Chevrolet Corvette und Porsche 911 Targa im Vergleichstest Himmelsstürmer

19.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Open-Air-Sportwagen mit großzügiger Dachluke sind etwas aus der Mode geraten.  Zu Unrecht, wie dieser Test mit Corvette und Porsche 911 Targa 4S beweist

Der Volksmund wusste es immer schon besser: Autos mit herausnehmbarer Dachmitte hießen in den Siebzigern Targa, ganz gleich, ob es sich um einen Fiat, Lancia, Ferrari, Lamborghini, Pontiac, Chevrolet oder eben einen Porsche handelte. Dabei dürfen bis heute nur die Zuffenhausener ihre „Sicherheitscabriolets“ – als solches debütierte 1965 der erste 911 Targa – mit Fug und Recht so nennen. Auch wenn der Targa schon lange kein Targa im ursprünglichen Sinn mehr ist. 1995 kam der 911 Targa der Baureihe 993 mit einem neuen, bis heute gültigen Konzept: Ein großes Glasschiebedach ersetzte das schwarze Dachteil. Die aktuelle Version gibt es nur mit Allradantrieb, zu diesem Vergleichstest angetreten als 4S mit dem neuen PDK-Getriebe, mithin ein Porsche Targa zu einem stolzen Grundpreis von 108855 Euro – plus 3510 Euro für das optionale Doppelkupplungsgetriebe.

Für rund 40000 Euro weniger bietet die Corvette ein ähnliches Konzept. Die amerikanischen Autobauer setzen es allerdings etwas traditioneller um: Bei der Cor-vette wird nach wie vor das Dachmittelteil entriegelt und komplett entfernt. Und der Corvette-Käufer hat keine Wahl. Die C6 mit 437 PS gibt es nur mit der losen Dachmitte oder als Cabrio.

 

Karosserie

Die Traditionsverbundenheit der Corvette-Erbauer hat viele Vorteile. Einer davon ist, dass der amerikanische Achtzylinder-Sportler ein weitaus intensiveres Offenfahrgefühl bietet als sein schwäbischer Sechszylinder-Konkurrent. Die zwei Spannhebel am Scheibenrahmen sind schnell gelöst, und schon lässt sich das Dach aus der Verankerung heben und im Kofferraum verstauen. Allerdings sollte man die Operation besser zu zweit vornehmen. Das Dachmittelteil ist zwar nicht besonders schwer, aber sehr groß und sperrig.

Beim Porsche beschränkt sich der Einsatz der Besatzung auf einen Knopfdruck am oberen Scheibenrahmen. Das Glasdach fährt zurück und hinterlässt eine Dachöffnung, die zwar kaum größer ist als ein normales Schiebedach, aber viel Licht und Luft in den halboffenen Elfer lässt. Der Rest des Karosseriekapitels geht an den 911. Vor allem wegen seiner durchdachteren Bedienung, der überlegenen Qualität – auch wenn die Corvette in dieser Disziplin aufgeholt hat – und der umfangreicheren Sicherheitsausstattung sammelt der Klassiker aus Zuffenhausen mehr Punkte als der aus Bowling Green, Kentucky.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 Targa 4SCorvette C6
Raumangebot vorn1006061
Raumangebot hinten100150
Übersichtlichkeit704032
Bedienung/ Funktion1008570
Kofferraumvolumen100028
Variabilität10050
Zuladung/ Anhängelast80127
Sicherheit1508464
Qualität/ Verarbeitung200194170
Kapitelbewertung1000495432

 

Fahrkomfort

Überragender Fahrkomfort zählte noch nie zu den hervorstechendsten Qualitäten des Corvette-Fahrwerks mit seinen Querblattfedern aus Verbundwerkstoff. Vor allem kurz aufeinander folgende Schläge bringen viel Unruhe ins Auto. Der ebenfalls straffe 911 kann das besser. Seine Federelemente sprechen sensibler an, besonders dann, wenn man den Sportmodus des adaptiven Dämpfersystems (PASM) meidet.

Weitere Punkte sammelt der Stuttgarter mit seinen besseren Sitzen, wobei im Testwagen die optionalen Komfortsitze mit Memory (1511 Euro) zum Einsatz kamen. Sie sind etwas schmal geraten, aber auf die Dauer bequemer als die weicheren Sessel in der C6.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 Targa 4SCorvette C6
Sitzkomfort vorn15012092
Sitzkomfort hinten100100
Ergonomie150128115
Innengeräusche502115
Geräuscheindruck1007875
Klimatisierung503229
Federung leer2009490
Federung beladen2009490
Kapitelbewertung1000577506

 

Motor und Getriebe

Evolution statt Revolution scheint das Motto der Motorenkonstrukteure in Baden-Württemberg und Kentucky zu sein. Eine Corvette ohne V8 oder einen 911 ohne Sechszylinder-Boxer mag sich keiner so recht vorstellen. Nicht von ungefähr zählen sie sich zu den erfolgreichsten, am längsten gebauten Baureihen der Sportwagenwelt.

