Kia Ceed/Peugeot 308/VW Golf: Test Ceed teilt gegen 308 und Golf aus

von Marcel Kühler 16.11.2018
Inhalt
  1. Kia Ceed, Peugeot 308 und VW Golf im Test
  2. Karosserie: Golf in Sachen Raumausnutzung an der Spitze
  3. Fahrkomfort: Ceed mit niedrigstem Innengeräuschniveau
  4. Motor/Getriebe: 308 mit Achtstufen-Automatik im Vorteil
  5. Fahrdynamik: Kia macht in Kurven viel Freude
  6. Umwelt/Kosten: Peugeot mit autolebenslangen Mobilitätsservice
  7. Technische Daten Peugeot 308, Kia Ceed, VW Golf

Der Kia Ceed hat mit seinen Wettbewerbern Peugeot 308 und VW Golf noch eine Rechnung offen. Wie schlägt sich der sportliche Koreaner mit dem 140 PS starken Vierzylinder im Test gegen den Meister der Kompaktklasse und den Franzosen?

Kia Ceed, VW Golf und Peugeot 308 treffen im Test aufeinander. Bei seiner ersten großen Bewährungsprobe überzeugte der neue Koreaner mit zahlreichen Qualitäten – wie den agilen Handlingeigenschaften, der einfachen Bedienung oder dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Zum Testsieg gegen die starke Konkurrenz, darunter auch der VW Golf, reichte es dennoch nicht. Der etwas schwachbrüstige Dreizylinder-Turbobenziner vereitelte ein besseres Ergebnis. Hier tritt der Koreaner nun mit dem 140 PS starken Vierzylinder unter der Haube zu einer Revanche gegen den Wolfsburger Bestseller an, der seinerseits mit der 130-PS-Variante des 1,5 Liter großen Turbobenziners zum Test rollt. Der Peugeot 308 PureTech 130 mit Dreizylinder-Turbotriebwerk komplettiert das Feld. Mehr zum Thema: Ceed und Golf treffen auf Astra

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Kampf in der Kompaktklasse

Der Kia Ceed im Video:

 
 

Kia Ceed, Peugeot 308 und VW Golf im Test

Auch nach sechsjähriger Bauzeit macht dem VW Golf in Sachen Raumausnutzung keiner etwas vor. Obwohl der Wolfsburger mit 4,26 Meter Länge und 1,79 Meter Breite mittlerweile eher zu den zierlicheren Vertretern im Segment zählt, gehört er innen immer noch zu den ganz Großen. Ob Kopf-, Ellenbogen- oder Beinfreiheit, weder vorn noch hinten können sich selbst großgewachsene Personen über zu wenig Platz beschweren. Grundsätzlich gilt dies zwar auch für den neuen Kia Ceed und den Peugeot 308, aber während der Koreaner im Fond ein wenig enger geschnitten ist, geizt der Franzose im Vergleich zum Golf bedingt durch die hohe Sitzposition vorn wie hinten etwas mit Kopffreiheit. Dafür stellt der Peugeot 308 das größte Gepäckraumvolumen bereit. Mit 420 Liter Fassungsvermögen erreicht sein Kofferraum fast schon Mittelklasse-Niveau. Bei allen drei Testkandidaten ist eine asymmetrisch im Verhältnis 60:40 umklappbare Rückbank serienmäßig. Da der Golf aber als Einziger gegen Aufpreis eine umklappbare Beifahrersitzlehne und ab Werk eine Durchreiche bietet, sammelt er in der Variabilität die meisten Punkte. Für den Kia Ceed gibt es zwar keine praktische Durchladeluke, dafür bringt ihm der fast komplett ebene Ladeboden einen Vorsprung auf den Peugeot, der mit einer hohen Stufe im Ladeboden das Beladen mit schweren, langen Gegenständen erschwert.

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Karosserie: Golf in Sachen Raumausnutzung an der Spitze

