Porsche Boxster (986): Gebrauchtwagen-Test Erste Boxster-Generation ein Tipp?

18.12.2015

Die erste Generation des Porsche Boxster garantiert Fahrspaß vom Feinsten und ist obendrein günstig zu haben. Dieser Gebrauchtwagen-Test zeigt Ihnen die häufigsten Mängel und Schwachstellen eines gebrauchten Porsche Boxster (986).

Betrachtet man die gegenwärtige Entwicklung von Porsche auf dem Gebrauchtwagenmarkt (15 Jahre oder älter), ist der Hype, der um die noch luftgekühlten Exemplare des Typs 911 gemacht wird, bisweilen kaum mehr nachvollziehbar, so extrem sind die Preise explodiert. Und auch die Baureihen 944 und 968 haben im Sog der "Luftis" schon spürbar angezogen. Was bis dato völlig außen vor bleibt, ist die Baureihe 986, sprich der erste Porsche Boxster. Zuhauf werden die Roadster als Gebrauchtwagen angeboten, und das vergleichsweise zu Spottpreisen, die bereits bei 6000 Euro beginnen. Dafür gibt's immerhin einen waschechten Porsche, einen offenen noch dazu und überdies sogar einen reinrassigen Mittelmotorsportler, der sich perfekt in die Porsche-Historie der glorreichen 550 und 718 Spyder der 50er- und frühen 60er-Jahre einfügt. Doch trotz der stimmigen Porsche-Tradition fristet die erste Porsche Boxster-Baureihe ein Schattendasein. Grund genug für uns, den agilen Roadster heute als Gebrauchtwagen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Gebrauchte Porsche Boxster (986) genau checken

Als Anschauungsobjekt dient uns dabei ein gebrauchter Porsche Boxster aus dem Jahr 1998 mit 89.891 Kilometern auf der Uhr in Dunkelblau metallic und mit einer rot-schwarzen Innenausstattung als Blickfang. Auf den ersten Blick ein tolles Auto, das beim genaueren Betrachten jedoch nahezu die volle Bandbreite dessen aufweist, was der potenzielle Porsche-Boxster-Interessent inspizieren sollte. Etwa auf die gesamte Innenausstattung, die über die Jahre gerne Federn lässt, beispielsweise in Form eines durchgesessenen Fahrersitzes, dessen linke Seitenwange zudem kräftig abgescheuert ist. Es sollte auch auf einen intakten Klappmechanismus der Sitze geachtet werden. Gerade bei Gebrauchtwagen, die dauerhaft starker UV-Strahlung ausgesetzt waren, tun sich indes schwerwiegendere Blessuren auf – etwa stark versprödete Kunststoffteile wie die Innenverkleidung der Seitenspiegelverstellung, die nicht nur unansehnlich gräulich ausgebleicht ist, sondern auch noch einen langen Riss aufweist. Richtig garstig ist das Armaturenbrett, dessen Oberflächenbezug sich in der Mitte großflächig abgelöst und eine mächtige Blase aufgeworfen hat.

Bei gebrauchten Boxstern das Verdeck checken

Nicht minder kritisch sollte das Verdeck beäugt werden. Hat es in geschlossenem Zustand gute Spannung, wirft es keine Falten und sind alle Nähte intakt? Ist es ausgebleicht und der Stoff bereits spröde? Und sieht man klar und deutlich durch die Kunststoff-Heckscheibe? Hier würde das vollumfängliche Nachbessern gleich stattliche Summen von 2000 Euro aufwärts verschlingen. Und selbstverständlich sollte die elektrische Verdeckbetätigung ebenso wie die manuelle Entriegelung am Windschutzscheibenrahmen einwandfrei arbeiten. Doch es gibt auch gute Nachrichten, und die betreffen die zu erwartende Korrosion am am gebrauchten Boxster. Diesbezüglich muss sich ein Porsche-Boxster-Fahrer wenig Sorgen machen, ist die Karosserie doch beidseitig verzinkt und insgesamt sehr gut vor lästigem Rostfraß geschützt. Eher schon gilt der Blick der Außenhaut des Gebrauchten, die frei von Dellen sein sollte. Stimmen die Spaltmaße nicht und zeigen sich Nachlackierungsstellen, ist Vorsicht geboten. Dann könnte ein Unfallschaden vorliegen, dessen korrekte Instandsetzung man sich schriftlich belegen oder vom Fachmann prüfen lassen sollte.

