Neuer Jaguar XE SV Project 8 (2018): Erste Testfahrt Achtung, der Project 8 ist wild!

von Paul Englert 04.06.2018

Der neue Jaguar XE SV Project 8 (2018) zeigt bei unserer ersten Testfahrt, was herauskommt, wenn man Jaguars Performance-Abteilung SVO einfach mal machen lässt – die XE-Endstufe mit 600 PS.

Irgendwie erinnert uns der neue Jaguar XE SV Project 8 (2018) bei der ersten Testfahrt an diese grimmig dreinschauenden Dreizentner-Typen aus dem Fitness-Studio. Tätowiert, kahl rasiert, Oberarme wie Schwarzenegger, können vor Kraft kaum gehen – und bloß nicht anschauen! Es ist das stärkste und radikalste Fahrzeug, das Jaguar jemals gebaut hat – nicht aber der schnellste, wohlgemerkt, das war der XJ 220. Wie die meisten Bodybuilder war auch der Project 8 einmal schmal und schmächtig, eine kreuzbrave XE-Limousine mit steifem Alu-Chassis. In den Werkstätten der Jaguar-Abteilung für besondere Angelegenheiten (Special Vehicle Operations, SVO) wurde er komplett auf links gedreht, bekam Heckfügel, Diffusor, Luftleiter unter den Schwellern so lang und breit wie Terrassendielen. Dazu kamen nach hinten geöffnete Radkästen sowie ein ausziehbarer Splitter unter der großfächig vergitterten Front, hinter der erstmals ein V8-Kompressor arbeitet. Der ist bekannt aus diversen Jaguar- und Range Rover-SVR-Modellen, leistet hier aber in der Ausbaustufe 600 PS. Und damit es der Maschine nicht zu eng wird, verlängerten die Entwickler den Vorderwagen des neuen Jaguar XE SV Project 8 (2018) um 1,4 cm. Damit das Kraftpaket nicht zu sehr ins Schwitzen gerät, wurde aber nicht nur die Front vergittert, sondern auch gleich die hässliche Motor-Plastikabdeckung weggelassen. Das bringt mehr Luft zum Atmen und spart auch noch Gewicht.

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Erste Testfahrt im neuen Jaguar XE SV Project 8 (2018)

Auf Wunsch gibt es für den ab Werk viersitzigen Jaguar XE SV Project 8 (2018) Schalensitze mit Hosenträger-Gurten, die Rückbank fliegt raus und es wird ein Käfg im Fond verschraubt (11.900 Euro). Doch der auf 300 Stück limitierte Project 8 sollte nicht nur ein Held der Hantelbank, sondern vor allem ein sehniger Laufband-Renner werden, der auch Haken schlagen kann. Also bekam die XE-Endstufe den hecklastigen Allradantrieb mit elektronisch geregelter Hinterachssperre, gelochte Karbon-Keramik-Bremsscheiben, ein Fahrwerk mit adaptiven Bilstein-Dämpfern sowie mehr als zwei Grad Sturz an der Vorderachse. Das hört sich gut an – und der XE fährt auch so. Also ab auf den aalglatten Rundkurs von Portimao. Eben noch wechselten wir auf der teils welligen Landstraße ständig zwischen den Modi Comfort und Dynamic auf der Suche nach dem besten Kompromiss, doch jetzt steht "Track" auf dem Digitalinstrument. Der Motor ist bereits warm, die Reifen nicht. Egal, wir haben ja Allrad, und die bereits locker sitzende, fein regelnde elektronische Fußfessel erledigt den Rest. Jetzt darf der neue Jaguar XE SV Project 8 (2018) jagen, die achtstufige ZF-Automatik zappt die Gänge in einer Zehntelsekunde durch.

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Neuer XE SV Project 8 (2018) ein echtes Rennauto

Erstaunlich: Innen ist es gar nicht so laut wie von außen vermutet. Also ist der neue Jaguar XE SV Project 8 (2018) doch bloß eine Show-Limo mit Kompromissen? Nein! Zwar vermissen wir etwas Gefühl beim Anlenken um die Mittellage, doch legt man ein paar Grad Lenkeinschlag nach, stimmen Rückmeldung und Haltekräfte. Jetzt kommt das Ensemble aus steifer Karosserie, fein getuntem Fahrwerks-Set-up und der Slick-Vorstufe von Michelin zur Geltung. Leichtes Schieben über die Vorderräder am Kurvenausgang – noch immer ist das DSC (ESP) aktiv. Also ausschalten. Nun kommt der Jag unter Last ganz sanft mit dem Heck, das Mittendifferenzial gibt maximal 20 Prozent Kraft an die Vorderräder ab. Lenkung leicht öffnen und wieder durchstarten bis in den Begrenzer. Alles im Rhythmus, ganz entspannt, verdammt schnell. Inzwischen sind die Gummis reif für etwas mehr Tempo. Wir verzögern später aus 260 auf 115 km/h bis in die Kurve hinein. Die Karbon-Keramik-Bremse (Serie) arbeitet konstant stark. Kein Rumoren, kein Rubbeln, kein Fading. Und gleichzeitig wieder leicht ans Gas – ja, das lässt der neue Jaguar XE SV Project 8 (2018) zu wie ein echtes Rennauto.

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von Paul Englert von Paul Englert
Unser Fazit

Ein Poser ist der neue Jaguar XE SV Project 8 (2018) ja schon, aber ein sehr liebenswerter – und sauschneller. Im Attacke-Modus absolut ehrlich, auf der Landstraße auch nach 100 Kilometern erträglich. Mankos? 1,7 Tonnen sind zu viel und 182.000 Euro für die meisten wohl auch.

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