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Peugeot 308 SW PureTech 130: Dauertest 100.000 Kilometer mit dem 308 SW

von Klaus Uckrow 06.02.2019
Inhalt
  1. 100.000-Kilometer-Dauertest des Peugeot 308 SW
  2. Großes Ladevolumen, aber zu kleines Lenkrad
  3. Interieur: Erster Defekt nach 50.000 Kilometer
  4. Verbrauch: 308 SW überzeugt mit sparsamer Fahrt
  5. Minimaler Ölverbrauch des Peugeot 308 SW PureTech 130
  6. Störungen und Wartung bis 100.000 Kilometer
  7. Kosten & Reifen
  8. Daten und Messwerte

Dem Dauertest stellte sich der Peugeot 308 SW PureTech 130 mit dem neuen Dreizylinder-Turbo-Benziner. Bei der Langzeitqualität wollten die Franzosen neue Maßstäbe setzen – ob das geklappt hat? Hier gibt's die Antwort über 100.000 Kilometer!

Am 4. September 2015 startete der Dauertest mit dem Peugeot 308 SW in der Topausstattung Allure und der Sonderlackierung Chronos Grau-Metallic. Zusätzlich zur damals üppigen Serien-Ausstattung – unter anderem mit Voll-LED-Scheinwerfern, 17 Zoll großen Alu-Rädern und Navigationssystem Plus – hatten wir noch ein Panorama-Glasdach mit elektrischer Jalousie (450 Euro) und ein Notrad für 70 Euro an Stelle eines Reparatursets geordert. Das sollte sich im Frühjahr 2017 bei einer Reifenpanne wegen einer eingefahrenen Schraube noch als sehr hilfreich erweisen. Bei der Motorisierung hatten wir uns für einen der neuen Turbo-Benziner mit drei Zylindern aus dem Hause Peugeot entschieden. Aus 1,2 Liter Hubraum mobilisiert der Motor 130 muntere PS und bietet ein Drehmoment von 230 Newtonmeter. Das geschieht relativ unauffällig und geräuschlos – das nervige Schnarren vergleichbarer Triebwerke anderer Hersteller haben die Franzosen ihrem Motor weitgehend abtrainiert. Auch sonst lieferte der Dreizylinder im Test eine erstklassige Vorstellung ab. "Die Spitze von knapp 200 km/h wird mühelos erreicht", notierte Testredakteur Caspar Winkelmann im Fahrtenbuch. Und: "Auch im sechsten Gang hat der Motor des dauergetesteten Peugeot 308 SW PureTech 130 noch genug Reserven." Dabei entpuppte sich der muntere Dreizylinder-Turbo auch als ausgesprochen sparsam. "Bei Autobahnfahrt mit Tempo 130 zeigte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von nur 5,4 Litern an", bilanzierte Winkelmann. Bei ganz sanftem Gasfuß war sogar der angegebene Normverbrauch von nur 5,0 Liter Super auf 100 Kilometern keine unüberwindbare Hürde.

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100.000-Kilometer-Dauertest des Peugeot 308 SW

Test-Redakteur Marcel Kühler lobte ebenfalls den kultivierten Dreizylinder des Peugeot 308 SW PureTech 130. "Angenehm leise", hielt er im Buch fest. "Auch beim Anfahren hört man den Motor kaum, sodass man manchmal zu früh oder zu spät einkuppelt oder mit schleifender Kupplung anfährt." Der versierte Vielfahrer fand auch an der Lenkung gefallen. "Sie arbeitet geschwindigkeitsabhängig und ist auf der Autobahn erfreulich straff." Geteilte Meinungen gab es zunächst über den Sitzkomfort – weil nicht alle auf Anhieb die bei der Allure-Ausstattung serienmäßige Lordosenstütze (Drehrad an der rechten Seite des Fahrersitzes) fanden. Das spielte sich nach wenigen Wochen ein. Ebenso wie die Bedienung vieler Funktionen über den gut zu erreichenden Touchscreen. "Daran, dass auch die Klimatisierung über den Touchscreen gesteuert wird, muss man sich erst gewöhnen", fand Technik-Redakteur Holger Ippen. Im späteren Testalltag gab es am Peugeot 308 SW PureTech 130 aber weitere Kritik: "Vor dem Losfahren muss man immer warten, bis Radio, Navi und Klima hochgefahren sind", klagte etwa Autor Johannes Riegsinger. Zudem registrierte er mehrere Abstürze des Systems, was während einer Navigationsführung ärgerlich ist. "Außerdem ist die Kartendarstellung des Navis grobpixelig und nicht mehr zeitgemäß", urteilte Johannes Riegsinger. Mittlerweile hat Peugeot ein neues 3D-Navigationssystem im Programm, das aber nicht mehr zur Ausstattung Allure gehört, sondern wie die Voll-LED-Scheinwerfer mit dem GT-Paket (2500 Euro) bestellt werden muss.

