520i Touring/E 200 T-Modell/Superb Combi/Passat Variant: Test Passat siegt im Kombi-Vergleich

von Elmar Siepen 16.03.2018
Inhalt
  1. Kombis von BMW, Skoda, VW und Mercedes im Test
  2. Bester Fahrkomfort im E 200 T-Modell
  3. Motor/Getriebe: VW und Skoda spritzig
  4. Auch bei der Fahrdynamik VW und Skoda vorn
  5. Umwelt/Kosten: Mercedes teuer, Skoda günstig
  6. Technische Daten

Während der Dieselmotor derzeit stark umstritten ist, rücken bei den großen Kombis die Otto-Motoren wieder ins Blickfeld. Im Test treffen der BMW 520i Touring, das Mercedes E 200 T-Modell, der Skoda Superb Combi und der VW Passat Variant als Basis-Benziner aufeinander.

Der BMW 520i Touring, das Mercedes E 200 T-Modell, der Skoda Superb Combi und der VW Passat Variant im zeitgemäßen Test: Weil in der Dieselkrise die gefühlte Problematik stärker wirkt als die tatsächliche Faktenlage, sind viele Selbstzünder-Fans verunsichert. Drohen neben dem bereits erlittenen Imageschaden auch noch Fahrverbote, ein gigantischer Wertverlust oder gar beides? Niemand weiß, wie die Situation sein wird, wenn die derzeitige Kakophonie der Meinungen und Forderungen verklungen ist. Weil der Kauf eines Neuwagens aber in der Regel eine der größten Investitionen bedeutet, die man im Leben tätigt, empfiehlt es sich, bei der Wahl des Antriebs genau abzuwägen und deshalb auch einmal einen Blick auf den guten alten Ottomotor zu werfen. BMW und Mercedes halten in der Oberklasse jeweils einen 2,0 Liter großen Vierzylinder-Turbo mit 184 PS als Einstiegsbenziner parat. Der Platzhirsch am Kombimarkt, der VW Passat Variant, ist ebenso wie der Skoda Superb Combi, dessen Technik aus dem gleichen Baukasten stammt, mit dem 1,8-Liter-Turbo mit 180 PS vergleichbar motorisiert. Doch während E-Klasse und 5er traditionell in der Oberklasse angesiedelt sind, entstammen Passat und Superb dem mittleren Segment. Besonders als Kombi sind sie ihrer Klasse aber inzwischen entwachsen und eine echte Alternative zur Premium-Konkurrenz aus Süddeutschland.

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Kombis von BMW, Skoda, VW und Mercedes im Test

Bereits beim Einsteigen fällt insbesondere bei BMW und Mercedes auf, dass die Materialien ein Stück weit gediegener wirken als beim Interieur von VW und Skoda. Kein Wunder, fühlt man sich doch in München und Stuttgart dem Premium-Image verpflichtet. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass man in den Produkten des Wolfsburger Konzerns darben müsste. Im Gegenteil, saubere Passungen sind den Verantwortlichen hier nach wie vor erkennbar eine Herzensangelegenheit. Nach dem ersten Eindruck folgt die Frage nach dem Praxisnutzen, welche der Skoda nicht nur mit dem besten Raumangebot im Fond beantwortet, sondern auch noch mit dem größten maximalen Gepäckvolumen. So können selbst Großgewachsene hinten angesichts einer maximalen Kniefreiheit von 45 Zentimetern problemlos die Beine übereinanderschlagen. Wenn es sein muss, fasst der Kofferraum bei umgeklappten Rücksitzlehnen bis zu 1950 Liter. Geht es um das Gepäck, kann der BMW da nicht mithalten, muss sich mit maximal 1700 Litern aber auch nicht verstecken. Gut: Die separat zu öffnenden Heckscheibe erleichtert das Beladen des Bayern in engen Parklücken. Clever ist auch die Möglichkeit, das Gepäcktrennnetz in einer eigens dafür vorgesehenen Aufnahme unter dem Ladeboden verstauen zu können. Alle Test-Kandidaten weisen ebene Ladeflächen auf, sie besitzen entweder Durchreichen (Skoda, VW) oder dreigeteilt klappbare Rücksitzlehnen (BMW, Mercedes). Beim Passat Variant lässt sich gegen Zuzahlung von 96 Euro auch noch ein klappbarer Beifahrersitz ordern. In Sachen Zuladung vermag sich der BMW am besten in Szene zu setzen, darf der Testwagen doch 586 kg schleppen. Der Mercedes kann dafür bis zu 2100 Kilogramm schwere Anhänger ziehen. In dieser Disziplin müssen sich Skoda und VW mit 200 Kilogramm weniger bescheiden. Auch bei der Sicherheitsausstattung bleiben die beiden VW-Konzernprodukte hinter der Premium-Konkurrenz: Einen Kreuzungsassistenten oder Notlaufreifen sucht man in den VW- und Skoda-Preislisten beispielsweise vergeblich. Im Alltag erklärt sich die BMW-Bedienung nahezu von selbst, während der Mercedes-Pilot anfangs noch die Bedienungsanleitung bemühen muss, um den Weg durch manche Menüs zu finden. Auch die berührungssensitiven Felder im Lenkrad bedürfen für den sicheren Umgang einiger Übung. Dass Fortschritt nicht immer auch ein solcher ist, zeigen Skoda und VW mit Infotainmentsystemen, die am Bildschirm selbst den Zugriff auf die Bedienung von Navigationssystem oder Telefon nur noch über ein Zentralmenü gestatten, statt wie früher über klar zugeordnete Bedientasten. Auch den Abschied vom Drehregler für die Lautstärke zugunsten eines Touchpads dürfte von vielen durchaus bedauert werden. Dennoch bleibt die Bedienung selbst im Test recht unkompliziert.

