Lancia Delta HF Integrale: Classic Car Die Zeit der großen Sprünge

von AUTO ZEITUNG 17.02.2017

Lancia konnte es sich in den 80er Jahren leisten, ein Auto nur für einen Zweck zu bauen: die Rallye-WM zu gewinnen. Alles zum Lancia Delta Integrale!

Der Beifahrer ist ganz bleich im Gesicht, grinst der Fahrer verbissen oder vergnügt? Durch die Frontscheibe des Lancia Delta HF Integrale sehen sie nur die Bäume vorbeifliegen, die die Straße säumen. Fünf Zentimeter hoch liegt der Schnee auf der einsamen Landstraße, die einst ein Teil der Solitude-Rennstrecke nahe Stuttgart war. Der Lancia Delta Integrale stellt sich bei 100 km/h quer, driftet für kurze Zeit über beide Fahrspuren. Mit blitzartiger Kurbelei am Lenkrad zwingt der Fahrer das Auto zurück auf Kurs. Das dynamische Potenzial dieses unscheinbaren Kompaktwagens mochte manchen Anfänger erschrecken. In den Händen eines Könners war der Delta HF Integrale die pure Wonne auf Rädern. Kein Wunder, dass Lancia mit den Rennversionen sechsmal in Folge Markenweltmeister in der Rallye-WM wurde. Nachdem die Gruppe B wegen gefahrenträchtiger Leistungsexplosion abgeschafft worden und die Gruppe A für seriennähere Autos als neue Topklasse an ihre Stelle getreten war, brachte Lancia im Januar 1987 den Delta 4WD an den Start. Dem Rallyeauto entlockten die Lancia-Renningenieure damals 260 PS. Die Basis steckte in dem Turbo-Vierzylinder des Straßenautos Delta HF 4WD.

Classic Cars Alfa Romeo 156 GTA/Lancia Delta HF Integrale Evo II
Alfa Romeo 156 GTA/Lancia Delta Integrale: Classic Cars  

Ikonen-Treffen von Alfa und Lancia

 

Lancia Delta HF Integrale nur für die Rallye

Der Rallye-Lancia düpierte die Konkurrenz gründlich. Gleich bei der Rallye Monte Carlo rasten zwei Lancia Delta HF Integrale mit den kommenden Weltmeistern Miki Biasion und Juha Kankkunen am Steuer im Doppelsieg durchs Ziel. Fortan hieß die Weltmeistermarke bis 1992 immer Lancia. Das Erfolgsrezept war simpel. Man nahm den quadratisch-praktischen Delta, verpasste ihm einen permanenten Allradantrieb, dem Reihenvierzylinder einen größeren Hubraum von 1995 Kubikzentimetern und vor allem einen Garrett-Turbolader. In der Serienversion machten ein bar Ladedruck und 165 PS machten aus dem braven Delta einen für damalige Verhältnisse messerscharfen Sportwagen mit heftigem Turbobiss. Das Potenzial des Autos kam erst in der Ausbaustufe namens Delta HF Integrale optisch durch wuchtige Kotflügelverbreiterungen zur Geltung. Das giftige Gefährt marschierte, dank des größeren Laders auf 185 PS erstarkt, in rund sieben Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die kurze Achsübersetzung des Lancia Delta HF Integrale beschränkte die Höchstgeschwindigkeit auf 215 km/h. Dabei benahm sich der italienische Heißsporn in Kurven geradezu unverschämt gutmütig und verzieh Lastwechsel und Lenkkorrekturen großzügig. Versierte Integrale-Piloten konnten deutlich leistungsstärkeren Fahrzeugen mühelos Paroli bieten. Die Kraftverteilung per Planetengetriebe von 56 Prozent an der Vorderachse zu 44 Prozent hinten führte zu einem stabilen, tendenziell untersteuernden Kurvenverhalten.

 

Delta HF Integrale ist ein Sammlerstück

Leider kümmerten sich die Italiener nicht sonderlich um eine gescheite Abstimmung, als es darum ging, dem Lancia Delta HF Integrale für den deutschen Markt einen Katalysator zu verpassen. Der reduzierte die Leistung des Zweiventilers nominell auf 177 PS, jedoch verlor der Integrale subjektiv viel von seinem Temperament. Begeisterung löste wieder der Integrale 16V von 1989 aus, dessen Motor ohne Kat nun 200 PS bei 5500/min abgab und der Rallye-Version gar 300 PS ermöglichte. Mit kleinerem Lader und Vierventilkopf kam der Motor mit deutlich weniger Turboverzögerung zur Sache. Die Kraftverteilung wurde auf 43 zu 57 Prozent (vorn/hinten) geändert und die Radaufhängungen wurden verstärkt. Zudem besaß der 16V jetzt eine hydraulisch betätigte Kupplung. 1991 entwickelte man den Motor weiter und gönnte ihm nunmehr 210 PS. Jedoch wurde die Begeisterung der deutschen Fans durch die Tatsache getrübt, dass Lancia 1990 kurzerhand den Import einstellte – wohl weil man keine Lust verspürte, dem eckigen Kraftprotz einen Abgas mildernden Kat anzupassen. Kummervoll mussten die Lancia Delta-Freunde hierzulande auch auf weitere Versionen verzichten, etwa auf den Sedici Integrale, der ab 1993 nicht nur eine luxuriöse Ausstattung, sondern jetzt doch hochoffiziell einen G-Kat besaß. Heute ist er ein begehrtes und teures Sammlerstück.

Eckdaten
PS-kW200 PS (147 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 5 Gang manuell
0-100 km/h7.1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit212 km/h
Preis24.490,00€
Technische Daten
Motor 
ZylinderR4
Hubraum1995
Leistung
kW/PS
1/Min

147/200
5500 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
298
3000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe5 Gang manuell
AntriebAllradantrieb, permanent
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 205/55 R 16
h: 205/55 R 16
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1320
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)7.1
Höchstgeschwindigkeit (km/h)212
Verbrauch 
Testverbrauch16.1l/100km (Super)
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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