So plant VinFast plant die Stadt der Zukunft: Von Offshore-Windkraft bis E-Mobilität
Elektromobilität endet nicht am Ladestecker: Entscheidend ist auch, woher der Strom kommt und wie Verkehr, Energieversorgung und Infrastruktur zusammenspielen. Der vietnamesische Konzern Vingroup will genau diese Bereiche miteinander verbinden – von VinFast-Elektroautos und E-Bussen bis hin zu einer neuen Stadt, die weitgehend mit erneuerbaren Energien versorgt werden soll.
Elektroautos sind nur ein Teil der Mobilitätswende. Damit Verkehr tatsächlich nachhaltiger werden kann, müssen auch Stromerzeugung und Infrastruktur mitziehen. Wie weit sich dieser Gedanke treiben lässt, zeigt derzeit ein Großprojekt in Vietnam. Dort entsteht mit Vinhomes Green Paradise eine neue Küstenstadt, in der erneuerbare Energien, intelligente Infrastruktur und Elektromobilität eng miteinander verzahnt werden sollen.
Hinter dem Projekt steht Vinhomes, das wie der Elektroautohersteller VinFast zum vietnamesischen Mischkonzern Vingroup gehört. Damit reicht das Geschäftsfeld des Konzerns vom Bau neuer Stadtquartiere bis hin zum Elektroauto – und künftig auch verstärkt zum elektrischen öffentlichen Nahverkehr.
Eine Stadt mit Energie vom Meer
Der Startschuss für Vinhomes Green Paradise fiel am 19. April 2025 in Can Gio südöstlich des Zentrums von Ho-Chi-Minh-Stadt. Das Küstenprojekt umfasst rund 2870 Hektar und ist für eine Bevölkerung von bis zu rund 230.000 Menschen ausgelegt. Entwickelt wird das Areal nach dem von Vinhomes als "ESG++" bezeichneten Konzept. Neben klassischen ESG-Kriterien – also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – sollen dabei insbesondere Klimaanpassung und regenerative Ansätze eine Rolle spielen.
Ein entscheidender Baustein ist die Energieversorgung. Nach den Planungen von Vinhomes soll der Strom für die Stadt aus erneuerbaren Quellen stammen. Vorgesehen sind unter anderem Offshore-Windkraft und Solarenergie in Verbindung mit Batteriespeichern. Letztere sollen Strom zwischenspeichern und so dabei helfen, Schwankungen bei der wetterabhängigen Energieerzeugung auszugleichen.
Der Ansatz geht allerdings über die reine Stromerzeugung hinaus. Wasser, Energie und Materialien sollen möglichst effizient genutzt und in Kreisläufen geführt werden. Digitale Systeme sollen gleichzeitig dabei helfen, Verbrauch und Infrastruktur zu überwachen und zu steuern. Das Ziel ist also nicht einfach eine neue Stadt mit einigen Solarmodulen auf den Dächern, sondern ein möglichst umfassend gedachtes Energie- und Mobilitätskonzept.
Mobilität soll elektrisch werden
Für ein solches Konzept spielt der Verkehr eine zentrale Rolle. Vinhomes plant für Green Paradise deshalb eine weitgehend emissionsfreie Mobilität. Neben Elektroautos gehören dazu E-Busse, elektrische Zweiräder und Fahrräder sowie weitere elektrisch betriebene Verkehrsmittel.
An dieser Stelle kommt VinFast ins Spiel. Der ebenfalls zu Vingroup gehörende Fahrzeughersteller ist bereits auf europäischen Märkten vertreten und bietet hier unter anderem die batterieelektrischen SUV VF 6 und VF 8 an. Perspektivisch soll das Geschäft in Europa über Pkw hinausgehen.
Das zeigt sich bei den Elektrobussen EB 8 und EB 12, die VinFast im Oktober 2025 auf der Busworld Europe in Brüssel erstmals in Europa präsentierte. Vor allem der zwölf Meter lange EB 12 ist für den europäischen Markt interessant: Er wurde speziell mit Blick auf europäische Vorschriften und Infrastruktur entwickelt und ist nach UNECE- und CE-Vorgaben homologiert.
Der EB 12 besitzt einen LFP-Akku mit bis zu 422 kWh Kapazität und soll nach Herstellerangaben eine Reichweite von mehr als 400 km nach SORT2 erreichen. Geladen wird per CCS2 mit maximal 140 kW. Je nach Ausführung bietet der Stadtbus Platz für rund 90 Fahrgäste.
Beim kleineren EB 8 ist die Situation dagegen eine andere: Das auf der Busworld gezeigte Fahrzeug besitzt keine europäische Homologation. VinFast kündigte bei der Europapremiere allerdings an, dass eine für den europäischen Markt vorgesehene Version später folgen soll.
Vom Elektroauto zum Mobilitäts-Ökosystem
Vinhomes Green Paradise zeigt damit vor allem, wie Vingroup die einzelnen Geschäftsfelder des Konzerns miteinander verbinden will. Vinhomes entwickelt die Stadt und ihre Infrastruktur, erneuerbare Energie soll einen wesentlichen Teil der Versorgung übernehmen und VinFast liefert elektrische Verkehrsmittel.
Noch befindet sich ein großer Teil dieses Konzepts in der Umsetzung. Ob sämtliche Ziele tatsächlich im angekündigten Umfang erreicht werden, wird sich deshalb erst in den kommenden Jahren zeigen. Interessant ist das Projekt dennoch: Denn es betrachtet Elektromobilität nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren Systems aus Energieerzeugung, Infrastruktur und Verkehr.
Für Europa ist dieses Zusammenspiel ebenfalls relevant. Denn mit Elektroautos allein ist die Mobilitätswende nicht abgeschlossen. Entscheidend ist letztlich auch, woher deren Strom kommt, wie Ladeinfrastruktur und öffentliche Verkehrsmittel eingebunden werden – und wie all diese Bereiche zusammenspielen.



