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Dacia Sandero 1.6 MPI im Test

Kurve gekriegt

 Mit dem neuen Sandero macht Dacia preisbewussten Kunden ein drittes Angebot. Diesmal auch fürs Auge

Eckdaten
PS-kW87 PS (64 kW)
AntriebVorderrad, 5 Gang manuell
0-100 km/h11.50 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit174 km/h
Preis10.000,00 €

Wer gibt schon gern in aller Öffentlichkeit zu, dass es finanziell bei ihm gerade nicht so gut läuft? Ein ähnliches Gefühl beschlich vor drei Jahren die ersten Fahrer des Dacia Logan. Das damals neue und viel diskutierte Billigauto aus Rumänien erntete überall neugierige, aber auch mitleidige Blicke. Und die Insassen mussten damit rechnen, vor der nächsten roten Ampel vom BMW-Fahrer nebenan einen Euro zugesteckt zu bekommen. Schon beim nächsten Dacia 18 Monate später, dem Kombi MCV, war das anders. Der wirkt deutlich gefälliger als die kantige Limousine und gilt wegen seines opulenten Raumangebots nicht als Armenspeisung, sondern als cleverer Kauf.

Und jetzt der dritte Streich der Renault-Tochter: Der neue Sandero steht zwar im Prinzip auf der gleichen technischen Basis wie der Logan, muss sich aber optisch vor anderen Schrägheckautos in der Vier-Meter-Liga nicht verstecken. Und der Preis ist zumindest auf den ersten Blick unschlagbar: Ab 7500 Euro gibt es ein viertüriges 75-PS-Auto mit ABS und drei Jahren Garantie. Der Dacia Sandero 1.6 MPI mit 87 PS, nur erhältlich in der Top-Ausstattung Laureate, ist mit einem Basispreis von 10000 Euro schon deutlich teurer, verfügt aber unter anderem über Servolenkung, Zentralverriegelung, Seitenairbags und elektrische Fensterheber vorn. ESP ist hingegen für Geld und gute Worte nicht zu haben.

Im Innenraum sieht es zwar nicht aus wie im Ritz-Carlton, aber auch nicht wie in der Jugendherberge: Hartplastik im Alu-Look findet sich auch in teureren Autos, ein Fahrersessel mit zu kurzer Sitzfläche und wenig Seitenhalt ebenfalls. Dafür ist er in der Höhe variabel, ebenso wie das Lenkrad. Die elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegel gelten in dieser Preisklasse fast schon als Überraschung. Die Qualität der verwendeten Materialien und die Verarbeitung machen ebenfalls einen soliden Eindruck.

Das Raumangebot ist für einen Kleinwagen geradezu üppig. Sogar in der zweiten Reihe finden auch Erwachsene eine bequeme Sitzposition. Die Rücksitzlehne lässt sich im Laureate serienmäßig geteilt umklappen. Der Kofferraum bietet mit einem Ladevolumen von 320 bis 1200 Litern deutlich mehr Platz als etwa die von Opel Corsa, Renault Clio oder VW Polo. Allerdings ist die Ladekante beim Dacia mit 77 Zentimetern relativ hoch. Der Motor läuft bei niedrigen Drehzahlen leise, gibt aber Vibrationen über die Pedalerie und den Schaltknüppel an den Fahrer weiter. Der Vierzylinder aus dem Renault-Fundus ist bereits aus dem Logan bekannt. Bis 4000 Umdrehungen in der Minute zeigt er sich arbeitswillig, in höheren Regionen agiert er zäh und dröhnend. Das heißt: Auf der Autobahn wird es ab Tempo 140 leicht ungemütlich. Die Lenkung wirkt teigig, die hakelige Fünfgangschaltung braucht lange Wege – aber viele teurere Kleinwagen setzen hier auch keine Glanzlichter.

Das Fahrwerk, ebenfalls aus dem Logan bekannt, ist sehr weich abgestimmt und hat lange Federwege. Sogar auf schlechten Straßen mit tiefen Schlaglöchern werden die Insassen nicht malträtiert. Dafür bremsen die erhebliche Wankneigung der Karosserie in Kurven und ein deutliches Untersteuern ambitionierte Fahrer ein. Das ist gut so, denn ohne ESP und mit gemessenen Bremswegen von über 42 Metern (warm) ist Vorsicht geboten: Die besten modernen Kleinwagen (siehe Vergleichstest Heft 13/2008) kommen aus Tempo 100 schon nach etwa 36 Metern zum Stehen. Schnelles Fahren ist aber auch wegen des Kraftstoffverbrauchs nicht angesagt: Das Testergebnis von 8,2 Liter Super macht einem Sparwunder keine Ehre.

Wer die Preisliste des Dacia studiert, kommt beim Rechnen ohnehin ins Grübeln. Mit Klimaanlage, Metalliclack, Radio und Alu-Rädern kostet unser Testwagen 12300 Euro. Ein vergleichbarer neuer Seat Ibiza oder ein Skoda Fabia ist in der Basisversion nicht viel teurer. Mitleid mit Sandero-Fahrern ist also wirklich nicht mehr angebracht.

Fazit

Mit dem neuen Sandero kann man sich bei den Nachbarn sehen lassen. Weder Design noch Interieur oder Verarbeitung wirken übermäßig billig. Das Platzangebot für Insassen und Gepäck ist sogar überdurchschnittlich. Bei der Sicherheitsausstattung und den Bremsen liegt der Dacia jedoch nicht auf der Höhe der Zeit. Und auch der Verbrauch ist mit 8,2 Litern recht hoch. Der Neupreis erscheint in diesem Licht auch nicht mehr als Super-Sonderangebot. Wer richtig sparen will, muss das Basismodell für 7500 Euro nehmen.

Klaus Uckrow

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Dacia Sandero 1.6 MPI

PS/KW 87/64

0-100 km/h in 11.50s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 174 km/h

Preis 10.000,00 €