Chevrolet Camaro (1967-1981): Historie einer Sportwagen-Ikone Einer für immer

13.05.2014

Der Camaro startete 1967 als Chevrolets Herausforderer für den Ford Mustang. Im Nu wurde er selbst zur amerikanischen Sportwagen-Ikone

Der Chevrolet Camaro ist der Gran Turismo amerikanischer Machart schlechthin. Für seine Fans ist er mehr als nur ein Auto, er verkörpert ein Stück Kulturgut. In mehr als 980 Filmen spielt ein Camaro mit und lässt tief in das Seelenleben junger Amerikaner blicken. 

Beispiele: Sean Penn fährt 1982 in der Rolle des Jeff Spicoli in der Teenager-Komödie „Ich glaub, ich steh im Wald“ einen Camaro; Megan Fox bezaubert in „Transformers“ mit einem 76er und 2009er Camaro eine ganze Generation heranwachsender Jungs. Seit fast 50 Jahren lässt der Camaro erfolgreich seinen Charme spielen: als verführerischer Zweitürer und als kraftstrotzendes V8-Muscle Car ebenso wie als erfolgreicher Rennwagen.

 

CAMARO: IN ZWEI JAHREN AUS DEM HUT GEZAUBERT

In rekordverdächtigen zwei Jahren Entwicklungszeit stellte General Motors seine Antwort auf den Ford Mustang auf die Räder. Von Beginn an hatten die Camaro-Interessenten alle nur denkbaren Wahlmöglichkeiten. Nicht weniger als 80 Werks- und weitere 40 Händler-Ausstattungsversionen sowie drei Options-Pakete standen in den Verkaufslisten zur Auswahl. Dabei gab es mit Coupé und Cabrio nur zwei Karosserievarianten.

Am 12. September 1966 stellte General Motors den neuen Camaro erstmals der Presse vor: Enthüllt wurde ein SS 350 Cabriolet, ganz ähnlich unserem weißen Fotomodell, bei dem es sich um eine 68er Ausführung des Super Sport 396 handelt, was an den einteiligen Seitenscheiben und dem von der Frontmaske aus in die Flanke gezogenen „Bumblebee“-Rallye-Streifen für 14,75 Dollar Aufpreis zu erkennen ist.

Doch bis auf kleine Äußerlichkeiten waren die Anfangsjahrgänge optisch identisch. Nur im ersten Modelljahr gab es auch eine Variante mit sieben Liter Hubraum. Zur SS-Standardmotorisierung wurde jedoch der 6,5-Liter-V8 mit wahlweise 325, 350 oder 375 SAE-PS und manuellem Dreigang-Getriebe. Zum Ausstattungspaket „Super-Sport“ gehörten die Pseudo-Lufteinlässe auf der Fronthaube, ein Fahrwerks-Upgrade und ein Doppelrohrauspuff. All das waren bei den Ampelrennen  unabdingbare Accessoires, wenn am Innenspiegel baumelnde Würfel den Jungs in den Mustangs die Bereitschaft zum Kräftemessen signalisierten.

Für den Aufpreis von 100 Dollar gab es sogar Scheibenbremsen an den Vorderrädern.

Wie das Schwestermodell Pontiac Firebird steht die erste Generation des Camaro auf der leichten F-Body-Plattform von General Motors, was die Produktionskosten deutlich senkte. Im Lastenheft der Designer stand die Aufgabe, eine Art viersitzige Corvette für die amerikanische Babyboomer-Generation zu entwerfen, mit genauso langer Motorhaube und kurzem Heck, aber größerem Kofferraum. Die muskulöse Form mit dem markanten Hüftschwung der ersten Serie versprüht schon im Stand explizite Sportlichkeit.

 

CAMARO: EIN SPORTWAGEN FÜR DIE BABYBOOMER

Die verdeckten Hauptscheinwerfer des 396 Super Sport geben dem 2+2 Sitzer noch einen Touch Aggressivität und Überholprestige. Der Run auf die Verkaufsräume der Chevrolet-Händler bestätigte die Entscheidung für den Camaro: Rund 220.000 Exemplare wurden im ersten Jahr abgesetzt – darunter auch 602 Z-28-Versionen, die zur Legende wurden.

„Gewinne am Sonntag – verkaufe am Montag“ war der Slogan, den damals alle Autoverkäufer in den Staaten liebten. Denn in der 1966 ins Leben gerufen Rennserie „Trans Am“ waren nahezu alle sportlichen Produkte der großen Hersteller am Start. Die Jahre 1968 und 1969 standen im Zeichen der „Sunoco“-Camaro von Teamchef Roger Penske. Mit Mark Donohue am Lenkrad dominierte dieser Trans Am-Camaro die Serie beinahe nach Belieben. Donohue gewann in beiden Jahren jeweils zehn von 13 Meisterschaftsläufen und bescherte Mustang-Tuner Carroll Shelby schlaflose Nächte.

Was ist von dieser Sportlichkeit fast ein halbes Jahrhundert später geblieben? Der Camaro liegt auch nach 47 Jahren noch gut in der Hand – Präzision war nie eine Stärke der Amerikaner, doch Horrorstories vom Geradeauslauf einer Klapperschlange und dem Bremsvermögen eines Pinguins sind maßlos übertrieben. Der Camaro ist als Landstraßen-Cruiser mit permanentem Kraftüberschuss eine Klasse für sich.

Den Ausflug ins Grüne untermalt der potente Chevy mit einem V8-Bollern, das schon bei Leerlaufdrehzahl das Bauchfell in Vibration versetzt. Ein Gasstoß, die Karnickel flüchten ins Unterholz, und auch der Camaro schlägt Haken, denn die antiquierte Hinterachskonstruktion kommt da nicht mit. Das tief geschüsselte Holzlenkrad vor den großen Rundinstrumenten und die zweifarbigen Sitze orientieren sich an Sportboot-Designs, und lange Bodenwellen versetzen den Camaro samt Passagieren in eine Art Wellenreiter-Feeling.