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Intensiv auf der Hebebühne zu prüfen sind Vorder- und Hinterachsaufhängungen. Alle Gelenkpunkte sollten spielfrei arbeiten, und das Lenkgetriebe sollte weder Ölverlust noch Spiel aufweisen. Bei der Probefahrt mit dem Gebrauchtwagen auch unbedingt auf ein gerade stehendes Lenkrad bei Geradeausfahrt achten und dabei stets die Prüfkriterien "Unfallschaden" und "Fahrwerkscheck" im Hinterkopf behalten. Ausgelutschte Porsche Boxster-Fahrwerke können bei der Instandsetzung richtig ins Geld gehen. Bei unserem Porsche Boxster waren beispielsweise alle vier Koppelstangen zwischen Federbeinen und Stabilisatoren ausgeschlagen. Mit gut 300 Euro ist man hier bei der Reparatur am Start. Ohnehin obligatorisch ist wie bei jedem Gebrauchtwagen ein Bremsencheck.

Porsche Boxster (986) mit standfestem Boxermotor

Last but not least hat der Porsche Boxster auch noch einen Motor. Und was für einen! Sechs Zylinder sind ganz nach Vorbild des Übervaters 911 in Boxer-Konfiguration angeordnet. Aus zunächst 2,5 Litern Hubraum reichte der mit nur 1250 Kilogramm wunderbar leichtgewichtig geratene Boxster stramme 204 PS dar, ausreichend, um den Mittelmotor-Roadster in 6,9 Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer zu beschleunigen und ihn bei Bedarf 240 km/h schnell werden zu lassen. Einfach toll ist die Laufkultur des kleinen 2,5-Liter-Boxers und herrlich seine Drehfreude. In Verbindung mit dem gut und über kurze Wege zu schaltenden Fünfgang-Getriebe sind so höchst lebendiger Landstraßenspaß und sportliches Fahren möglich – genauso, wie es sich für einen echten Porsche eben gehört.

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Porsche-Experte Oliver Dutt von Dutt Motorsport in Stuttgart-Feuerbach, hauptsächlich auf luftgekühlte 911 spezialisiert, kann diesem Triebwerk durchaus viel abgewinnen, auch wenn es bereits aus der Porsche-Neuzeit stammt und über eine Wasserkühlung verfügt: "Der 2,5-Liter gehört zu jenen Motoren, mit denen wir wirklich sehr wenige Probleme haben. Sieht man von den typischen Ölundichtigkeiten ab, ist er ein toller Sportmotor mit hoher Alltagstauglichkeit", beurteilt er ihn sehr positiv. Und tatsächlich sind die Triebwerke, sei es mit 2,5 Litern (204 PS) oder 2,7 Litern (220 PS) sowie 3,2 Litern (252 PS) im Porsche Boxster S (beide ab August 1999), lebhafte und zuverlässige Gesellen. Das bei den wassergekühlten Sechszylinder-Boxern der ersten Generation – sowohl den Porsche Boxster als auch den 911 Typ 996 betreffend – symptomatische Problem betrifft den Radialdichtring der Kurbelwelle auf der Kupplungsseite. Bei Gebrauchtwagen ein weiterer neuralgischer Punkt ist der Lagerdeckel der Zwischenwelle, welche die Steuerketten antreibt. Gerne neigen die Triebwerke aus diesen Gründen zwischen Motor und Getriebe zu Leckagen. Für die Reparatur muss hier zumindest das Getriebe ausgebaut werden, also kein ganz geringer Aufwand. Aufmerksamkeit gilt auch den Kettenspannern der Steuerketten. Rasselt der Motor beim Kaltstart mehr als zehn Sekunden lang deutlich hörbar, ist hier Ersatz fällig. Die Reparatur gestaltet sich aber einfach und noch halbwegs kostengünstig (ca. 500 Euro), da der Motor nicht ausgebaut werden muss.

Unser Fazit

Als bekennender Porsche-Fan und glühender Anhänger luftgekühlter Elfer ist der Porsche Boxster kein "No go" für mich. Im Gegenteil. 204 PS aufwärts, deutlich unter 1300 Kilo Gewicht, dazu noch die Mittelmotor-Anordnung – damit sind viele Elfer willkommenes Kanonenfutter auf der Landstraße. Handling, Einlenk- und Bremsverhalten des Boxster 986 sind top. Er lässt sich wieselflink durch Kurvenlabyrinthe scheuchen. Und die "Ich-kann-es-nicht-mehr-hören"-Spiegelei-Scheinwerfer werden ohnehin bald Kult sein. Ich denke, ich werde mir einen gönnen: Weil er einfach richtig Spaß macht!

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