Verbot von Benzin- und Dieselautos Merkel gibt Verbrennern noch "viele, viele Jahre"

von AUTO ZEITUNG 29.08.2017
Inhalt
  1. Angela Merkel sieht noch kein Verbrenner-Verbot
  2. Vor- und Nachteile eines Verbrenner-Verbots bis 2030
  3. Verbrenner-Verbot in Großbritannien bis 2040
  4. Einige Hersteller wollen umsatteln

Bundeskanzlerin Angela Merkel rudert etwas zurück. Das von ihr als "richtiger Ansatz" bezeichnete Verbrenner-Verbot steht nun entgegen ihrer Aussagen in der "Welt am Sonntag", in der sie erklärt, dass es den Verbrennungsmotor noch Jahrzente geben werde. Vizekanzler Gabriel äußerte jetzt Gegenteiliges. Alle Infos zu den Verboten.

Nachdem sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der "Welt am Sonntag" am 27. August zu Gunsten des Diesel-Motors positioniert hatte und eingeräumt hatte "Wir brauchen gerade auch Diesel-Autos, um unsere CO2-Vorgaben in den nächsten Jahren zu erfüllen", behuptet Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) nun Gegenteiliges: "Frau Merkel will ab 2030 den Diesel verbieten", erklärte er bei einem Wahlkampf-Auftritt in seinem Wahlkreis im niedersächsischen Salzgitter. Er stärkte dem Diesel den Rücken und erklärte modernste Diesel-Motoren seien viel sauberer und stießen weniger Schadstoffe aus als Otto-Motoren. CDU-Generalsekretär Peter Tauber reagierte auf Gabriels Vorwürfe gegenüber der Kanzlerin und wies sie auf Twitter entschieden zurück: "SPD-Hendricks hat Diesel den Kampf angesagt. Nicht Merkel. Er sollte aufhören zu lügen." In der ZDF-Sendung "Berlin direkt" erklärte Angela Merkel: "Den Diesel wird es noch viele, viele Jahre geben, genauso wie den Verbrennungsmotor." Weiter sagte Merkel: "Es hat keinen Sinn, jetzt die Menschen zu verunsichern." Die Brückentechnologie Verbrennungsmotor "werden wir nicht Jahre brauchen, sondern ich würde sagen: Jahrzehnte." Damit widerspricht die Kanzlerin ihrer Aussage vom 14. August 2017, in dem sie das Ende des Verbrennungsmotors für den "richtigen Ansatz" hielt, auch wenn sie noch keinen zeitlichen Rahmen für eine Umsetzung nennen wollte. In der "Welt am Sonntag" spricht sie der Automobilindustrie jedoch ihre Unterstützung aus, räumt aber ebenso ein daran arbeiten zu müssen, die NOX-Emissionen der Diesel reduzieren zu müssen. Auch Kanzlerkandidat Martin Schulz und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sehen die Ära des Verbrenners noch lange nicht als beendet. Anders halten es die Grünen. So erklärt Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir in den Montagsausgaben der Funke-Mediengruppe: "Grüne gehen in keine Koalition, die nicht das Ende der Ära des fossilen Verbrennungsmotors einleitet und den Einstieg in den abgasfreien Verkehr schafft".

Blaue Plakette soll Diesel aus Städten verbannen (Video):

 
 

