VW Käfer 1303 Cabrio Inj. & Opel Kadett Aero 1.6 S: Vergleich, Bilder & Daten Oben ohne ist schön

25.11.2013

Total verschiedene Konzepte: VW Käfer Cabrio und Opel Kadett Aero sind jeder für sich reizvolle Oldtimer und sehr gesucht. Markenvergleich - 2. Teil

Bevor in Wolfsburg 1974 das Golf-Fieber ausbrach, war der Käfer jahrzehntelang die Nummer 1 in Deutschland – auch als Cabriolet. Von 1949 an wurde bei Karmann das viersitzige Käfer Cabrio produziert. Den mit dem Wiederaufbau beschäftigen Deutschen kam das Cabrio als Ausdruck der Lebensfreude gerade recht. Von beachtlichen 2695 Stück im Jahr 1950 stieg die Produktions-zahl kontinuierlich an. 1971 wurden (als Jahresrekord) 24.317 offene Käfer bei Karmann gefertigt. Mit ein Grund für den Erfolg: Die permanente Weiterentwicklung des Käfers – besonders mit neuer Vorderachse und Schräglenkerachse hinten – kam auch dem Cabrio zugute.

Und so lief und lief und lief der Käfer mit dem soliden Stoffdach bis 1980 vom Band. Er wurde oft totgesagt, doch er blieb  lange der absolute Bestseller unter den Oben-ohne-Autos. Das konnte Opel natürlich  nicht auf sich sitzen lassen. Der Erfolg des Cabrios aus Wolfsburg war den Opel-Oberen ein Dorn im Auge. Da müsste doch auch für Rüsselsheim etwas zu holen sein. Zur Cabrio-Saison im Frühjahr 1976 erschien dann endlich die Antwort von Opel: Der offene Kadett C mit dem luftigen Namenszusatz Aero. Eigentlich ein mutiger Schritt, denn trotz der Beliebtheit des Frischluft-Käfers waren Cabrios hierzulande kein Verkaufsschlager.

 

CABRIOS WAREN NOCH NIE BILLIG

Ein spezielles Modell und ein eigenes Fließband hätte sich für Opel nicht gerechnet. Doch da gab es ja die schwäbische Karosseriebau-Firma Baur, die zuvor schon die BMW 02-Reihe in ein Cabrio verwandelt und den Bitter CD gebaut hatte. Täglich trat eine Handvoll Stufenheck-Kadett die Reise nach Stuttgart an. Dort wurde ab der Gürtellinie mächtig gesägt und geschweißt. Das Ergebnis: ein Oben-fast-ohne-Auto. Fast deshalb, weil der Aero keiner Fahrzeuggattung zuzuordnen war. Nimmt man das Dachteil ab, wird er zum Targa. Wird die hintere Persenning samt Heckscheibe zurückgeschlagen, entsteht eine Cabrio-Limousine. Die hintere Dachstrebe bleibt stehen. Auch möglich: Dachteil drin lassen, nur die Heckkapuze zurückklappen – fertig ist das Landaulet.

Welche Variante man auch wählt: Jede ist im Handumdrehen realisiert. Ebenso problemlos: die Fahrt im Open-Air-Kadett. Es ist pure Ent-spannung,  Wellness-Urlaub  auf vier  Rädern.  Lautes  Bollern  aus dem Auspuff? Fehlanzeige. Leichtes Brummen aus dem Motorraum: nichts da. Der Vierzylinder läuft geschmeidig und unaufdringlich. Opel Classic stellte uns einen Aero 1.6 S mit 75 PS zur Verfügung. Dieser hat zwar 15 Pferdchen mehr als die 1,2-Liter-Basisversion, doch ein Kraftpaket fühlt sich anders an. Motorisch herrschte in den Siebzigern – beim Käfer wie beim Opel Kadett – also noch Bescheidenheit. Was man beim Aero ansonsten nicht unbedingt behaupten kann. Seine Insassen betört das Opel Cabrio mit lauschigem Wohlfühl-Ambiente. Es gab ihn nur in der üppigen SR-Ausstattung mit Breitreifen und Zusatzinstrumenten. Dazu kamen der grobkarierte Stoffbezug auf Sitzen, Kopfstützen und Türen und der rote Velours-Teppichboden: Mehr Siebziger-Jahre-Charme geht nicht. Das alles ließ sich Opel allerdings gut bezahlen. 15.375 Mark lautete der Listenpreis für den Kadett Aero 1.6 S.

Für fast 3000 Mark weniger konnte man sich ein Käfer Cabrio vor die Haustür  stellen: 12.735 Mark kostete das 1303 LS Cabrio im Jahr 1976. Das war ebenfalls nicht billig. Trotzdem war der Käfer erfolgreich. Tester schrieben damals: „Eines der zeitlosesten Autos auf dem Markt.“ Auch heute noch steht die Knutsch-Kugel proper da: Mit glänzenden Stoßstan-gen, den runden Kulleraugen und den typischen Käfer-Kotflügeln weckt sie Sympathie. Seit 1949 zerzaust das Cabrio die Haare. Dafür ist nicht viel nötig. Ein Griff links am Dach, einer rechts, schnell gelöst, und schon lässt sich das Verdeck wie eine Ziehharmonika nach hinten klappen. Relativ flach, aber ausladend liegt es da und verschwindet unter einer manchmal etwas widerspenstigen Persenning. Trotz eingeschränkter Rücksicht: Es sieht einfach cool aus. Fuelinjection steht auf unserem Oldie: Benzineinspritzung.

