Verbot von Benzin- und Dieselautos (Update!) Grüne rücken von Verbrenner-Verbot ab

von AUTO ZEITUNG 08.11.2017
Inhalt
  1. Angela Merkel sieht noch kein Verbrenner-Verbot
  2. Deutschland: Mitglied der ZEV-Allianz
  3. Nachteile eines Verbot von Benzin- und Dieselautos
  4. Verbrenner-Verbot im Ausland

Bei den Gesprächen zur Jamaika-Koalition rücken die Grünen vom Ende des Verbrennungsmotors im Jahr 2030 ab. Auch aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel werde es den Verbrennungsmotor noch Jahrzente geben. Alle Informationen zum möglichen Verbot von Benzin- und Dieselautos! 

Die Grünen kommen den Jamaika-Unterhändlern von Union und FDP im Streit um die Klimapolitik deutlich entgegen. Kurz vor Beginn der zweiten Sondierungsphase machte Parteichef Cem Özdemir deutlich, dass die Grünen nicht länger darauf beharren, ein Verbot für Verbrennungsmotoren ab 2030 festzuschreiben. "Mir ist klar, dass wir alleine nicht das Enddatum 2030 für die Zulassung von fossilen Verbrennungsmotoren durchsetzen werden können", sagte Özdemir der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" am Dienstag, 7. November 2017. Statt des konkreten Datums für den Ausstieg verlangen die Grünen nur noch "ein klares Bekenntnis, dass wir alles dafür tun, um die Fahrzeuge der Zukunft - vernetzt, automatisiert und emissionsfrei - zu bekommen". Als konkrete Schritte in diese Richtung nannte Özdemir Anreize beim Dienstwagenprivileg, ein Bonus-Malus-System zugunsten von Elektroautos bei der Kraftfahrzeugsteuer und die Erwartung, dass "die Gerichtsurteile zu den Stickoxidemissionen umgesetzt werden, damit wir die Städte sauberer bekommen". Die Grünen pochten bislang darauf, ab 2030 ein Verbot von Benzin- und Dieselautos auszusprechen. Die CSU wiederum will keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem ein Enddatum festgehalten ist. Auch die FDP hält nichts von einem Verbot.

Blaue Plakette soll Diesel aus Städten verbannen (Video):

 
 

Angela Merkel sieht noch kein Verbrenner-Verbot

Noch Ende August 2017 hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der "Welt am Sonntag" zu Gunsten des Diesel-Motors positioniert und eingeräumt: "Wir brauchen gerade auch Diesel-Autos, um unsere CO2-Vorgaben in den nächsten Jahren zu erfüllen." In der ZDF-Sendung "Berlin direkt" erklärte Angela Merkel: "Es hat keinen Sinn, jetzt die Menschen zu verunsichern." Die Brückentechnologie Verbrennungsmotor "werden wir nicht Jahre brauchen, sondern ich würde sagen: Jahrzehnte." Damit widerspricht die Kanzlerin ihrer Aussage vom Mitte August 2017, in dem sie das Verbot des Verbrennungsmotors für den "richtigen Ansatz" hielt, auch wenn sie noch keinen zeitlichen Rahmen für eine Umsetzung nennen wollte. In der "Welt am Sonntag" sprach sie der Automobilindustrie jedoch ihre Unterstützung aus, räumt aber ebenso ein daran arbeiten zu müssen, die NOX-Emissionen der Diesel reduzieren zu müssen. Um das Pariser Klimaabkommen aus dem Jahr 2015 zu erfüllen, müsste Deutschland seine CO2-Emissionen um bis zu 95 Prozent senken. Mehr zum Thema: Winfried Kretschmann kritisiert eigene Partei heftig

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Deutschland: Mitglied der ZEV-Allianz