Angela Merkel sieht noch kein Verbrenner-Verbot

In Deutschland wird seit Beginn des Diesel-Skandals diskutiert, ob es sinnvoll ist, wie andere Länder eine "Deadline" für den Verbrenner-Ausstieg festzulegen. Zuletzt hatte Großbritannien ein Diesel- und Verbrenner-Verbot ins Auge gefasst. Wie verschiedene Medien in London unter Berufung auf Regierungskreise verkündeten, soll auf der Insel ab 2040 sogar ein komplettes Verkaufsverbot in Kraft treten. Dieses könnte dabei so streng sein, dass es auch Hybrid-Motoren mit einschließt. Zur Verbesserung der Luftqualität wären dann nur noch Elektroautos auf britischen Straßen gestattet. Während viele weitere Städte und Ländern über Diesel-Verbote diskutieren, greifen auch die deutschen Grünen auf dem Bundesparteitag die Diskussion um ein generelles Verbrenner-Verbot ab 2030 wieder auf. Sie machen sich für ein Produktionsende von Autos mit Benzin- oder Dieselmotor im Jahr 2030 stark. Ab dann sollten demnach nur noch abgasfreie Autos produziert werden. "Wenn wir das nicht durchsetzen, dann setzt es überhaupt niemand durch", erklärte dazu Fraktionschef Anton Hofreiter Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (die Grünen) äußerte sich vor kurzem auf einem Bundesparteitag überraschend kritisch zu den Forderungen Hofreiters. Er hatte die Forderung seiner Partei nach einem Verbrenner-Verbot 2030 bereits Ende 2016 abgelehnt. Auch bei der Autoindustrie stießen die Grünenmit ihrer Ansicht, die deutschen Autohersteller hätten sich mit dem Festhalten am Verbrennungsmotor in eine Sackgasse manövriert, auf Widerstand: Damals hieß es: Der Skandal um gefälschte Diesel-Abgaswerte müsse ein "Weckruf" für die Industrie sein, schneller auf die Elektromobilität umzuschalten.

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Vor- und Nachteile eines Verbrenner-Verbots bis 2030

Die Luftverschmutzung ist einer der Gründe, weswegen in Deutschland ab 2030 alle Benzin- und Dieselautos verboten werden sollen. Doch im Zuge dessen bangt die IG Metall um Tausende Jobs in Deutschland. Aufgrund zunehmender Elektrifizierung und den rasenden Fortschritt in Asien in der Entwicklung von Batterien für Elektroautos sei man in Sorge, die deutsche Industrie könne abgehängt werden. "Die hiesige Automobilindustrie darf nicht als Bremser auftreten, sondern muss sich an die Spitze der technologischen Entwicklung setzen", forderte der bayerische Bezirksleiter Jürgen Wechsler. Auch VW-Betriebsratschef Osterloh warnte bereits vor den Konsequenzen des Endes für Benzin- und Dieselautos schon ab dem Jahr 2030 – 20 Jahre früher, als von der Bundesregierung bereits indirekt beschlossen (Beitritt ZEV-Allianz). Ihmzufolge seien in den kommenden zehn Jahren rund 25.000 Stellen betroffen, die durch den Schwenk zu Elektroautos wegfallen würden.  Laut einem Bericht von "Spiegel Online" Anfang Oktober soll im Bundesrat ein Beschluss gefasst worden sein, der Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2030 verbietet. Die EU-Kommission werde darin aufgefordert, "die bisherigen Steuer- und Abgabenpraktiken der Mitgliedstaaten auf ihre Wirksamkeit hinsichtlich der Förderung emissionsfreier Mobilität auszuwerten ..., damit spätestens ab dem Jahr 2030 unionsweit nur noch emissionsfreier Pkw zugleassen werden". Im Bundesrat sah man wohl handlungsbedarf, da der Umstieg auf Elektroautos trotz Prämie nur sehr schleppend vorankommt. Um das Pariser Klimaabkommen aus dem Jahr 2015 zu erfüllen, müsste Deutschland seine CO2-Emissionen um bis zu 95 Prozent senken. Ein Ziel, das womöglich nun durch einschneidende Maßnahmen in die entsprechende Bahnen gelenkt werden soll.