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Bester Fahrkomfort im E 200 T-Modell

Mit dem niedrigsten Innengeräuschpegel schont der Mercedes die Insassen-Ohren und -Nerven am besten. Beim Sitzkomfort weiß er mit seinen auf Wunsch lieferbaren komfortbetonten Sportsitzen im Test ebenfalls zu überzeugen. Gleichwohl bieten die vielfältig einstellbaren, gegen Aufpreis erhältlichen BMW-Komfortsitze eine etwas bessere Schulterabstützung. Im Skoda fällt die Sitzposition etwas zu hoch aus und auch die seitliche Abstützung für die Oberschenkel dürfte ruhig etwas stärker sein. Wie man es besser macht, zeigt Volkswagen mit seinen optionalen "ergoComfort"-Sitzen. Guter Seitenhalt und eine angenehm straffe Polsterung tun ihr Übriges, um den Aufenthalt an Bord so angenehm wie möglich zu gestalten. Im Fond bieten VW und Skoda mehr Oberschenkelauflage und der Passat Variant dazu auch noch besser konturierte Polster. Führt der Weg über schlechte Straßen, profitieren alle von ihren optionalen adaptiven Dämpfern (BMW, Skoda, VW) beziehungsweise den Luftfederungen samt Niveauregelung (BMW, Mercedes). Unbeladen meistert der BMW die straßenoberflächlichen Gemeinheiten der Komfort-Teststrecken am besten, dicht gefolgt vom Mercedes, der Fräskanten und Querrinnen nicht ganz so geschmeidig wegsteckt wie der Münchener Konkurrent. VW und Skoda wirken besser ausbalanciert. Speziell auf mit kurzen unregelmäßigen Betonwellen gespickten Fahrbahnen fehlt ihrem Feder- und Dämpferverhalten aber etwas von der Souveränität der Konkurrenten. Unter voller Beladung stellt der Mercedes unter Beweis, wie wenig er sich von unebenem Asphalt beeindrucken lässt. Wo die Skoda-Hinterachse vernehmlich durchschlägt, gleitet das T-Modell sanft über die Unebenheiten hinweg.