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Großes Ladevolumen, aber zu kleines Lenkrad

Vermisst wurde von manchen Fahrern eine Sitzheizung – das Kreuzchen zum Preis von 290 Euro wurde bei der Bestellung schlicht vergessen. Ein warmer Po hätte vielleicht den morgendlichen Schock durch den massiven Metallschaltknauf unseres Peugeot 308 gemindert. "Selbst nach einer frostfreien Winternacht hat sich das Aluminium des Schaltknaufs bis zum Morgen auf gefühlte 20 Grad minus abgekühlt – da helfen nur Handschuhe", kritisierte Wirtschaftsredakteur Markus Bach nicht als Einziger. Dafür wurde die Schenkelauflage der relativ kurzen Sessel der ersten Reihe von den meisten Nutzern gut bewertet – ebenso der Sitzkomfort auf der Rückbank. Fotoredakteur Nils Koshofer störte allerdings, dass der Mittelplatz in der zweiten Reihe nicht ausgeformt ist. "Man hockt auf einem Hügel, das ist eher ein Notsitz", lautete das Urteil des Düsseldorfers. Wenig Lob erhielt auch das kleine Lenkrad des Peugeot 308 SW PureTech 130 im AUTO ZEITUNG-Dauertest. Es fand für einige Redakteure dahinter keine vernünftige Sitzposition zum entspannten Cruisen. Autor Karsten Rehmann störte, dass die hochsitzenden Instrumente durch den wulstigen Lenkradkranz verdeckt werden. "Entweder man sitzt bequem oder man kann die Instrumente ablesen – beides gleichzeitig geht nicht." Dafür gefielen Karsten Rehmann die gut abgestufte manuelle Sechsgang- Schaltung und der riesige Laderaum des Peugeot 308 SW PureTech 130, der bis zu 1660 Liter Gepäck schluckt. "Der Laderaum des SW ist eines Mittelklassekombis würdig", notierte er. Kritik erntete hingegen die schwer zu öffnende Heckklappe. "Der Knopf für die Entriegelung muss kräftig gedrückt werden, zudem ist die Klappe auch noch sehr schwer", bemerkte Claudia Rommelrath, im Layout zuständig für die technische Entwicklung. Für Ärger sorgte auch eine Plastikabdeckung im Laderaum, die sich über die 100.000 Kilometer des Dauertests oft selbstständig machte und durchs Gepäckabteil polterte.

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Interieur: Erster Defekt nach 50.000 Kilometer

