Autoposer: Polizei (SOKO) gegen illegales Tuning & Raser GTI mit 1,5 cm Bodenfreiheit stillgelegt

von Sven Kötter 09.05.2019
Inhalt
  1. Lüdenscheid: Getunter VW Golf GTI stillgelegt
  2. Hamburger SOKO "Autoposer" stoppt Raser
  3. Kölner Projektgruppe "Rennen"nach tödlichen Unfällen
  4. "AG Tuning" nimmt Düsseldorfer Szene ins Visier
  5. Mannheimer Ermittlungsgruppe "Poser" seit 2016 aktiv
  6. Berliner Polizei nimmt Raser ins Visier
  7. Frankfurt: SOKO "Kart" gegen illegales Tuning & Raser

Die Polizei bekämpft verstärkt illegales Tuning und innerstädtische Raser und gründet dazu mehr Sondereinsatzkommandos. Während in Hamburg die SOKO "Autoposer" aktiv ist, agiert in Köln die SOKO "Rennen". In Lüdenscheid ging nun ein extrem tiefergelegter Golf GTI ins Netz!

Illegales Tuning und Straßenrennen mit oftmals unbeteiligten Opfern sind deutschen Städten zunehmend ein Dorn im Auge. Die Polizei bekämpft die Szene seit einigen Jahren verstärkt und gründet stadtspezifische SOKOs (Sonderkomissionen). Dass die Beamten für illegales Tuning für dieses Thema immer sensibler werden, zeigt der jüngste Fall in Lüdenscheid: Dort hat die Polizei einen deutlich zu tief gelegten VW Golf 7 GTI Clubsport (Bild: siehe unten) gestoppt, der mit illegalen, weil nicht vorgespannten Federn unterwegs war. Insgesamt ist aber weniger das reine Posen mit individualisierten Fahrzeugen das Problem, als viel mehr die damit zusammenhängende Lärmbelästigung und die Gefährdung der Bevölkerung durch Missachtung jeglicher Straßenverkehrsregeln. Burnouts an Ampeln, spontane Beschleunigungsduelle und nicht eingetragene Klappenauspuffe, die in Häuserschluchten besonders effektiv klingen. Besonders dramatisch wird es, wenn Unbeteiligte zu Schaden kommen. Alleine in Köln gab es diverse Ereignisse mit Todesopfern, die ein großes Medienecho und Bestürzung in der Bevölkerung ausgelöst haben. Die Toten waren stets Unbeteiligte, die durch das rücksichtslose Verhalten anderer aus dem Leben gerissen wurden. Da der Lerneffekt bei den Beteiligten offensichtlich ausbleibt oder nicht schnell genug fruchtet, wird über verschärfte Maßnahmen und höhere Strafen diskutiert. Mehr zum Thema: Alles zum Kampf gegen illegale Autorennen

 

Lüdenscheid: Getunter VW Golf GTI stillgelegt

Ein VW Golf GTI mit 1,5 cm Bodenfreiheit wurde aus dem Verkehr gezogen. Foto: Illustration/Polizei Lüdenscheid

Die Polizei im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid hat Ende August 2018 einen getunten VW Golf GTI kontrolliert und ihn anschließend aus dem Verkehr gezogen. Das Fahrzeug kauerte lediglich 1,5 Zentimeter über dem Asphalt. Die als "dilettantisch" bezeichneten Umbauarbeiten führten im Fahrbetrieb zu massiven Aufsetz- und Schleifgeräuschen. Schon ein Unterschied von einem Zentimeter in der Fahrbahndecke führte zu einem Aufschlagen des Unterbodens. Der Luftfilter der kompakten Bastelbude war zudem komplett ausgebaut. Das Fahrzeug wurde zu einer nahegelegenen Prüfstelle eskortiert und auf einer Hebebühne begutachtet. Massive Beschädigungen durch Aufsetzen führten zu einer umgehenden Stilllegung des Fahrzeugs. Eine finale Verschrottung des Fahrzeugs scheint wahrscheinlich. Den 20-jährigen Fahrer des getunten Golf GTI erwarten neben einer Strafe von rund 500 Euro mehrere Punkte in Flensburg.

