Gut gebrüllt, Löwe - Peugeot 907 Gut gebrüllt, Löwe

30.11.2006

Bei vielen Autoherstellern gelten die Controller als die heimlichen Herrscher. Sie sorgen dafür, dass die Effizienz stets die Oberhand behält

Eckdaten
PS-kW499 PS (367 kW)
AntriebHeckantrieb, 6 Gang sequentiell
0-100 km/h4.2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit280 km/h
Preisk.A.

Jean-Christophe Bolle Reddat, der Verantwortliche für Concept Cars bei Peugeot, mahnt vom Beifahrersitz aus zur Vorsicht im Umgang mit der Dreischeiben-Rennkupplung. Schleifen lassen beim Anfahren - das geht nicht. Geradezu als Bestätigung verstummt der Zwölfzylinder beim Einkuppeln mit einem Schlag. Die Kupplung arbeitet offenbar digital: an – sprich Kraftschluss – oder aus – sprich geöffnet. Also noch einmal das Ganze: Bei getretener Kupplung und eingelegtem Gang den roten Startknopf auf der Mittelkonsole drücken – sofort fällt der Zwölfender nach einigen Anlasser-Umdrehungen in ein sonores Brabbeln. Ein kurzer Gasstoß, schnell einkuppeln und blitzschnell, aber dosiert wieder aufs Gas treten, und schon setzt sich der 907 mit einem Ruck in Bewegung. Beim Anfahren am Berg sind allerdings mehrere Versuche nötig, bis man weiß, wie es geht. Bereits auf den ersten Metern wird klar, dass die 500 PS, die das aus zwei 3,0-Liter-V6-Motoren zusammengesetzte Aggregat bereit stellt, nach freiem Auslauf verlangen. Im Kriechverkehr innerorts spratzt und hustet es zuweilen mächtig aus den Tiefen der Ansaugschlünde, die hinter Plexiglas ruhen und durch die sich wunderbar das Öffnen und Schließen der Drosselklappen beobachten lässt. Ist das Ortsschild passiert, beginnt eine Vorstellung der besonderen Art. Beim Tritt aufs Gas setzt der Löwe förmlich zum Sprung an, schnellt dank brachialer Leistungsentfaltung nach vorn und scheint das Asphaltband geradezu durch seinen mächtigen Lufteinlass in der Frontschürze aufzusaugen. Unterdessen brüllt das Triebwerk seine 500 PS aus den vier kurzen Auspuffrohren, die vor den Türen ins Freie münden, in einem Ton heraus, dass man sich statt auf der Schwarzwaldhöhenstraße auf der Hunaudiares-Geraden in Le Mans wähnt. Die Klangkulisse – ein Konzert aus Schlürfen, Fauchen und Grollen – eignet sich problemlos dazu, das Benzin im Blut eines jeden Automobilisten zum Kochen zu bringen. Die Beschleunigungsorgie des 1400 Kilogramm leichten Glasdach-Zweisitzers, der im Kern aus einem Carbon-Monocoque besteht, lässt den Franzosen nach nur 4,2 Sekunden die 100-km/h-Marke passieren, die 1000-Meter-Distanz soll der 907 laut Peugeot in 22 Sekunden meistern können. Theoretisch ist eine Spitze von 280 km/h möglich. Mit einer anderen Übersetzung für das vor der Hinterachse ruhende sequenzielle Sechsgang-Getriebe, das der französische Rennsportspezialist Sadev beisteuerte, sei die 300-km/h-Marke locker zu knacken, verspricht uns Jean-Christophe Bolle Reddat. Die Schaltbox ist übrigens für das eindrucksvolle Fahrerlebnis mit verantwortlich. Macht sie bei Schaltvorgängen im niedrigen Drehzahlbereich mit deutlich vernehmbaren Schaltgeräuschen die Mechanik geradezu erlebbar, so kann ab mittleren Drehzahlen der Kupplungsfuß pausieren, während ein kurzer und kräftiger Zug am Schalthebel genügt, um ohne spürbare Zugkraftunterbrechung die nächst höhere Fahrstufe einzulegen. Zum Herunterschalten (Schalthebel kurz nach vorn drücken) empfiehlt Bolle Reddat, die Kupplung zu betätigen, um den Antriebsstrang zu schonen. Dennoch ruckt es dabei auch mit Kupplung vernehmlich. Beim Anbremsen von Kurven verlangt die Keramikbremsanlage anfangs vergleichsweise hohe Pedalkräfte. Es dauert ein wenig, bis die Michelin-Sportbereifung sowie die Bremsanlage auf Temperatur kommen und der Druckpunkt etwas besser fühlbar wird. Asphaltbiegungen meistert der 907 dank der Anordnung des Motors hinter der Vorderachse und einer Gewichtsverteilung von 53 (vorn) zu 47 Prozent (hinten) relativ agil einlenkend, bevor am Kurvenausgang die 345er-Hinterreifen die Motorkraft ungefiltert von elektronischen Fahrhilfen wieder in Vortrieb umwandeln. Hier ist der Fahrer aufgerufen, vor allem bei Nässe die richtige Balance zwischen Längs- und Querbeschleunigung zu finden. Auf die Frage, ob denn dieser 907, von dem bislang nur ein einziger Prototyp existiert, je in Serie gehen wird, antwortet Bolle Reddat mit einem viel sagenden Lächeln. Unstrittig dürfte allerdings sein, dass Peugeot mit der Fahrpräsentation nicht nur Image-Pflege betreiben, sondern auch die Reaktion der Öffentlichkeit testen will. Dass der 907 auf jeden Fall ein echter Hingucker ist, zeigte uns die positive Resonanz von Passanten während unserer Fotoproduktion. Ein Grund für die Serienfertigung wäre, dass Peugeot zwar den Part der sportlichen Marke innerhalb des PSA-Konzerns spielt, ein klassischer Seriensportwagen jedoch nicht nur im Modell-Portfolio der Marke, sondern in ganz Frankreich derzeit fehlt. Ob sich die Peugeot-Verantwortlichen von diesem Argument überzeugen lassen, wird sich zeigen. Doch was spricht dagegen, einen Sportwagen für jene zu bauen, bei denen der Blick auf die Kosten nicht an erster Stelle steht? Elmar Siepen

Technische Daten
Motor 
ZylinderV12
Hubraum6000
Leistung
kW/PS
1/Min

367/499
6700 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
600
4800 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang sequentiell
AntriebHeckantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Keramikverbundscheiben
h: innenbel. Keramikverbundscheiben
Bereifungv: 275/45 ZR 18
h: 345/40 ZR 18
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1400
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)4.2
Höchstgeschwindigkeit (km/h)280
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

Tags:

Hochwertige Jacken

Qualität von BABISTA entdecken

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.