Kinderleicht geht derweil die Bedienung im Kia Ceed und im VW Golf von der Hand. Ihre übersichtlich aufgebauten Menüs und die eindeutig beschrifteten Tasten erleichtern das Justieren von Fahrzeug- und Infotainmentfunktionen. Der Peugeot 308 macht es Neulingen nicht ganz so leicht. Peugeot verzichtet bei seinem Kompaktmodell beinahe komplett auf Tasten und Regler, sodass die Einstellungen sämtlicher Funktionen über nicht immer intuitive Menüs auf dem vergleichsweise kleinen Touchscreen erfolgen müssen. Das birgt während der Fahrt ein gewisses Ablenkungspotenzial.  Und auch das Angebot an Assistenzsystemen ist beim Peugeot, aber auch beim Kia nicht ganz so groß wie beim Golf, der diesbezüglich immernoch zu den Besten im Kompaktsegment gehört. Schließlich bietet der Wolfsburger serienmäßig unter anderem eine Multikollisionsbremse, einen Müdigkeitswarner und einen autonomen Notbremsassistenten mit Personenerkennung. Welchen Reifegrad der VW am Ende seiner beachtlichen Karriere – die Neuauflage kommt 2019 – erreicht hat, unterstreicht zu guter Letzt die Material- und Verarbeitungsgüte. Sämtliche Oberflächen weisen eine angenehme Haptik auf und wurden akribisch zusammengefügt. Somit geht das Karosseriekapitel mit großem Vorsprung an den Golf.

 

Fahrkomfort: Ceed mit niedrigstem Innengeräuschniveau

Der zigfache Vergleichstest-Seriensieger kann sich aber auch in den Komfortwertungen gekonnt in Szene setzen. Der VW Golf federt merklich souveräner als seine Wettstreiter und gefällt im Innenraum mit der besten Ergonomie und den bequemsten Sitzen. Dem Kia Ceed hingegen bescheinigt unser Messgerät das niedrigste Innengeräuschniveau, wobei vor allem der gut schallisolierte Motor eine große Rolle spielt. Auf schlechten Straßen outet sich der Koreaner aber als vergleichsweise harter Kerl, der selbst kleinere Unebenheiten an seine Fahrgäste weitergibt und auch auf der Autobahn stets etwas unruhig unterwegs ist. Ähnliches gilt für den Peugeot, der als einziger Testkandidat hinten über eine Verbundlenkerachse verfügt. Immerhin: Da der Peugeot 308 bereits serienmäßig mit einer Zweizonen-Klimaanlage ausgerüstet ist und für 1700 Euro Aufpreis mit einer Standheizung bestückt werden kann, sammelt er im Wertungskriterium Klimatisierung die meisten Punkte.

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Motor/Getriebe: 308 mit Achtstufen-Automatik im Vorteil

War der Dreizylinder im ersten Vergleichstest noch die Achillesferse des Kia Ceed, beschert ihm der 140 PS starke, im Leerlauf sehr leise Vierzylinder-Turbobenziner einen Vorsprung in den Beschleunigungsprüfungen. Als Einziger knackt der Koreaner die 100-km/h-Marke aus dem Stand nach weniger als neun Sekunden. Bis Tempo 150 nimmt der Asiate dem VW Golf 2,1 und dem Peugeot 308 sogar 2,6 Sekunden ab. Der Sparmeister im Test ist hingegen der Golf in der besonders spritsparenden BlueMotion-Version. Sein geschmeidig laufender 1,5-Liter-TSI verbraucht im Durchschnitt 6,2 Liter und somit 0,7 Liter weniger als die Konkurrenten. Neben der Zylinderabschaltung (ACT) sorgt eine Segelfunktion, die den Antriebsstrang bei höheren Geschwindigkeiten abkoppelt, für eine hohe Effizienz. Außerdem schaltet sich der Motor selbst in der Stadt häufig komplett ab, wenn der Fahrer vom Gas geht. Allerdings steht bei dieser Motorvariante des Golf die Homologation gemäß WLTP noch aus – im Gegensatz zu Ceed und 308, deren Triebwerke dank Ottopartikelfilter bereits die Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllen. Der Peugeot bestreitet den Test übrigens mit einem Dreizylinder. Das Triebwerk hängt recht munter am Gas und agiert für die Bauart angenehm kultiviert, ohne jedoch die Laufruhe der beiden Vierzylinder zu erreichen. Ein Vorteil des 308 ist die Achtstufen-Automatik. Sie schaltet sanfter und situationsgerechter als die Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe der beiden Rivalen.

 

