Fahrbericht Peugeot RCZ R - Bilder und technische Daten Der Löwe zeigt die Zähne

04.12.2013

Peugeot RCZ R: Mit 270 Turbo-PS wird das Sport-Coupé zum stärksten Serien-Peugeot aller Zeiten

Die Franzosen starten durch. Voraussichtlich Anfang 2014 lässt Peugeot die ersten RCZ mit dem Zusatzkürzel R zu den Händlern rollen. Dahinter verbirgt sich die Radikalversion des bekannten Sport-Coupés. Der daraus ebenso bekannte 1,6-Liter-Turbo erhielt eine radikale Optimierung: 270 PS befeuern den bei Magna Steyr im österreichischen Graz gebauten 2+2 Sitzer. Für die Kraftkur ging es ans Eingemachte. „Um 270 PS und 330 Nm aus einem Serienmotor mit 1,6 Liter Hubraum zu holen, der zudem rennstreckentauglich sein sollte, mussten neue aufwändige Lösungen gefunden werden“, sagt Thierry Chauvet, verantwortlich für die Entwicklung des Antriebsstrangs. So steckten die Fachleute von Peugeot Sport die Köpfe zusammen und beschlossen unter anderem, den Motorblock im Interesse der Standfestigkeit einer Wärmebehandlung zu unterziehen und neue spritzölgekühlte Aluminium-Kolben von Mahle-Motorsport sowie polymerbeschichtete Pleuellagerschalen für die höheren Zylinderdrücke zu verwenden. Der neue TwinScroll-Turbolader arbeitet mit höherem Ladedruck (1,6 bar; 200-PS-Version: 0,8 bar), zusätzlich kommt ein Abgaskrümmer aus Stahl für eine bessere Temperaturresistenz zum Einsatz. Selbstredend wurde die Motorelektronik angepasst. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, erfüllen die RCZ R-Triebwerke bereits die Euro-6-Norm. Die Angaben zu den Fahrleistungen verheißen unterhaltsames Fortkommen: Nur 5,9 Sekunden sollen vergehen, bis das Landstraßen-Limit von 100 km/h erreicht ist, auf unlimitierten Autobahnen wird bei 250 km/h elektronisch abgeregelt. Laut EU-Norm sollen nur 6,3 Liter Super auf 100 Kilometern genügen.

 

ÜBERARBEITETES FAHRWERK UND VERSTÄRKTE BREMSEN

Damit die Kraft optimal auf die Straße gelangt, ist das überarbeitete Sechsgang-Getriebe mit einem Torsen-Differenzial gekoppelt. Ein modifiziertes Fahrwerk mit zehn Millimeter tiefergelegter Karosserie und serienmäßigen 19-Zoll-Rädern soll sowohl das längs- als auch das querdynamische Potenzial deutlich anheben. Überdies konnten die Techniker das Gewicht gegenüber der hubraumgleichen 200-PS-Version um 17 Kilogramm senken.

Für die Fahrstabilität im Hochgeschwindigkeitsbereich kommt statt eines ausfahrbaren Heckspoilers – wie bei den schwächeren Modellen – ein größeres, dafür aber fest montiertes Exemplar zum Einsatz.

Auf den ersten Kilometern heißt es warm werden mit dem sportlichen Löwen. Erstaunlich, wie schaltfaul sich der Peugeot RCZ R bewegen lässt. Aus dem Drehzahlkeller geht es stets druckvoll voran. Ursächlich hierfür ist die Drehmomentkurve im Tafelberg-Format: So liegt das maximale Drehmoment von 330 Nm bereits bei 1900 /min an und hält bis 5500 /min. Unabhängig davon entwickelt das Aggregat bei gesenktem Gasfuß sportlich-kernig tönend eine regelrechte Drehzahlgier. Währenddessen klettern Drehzahlmesser- und Tachonadel um die Wette über ihre Zifferblätter. Da naht auch schon die nächste Kurve. Herunterschalten. Präzise rasten die Gänge ein. Die gut dosierbare Bremsanlage mit Vierkolbensätteln und 380 Millimeter Durchmesser messenden Scheiben vorn staucht den Tempoüberschuss des Coupés unbarmherzig zusammen. Knackig lenkt der flotte Franzose ein, während die Sport-Schalensitze besten Seitenhalt bieten. Am Kurvenscheitelpunkt nimmt der RCZ R schnell Fahrt auf, wird allerdings von der nassen Fahrbahn in seiner Traktion gebremst. Auf der anschließenden Geraden stürmt er dagegen vehement davon – die nächste Kurve kommt bestimmt. Dieses Kartfeeling könnte man stundenlang genießen, wäre die erste Ausfahrt nicht zeitlich begrenzt. Schnell wird jedoch klar, dass das Toben über kurvige Bergstraßen das Coupé nicht ansatzweise fordert und die Grenzen des Autos nur auf abgesperrter Strecke und trockener Fahrbahn auszuloten sein dürften.

Viel Spaß macht es trotzdem, kostet aber Kraftstoff (Bordcomputerwert: 11,0 Liter) und entsprechendes Geld. Wer den RCZ R in der eigenen Einfahrt parken möchte, muss dem Peugeot-Händler seines Vertrauens happige 41.500 Euro auf den Tisch blättern. Immerhin gibt es dafür unter anderem eine Zweizonen-Klimaautomatik, Xenonlicht und ein Navigationssystem bereits serienmäßig.

Unser Fazit

Chapeau! Mit dem RCZ R zeigen die Franzosen, dass sie bei den kompakten Coupés vorn mit dabei sind. Nie war ein serienmäßiger Peugeot fahrdynamischer

Elmar Siepen

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