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Motor/Getriebe: VW und Skoda spritzig

Auch wenn die VW- und Skoda-Aggregate mit jeweils 250 Nm Maximaldrehmoment auf dem Papier deutlich weniger Zugkraft zeigen als der Mercedes- (300 Nm) und der BMW-Motor (290 Nm), spricht die Realität eine andere Sprache. So wirken die beiden 1,8-Liter-Benziner im Test spürbar spritziger als die Antriebe der beiden Oberklasse-Kombis. Das drückt sich auch in den Fahrleistungen aus: So absolviert der BMW zwar den Standardsprint von null auf 100 km/h mit 7,8 Sekunden am schnellsten, bis 150 km/h müssen er und der Mercedes sich aber sowohl dem Skoda und erst recht dem VW geschlagen geben. Zudem erreicht der Mercedes nominal mit 231 km/h zwar das höchste Maximaltempo, braucht dafür aber etwas Anlauf. Des Rätsels Lösung liegt in der Gewichtsdifferenz, denn Skoda und VW sind mit 1549 beziehungsweise 1539 Kilogramm deutlich leichter als ihre Konkurrenten. So schleppt der Schwabe zum Beispiel 313 Kilogramm mehr mit sich herum als der Niedersachse, während das Leergewicht des Bayern immer noch um 225 Kilo über dem des Wolfsburgers liegt. Unabhängig davon gilt für alle vier Testkandidaten, dass die Leistung über Drehzahl generiert wird. Wenn es vorwärts gehen soll, muss man die Motoren also drehen lassen. Beim Kraftstoffkonsum zeigt sich der Skoda mit 8,5 Litern Super auf 100 Kilometern am sparsamsten, während der VW mit 8,7 Litern knapp darüber liegt. Mit 9,1 beziehungsweise 9,5 Litern sind BMW und Mercedes durstiger. Damit kommen die Kandidaten auf eine Reichweite zwischen 694 (Mercedes) und 776 Kilometern (Skoda). Der Mercedes bringt von Haus aus nur einen bescheidene 50 Liter fassenden Tank mit. Die genannte Reichweite erzielt das E-Klasse T-Modell nur mit dem optionalen 66-Liter-Tank (59,50 Euro), der im Testwagen eingebaut war. In Sachen Kraftübertragung erledigt die serienmäßige ZF-Achtstufen-Automatik des BMW 520i mit punktgenauen und schnellen Fahrstufenwechseln ihren Job am besten. Die Neunstufen-Automatik des Mercedes wirkt mitunter etwas unschlüssig und beim Kickdown gelegentlich auch etwas träge. Während man im Superb Combi nur gegen Zuzahlung von 2100 Euro schalten lassen kann, ist das identische Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe im Passat Variant serienmäßig. Auch diese Kraftübertragung erledigt ihren Job anstandslos, sieht man von vereinzelt leicht spürbaren Fahrstufenwechseln insbesondere in kaltem Zustand ab.

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Auch bei der Fahrdynamik VW und Skoda vorn

Wie im Antriebskapitel spielt das Thema Gewicht, wie zu erwarten war, auch bei der Fahrdynamik eine große Rolle. So lässt sich der BMW mit seiner feinfühligen optionalen Integral-Aktiv-Lenkung, bei der auch die Hinterräder mitlenken, sehr präzise dirigieren. Das macht ihn zweifellos zum lebhaftesten Vertreter der Oberklasse-Kombis. Dennoch kann er in Sachen Agilität den deutlich leichteren Konkurrenten von Skoda und VW nicht das Wasser reichen. Beide lenken nicht nur spontaner ein, sondern drängen beispielsweise bei der Slalom-Prüfung weit weniger mit dem Heck nach außen als der Fünfer Touring. Zweifellos verlangt der BMW nach einer sauberen Linie. Mit seinem Hinterradantrieb bietet der Bayer infolge des Übersteuerpotenzials aber mehr Fahrspaßreserven als die beiden über die Vorderräder angetriebenen Konkurrenten, auch wenn dies tunlichst nur auf abgesperrter Strecke ausgekostet werden sollte. Demgegenüber merkt man dem schwersten Testkandidat, dem E-Klasse T-Modell, seine dezidiert komfortorientierte Abstimmung bereits auf den ersten Metern an. Lenkbefehle setzt er deutlich träger und mit spürbar mehr Seitenneigung um als seine Gegenspieler. Gut: Auf dem Handlingkurs zeigt die Mercedes-Bremse einen klaren Druckpunkt und unterscheidet sich somit positiv von früher getesteten Exemplaren. Zum Test tritt die E-Klasse mit größeren, gelochten Bremsscheiben an der Vorderachse an, die Mercedes als Sonderausstattung anbietet.