Ein Beschluss im Rahmen der Klimakonferenz der Vereinten Nationen (Paris 2015) sorgte zuvor nicht nur in der deutschen Automobilbranche für mächtig Aufruhr. Deutschland, Vorzeigeland in diesem wirtschaftlichen Sektor, trat der ZEV-Allianz (zero-emission vehicle) bei. Dieser Zusammenschluss setzt sich zum Ziel, spätestens im Jahr 2050 alle Fortbewegungsmittel, die nicht emissionsfrei fahren, von den Straßen zu verbannen. Autos mit Benzin- und Dieselaggregaten sollen bis dahin endgültig der Geschichte angehören. Bei der Vereinigung nehmen neben Deutschland bereits andere Länder teil: Großbritannien, Niederlande, Norwegen, acht US-Bundesstaaten (u. a. Kalifornien) sowie die kanadische Provinz Quebec sagen Verbrennungsmotoren den Kampf an und wollen diese innerhalb von 35 Jahren den Garaus machen. Ziel der Anstrengungen ist es, den weltweiten Schadstoffausstoß um bis zu 40 Prozent zu senken und dabei zu helfen, den Klimawandel zu unterbinden. Außerdem wird die Ersparnis durch den Verzicht von Benzin- und Dieselantrieben jährlich auf beträchtliche eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen geschätzt.

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Nachteile eines Verbot von Benzin- und Dieselautos

Die IG Metall füchrtet angesichts des diskutierten Verbots von Benzin- und Dieselautos um tausende Jobs in Deutschland. Aufgrund zunehmender Elektrifizierung und den rasenden Fortschritt in Asien in der Entwicklung von Batterien für Elektroautos sei man in Sorge, die deutsche Industrie könne abgehängt werden. "Die hiesige Automobilindustrie darf nicht als Bremser auftreten, sondern muss sich an die Spitze der technologischen Entwicklung setzen", forderte der bayerische Bezirksleiter Jürgen Wechsler. Auch VW-Betriebsratschef Osterloh warnte bereits vor den Konsequenzen eines möglichen Verbot für Verbrennungsmotoren schon ab dem Jahr 2030 – 20 Jahre früher, als von der Bundesregierung bereits indirekt beschlossen (Beitritt ZEV-Allianz). Ihmzufolge seien in den kommenden zehn Jahren rund 25.000 Stellen betroffen, die durch den Schwenk zu Elektroautos wegfallen würden.

Diese Konsequenzen hätte das Verbrennerverbot (Video):

 
 

Verbrenner-Verbot im Ausland

Nicht nur hierzulande werden die Pläne für ein Verbot von Benzin- und Dieselautos konkreter. Frankreich will etwa den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren bis 2040 stoppen. Das sagte Umweltminister Nicolas Hulot am 6. Juli 2017 bei der Vorstellung des Klimaplans der neuen Regierung. Nach dem Austritt der USA aus dem UN-Klimaabkommen will Paris die eigenen Klimaschutzziele verschärfen und bis 2050 klimaneutral werden. Das bedeutet, dass nur so viel klimaschädliches Treibhausgas CO2 ausgestoßen wird, wie etwa durch Wälder und Speichertechniken aus der Atmosphäre geholt werden kann. Bislang sieht das französische Energiewendegesetz bis Mitte des Jahrhunderts eine Verringerung der Emissionen um 75 Prozent gegenüber 1990 vor. Neben Paris schmieden drei weitere Metropolen Pläne, bestimmte Fahrzeuge schon 2025 auszuschließen. Medienberichten zufolge beschlossen die Städte Athen, Madrid und Mexiko-Stadt während des "C40 Mayors Summit" ab 2025 Dieselfahrzeuge in den Städten zu verbieten. Athen möchte sogar dem Vorbild des Verbrenner-Verbots folgen und in ein paar Jahren gar keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zulassen. Großbritannien hatte zuletzt ebenfalls ein Diesel- und Verbrenner-Verbot ins Auge gefasst. Wie verschiedene Medien in London unter Berufung auf Regierungskreise verkündeten, soll auf der Insel ab 2040 sogar ein komplettes Verkaufsverbot für Verbrennungsmotoren in Kraft treten. Dieses könnte dabei so streng sein, dass es auch Hybrid-Motoren mit einschließt. Zur Verbesserung der Luftqualität wären dann nur noch Elektroautos auf britischen Straßen gestattet. Grund ist vor allem der Smog mit dem die Millionen-Städte zu kämpfen haben.

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