Der Boxer im Porsche-Heck setzt sich in diesem Vergleich etwas besser in Szene. Auch in seiner neuesten Variante mit Direkteinspritzung ist er eine ebenso überzeugende wie faszinierende Antriebsquelle: drehfreudig, bärenstark, leistungshungrig, kultiviert und sparsam. Der amerikanische V8, der nur noch in seinen Grundzügen auf dem berühmten Smallblock basiert, kann das alles fast genauso gut. Zudem zieht die Corvette dem Porsche ab etwa Tempo 100 langsam, aber unaufhaltsam davon. Bis 200 km/h liegt sie 1,1 Sekunden vor dem 911. Eine für Sportwagenfreunde fast ebenso wichtige Disziplin beherrscht der Achtzylinder noch besser: In der Soundwertung siegt der bei Volllast zornig hämmernde V8 deutlich vor dem Boxer.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 Targa 4SCorvette C6
Beschleunigung150142141
Elastizität10000
Höchstgeschwindigkeit150124128
Getriebeabstufung1009678
Kraftentfaltung504845
Laufkultur1009494
Verbrauch325134123
Reichweite2588
Kapitelbewertung1000646617

 

Fahrdynamik

Die dynamischen Qualitäten des deutschen Vorzeigesportlers sind ebenfalls etwas ausgeprägter. Beim Handling und bei der Slalomwertung liegt der 911 jeweils recht deutlich vor der C6. Natürlich profitiert er dabei von seinem teuren, aber effektiven Allradantrieb. Die besser dosierbaren Bremsen und die viel feinfühligere Lenkung sprechen ebenfalls für den 911.

In puncto Fahrsicherheit gibt sich der Porsche keine Blöße. Selbst mit abgeschaltetem PSM (ESP) bleibt er narrensicher ruhig. Im Falle der Corvette ist bei nicht aktiven Fahrhilfen schon deutlich mehr Aufmerksamkeit erforderlich. Allerdings lässt sich der V8-Sportler leichter zu lustigen Heckschwenks verleiten als der stoisch neutrale Allradler. Das PTM (Porsche Traction Management) im aktuellen 911 ersetzt den bisherigen Allradantrieb mit Viscokupplung des Vorgängermodells. Es gibt zusammen mit der serienmäßigen Sperre an der Hinterachse eine überzeugende Vorstellung. Wobei man sich natürlich fragt, ob nicht ein Targa ohne Allrad für weniger Geld auch eine feine Sache wäre.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 Targa 4SCorvette C6
Handling150113107
Slalom1007163
Lenkung1009575
Geradeauslauf504236
Bremsdosierung302521
Bremsweg kalt15012195
Bremsweg warm150121112
Traktion1008052
Fahrsicherheit150132110
Wendekreis2085
Kapitelbewertung1000808676

 

Umwelt und Kosten

Okay, reden wir übers Geld: Der Porsche 911 ist gerade als Targa 4S ein sehr teures Vergnügen. Er ist etwa einen gut ausgestatteten Audi A4 teurer als die Corvette. Und obwohl der prozentuale Wertverlust geringer ist, verliert der Porsche-Käufer nach vierjähriger Nutzung nochmal über 10000 Euro mehr als der Corvette-Kunde. Die Unterhaltskosten sind auf vergleichbarem Niveau. Für den Porsche sprechen immerhin die besseren Abgaswerte und der etwas geringere Treibstoffkonsum. Dennoch gewinnt die C6 dieses letzte Kapitel.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 Targa 4SCorvette C6
Bewerteter Preis6753384
Wertverlust5058
Ausstattung251617
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501920
Werkstattkosten201412
Steuer1076
Versicherung402220
Kraftstoff552119
Emissionswerte258474
Kapitelbewertung1000221260

 

Fazit

Gut, die Punktewertung in diesem Vergleichstest lässt nur wenig Zweifel offen.
Der Porsche 911 Targa 4S ist zwar teuer, der Corvette C6 jedoch motorisch und fahrdynamisch überlegen. Aber gerade in diesem emotionalen Marktsegment ist ein Blick über die Punktetabellen hinaus erlaubt. Und hier zeigt die C6 ihre Qualitäten: Sie ist wild, schnell, manchmal laut und immer spaßig – eine echte Corvette eben.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 Targa 4SCorvette C6
Summe500027472491
Platzierung12

Tags:
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