Die gab es tatsächlich auch für den Käfer. Die Einspritzmodelle wurden exklusiv für den amerikanischen Markt produziert. Auch der US-Käfer mit Einspritzanlage leistete 50 PS. Dass er immer noch zu viel verbrauchte, interessierte in den Staaten kaum einen. Die Käfer ab Baujahr 1972, also auch das Cabrio, erhielten alle ein modernes Cockpit. Lenkrad und Prallplatte waren aufgeschäumt. Die Limousine wurde 1977 eingestellt. Das Cabrio lief noch bis zum 10. Januar 1980 weiter. Gebaut wurden insgesamt 331.847 offene Käfer, als Modell 1303 rund 106.000 Mal. Der Kadett Aero brachte es von 1976 bis 1978 auf insgesamt nur 1224 Exemplare. Das ist eindeutig. Aber ganz ehrlich: Aus heutiger Sicht ist das Opel-Cabrio nicht weniger sympathisch als der Kult-VW und wie der offene Käfer ein sehr gefragter Oldtimer. Wobei beim heutigen Preis der Käfer wie schon in alten Zeiten die Nase vorn hat.

VW 1303 Cabrio Inj.: Daten und Fakten
Antrieb
4-Zylinder-Boxer; hinten längs eingebaut; 2-Ventiler; eine zentrale Nockenwelle, Stirnradantrieb; Benzineinspritzung (für USA); Katalysator; Bohrung x Hub: 85,5 x 69 mm; Hubraum: 1584 cm3; Verdichtung: 7,3:1; Leistung: 37 kW/50 PS bei 4200/min; max. Drehmoment: 104 Nm bei 2800/min; Viergang-Getriebe; Mittelschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Stahlblechkarosserie mit Zentralrohrrahmen, zwei Türen, Stoffdach; Radaufhängung vorn: Federbeine, Querlenker, Stabilisator; hinten: Längs- und Schräglenker; Drehstabfedern,Teleskopstoßdämpfer; Zahnstangen-Lenkung; Bremsen: v./h. Trommeln (US-Ausführung); Reifen:(Fotowagen) 175/70 HR 15; Räder: 5 1/2 x 15
Fahrleistungen¹
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 20,5 s; Höchstgeschwindigkeit: 128 km/h; Verbrauch: 11,5 l / 100 km
Eckdaten
L/B/H: 4190/1585/1500 mm; Radstand: 2420 mm; Spurweite v./h.: 1395/1350 mm; Leer-/Gesamtgew.: 955/1305 kg; Tankinhalt: 41 l; Bauzeit (VW Cabrio 1303): 1973 bis 1980; Stückzahl: ca. 106.000; Preis (1976): 12.735 Mark
¹ Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2: 16.800 Euro
Zustand 3:    9700 Euro
Zustand 4:    4300 Euro
Wertentwicklung: stagnierend

Opel Kadett Aero 1.6 S: Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zylinder; vorn längs; 2-Ventiler; eine hochliegende Nockenwelle (CiH), Kettenantrieb; ein Fallstrom-Reg.-Vergaser Solex 32/32 DIDTA 4;
Bohrung x Hub: 85 x 69,8 mm; Hubraum: 1584 cm3 ; Verdichtung: 8,8:1; Leistung: 55 kW/75 PS bei 5200/min; max. Drehmoment: 113 Nm bei 3800-4200/min; Viergang-Getriebe; Mittelschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Stahlblechkarosserie mit zwei Türen, Targa-/Stoffdach; Radaufhängung vorn: Doppel-Querlenker, Schrauben-feder, Stabilisator; hinten: Starrachse an Längslenkern, Panhardstab; v./h. Stoßdämpfer; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h. Scheiben/Trommeln; Reifen: 175/70 SR 13; Räder: v./h. 6 x 13
Fahrleistungen¹
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 12,6 s; Höchstgeschwindigkeit: 161 km/h; Verbrauch: 11,6 l / 100 km
Eckdaten
L/B/H: 4127/1580/1375 mm; Radstand: 2395 mm; Spurweite v./h.: 1300/1299 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 920/1320 kg; Tankinhalt: 43 l; Bauzeit: 1976 bis 1978; Stückzahl: 1224; Preis (1977): 15.375 Mark
¹ AZ 19/1977


MARKTLAGE

Zustand 2: 10.900 Euro
Zustand 3:    6800 Euro
Zustand 4:    2900 Euro
Wertentwicklung: steigend

Markenvergleich VW vs. Opel

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Michael Gorissen / Werner Müller

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