Idealer Song für unterwegs ist „Racing In The Street“ von Bruce Springsteen: „I’ve got a 69 Chevy with a 396...“ Mut zum ersten radikalen Schnitt beweist Chevrolet nach knapp vier Jahren. Das so genannte Modelljahr „1970 ½“ zeigt einen deutlich gewachsenen Sportwagen mit einer beinahe europäisch anmutenden Karosserie, die mit vier runden Heckleuchten Anleihen bei Ferrari nimmt und schamlos den Kühlergrill des Jaguar XJ imitiert.

Designchef Bill Mitchell hatte den neuen XJ auf der Messe gesehen und dem späteren Opel-Chefstilisten George Gallion den Auftrag gegeben, dem neuen Camaro diesen Grill zu verpassen. Dem Coupé wurde aber auch ein neues Fahrwerk mit breiteren Spurweiten (vorne 40, hinten 12 Millimeter) spendiert.

Die verbesserte Straßenlage bestätigten zeitgenössische Testberichte. „Road & Track“ jubelte 1970: „Der erste ernsthafte Versuch seit der 63er Corvette, einen echten amerikanischen GTE zu bauen. Wir müssen zugeben, dass es das beste amerikanische Auto ist, das wir getestet haben und noch wichtiger, der 70er Camaro ist der beste Wagen für den Alltagsbetrieb.“


CAMARO-SLOGAN: MORE SMILES PER MILES


Seit gut sieben Jahren steht das hier abgebildete Sportcoupé in der Garage von Christian Roth im Saarland. Für ihn musste es nicht nur aus persönlichen Gründen ein 70er Camaro sein: „Für amerikanische Autos dieser Zeit hat der Camaro eine fantastische Lenkung und ein hervorragendes Fahrwerk.“ Eine weitere Besonderheit weist Roths Camaro auf: Es handelt sich um einen so genannten Bieler Chevrolet. Um die Einfuhrzölle für US-Automobile zu umgehen, lieferte GM keine fertigen Fahrzeuge, sondern demontierte Modelle in die Schweiz.

In Biel wurden diese zusammengebaut und verkauft. Um den Spaßfaktor zu erhöhen, ließ Christian Roth bei den Spezialisten von Redline Motors in Neustadt an der Weinstraße einen neuen Motor einbauen.

An edlen Tuningteilen wurde nicht gespart. Zwischen den Zylinderbänken thronen Edelbrock-Ansaugbrücke und Holley-Vierfachvergaser – die versprochenen 355 PS sind mehr als realistisch. Wie lautete doch passend dazu ein schöner Camaro-Werbeslogan in der nun langsam zu Ende gehenden Muscle Car-Epoche: „More smiles per miles“. Und auch dazu gibt‘s einen passenden Song fürs Radio: „Go Little Camaro Go!“ von den Ramones.

Doch schon ehe die Spritpreise weltweit zum Höhenflug ansetzten, verlor der Camaro rapide an Beliebtheit. Streiks in den GM-Fabriken brachten die Produktion im Herbst 1970 zum Erliegen. In der Folge sank der Ausstoß rapide, vom Rekordjahr 1969 mit über 243.085 Einheiten auf ein absolutes Tief von 68.651 Stück 1972.

Trotz Ölkrise mit steigenden Benzinpreisen, verschärften Umwelt- und Abgasvorschriften, höheren Versicherungsprämien für leistungsstarke Fahrzeuge und nicht zuletzt erhöhten Anforderungen an die passive Sicherheit schleppte GM den Camaro nicht nur mit – die Produktion kletterte gar wieder auf über 150.000 Einheiten 1974 und erreichte 1979 mit 282.571 Stück ein neues Allzeithoch.


DIE 70ER: LEISTUNG RUNTER, ABSATZ HOCH


Bereits 1974 war der Camaro durch eine neue, schräg abfallende Fahrzeugfront und vom Gesetz geforderte Aluminiumstoßstangen um 20 Zentimeter in der Länge gewachsen. Neu waren ab 1974 auch die seitlich herumgezogenen Heckleuchten. 1975 veränderte die bis in die Flanken gezogene, größere Heckscheibe den optischen Auftritt grundlegend. So sportlich das gelbe 1976er Modell optisch auch daher kommt, so schmalbrüstig fällt seine Motorleistung aus.

Der V8 produziert aus 5,7 Liter Hubraum maximal 175 PS. Zu wenig, um die Sportwagenfans vom Hocker zu reißen, doch den Amerikanern reichte das völlig aus. Wenn sie schon auf Power verzichten mussten, wollten sie wenigstens sportlich daherkommen. Wie die zahnlose Corvette der späten 70er war die zweite Camaro-Generation die bestverkaufte.

Der Camaro nahm einmal mehr den Zeitgeist auf und würzte den Mainstream mit einem Spritzer Individualität. Erst als ab Ende der 90er die Produktionszahlen unter die 50.000er-Marke rutschten, wurde es brenzlig: 2002 stellte GM eiskalt die Camaro-Fertigung ein.

Doch schon 2006 hatte sich eine so große Fangemeinde formiert, dass die Wiedergeburt nur eine Frage der Zeit war. Es folgte der Auftritt im Kinofilm „Transformers“ und der Start einer neuen Modellgeneration im Jahr 2009. Amerikas Jugend hatte eine ihrer großen Stilikonen zurückgewonnen. 

Technische Daten & Marktlage des Camaro 1967, 1970 & 1976

Udo Freialdenhofen

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