Hamburger SOKO "Autoposer" im Video:

 
 

Hamburger SOKO "Autoposer" stoppt Raser

Die Hamburger SOKO "Autoposer", hat einen Brennpunkt der Tuning-Szene an der Aral Allermöhe ausgemacht. Hier treffen sich seit knapp zehn Jahren regelmäßig Fahrer aufgemotzter Autos. Nicht selten sind 250 entsprechende Fahrzeuge vor Ort. Um Geschwindigkeitsverstöße ohne große Verzögerung ahnden zu können, setzt die Polizei zudem zivile Provida-Fahrzeuge ein. Jüngstes Opfer der SOKO "Autoposer" war ein Golf-GTI-Fahrer, der bei erlaubten 80 km/h mit 130 Stundenkilometern Richtung Hamburger Innenstadt unterwegs war. Überhaupt spielen sich viele Raser-Delikte auf den Zufahrtsstraßen Richtung Innenstadt ab. Die SOKO Autoposer ist dementsprechend verstärkt rund um Autobahnabschnitte wie das der A25 unterwegs. Prominentestes "Opfer" des Hamburger Sondereinsatzkommandos war Tim Wiese. Sein weißer Lamborghini Aventador Pirelli Edition war lauter als erlaubt und wurde entsprechend stillgelegt.

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VW Golf GTI Clubsport stillgelegt
Die Polizei stoppte im Juni 2018 einen deutlich zu tief gelegten Golf GTI! Foto: Polizei Märkischer Kreis
 

Kölner Projektgruppe "Rennen"nach tödlichen Unfällen

Köln hat im Zusammenhang mit illegalen Autorennen im Stadtgebiet schon mehrere unbeteiligte Tote zu verzeichnen. Um dem zügellosen Treiben auf den Straßen der Stadt Einhalt zu gebieten, gründete die Polizei die Projektgruppe "Rennen". Schnell wurde klar, dass in Köln eine etablierte Raser-Szene beheimatet ist. Besonders im Bereich der Kölner Ringe und rund um den Tanzbrunnen in Köln-Deutz kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Verstößen. Traurige Höhepunkte waren Unfälle mit Unbeteiligten. Alleine 2015 kam es zu drei Todesfällen. Die Opfer waren jedesmal unbeteiligte Bürger, die zufällig am Straßenrand standen. Mehrere hundert Autofahrer zählt die Kölner Polizei zur Raser-Szene. Man stellte in der Folge mehrere feste Blitzanlagen an Raser-Schwerpunkten auf und intensivierte die Kontrolle von auffälligen Fahrzeugen. Besonders wendig in den oftmals engen Straßen der Domstadt sind Beamte der Projektgruppe "Rennen" auf Fahrrädern, die bereits medienwirksam Poser aus dem Verkehr ziehen konnten.

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"AG Tuning" nimmt Düsseldorfer Szene ins Visier

Besonders rund um die Düsseldorfer Königsallee, im Volksmund Kö genannt, hat man ein Problem mit Posern, die man mit der extra gegründeten "AG Tuning" bekämpfen will. Getunte Autos werden präsentiert, unnötige Gasstöße sollen Aufmerksamkeit erhaschen. Die Polizei kennt die Personengruppe mittlerweile so gut, dass man koordinierte Aktionen gegen die Szene durchführen kann. Ende April erfuhr man bereits im Vorfeld von einem geplanten illegalen Rennen auf dem Parkdeck des ISS Domes, das mit einer gezielten Kontrolle auf den Zufahrtstraßen erfolgreich unterbunden werden konnte. Zwei Fahrzeuge wurden bei der Kontrolle komplett aus dem Verkehr gezogen. Im Anschluss verlagerte man die Kontrollen Richtung Innenstadt und bekannten Treffpunkten der Szene. Ein erfolgreicher Schachzug, denn auch hier wurden die Beamten auf zahlreiche Verstöße aufmerksam. Auch hier konnte die "AG Tuning" zwei Fahrzeuge komplett aus dem Verkehr ziehen, nachdem illegale Umbaumaßnahmen nachgewiesen wurden.

