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Porsche 911 GT3 RS: Test Schwindelerregende Drehzahl-Orgien im 911 GT3 RS

von Volker Koerdt 23.08.2018
Inhalt
  1. Porsche 911 GT3 RS im Test
  2. GT3 RS begeistert mit präziser Lenkung
  3. Technische Daten Porsche 911 GT3 RS

Im Test jagen wir den Porsche 911 GT3 RS über in seine DNA geschnitztes Terrain: die Rennstrecke. Atemberaubende Querbeschleunigung und beeindruckende Fahrleistungen sprechen für den Stuttgarter Rennboliden. Nur der Verbrauch entpuppt sich als Nachteil.

Die Nadel des Drehzahlmessers pendelt irgendwo bei 8.000 Umdrehungen. Die Digitalanzeige im Tacho sprintet unaufhörlich weiter: 302, 305, 307 km/h. Hinten tobt ein akustisches Inferno. Der 520 PS starke Sechszylinder-Boxer tobt sich lautstark aus. Bis zu 23,5 Meter pro Sekunde legen die Kolben dabei zurück – unfassbar. Begleitet vom hohen Lied der Präzisionsmechanik des Hochdrehzahl-Aggregats. Ja, der GT3 RS ist laut, kompromisslos und abgespeckt. Dämmmaterial dürfen die anderen Mitglieder der 911-Familie mit sich rumschleppen. Selbst Navi und Klima wirken in diesem Puristen wie Fremdkörper, schließlich treiben sie das Gewicht um 19 Kilogramm in die Höhe. Doch ehrlicherweise führt auch einen GT3-RS-Piloten der Weg nicht immer nur zum Nürburgring, obwohl Rennstrecken sein angestammtes Terrain sind. An dieser Stelle ist es angebracht, einen Blick ins Stammbuch der inzwischen groß gewordenen 911-Familie zu werfen. Denn längst stellt sich die Frage: Welcher 911er für wen? Da wäre zunächst der Basis-911er, der mit 350 PS und seiner Fahrdynamik schon so viel sportliches Talent mitbringt, dass man die Kinder, die auf den beiden Sitzen hinten Platz finden, schon früh an Sportwagen gewöhnen kann. Er ist sozusagen ein Familien-911er. Gleiches gilt für den Carrera S, der mit 50 PS mehr ähnlich fährt, aber schon die 300-km/h-Schallmauer durchbricht. Dann gibt es noch den "richtigen" Turbo (bis auf die GT3-Modelle sind ja inzwischen alle 911 turboaufgeladen), der mit 580 PS der Express unter den "Komfort"-911ern ist. Für die Hartgesottenen sind die RS-Modelle vorgesehen. Allen voran der bislang stärkste 911er überhaupt: der GT2 RS mit 700 PS – limitiert und bereits ausverkauft. Mehr zum Thema: Das ist der Sportwagen des Jahres 2018!

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Porsche 911 GT3 RS im Test

Der GT3 RS wendet sich eindeutig an Sport- oder Rennfahrer: Mit einem gemessenen Leergewicht von 1512 Kilogramm, einschließlich Überrollbügel und gefülltem 90-Liter-Tank, setzt der Zuffenhausener konsequent auf Leichtbau. Auf Dämmmaterial wird verzichtet, und auch die Sitze hinten gibt es nicht. Der GT3 RS ist also ein reiner Zweisitzer. Porsche-typisch sind die atemberaubenden Fahrleistungen. Für den Sprint auf 100 km/h vergehen gerade mal 3,1 Sekunden, und der Vortrieb endet bei einer Höchstgeschwindigkeit von 312 km/h. Dass ein 911er im ICE-Tempo durch die Kurven eilt, ist auch nicht neu, doch der GT3 RS lenkt anders ein und fährt anders als ein Turbo oder ein GT2 RS. Im Gegensatz zum Turbo, der dank seines Allradantriebs auf der Vorderachse mehr Traktion aufbaut, lenkt sich der GT3 RS deutlich agiler – auch gegenüber dem GT2 RS. Dafür ist der Geradeauslauf bei höherem Tempo nicht ganz stabil, insbesondere bei Anregungen durch Straßenunebenheiten. Wer es übertreibt, zu schnell in die Kurve fährt und Lastwechsel durch das Wegnehmen von Gas provoziert, bringt den 911er zum Eindrehen. Die Vorderachse will nach innen, das Heck dreht nach außen. Eindeutig eine Abstimmung für die Rennstrecke, die auf offener Straße mit einem sensiblen Gasfuß beantwortet werden will. Doch wenn die Michelin Pilot Sport Cup 2-Reifen erst mal richtig warm gefahren sind, baut der GT3 RS einen höllischen Grip auf – mit einem schmalen Grenzbereich.

