Volvo PV 445 Duett: Im Kombi-Klassiker durch Schweden Sommer-Traum

26.07.2015

Im gemütlichen Zuckeltrab rund um Göteborg, die Kinder dabei und das Urlaubs-Gepäck Huckepack – der Volvo PV 445 Duett ist ein grandioser Familien-Freund

Assar Gabrielsson, der Volvo-Generaldirektor, ist sauer. Während in den 1950er-Jahren das Geschäft mit dem PV444 ausgezeichnet läuft, der Buckel-Volvo mit selbsttragender Karosserie und moderner Einzelradaufhängung also zum ersten Star im Modellprogramm des schwedischen Autobauers avanciert, sammeln sich derweil auf dem Werksgelände in Göteborg zunehmend rollende Chassis des Typs PV445.

 

Volvo PV 445 Duett: Im Kombi-Klassiker durch Südschweden

Parallel zum 444 haben die Schweden dieses zweite Fahrzeug aufgelegt. Der ab 1949 angebotene 445 ist allerdings zuerst einmal ein Angebot für die damals zahlreichen Karosseriebauer, die auf Basis des Leiterrahmen-Chassis Kastenwagen fertigen, Pickups und sogar das eine oder andere Cabriolet. In ganz Skandinavien läuft dieses Geschäft, ebenso aber auch in Brasilien oder Nordamerika. Und trotzdem reicht die Nachfrage nicht aus, um die Produktion auszulasten; rund 1500 Exemplare des 445 stehen im Frühjahr 1952 auf Halde.

Gabrielsson beschließt deshalb, selbst Dampf zu machen und nicht nur auf die Karossiers zu vertrauen: Innerhalb von zwölf Monaten soll die Entwicklungsabteilung unter Erik Skoog einen eigenen Vorschlag erarbeiten, wie aus dem unerwünschten Lagerbestand ein zweites Standbein für die Volvo- Produktion werden kann.

Skoog fackelt nicht lange. Er nutzt die Vorteile der simplen Leiterrahmen-Konstruktion mit der blattgefederten starren Hinterachse voll aus, um möglichst schnell zum Ziel zu kommen: Nach bereits wenigen Wochen präsentiert das Entwicklerteam einen eigenen Kombi mit der Front des Buckel-Volvo und einem ganz eigenständigen Heckdesign. Das Auto ist gefällig und schnörkellos, groß und unbekümmert.

Ein Jahr später stellt Volvo am 4. Juli 1953 den PV445 Duett der staunenden Öffentlichkeit vor. Der Zeitpunkt hätte nicht besser und symbolträchtiger gewählt werden können: Die großen Sommerferien werden in Schweden geradezu kulthaft begangen, man legt die Arbeit nieder, stürzt sich ins Freie, kümmert sich um die Kinder, genießt Sonne und Müßiggang – ein so kompromisslos familienkompatibles Automobil wie der Duett passt zu diesem Lebensstil wie die Faust aufs Auge, er wird also ganz pragmatisch zum ersten Lifestyle-Kombi der Welt.

Der Name Duett soll dabei die vielseitigen Qualitäten des neuen Volvo veranschaulichen. Während man bis zu diesem Zeitpunkt ähnliche Konzepte eher rein als praktische Lastenträger sieht, vermarktet Volvo den PV445 Duett als Transporter UND Familienauto. Ein riesiger Kofferraum und die Zuladung von über einer halben Tonne Gepäck prädestinieren den Duett als Schufter und Schlepper.

Dass der sagenhaft robuste Volvo aber klaglos auch deutlich mehr schultern kann, geht schnell in die Folklore der Duett-Fans ein: Man belädt den PV445 einfach, „bis er voll ist“ – die bei dieser Methode schnell einmal zusammenkommenden Zuladungen von bis zu einer Tonne schrecken weder den vierrädrigen Lastenesel noch die unbekümmerte Kundschaft.

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Der Aspekt des schönen Lebens wird derweil durch andere Elemente sehr überzeugend dargestellt: Elegante Weißwandbereifung, üppiger Chromschmuck und die schicke Zweifarblackierung dürfen unterstreichen, dass man mit dem 445 nicht nur Handwerker und Spediteure im Visier hat, sondern vor allem stilbewusste Privatkunden.

Auch im Innenraum gibt sich der PV445 Duett ungemein wohnlich. Die Sitze sind bequem und großzügig geschnitten, auf der hinteren Sitzbank fläzen sich in Vor-Isofix- Kindersitz-Zeiten ganze Großfamilien. Durch die riesigen Fensterflächen flutet das Sonnenlicht, die elfenbeinfarben lackierten Cockpit-Elemente im barocken Stil der Fünfziger verströmen zusätzliche Freundlichkeit.

Und selbst im Kofferraum setzt der Duett Maßstäbe: Die holzbeplankten Seitenwände wirken schallisolierend, durch die stoffbezogenen Radhäuser wirkt das Gepäckabteil nicht wie ein rein am Nutzwert orientierter Transport-Container, und die nobel lackierten Holzschienen schützen das Interieur ebenso vor Kratzern wie sie beim Beladen helfen.

