Fiat 500L und Mini One Countryman im Vergleich Markige Typen

09.08.2012

Vorbild ist der Mini Countryman: Fiat möchte mit dem neuen 500L das erfolgreiche Retro-Thema des Cinquecento prall aufblasen

Fünfhundert! Freudige Erregung beim Fiat-Marketing! Endlich keine schlicht-funktionalen Autos verkaufen müssen, sondern stattdessen ganz große Gefühle ausrollen dürfen! Doch diese Euphorie hatte auch schon bei Mini tiefgreifende Veränderungen der Marken-DNA zur Folge: Spätestens der viertürige Mini Countryman ist alles andere als ein Mini, da hilft keine noch so intensive Gehirnwäsche.

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Um nun nicht als ewig gestrige Spaßbremse dazustehen: Natürlich sind auch uns lustvoll gemachte Autos lieber als freudlose Funktions-Langeweiler. Allerdings lebt ein Fiat 500 doch von augenzwinkernder Selbstironie. Beim neuen Mini-Van, den die im Retro- und Lifestyle-Taumel befindlichen Italiener kurzerhand ebenfalls zum 500 erkoren haben – nur eben mit einem großen L dazu –, ist dagegen alles bereits ziemlich ernst gemeint. Das Auto ist groß wie ein Punto, es will praktisch sein wie ein Van und vielseitig wie ein SUV. Ein wenig viel auf einmal für das kleine Label 500 …

WAS HEISST DENN HIER CINQUECENTO?
Beim ersten Live-Kontakt relativieren sich die Marketing-Beschwörungen dann auch recht schnell: Der Fiat 500L 2012: Preis ab 15.900 Euro ist eben ein etwas emotionaler gezeichneter Kleinwagen mit erhöhter Variabilität durch vielfältig einstell- und umlegbare Sitze. Hier bietet der völlig auf gute Unterhaltung reduzierte Normal-500 einfach das intensivere Lifestyle-Erlebnis.

Nach dieser ernüchternden Erkenntnis lässt sich der 500L allerdings gleich etwas positiver betrachten: Der kräftige Schuss Emotion schafft es, der eher bescheidenen Verarbeitungs- und Materialqualität einen sympathischen Anstrich zu verleihen. Die Schalter, das Touchscreen-Radio und die Sitzeinstellungen sind doch deutlich besser zu bedienen, als es beispielsweise der völlig überstylte und deutlich teurere Mini mit seinem kaum hochwertigeren Interieur schafft.

Die Parallelen gelten auch in Sachen Platzangebot: Egal ob Mini-XXL oder 500L – das hier sind einfach zwei Kleinwagen mit solidem Raumangebot für vier Mitfahrer und etwas Alltagsgepäck. Die etwas höhere Variabilität des Fiat und sein leichter Vorsprung in Sachen Ladevolumen machen den 500L aber eher zur Alltagsempfehlung.

Spannend werden die beiden durch ihre Lifestyle-Features: Der Mini One Countryman schreit regelrecht danach, durch sportliche Aufkleber und schickes Zubehör in einen kleinen Renner verwandelt zu werden. Und der 500L überrascht durch eine Lavazza-Espresso-Maschine für den Zigarettenanzünder sowie ein Soundsystem der US-Trendmarke „Beats by Dr. Dre“.

Die Beats-Kopfhörer waren bei der Fußball-EM prominent an Hals und Ohren beinahe jedes Star-Spielers zu sichten – den basslastigen Hip-Hop-Sound können urbane Hipster jetzt auch für den Fiat 500L bekommen. Der nun 105 PS starke TwinAir-Turbo-Zweizylinder polarisiert: Sein kerniger Sound und die kräftige Mitte machen richtig Freude, die fast brutale Anfahrschwäche und sein obenheraus schnell nachlassendes Temperament hinterlassen jedoch ebenso Fragezeichen wie das hakelige Sechsgang-Getriebe.

Hinzu kommt, dass der kleine Twin unter einem Problem vieler Downsizing-Aggregate leidet: tolle Verbrauchswerte auf dem Papier – 4,8 Liter pro 100 Kilometer –, in der Realität aber kaum so einzufahren. Laut Bordcomputer schluckt der TwinAir mindestens ebenso viel wie der konventionelle, laufruhige 1,6-Liter-Vierzylinder des Mini One.

Spätestens am Ortsausgangs-Schild möchte man sowieso im Mini Countryman sitzen: Fahrspaß bietet der Fiat 500L mit seiner leichtgängigen, wenig zielgenauen Lenkung und der gelegentlich stuckerigen bis unterdämpft-schaukeligen Federung nur eingeschränkt. Aber er sieht gut aus dabei.

FAZIT
Der 500L ist ein typischer Fiat: Irgendwie unfertig wirkend, mit einigen sofort ins Auge springenden Schwächen – und trotzdem ist er sympathisch, sinnlich und im besten Sinne preiswert. Gute Serienausstattung, pfiffi ges Zubehör und das emotionale Design machen den kleinen Retro-Van zu etwas Besonderem. Der Mini Countryman ist zwar das spürbar reifer wirkende Auto, aber eben auch – nicht nur in diesem Vergleich – deutlich zu teuer.
Johannes Riegsinger

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TECHNIK
   

FIAT 500L 0.9 TWINAIR
MINI ONE COUNTRYMAN
Motor 2-Zylinder, 4-Ventiler, Turbolader 4-Zylinder, 4-Ventiler
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Kette
Hubraum 875 cm3 1598 cm3
Leistung bei 105 KW (77 kW)
bei 5500/min
98 PS (72 kW)
bei 6000/min
Max. Drehmoment bei 145 Newtonmeter Drehmoment
bei 2000 /min
153 Newtonmeter Drehmoment
bei 3000 /min
Getriebe 6-Gang, manuell 6-Gang, manuell
Antrieb Vorderrad Vorderrad
Fahrwerk v.: McPherson-Federbeine,
Querlenker, Stabi.;
h.: Verbundlenkerachse,
Federn, Dämpfer; ESP
v.: McPherson-Federbeine,
Querlenker, Stabi.;
h.: Mehrfachlenkerachse,
Federn, Dämpfer, Stabi.;
DSC (ESP)
Bremsen rundum: Scheiben;
ABS, Bremsassistent
v.: innenbel. Scheiben;
h.: Scheiben; ABS, Bremsass.
Bereifung rundum: 195/65 R 15 rundum: 205/60 R 16
Felgen rundum: 6 x 15 rundum: 6,5 x 16
L/B/H 4147/1784/1665 mm 4097/1789/1561 mm
Radstand 2612 mm 2595
Leergewicht / Zuladung 1.195 kg / k. A. 1.190 kg / 545 kg
Anhängelast, gebr./ungebr. 1.000 kg / 400 kg - / -
Kofferraumvol. 400 – 1315 l 350 – 1.170 l
Abgasnorm Euro 6 Euro 6
Typklassen noch keine Angaben 14 HP/17 VK/22 TK
FAHRLEISTUNG /
VERBRAUCH
   
0-100 km/h 12,3 s 11,9 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h 173 km/h
EU-Verbrauch 4,8 l S / 100 km 6,0 l S / 100 km
KOSTEN    
Grundpreis ca. 16.500 Euro 20.300 Euro

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