Ungeteilte Zustimmung gab es für das große Panorama-Glasdach des Peugeot. Doch mit dem Ausfall des elektrischen Rollos unter dem Glasdach begannen die Probleme des Peugeot 308 SW PureTech 130 in unserem Dauertest. Der Sonnenschutz löste sich nach etwa 50.000 Kilometern aus der Führung und hing beim vollständigen Zurückfahren hinter der Lehne der Rücksitzbank herunter. Dieser Schaden wurde auf Garantie schnell behoben. Doch schon gut 5000 Kilometer später bemerkte Testchef Michael Godde bei Volllast Zischgeräusche aus dem Motorraum. Beim deshalb erforderlichen Werkstattbesuch wurde der Luftanschluss am Wärmetauscher des Turboladers ausgetauscht – ebenfalls auf Garantie.Schon nach weiteren 4000 km meldete der Peugeot selbst die nächste Störung. Mit dem lautstarken Geräusch eines Gongs und einem Piktogramm auf dem Zentraldisplay zeigte die Elektronik einen Motorfehler an und forderte vom Fahrer – Technikredakteur Holger Ippen – den umgehenden Werkstattbesuch ein. An einem Samstagvormittag in Berlin ist das kein leichtes Unterfangen, doch bei der fünften (!) angefragten Peugeot-Werkstatt wurde ihm dann kompetent geholfen: Der Nockenwellensensor hatte kurzzeitig kein Signal gegeben – nach Überprüfung und Reinigung einiger Steckkontakte konnte Holger Ippen die Fahrt in Richtung Köln antreten. Doch nach zehn Tagen und 1315 Kilometern war die Störungsmeldung wieder da, was diesmal zu einem Werkstattaufenthalt in Köln führte und mit dem Austausch des Nockenwellen- Erkennungssensors endete. Danach drehte der Peugeot 308 SW PureTech 130 vorerst wieder zuverlässig seine Touren.

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Verbrauch: 308 SW überzeugt mit sparsamer Fahrt

Gleich mehrmals in seinem Dauertest war der Peugeot 308 SW PureTech 130 bei Fotoshootings bis nach Barcelona im Einsatz. Beim ersten Mal wurde die vordere Seitenscheibe auf der Fahrerseite eingeschlagen, das Auto inklusive Fotoausrüstung ausgeräumt. Kurios: Unser Testassistent konnte Koffer und Ausrüstung gegen eine Barzahlung von 300 Euro bei der Diebesbande wieder auslösen – unter dem wohlwollenden Wegschauen der Polizei. Beim zweiten Trip nach Spanien erwies sich der Peugeot wieder als sparsam und benötigte auf der 1350 Kilometer langen Rückfahrt im Durchschnitt nur 6,9 Liter auf 100 km. Doch der letzte Eintrag der Fahrerin verhieß wieder nichts Gutes: "Fürchterliches Geknarre und Gequietsche an der Hinterachse. Ist schon ein Werkstatttermin gemacht?" Das sollte dann gleich bei der nächsten Inspektion erledigt werden – doch die erforderliche Reparatur erwies sich als größerer Eingriff: Die Traverse an der Hinterachse musste ausgetauscht werden. Weil zunächst das benötigte Ersatzteil nicht vorrätig war, konnte der Schaden erst 2000 Kilometer später beseitigt werden. Kostenpunkt der Operation: 750,22 Euro (Garantie). Kurz vor Ende des Langstreckentests dann noch eine kleine Panne: Bei Kilometerstand 97.110 des Peugeot 308 SW PureTech 130 fiel die Klimaanlage aus, erst 2000 Kilometer später traf das Ersatzteil, eine 50,04 Euro teure Zuleitung zum Kondensator, ein und konnte ausgetauscht werden. Diesmal auf Kulanz, versichert Peugeot Deutschland.

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Minimaler Ölverbrauch des Peugeot 308 SW PureTech 130

Der Peugeot 308 SW PureTech 130 absolvierte den 100.000-Kilometer-Dauertest in gut zwei Jahren. Dabei war er ein beliebter Wagen für Dienstreisen über viele Kilometer – von Südtirol bis Barcelona. Der ermittelte Durchschnittsverbrauch während des Langstreckentests von 8,4 Litern spricht für vollgasfeste Fahrer und viele Stadtfahrten im Kölner Dauerstau. Dafür erwies sich der Peugeot als sehr knauserig beim Ölverbrauch: Nur zwei Liter wurden außerhalb der Inspektionen nachgefüllt. Wenn der Testwagen sich nicht einige Schwächen mit insgesamt sieben außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten erlaubt hätte, wäre er sicher unter den Top-Ten gelandet, denn mit Kilometerkosten von 16 Cent ohne und 36 Cent mit Wertverlust liegt der agile Franzose sogar im vorderen Feld der getesteten Dauerläufer mit Benzinmotoren der AUTO ZEITUNG.