 

Mannheimer Ermittlungsgruppe "Poser" seit 2016 aktiv

Verstärkte Kontrollen sind das bevorzugte Mittel der von der Polizei gegründeten SOKOs, um illegalem Tuning und Straßenrennen Einhalt zu gebieten. Zuerst erkannte man dies in Mannheim und gründete bereits 2016 eine sechs Mann starke Einsatztruppe, die die Verkehrssünder ins Visier nahm. 2017 fielen knapp ein Drittel aller kontrollierten Fahrzeuge mit Mängeln auf, was bei jedem Zweiten zur kompletten Stilllegung führte. Die Probleme mit den ungeliebten Posern scheinen seitdem kleiner zu werden. Für viele Städte Anlass genug, das erfolgreiche Konzept zu kopieren. Neue Erfolge im Kampf gegen illegales Tuning und innerstädtische Raserei kommen aus Mannheim. Hier wurden von der Ermittlungsgruppe "Poser" jüngst zwei Kleinwagen-Fahrer angehalten. Ein getunter Fiat 500 war unnötig laut und zu schnell unterwegs. Der 20-jährige Fahrer kam allerdings mit einer Verwarnung wegen Verursachens unnötigen Lärms davon. Deutlich schlechter lief es zu später Stunde für einen Corsa-Fahrer, der mit ansehen musste, wie sein Auto sichergestellt wurde. Der Kleinwagen war mit über 90 dB/A zu laut und die Betriebserlaubnis dementsprechend erloschen. Zudem fiel der Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit auf. Um die Bevölkerung für derartige Vergehen zu sensibilisieren, postet die Mannheimer Polizei die Geschehnisse auf ihrer Facebookseite.

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Polizei Mannheim kontrolliert Auto-Poser: Video Zehn laute PS-Protzer gestoppt

 

Berliner Polizei nimmt Raser ins Visier

Auch Berlin hat sein ganz eigenes Problem mit Rasern und Vergehen im Straßenverkehr. Immer wieder kommt es auf den Straßen der Hauptstadt zu Autorennen und eklatanten Geschwindigkeitsverstößen. Trauriger Höhepunkt war ein Unfall bei 170 km/h auf dem Ku'damm Anfang 2016. Der Fahrer eines unbeteiligten Fahrzeugs wurde gerammt und durch den Aufprall getötet. In einem spektakulären Prozess wurden die beteiligten Raser zunächst des Mordes verurteilt, was später vom Bundesgerichtshof wieder aufgehoben wurde. Dennoch wird es seitdem für Raser immer ungemütlicher, da bereits die Teilnahme an illegalen Rennen unter Strafe gestellt wurde.

 

Frankfurt: SOKO "Kart" gegen illegales Tuning & Raser

Immer mehr Städte setzen auf die Gründung von SOKOs. Jüngstes Beispiel ist die SOKO "Kart" (Kontrolleinheit Autoposer, Raser und Tuner) in Frankfurt am Main. Sie nahm am 1. März 2018 den Kampf gegen illegales Tuning und verbotene Straßenrennen im Stadtgebiet auf. Besonders am diesjährigen "Carfreitag" war die Kontrolleinheit erfolgreich. Von 238 kontrollierten Fahrzeugen fielen 132 mit Mängeln auf, 28 Fahrzeuge wurden wegen illegalen Umbauten komplett stillgelegt. Freitag, der 13. Juni 2018 wurde für viele Poser ebenfalls ein schwarzer Freitag: Die Soko "Kart" rückte wieder aus und kontrollierte von 15 Uhr bis in die Nachtstunden insgesamt 49 Fahrzeuge und sieben Motorräder. 18 Fahrzeuge wurde wegen nicht genehmigter Umbaumaßnahmen die Betriebserlaubnis entzogen. Acht Fahrzeuge wurden wegen einer Überschreitung des zulässigen Lärmpegels sichergestellt und sollen nun von Sachverständigen begutachtet werden. 13 Mal ahndeten die Gesetzeshüter das unnötige Erzeugen von Lärm durch Aufheulen lassen. Einer der Poser konnte keine Fahrerlaubnis vorweisen. Ein Ford Mustang überschritt die erlaubten 87 Dezibel deutlich und machte mit 105 Dezibel negativ auf sich aufmerksam. In einem BMW 5er war ein nicht zulässiger Soundgenerator verbaut. Besonders tief stapelte ein VW Golf III, der ganze sechs Zentimeter zu tief über dem Asphalt kauerte. Die Soko "Kart" kündigte im Anschluss weitere Kontrollen in Frankfurt an.

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