Dass allerdings moderne Crash-Sicherheit zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu den Volvo-Standards gehört, ist ebenfalls nicht zu übersehen: Der Handbremshebel zielt exakt auf die linke Kniescheibe, das große Bakelit-Lenkrad und der Metall-Armaturenträger sind bei Unfällen zeitgemäß unnachgiebig. Der Duett kann zwar mit Sicherheitsgurten nachgerüstet werden, zur Serienausstattung gehören solche Details aber noch lange nicht.

Viel nachhaltiger wirkt aber, dass der Duett in Sachen Bremstechnik noch ein Kind der Nachkriegsjahre ist: Der diagonalbereifte Volvo verzögert noch mit Simplex-Trommelbremsen – entsprechend kümmerlich ist die Wirkung dieses serienmäßig überforderten Ensembles. Kaum vorzustellen, wie so ein Duett zum Stehen kam, wenn ein eifriger Spediteur mal wieder „vollgeladen“ hatte...

Unter „aktiver Sicherheit“ kann daher ganz sicher verbucht werden, dass die Basis-Motorisierung des Duett bei asthmatischen 44 PS aus einem kleinen 1,4-Liter-Vierzylinder losging und in der ersten Generation mit der zweigeteilten Windschutzscheibe sehr bemühte 60 PS nie überschritt. Die Fahrleistungen des kulleräugigen Volvo dürften also nie dazu beigetragen haben, dass ein engagierter Duett-Treiber allzu große Probleme mit der Fahrphysik bekam.

Ganz sicher ist aber das rustikale Fahrverhalten der hinteren Starrachse einzukalkulieren, wenn man im PV445 über die kurvigen Landstraßen Schwedens schippert. Unbeladen kreuzt der Volvo steifbeinig und hüpfend über Frostpickel und Bodenwellen; die ebenso leichtgängige wie diffuse Lenkung dient dabei als Sendbote einer groben Richtungsempfehlung.

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Natürlich stört das jedoch keinesfalls – der hochformatige Kombinationskraftwagen (acht Zentimeter höher als breit) setzt einfach gänzlich andere Impulse. Bereits beim ersten Anblick des hübschen Automobils beginnt man sich schon auf diesen wunderbar kompetent und freundlich wirkenden Wagen zu freuen und kann es kaum erwarten, endlich das trockene Laufgeräusch des Vierzylinders zu hören, den ersten Gang einzulegen und eine genüssliche Wandertour ins Grüne zu unternehmen.

Fahrleistungen? Zum Kuckuck damit! So lange sich das Auto bewegt, wird das alles schon seine Richtigkeit haben! Dummerweise laufen wir auf unserer Tour nördlich von Göteborg gleich trocken. Weder Fotograf noch Autor haben die Botschaft der wild zuckenden Tanknadel korrekt interpretiert. Glück im Unglück: Der letzte Benzintropfen reicht gerade noch in die nächste Ausfahrt – und dann ist so ein knapp eine Tonne schwerer Oldtimer einfach viel leichter zu schieben als einer der aktuellen SUV-Schwerathleten.

Mit leichter Schweißauflage geht es wenige hundert Meter bis zur nächsten Tankstelle, man staunt über die komfortabel aus dem Cockpit zu öffnende Tankklappe, 35 Liter Supersprit und einen Schluck Bleizusatz später knödelt der Volvo – mit immer noch hektisch wedelnder Tanknadel – wieder zufrieden in Richtung Norden.

Das druckvolle Durchschnitts-Reisetempo einer aktuellen Schnellstraße lässt selbst unseren 60-PS-Duett sehr schnappatmig wirken. Nach gut 50 Kilometer Vollgas und Windschatten-Zentimeter-Duellen mit finnischen Schwerlast-Lkws lassen wir den Volvo erleichtert (auch die finnischen Trucker grüßen erleichtert hupend zum Abschied...) von der Bahn rollen und schlagen eine entspannte Route über die Insel Tjören ein.

Wälder, Seen, Dörfer und Meer: Hier geht ein schwedischer Sommer-Traum in Erfüllung. Jetzt ist der Duett vollkommen in seinem Element: Freundlich brummend stromert er über die kleinen Straßen, sein gemächlicher Durchzug und die friedliche Leistungscharakteristik tragen nach der Schnellstraßen-Hektik plötzlich zur Entspannung bei.

Schaltvorgänge müssen zwar mit Sorgfalt vorbereitet und mit Präzision durchgeführt werden, um ohne deftiges Zahnradkratzen unterwegs sein zu können, Bremsen und Lenkung fordern Voraussicht, Zurückhaltung und gutes Timing – wer diese Einschränkungen aber nicht nur akzeptiert, sondern gar genüsslich zelebriert, erlebt den Volvo PV445 Duett ganz in seinem Element. Im Dachgarten pfeift der Fahrtwind, und auf der Rückbank meint man die Kinder kichern zu hören. Es ist Sommer in Schweden.

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