Fahrdynamik: Kia macht in Kurven viel Freude

Mit seinem agilen Einlenken, dem stoisch neutralen Fahrverhalten im Grenzbereich und dem willig mitlenkenden Heck bereitet der Kia Ceed auf kurviger Strecke nicht nur viel Fahrfreude, sondern verweist die Kontrahenten auf dem Handlingkurs mit ordentlichem Vorsprung auf die Plätze. Darüber hinaus brilliert der Koreaner mit seiner zupackenden Bremsanlage, die ihn aus Tempo 100 nach nur 32,3 Metern (kalt) zum Stillstand bringt. Dem Peugeot 308 merkt man bei forcierter Kurvenfahrt das geringe Leergewicht von 1269 Kilogramm an. Dementsprechend wirft sich der Franzose mit ausgeprägter Leichtfüßigkeit in Kurven, wird aber zuweilen etwas früh von seinem ESP an die Kette gelegt. Zudem vermittelt die Lenkung wenig Gefühl und überrascht in schnellen Wechselkurven mit einem eigentümlich hohen Kraftaufwand. Der VW Golf gefällt hingegen eher mit seiner hoch entwickelten Fahrsicherheit als mit übermäßigem querdynamischen Tatendrang. Trotz der präzisesten Lenkung fängt er sich auf derHandlingstrecke einen Rückstand von 2,7 Sekunden auf den Kia und von 0,8 Sekunden auf den Peugeot ein. Außerdem schwächelt der VW, der im Grenzbereich stärker über die Vorderräder schiebt als die Rivalen, beim Verzögern: Mit kalter Anlage braucht der VW aus Tempo 100 1,9 Meter mehr Weg für die Vollbremsung als der Ceed. Das kostet viele Punkte.

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Umwelt/Kosten: Peugeot mit autolebenslangen Mobilitätsservice

Die siebenjährige Herstellergarantie kommt nicht nur beim Kunden gut an. Sie beschertdem Kia Ceed auch viele Punkte im Kostenkapitel. Das günstigste Angebot im Test ist er mit seinem bewerteten Preis von 26.690 Euro allerdings nicht. Dieser Titel geht an den Peugeot 308, der mit den testrelevanten Extras 1520 Euro günstiger als der Koreaner und satte 3555 Euro billiger ist als sein deutscher Konkurrent. Außerdem gewähren die Franzosen fünf Jahre Garantie und einen autolebenslangen Mobilitätsservice bei Einhaltung der vorgeschriebenen Wartungsintervalle. Dadurch sammelt der 308 im Wertungspunkt Garantie nur drei Zähler weniger als der Kia und sichert sich in Summe sogar den Sieg im Kostenkapitel. Der VW Golf fällt seinerseits mit den günstigsten Versicherungseinstufungen und den niedrigsten Aufwendungen für den Kraftstoff positiv auf. Das reicht aber nicht, um die rote Laterne im Kostenkapitel loszuwerden.

 

Technische Daten Peugeot 308, Kia Ceed, VW Golf

 Kia Ceed 1.4 T-GDIVW Golf 1.5 TSI ACT BlueMotionPeugeot 308 PureTech 130
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbo4/4; Turbo3/4; Turbo
Hubraum1353 ccm1498 ccm1199 ccm
Leistung140 PS130 PS130 PS
Max. Gesamtdrehmoment242 Newtonmeter200 Newtonmeter230 Newtonmeter
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung (opt.)/Vorderrad7-Gang, Doppelkupplung (opt.)/Vorderrad8-Stufen-Automatik (opt.)/Vorderrad
Beschleunigung   
0 - 100 km/h8,8s9,6 s9,5 s
0 - 150 km/h18,7 s20,8 s21,3 s
Höchstgeschwindigkeit210 km/h210 km/h200 km/h
Leergewicht (Werk)1345 kg1247 kg1204 kg
Bremsweg aus 100 km/h warm32,9 m34,2 m33,7 m
Verbrauch (Test/EU)6,9/5,9 l S/100 km6,2/5,1 l S/100 km6,9/5,2 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/EU)164/145 g/km147/116 g/km164/120 g/km
Grundpreis22.090 Euro24.950 Euro22.750 Euro
Testwagenpreis26.690 Euro28.725 Euro25.170 Euro
Punktzahl (max. 5000 Punkte)3077 Punkte3064 Punkte3009 Punkte
Platzierung123

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Revanche gelungen: Der Kia Ceed erringt den Testsieg. Mit seinem spritzigen Motor, dem flinken Handling und der langjährigen Herstellergarantie verweist er die Wettbewerber auf die Plätze. Somit bleibt dem erfolgsverwöhnten VW Golf nur der zweite Platz. Der insgesamt höchste bewertete Preis und die im Vergleich zur Konkurrenz weniger beeindruckende Verzögerung kosten am Ende zu viele Punkte. Der Sieg in der Eigenschaftswertung zeigt aber eindrucksvoll, wie gut die siebte Golf-Generation im Spätherbst ihrer Karriere noch ist. Die Bronzemedaille geht nach Frankreich. Der Peugeot 308 bringt das größte Kofferraum-Standardvolumen mit und ist in diesem Vergleichstest das günstigste Angebot. Das reicht aber nicht, um an der Konkurrenz vorbeizuziehen.

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