Diese Konsequenzen hätte das Verbrennerverbot (Video):

 
 

Verbrenner-Verbot in Großbritannien bis 2040

Nicht nur hierzulande werden die Pläne für ein Verbot von Benzin- und Dieselautos konkreter. Frankreich will etwa den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren bis 2040 stoppen. Das sagte Umweltminister Nicolas Hulot am 6.07.2017 bei der Vorstellung des Klimaplans der neuen Regierung. Nach dem Austritt der USA aus dem UN-Klimaabkommen will Paris die eigenen Klimaschutzziele verschärfen und bis 2050 klimaneutral werden. Das bedeutet, dass nur so viel klimaschädliches Treibhausgas CO2 ausgestoßen wird, wie etwa durch Wälder und Speichertechniken aus der Atmosphäre geholt werden kann. Bislang sieht das französische Energiewendegesetz bis Mitte des Jahrhunderts eine Verringerung der Emissionen um 75 Prozent gegenüber 1990 vor. Neben Paris schmieden drei weitere Metropolen Pläne, bestimmte Fahrzeuge schon 2025 auszuschließen. Medienberichten zufolge beschlossen die Städte Athen, Madrid und Mexiko-Stadt während des "C40 Mayors Summit" ab 2025 Dieselfahrzeuge in den Städten zu verbieten. Athen möchte sogar dem Vorbild des Verbrenner-Verbots folgen und in ein paar Jahren gar keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zulassen. Paris hat schon jetzt Maßnahmen ergriffen und verbietet unter der Woche allen Autos, die vor 1997 gebaut wurden, die Durchfahrt und auch Mexiko verhängt von Zeit zu Zeit Fahrverbote. Grund ist vor allem der Smog mit dem die Millionen-Städte zu kämpfen haben. Ein Beschluss im Rahmen der Klimakonferenz der Vereinten Nationen (Paris 2015) sorgte zuvor nicht nur in der deutschen Automobilbranche für mächtig Aufruhr. Deutschland, Vorzeigeland in diesem wirtschaftlichen Sektor, trat der ZEV-Allianz (zero-emission vehicle) bei. Dieser Zusammenschluss setzt sich zum Ziel, spätestens im Jahr 2050 alle Fortbewegungsmittel, die nicht emissionsfrei fahren, von den Straßen zu verbannen. Autos mit Benzin- und Dieselaggregaten sollen bis dahin endgültig der Geschichte angehören. Bei der Vereinigung nehmen neben Deutschland bereits andere Länder teil: Großbritannien, Niederlande, Norwegen, acht US-Bundesstaaten (u. a. Kalifornien) sowie die kanadische Provinz Quebec sagen Verbrennungsmotoren den Kampf an und wollen diese innerhalb von 35 Jahren den Garaus machen. Ziel der Anstrengungen ist es, den weltweiten Schadstoffausstoß um bis zu 40 Prozent zu senken und dabei zu helfen, den Klimawandel zu unterbinden. Außerdem wird die Ersparnis durch den Verzicht von Benzin- und Dieselantrieben jährlich auf beträchtliche eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen geschätzt.

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Einige Hersteller wollen umsatteln

Der Effekt für die Umwelt wäre den ambitionerten Teilnehmer-Ländern zufolge umfangreich – immerhin ist der stetige Klimawandel für gewichtige Missstände (mit-)verantwortlich: Langfristig sollen Meeresspiegel und Luft-Temperaturen auch mithilfe der von der ZEV-Allianz initiierten Maßnahmen nicht weiter ansteigen, extreme Wetter-Umschwünge könnten so eingedämmt werden. Auch die Luft würde sauberer werden, wodurch nicht nur die Lebensqualität steigt, sondern auch weniger Menschen aufgrund von Lungenkrankheiten ums Leben kommen.Während Mobilitätsformen wie Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in zahlreichen Ländern der westlichen Welt bereits viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend hingegen (weiter) ein anderer: Es fahren erwiesenermaßen immer mehr Autos über den Globus, so wurde im Jahr 2010 erstmals die Milliarden-Marke geknackt. Neben der Politik sind es auch die Autohersteller selbst, die immer mehr Maßnahmen zur Verringerung des Schadstoff-Austoßes ergreifen und zunehmend auf Benzinmotoren sowie Dieselmotoren verzichten: Toyota beispielsweise verkündete im Oktober 2016, ebenfalls bis 2050 endgültig auf herkömmliche Antriebsvarianten zu verzichten und in der Zukunft ausschließlich auf Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenantrieb zu setzen.

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