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GT3 RS begeistert mit präziser Lenkung

Das Einlenken funktioniert präzise, und die Rückmeldung der Lenkung ist jederzeit tadellos. Dazu passen die hervorragend zupackenden und ebenso gut zu dosierenden Bremsen. Der GT3 RS steht nach rund 32 Metern von 100 km/h – ein ums andere Mal. Selbstverständlich steht bei einer Abstimmung für die Rennstrecke nicht der Komfort im Vordergrund. So ist der GT3 RS kein reisetauglicher Sportwagen. Die Fahrwerksabstimmung ist, wie sie für diesen Zweck sein muss, naturgemäß hart. Der ermittelte Testverbrauch von 14,9 Liter Super Plus je 100 Kilometer erscheint zwar absolut betrachtet relativ hoch – für einen Sportwagen dieser Leistungsklasse ist der Hochdrehzahlkonzept-Motor wiederum als effizient zu bezeichnen. Wer etwas zurückhaltender mit dem Gasfuß umgeht, kann den Porsche auch mit 11 Litern bewegen. Für alle, die den GT3 RS bei Rennen einsetzen wollen, gibt es auf Wunsch das sogenannte Clubsport-Paket ohne Aufpreis. Es beinhaltet einen Überrollkäfig, einen Batterie-Trennschalter, einen Handfeuerlöscher und zusätzlich einen Sechspunktgurt für den Fahrer. Bevor der 911 GT3 RS auf der Rennstrecke womöglich die ersten Preise erringen kann, werfen wir erst mal einen Blick in die Preisliste. Ab 195.137 Euro ist der Stuttgarter Sportler zu haben. Ein typischer Porsche-Tarif also – doch man weiß auch, was man dafür bekommt: das aktuell wahrscheinlich beste Basisfahrzeug für die GT-Rennserie.

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Technische Daten Porsche 911 GT3 RS

 Porsche 911 GT3 RS
Zylinder/Ventile pro Zylin.6-Zylinder-Boxer/4-Vent
Hubraum3996 ccm
Leistung520 PS
Max. Gesamtdrehmoment470 Newtonmeter
Getriebe/Antrieb7-Gang-Doppelkupplung/Hinterradantrieb
Beschleunigung 
0 - 100 km/h3,1 s
0 - 200 km/h10,6 s
Höchstgeschwindigkeit312 km/h
Leergewicht (Werk)1512 kg
Verbrauch (EU/Test)12,8/14.9 l SP/100 km
CO2-Ausstoß (Werk)291 g/km
Grundpreis195.137 Euro

von Volker Koerdt von Volker Koerdt
Unser Fazit

Nur wenige Supersportwagen sind so konsequent auf Racing ausgelegt wie der Porsche 911 GT3 RS. Dafür müssen naturgemäß Kompromisse beim Federungskomfort, der Langstreckentauglichkeit sowie der Geräuschdämmung in Kauf genommen werden. Dafür entschädigt der GT3 RS mit atemberaubenden Kurventempi, herausragender Agilität, superbem Einlenkverhalten und hervorragend verzögernden Bremsen. Dennoch bewahrt sich der Stuttgarter bei allen Renngenen einen Rest von Alltagstauglichkeit, die allen 911ern in die Wiege gelegt wird. Zielgruppe sind aber eindeutig die Renn-Freaks.

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