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BMW 2002 Garmisch Bertone Prototyp: Classic Cars Die unglaubliche Geschichte des BMW Garmisch

von Christian Steiger 25.05.2019

Er ist neu, er riecht sogar so, und doch stammt er von 1970: der BMW 2002 Garmisch Bertone Prototyp. Das Einzelstück auf Basis des 2002 war vergessen – genau darin liegt der Reiz des unvernünftigen Projekts.

Den Platz für ein deutsches Nummernschild hat Marcello Gandini beim BMW 2002 Garmisch Bertone Prototypen nicht vorgesehen. In Italien waren die vorderen Nummerntafeln in den Siebzigern winzig, der Designer konnte das Detail vor 49 Jahren glatt vernachlässigen. Heute wirkt es eher so, als habe er das Schicksal seines Entwurfs vorausgeahnt. Denn BMW wird den Garmisch nicht zulassen können. Vor dem Gesetz ist er kein altes Auto, sondern ein Neuwagen ohne Gurte und Außenspiegel, natürlich auch ohne Abgasreinigung. Damit er leben kann, hat BMW zwar einen 2002 ti geopfert, aber das lässt sich nur noch auf den zweiten Blick erkennen. Außerdem ist es gar nicht wichtig, ob der Garmisch fährt. Schon das Original war 1970 nur als Blickfang gedacht, es stand im März auf dem Genfer Salon, um dann spurlos zu verschwinden. Es gibt eine Handvoll historischer Fotos, die meisten davon in Schwarzweiß, da parkt der BMW 2002 Garmisch Bertone Prototyp auf dem Bertone-Stand und vor einer Steinmauer. Keines lässt vermuten, dass er damals am Alltag teilnehmen musste. Es passt also alles, wenn er jetzt vom Concorso d’Eleganza Villa d’Este direkt ins BMW-Museum einzieht. Da steht er richtig, weil er eine Lücke in der Markengeschichte füllt – ein BMW 02, aber eben kein gewöhnlicher, sondern ein Auto zwischen den Zeiten. Das umreißt nicht nur seine Geschichte, sondern auch Gandinis Formensprache, die ihren Weg zwischen klassischer Filigranität und modischer Wuchtigkeit sucht. Mehr zum Thema: BMW 3200 CS Bertone

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Classic Cars zeigt den BMW 2002 Garmisch Bertone Prototypen

Der 02 ist kein ganz neuer Entwurf mehr, als Gandini im Winter 1969 damit beginnt, den BMW 2002 Garmisch Bertone Prototypen zu zeichnen. Er will die zierliche Sportlimousine eine Klasse höher positionieren, ihm schwebt ein Gran-Turismo-Coupé vor, wie es im Programm der Nischenmarke fehlt. Gandinis Chef Nuccio Bertone kennt sich aus mit der BMW-Oberklasse, er hat 1961 den 3200 CS gezeichnet, das Coupé, mit dem die V8-Reihe auf mondäne Art in den Ruhestand ausrollte. Woran der Garmisch scheiterte, ist nicht überliefert. Aber es lässt sich ahnen, wenn er heute vor einem steht: Er ist ein grandioser Gandini, aber kein ganz typischer BMW. Schon diese Nieren, die eigentlich eher Rauten sind, handgefräst aus Messing, dann verchromt – so monumental dürfen sie erst Jahrzehnte später aussehen. Oder die vier Scheinwerfer, klotzige Glasbausteine hinter Streuscheiben, die feine Nadelstreifen tragen. Oder die wabenförmig strukturierte Sonnenschutzblende auf der Heckscheibe: Sie findet sich nicht nur beim Lamborghini Marzal wieder, einem anderen Gandini-Entwurf, sondern ähnelt auch der "Dalli Dalli"-Bühnendekoration aus dem deutschen Fernsehen.

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Marcello Gandini designte den BMW 2002 Garmisch Bertone

Marcello Gandini zeichnete auch am ersten 5er mit, dessen schöne Schlichtheit zeigte, wohin die BMW-Zukunftslinie wirklich führte. Und BMW 2002 Garmisch Bertone Prototyp geriet in Vergessenheit. Die Designskizzen vergilbten bei Bertone im Archiv, ein paar unscharfe Bilder tauchten irgendwann in den 2000ern im Internet auf – auch dieses eine, das die Aufmerksamkeit des BMW-Designchefs Adrian van Hooydonk weckte. Der hat den Garmisch vorher nicht gekannt, aber jetzt geht es ihm nicht aus dem Kopf, das Auto zwischen den Zeiten: "Es stammte ganz offensichtlich aus der Vergangenheit und hatte etwas überraschend Modernes an sich. Vor allem aber ist es ein echter Gandini." Und van Hooydonk verehrt den Italiener als Vorbild. Gandini hält die Idee der Rekonstruktion des BMW 2002 Garmisch Bertone Prototypen zunächst zwar für "ein wenig verrückt", wie er sagt, aber er bietet seine Hilfe an. Und vor allem erinnert er sich noch sehr genau an seine Arbeit im Winter 1969/70. Was nie den Weg ins BMW-Werksarchiv fand und auch die Schwarzweiß-Fotos nicht verraten – der Gestalter ruft es ab, als sei es zwei Wochen her. Und er weiß, wie es 1970 zum seltsamen Namen Garmisch kam: Der bayerische Wintersportort hat im Italien jener Zeit denselben exklusiven Ruf wie St. Moritz. 

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