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Umwelt/Kosten: Mercedes teuer, Skoda günstig

Nicht nur beim Grundpreis, sondern auch beim mit allen testrelevanten Ausstattungsdetails bewerteten Preis offenbaren sich erwartungsgemäß große Unterschiede zwischen Ober- und Mittelklasse. So liegen zwischen Skoda und Mercedes fast 21.000 Euro. Das gleiche gilt für die Wertminderung, wo die Oberklasse-Kandidaten nach Berechnungen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) binnen vier Jahren und 80.000 Kilometern einen um bis zu 9551 Euro höheren Wertverlust erleiden als die Mittelklasse-Kombis. Einzig der BMW reicht bei den Wartungskosten an die Mittelklasse heran, weil auch beim Fünfer die Werkstattkosten – außer den Verschleißreparaturen – mit dem Kauf für die ersten fünf Jahre oder 100.000 Kilometer abgegolten sind. Kosten senken lassen sich indes bei der Anschaffung durch die Nutzung von Internet-Portalen wie meinauto.de, wo etwa ein Fünfer Touring mit bis zu 20,5 Prozent Rabatt angeboten wird. Unabhängig davon entpuppt sich die Entscheidung für einen Oberklasse- oder Mittelklasse-Kombi kostenseitig als Glaubensfrage, sofern denn die entsprechenden Mittel vorhanden sind.

 

Technische Daten

Technische DatenBMW 520i TouringMercedes E 200 T-Modell
MotorR4/4, TurboR4/4, Turbo
Hubraum1998 ccm1991 ccm
Leistung184 PS184 PS
Maximales Drehmoment290 Nm300 Nm
Getriebe8-Stufen-Automatik9-Stufen-Automatik
AntriebHinterradHinterrad
0-100 km/h7,8 s8,8 s
Höchstgeschwindigkeit225 km/h231 km/h
Leergewicht1555 kg1630 kg
Kofferraum570-1700 l640-1820 l
L/B/H in mm4942/1868/14984933/1852/1475
Testverbrauch9,1 l S/100 km9,5 l S/100 km
Grundpreis49.100 Euro48.903 Euro
Testwagenpreis55.080 Euro56.877 Euro
Platzierung34
Technische DatenSkoda Superb Combi 1.8 TSIVW Passat Variant 1.8 TSI
MotorR4/4, TurboR4/4, Turbo
Hubraum1798 ccm1798 ccm
Leistung180 PS180 PS
Maximales Drehmoment250 Nm250 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung (optional)7-Gang, Doppelkupplung
AntriebVorderradVorderrad
0-100 km/h8,4 s8,1 s
Höchstgeschwindigkeit230 km/h230 km/h
Leergewicht1430 kg1430 kg
Kofferraum660-1950 l650-1780 l
L/B/H in mm4856/1864/14774767/1832/1516
Testverbrauch8,5 l S/100 km8,7 l S/100 km
Grundpreis32.250 Euro36.100 Euro
Testwagenpreis36.010 Euro40.260 Euro
Platzierung21

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Auch mit Benzinmotoren sind die vier Kombis bei vergleichsweise moderatem Kraftstoffkonsum ordentlich motorisiert und somit bei überschaubaren Jahresfahrleistungen oder einer ausgeprägten Dieselallergie durchaus eine Alternative. Die Eigenschaftswertung dieses Vergleichstests gewinnt der BMW 520i Touring dank guter Sicherheitsausstattung, hohem Fahrkomfort und – in der Summe – den besten Bremsen. In der Endabrechnung liegt er dagegen wegen der Kosten nur auf Platz drei. Der Testsieger heißt dank guter Allround-Eigenschaften, einer hervorragender Fahrdynamik und einer ordentlichen Kostenbilanz VW Passat Variant 1.8 TSI. Bei den Kosten wird er nur noch vom Skoda Superb Combi 1.8 TSI unterboten. Der Tscheche ist zudem am sparsamsten und hat den größten Kofferraum. Das qualitative hochwertige Mercedes E 200 T-Modell begeistert zwar mit Federungskomfort und bester Geräuschdämmung, ist aber in Anschaffung/Unterhalt zu teuer.

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