler des Audi A1 einen guten Eindruck. Er gefällt mit seinem vibrationsarmen Laufverhalten und dem leisesten Motorgeräusch. Das passend gestufte Fünfgang-Getriebe lässt sich spielerisch bedienen, dürfte aber ruhig etwas präziser zu schalten sein.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A1 1.2 TFSIMini One MinimalistOpel Adam 1.4 ecoFLEXFiat 500 0.9 TwinAir
Beschleunigung15088938784
Elastizität10069516772
Höchstgeschwindigkeit15038433533
Getriebeabstufung10078857470
Kraftentfaltung5032302722
Laufkultur10063605842
Verbrauch325264274258270
Reichweite2513131011
Kapitelbewertung1000645649616604

 

Fahrdynamik

Hier ist der Mini ganz in seinem Element. Dabei muss es gar keines der Cooper-Modelle sein, auch als PS-ärmerer One vermittelt der Brite mit seiner beinahe Kartähnlichen Agilität den größten Fahrspaß in dieser Vierer-Truppe. Die feste, direkte und sehr exakte Lenkung hilft dem Fahrer, den Mini präzise zu dirigieren. Das aufwändige Fahrwerk mit Mehrfachlenkerachse hinten setzt die Richtungsbefehle spontan um und lässt ihn wunderbar behände um Biegungen aller Art flitzen – bei ausgeschaltetem ESP sogar mit einem leicht eindrehendem Heck, sofern der Fahrer dieses durch gezieltes Gaslupfen zum Mitlenken überredet. Beim Tanz durch den 180-Meter-Slalom sowie bei der Zeitenhatz auf dem Handlingkurs kann der Engländer die Konkurrenz in die Schranken weisen.

Am nächsten kommt ihm dabei der Audi A1, der dem Mini auch dank der üppigen Optionsbereifung (17-Zöller für 1600 Euro) in allen fahrdynamischen Disziplinen auf den Fersen bleibt und bei den Bremsprüfungen sogar die entscheidenden Punkte für den Kapitelsieg einfahren kann. Mit Werten von 36,1 (kalt) und 35,1 Meter (warm) kommt er jeweils rund einen halben Meter eher zum Stehen als der Brite.

Auch der Opel verzögert auf hohem Niveau, wohingegen der Fiat bei kalten wie warmen Stoppern etwa eine Fahrzeuglänge mehr braucht. Hinzu kommt, dass der Cinquecento bei voll durchgetretenem Bremspedal im ersten Moment an der Vorderachse überbremst und sich erst, nachdem sich das ABS-System eingeregelt hat, die volle Verzögerung einstellt. Dies kostet den Italiener im Handling ebenso Zeit wie die gefühllose und indirekt übersetzte Lenkung. Erstaunlich ist dabei, wie flink sich der kleine Turiner dennoch durch die Slalomgasse zirkeln lässt – der kurze Radstand und das geringe Fahrzeuggewicht machen es möglich. Dennoch bleibt ihm mit großem Abstand nur der letzte Platz in diesem Kapitel, auch weil Fiat für den elektronischen Schutzengel ESP unverständlicherweise 200 Euro Aufpreis verlangt.

Dem fahrsicheren Adam verhagelt das nicht abschaltbare ESP eine bessere Slalom-Zeit. Schiebt der Opel etwas zu stark über die Vorderräder, bremst ihn das grob regelnde ESP rigoros zusammen, was ihn auf dem Rundkurs etwas Zeit kostet. Ebenso wie beim Fiat täte der ohnehin leichtgängigen Lenkung, die zusätzlich noch einen frauenfreundlichen City-Modus fürs Einparken bietet, etwas mehr Rückmeldung gut.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A1 1.2 TFSIMini One MinimalistOpel Adam 1.4 ecoFLEXFiat 500 0.9 TwinAir
Handling15051554745
Slalom10069725767
Lenkung10075786559
Geradeauslauf5030302628
Bremsdosierung3018191917
Bremsweg kalt15089847556
Bremsweg warm15099969262
Traktion10044424037
Fahrsicherheit150118115112103
Wendekreis2014121318
Kapitelbewertung1000607603546492

 

Umwelt und Kosten

14.605 Euro verlangt Opel für den Adam 1.4 ecoFLEX. Damit ist der Hesse der Günstigste des Quartetts und gleichzeitig erfreulich umfangreich ausgestattet. Leichtmetallräder, CD-Radio samt Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie USB-Anschluss und sogar eine Klimaanlage sind Serie. Weniger spendabel zeigt sich der Mini. Nur bei ihm kostet die Klimaanlage Aufpreis – und das, obwohl er mit 17.350 Euro ohnehin der Teuerste unter den Kleinen ist. Somit kann er auch aus dem prozentual niedrigsten Wertverlust keinen Nutzen schlagen, da er absolut gesehen mit am meisten an Wert verliert.

Der gut ausgestattete Fiat 500 liegt preislich knapp über dem Opel Adam, allerdings bietet seine Ausstattungsliste weit weniger Optionen als die der Konkurrenten. Das kann man vom 16.550 Euro teuren Audi A1 nicht behaupten. Er lässt sich ebenso wie der Mini und der Opel mühelos um einen fünfstelligen Betrag aufrüsten.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A1 1.2 TFSIMini One MinimalistOpel Adam 1.4 ecoFLEXFiat 500 0.9 TwinAir
Bewerteter Preis675282285338330
Wertverlust5032323433
Ausstattung2515152020
Multimedia5024202217
Garantie/Gewährleistung5028201817
Werkstattkosten2016161314
Steuer1010101010
Versicherung4038373739
Kraftstoff5543444244
Emissionswerte2521222223
Kapitelbewertung1000509501556547

 

Fazit

Im Test der vier schicken Kleinwagen behauptet sich der Audi A1 1.2 TFSI mit deutlichem Abstand. Er ist das kompletteste Auto in diesem Quartett und kann sich mit Ausnahme der eingeschränkten Kopffreiheit im Fond sowie der selbstbewussten Preisgestaltung wenig vorwerfen lassen.

Mini langt für den zweitplazierten One Minimalist noch kräftiger hin. Dafür entschädigt der kultige Brite mit begeisterndem Fahrspaß und dem kräftigen, aber zugleich sehr sparsamen Motor.

Auf Rang drei folgt der neue Opel Adam 1.4 ecoFLEX. Die Rüsselsheimer haben einen gelungenen Styler auf die Räder gestellt, dem man allerdings einen moderneren Antrieb wünschen würde. Dem flippigen Fiat 500 0.9 TwinAir bleibt in diesem Umfeld nur der vierte Platz.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A1 1.2 TFSIMini One MinimalistOpel Adam 1.4 ecoFLEXFiat 500 0.9 TwinAir
Summe50002812273126632501
Platzierung1234

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