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Wolf Racing Focus RS: Test (Tuning) Geballte Ladung im Wolf RS

von Alexander Koch 09.10.2018
Inhalt
  1. Wolf Racing Ford Focus RS im Test
  2. Fazit Andreas Rogotzki (Red.): So ein Wolf RS ist Entertainment
  3. Fazit Alexander Koch (Red.): Der Verbrauch ist hoch
  4. Fazit Sven Kötter (Red.): Im Alltag voll nutzbar
  5. Technische Daten Wolf Racing Focus RS

Der Wolf Racing Focus RS ist die auf 440 PS erstarkte Interpretation des Serien-RS. Die Mutation zum Kompakt-Hulk erfogt im fränkischen Neuenstein. Wir haben dem Wolf RS auf den Pelz gefühlt. Test!

Es braucht nicht viel Fantasie, um im grau lackierten Wolf Racing Focus RS mit gepfeiltem Foliendekor die wilde Bestie zu erkennen. Breit und satt hockt der Tuning-Bolide auf der Straße, reckt angriffslustig seine Carbon-Front und wartet auf den Mutigen, der den Startknopf drückt. Der standardmäßige 2,3-Liter-Ecoboost – um hier mal mit einem gängigen Vorurteil aufzuräumen – ist nicht der gleiche Motor wie der im 100 PS schwächeren Serien-ST. Die 0,3 Liter größere Bohrung macht andere Pleuel und Kolben, einen veränderten Zylinderkopf und eine neue Kurbelwelle nötig. All das lässt Wolf Racing beim Tuning aber unangetastet, beschäftigt sich lieber mit der erfolgsversprechenden Veränderung des Turboladers. Neue gelagerte und konstruierte Verdichter- wie Abgasräder erhöhen mit Hilfe des offenen Luftfilters das durchlaufende Luftvolumen. Je nach Drehzahl baut der Wolf Racing Focus RS so bis zu 1,85 bar Ladedruck auf.

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Wolf Racing Focus RS im Video:

 
 

Wolf Racing Ford Focus RS im Test

Die Optimierung des Turboladers komplettiert die Software-Anpassung, sodass die Leistung schlussendlich auf 440 PS und 590 Newtonmeter klettert. Aus Sicht des Tuners das Maximum, wolle man sich finanziell nicht verausgaben und gleichzeitig einen möglichst standfesten Motor haben. Apropos standfest: Die Württemberger trauen der serienmäßigen Kupplung das Leistungsplus bedenkenlos zu. Beim Fahrwerk hilft Wolf Racing dem Focus RS aber nochmal nach, verbaut ein Differential und ein mit Partnern entwickeltes Sportfahrwerk mit neuen Dämpfern und Federn sowie angepassten Stützlagern. Die tiefere Fahrposition und den Zugewinn an Komfort – ja, richtig gelesen: Komfort! –  erkauft sich der Wolf Racing Focus RS mit deaktivierten Fahrmodi für unterschiedliche Druck- und Zugstufen. Wer nach all der technischen Litanei endlich den Startknopf drückt, wird akustisch vom Ofenrohr-dicken Sportauspuff mit einem 3-Zellen-Sportkatalysator von HJS belohnt. Zeit, zum Angasen – drei Redakteure, drei Meinung, jetzt!

 

Fazit Andreas Rogotzki (Red.): So ein Wolf RS ist Entertainment

440 PS im Focus RS, aus der fachmännischen Hand von Wolf Racing, im Rund-um-Sorglos-Paket – der Wolf macht aus dem schon ab Werk wilden Focus RS einen Tuning-Ableger allererster Güte. Breite Spur, mächtig Tiefgang und die XXL-Endrohre einer 3-Zoll-Abgasanalge bilden die Basics für den selbstbewussten Auftritt. Beim Thema Längsdynamik fletscht der Wolf RS fies seine Zähne und verbeißt sich dank Allrad nicht nur im Asphalt, sondern auch links und rechts seine Gegner weg. Sein Vorwärtsdrang, auch wenn die Nadel schon 250 Sachen anzeigt, ist beeindruckend. Der Ritt durch kurviges Terrain macht höllisch Spaß, die 90 Extra-PS und das Plus von 150 Newtonmeter haben mit dem eineinhalb Tonnen schweren Focus leichtes Spiel. Untermalt wird die wilde Hatz durch ein tiefes Grollen, das schnelle Gaswegnahme mit einem hochtönigen Auspuffknallen quttiert. Vorsicht: Suchtgefahr! Der Preis für die Komplettverwandlung vom Focus RS in einen waschechten Wolf ist fair. Einzige Wehrmutströpfchen sind der hohe Verbrauch und die "unsportlich" hohe Sitzposition. 

 

Fazit Alexander Koch (Red.): Der Verbrauch ist hoch

Die Optik des Wolf Racing Focus RS fixt mich an. Und sie verspricht viel, was der Tuning-Bolide aber – leider – nur teilweise erfüllt: Klar, es ist Meckern auf hohem Niveau, wenn ich beim fraglos anspruchsvollen Gesamtpaket die zu hohe Sitzposition bemängele. Es ist auch Meckern auf hohem Niveau, wenn ich feststelle, dass das Auto bei Schaltvorgängen unter Volllast Unruhe in die Vorderachse bringt. Und es ist erst recht Meckern auf hohem Niveau, wenn ich bei 90 PS Mehr-Leistung einen acht Hundertstel schnelleren Sprint auf Tempo 200 als zu wenig erachte. Doch all das trübt mein Bild vom Wolf Racing Focus RS, der fraglos eine Menge Radau und noch mehr Spaß macht. Fahrspaß, der mit einem Durchschnittsverbrauch von weit über 14 Litern des teuren Super Plus teuer bezahlt werden will. Somit stellt sich mir die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Umbaus. Auch, wenn ich dem Wolf Racing Focus RS zugute halten muss, dass Tuning aus einem rationalen Blickwinkel nur selten Sinn ergibt. (E)Motion und pure Kraft sind eben seine Stärken!

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Fazit Sven Kötter (Red.): Im Alltag voll nutzbar

Tuning für das Werkstuning – in meinen Augen widersinnig. Der "normale" Focus RS lässt es an wenig vermissen, erst recht nicht an Leistung. Aber genau hier packt der Tuner beim Wolf Racing Focus RS nochmal eine Schippe drauf. Wichtiger, weil viel störender, wäre eine optimierte Sitzposition gewesen! Man sitzt schlichtweg zu hoch in Fords Performance-Focus. Schade ist, dass der Wolf das durchaus teure Mehr an Leistung nicht in deutlich bessere Fahrleistungen ummünzen kann. Dabei ist der getunte RS an sich ein sehr sympathischer Geselle: Den Umständen entsprechend dezent im Auftreten und harmonisch im alltäglichen Umgang. Bemerkenswert: Trotz Tieferlegung federt der Wolf Racing Focus RS mit seinem neuen Fahrwerk komfortabler als der arg hoppelige Serien-RS. Auch die Tatsache, dass Wolf auch mechanisch optimiert und nicht nur blindes Chip-Tuning betreibt, erhöht den Sympathiewert des bissigen Gesellen aus dem Hohenloher Land. Es sind also eher die Tuning-untypischen Dinge, die mir am Wolf Performance Focus RS gefallen – kein Wunder bei einem ausgewiesenen Tuning-Skeptiker.

 

Technische Daten Wolf Racing Focus RS

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