 

Störungen und Wartung bis 100.000 Kilometer

KilometerstandStörung und WartungPreis
2785 kmÜbernahme 
6668 kmWechsel auf Winterreifen20 Euro
27.402 kmInspektion: Öl- und Filterwechsel; Wechsel auf Sommerreifen219,81 Euro
39.624 kmNeue Sommerreifen Hankook Ventus320 Euro
50.638 kmSonnenrollo repariertGarantie
53.527 kmInspektion: Ölwechsel, Austausch Zündkerzen, Wischerblätter und Bremsbeläge605,05 Euro
55.614 kmWerkstatt, Luftanschluss Turbolader ausgetauschtGarantie
57.480 kmWechsel auf Winterreifen20 Euro
59.125 kmAnzeige Motorfehler, Werkstatt, Auslese FehlerspeicherGarantie
61.265 kmAnzeige Motorfehler, Nockenwellensensor getauschtGarantie
79.980 kmInspektion: Öl- und Filterwechsel, Austausch Bremsscheiben vorn, Klappergeräusche Heckklappe beseitigt808 Euro
81.180 kmWechsel auf Sommerreifen20 Euro
81.817 kmWerkstatt, Achstraverse ausgewechseltGarantie
97.110 kmWerkstatt, Ausfall Klimaanlage 
99.009 kmWerkstatt, Reparatur KlimaanlageKulanz
99.379 kmWechsel auf neue Ganzjahresreifen Goodyear Vector 4Seasons420 Euro
102.837 kmTestende 
 

Kosten & Reifen

KostenpunktPreis
Neupreis Testwagen25.910 Euro
Schätzpreis nach 100.000 km10.053 Euro
Neuwagenpreis heute26.390 Euro
Fixkosten pro Jahr 
Steuer64 Euro
Haftpflichtversicherung (HP16)413 Euro
Vollkasko (VK 21)749 Euro
Teilkasko (TK 23)234 Euro
Testbetriebskosten 
Kraftstoff8319 Liter Super
Durchschnittspreis1,33 Euro/Liter, insgesamt 11.234 Euro
Ölverbrauch2,0 Liter
Preis:ca. 13 Euro/Liter, insgesamt 26 €
Wartung, Öl-Service, Verschleißteile, Reifen2512,86 €
Reparaturkosten0 Euro (Garantie)
Wertverlust19.857 €
Kosten pro Kilometer 
mit Wertverlust0,36 Euro
ohne Wertverlust0,16 Euro
 

Daten und Messwerte

KategorieDaten und Messwerte
Motor3-Zylinder, 4-Vent., Turbo
Hubraum1199 ccm
Leistung bei96 kW/130 PS, 5500 /min
Max. Drehmoment230 Nm bei 1750 /min
Getriebe6-Gang, man.,Vorderradantrieb
Fahrwerkvorn: McPherson-Federbeine, Querlenker,Stabilisator;
hinten: Verbundlenkerachse,Federn, Dämpfer; ESP,
Bremsenvorn innenbelüftete Scheiben;
hinten Scheiben; ABS, Bremsassistent;
Bereifungrundum 3:225/45 R 17, Felgen rundum: 7 x 17
L/B/H4585/1804/1461 mm
Radstand2730 mm
Leergewicht/Zuladung1352/488 kg
Kofferraumvolumen610 – 1660 Liter
Fahrleistung 
0-100 km/h9,5 s
Höchstgeschwindigkeit199 km/h
CO2-Ausstoß115 g/km
Testverbräuche auf 100 Kilometer 
EU-Verbrauch5,0 Liter
Sparfuchs5,9 Liter
Maximal17,9 Liter
Testverbrauch7,8 Liter
Dauertest8,4 Liter

von Klaus Uckrow von Klaus Uckrow
Unser Fazit

Der Peugeot 308 SW 1.2 PureTech 130 war ein beliebter Testwagen in der Redaktion, der vor allem mit seinem kultivierten Dreizylinder und dem komfortablen Fahrwerk überzeugte. Mit 16 Cent ohne Wertverlust hielten sich die Kilometerkosten in Grenzen. Doch während des rund zwei Jahre langen Dauertests in der Redaktion traten einige Schwächen auf, die zu unerwarteten Werkstattbesuchen führten. Das verhagelt dem Franzosen dann doch die Bilanz über die 100.000 Kilometer.

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