Fahrbericht VW XL1 2013 – Bilder und technische Daten Der sparsamste Hybrid

22.03.2013

Der sparsamste Hybrid mit einem EU-Verbrauch von nur 0,9 Liter Diesel pro 100 Kilometer im Fahrbericht. Wir knauserten uns mit dem Hightech-Volkswagen über 265 Kilometer durch die Schweiz

Noch nie war ein Fiat 500 so groß, gibt es den schon als SUV? Sollten wir da was verpasst haben? Nein, als Fahrer der nur 1,15 Meter hohen Verbrauchsflunder VW XL1 hat vieles eine andere Perspektive. „Das Auto ist in allem extrem“ – VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg, der mit mir im Auto sitzt, muss es wissen.

 

VW XL1: Diesel-Hybrid mit 69 PS

Tatsächlich weht beinahe ein Hauch Bugatti durch den XL 1 – wie beim Veyron war der technische Superlativ das Maß der Dinge. Doch die Höchstleistung bei dem revolutionären Diesel-Hybrid liegt im Verzicht. Wenig Pfunde und minimaler Verbrauch liest sich in Zahlen so: 795 kg Leergewicht, cW-Wert: 0,189, 160 km/h Spitze, 50 Kilometer elektrische Reichweite (500 Kilometer gesamt) und 21 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer. Das macht nach Adam Riese einen Verbrauch von exakt 0,83 Liter Diesel – laut EU-Norm 0,9 Liter.

Dabei ist das Auto kein Offenbarungseid in puncto Alltagstauglichkeit. Klar, es gibt gewöhnungsbedürftige Details wie die Flügeltüren, durch die man sich einfädeln muss, oder die beiden versetzt angeordneten Sitze – der Beifahrer sitzt weiter hinten im aus Karbon gefertigten Monocoque. Das vom Look her futuristisch gestaltete Cockpit gibt dagegen keine Rätsel auf. Typisch VW, fast alles erklärt sich von selbst.

Nach einem Druck auf den Starter-Knopf gleitet der XL 1 lautlos durch die Straßen von Luzern. Von hier aus geht es 265 Kilometer quer durch die Schweiz über die Alpengipfel bis nach Genf. Ein Lamborghini würde kaum mehr auffallen, die Passanten staunen, fotografieren, diskutieren. 2570 Höhenmeter mit bis zu 17 Prozent Steigung wollen wir überwinden, angetrieben von einem 800 cm3 großen Zweizylinder-Diesel mit 48 PS, assistiert von einem E-Motor, der 27 PS leistet. Im Zusammenspiel ergibt das eine Systemleistung von 69 PS.

Die Stadt liegt hinter uns, wir schalten aus dem EV-Modus (reiner Elektrobetrieb) in den S-Modus – daneben gibt es noch den normalen D-Modus – und treten das Fahrpedal durch. Auf einmal wird es laut im Heck. Der Zweizylinder-Diesel, der bislang nur als blinder Passagier mitfuhr, springt mit einem leichten Schütteln an. Tuck, tuck, tuck, tuck – es klingt ein bisschen nach Bootsmotor. Doch wer glaubt, der XL 1 sei ein Verkehrshindernis, hat weit gefehlt. Zügig gewinnt der kleine Flügeltürer an Fahrt, nur 12,7 Sekunden sollen für den Sprint bis auf 100 km/h vergehen. 160 km/h beträgt die Höchstgeschwindigkeit.

Bei Tempo 140 machen sich erste Vibrationen im Lenkrad bemerkbar. Ursache ist offensichtlich eine zu geringe Entkopplung des Fahrwerks, das direkt in die extrem harte und kaum Dämpfung bietende Karbon-Struktur geschraubt wurde. Überraschend angenehm ist dagegen der Fahrkomfort, die Federelemente schlucken erstaunlich viel. Lediglich auf Querfugen reagiert die Vorderachse etwas unwirsch.

Dank des in der Neigung einstellbaren Fahrersitzes finden auch großgewachsene Personen in der Flunder ausreichend Platz. Um Gewicht einzusparen, verzichteten die VW-Ingenieure bewusst auf üppiges Dämmmaterial. Die Abrollgeräusche auf rauem Straßenbelag dringen deshalb stärker durch die Radhäuser als bei herkömmlichen Autos.

Doch das Fahren mit dem XL 1 macht Spaß. Wer den Verkehr hinter sich beobachten möchte, blickt nicht mehr in Rückspiegel, sondern auf zwei Bildschirme jeweils rechts und links in den Türen, denn alles, was hinter ihm passiert, wird dem Fahrer per Kamera übertragen. Die Lenkung reagiert erstaunlich direkt. Inzwischen fahren wir die ersten Serpentinen des Jaunpasses hinauf. Nun ist etwas Muskelkraft gefordert, weil trotz des geringen Gewichts offenkundig wird, dass die Servolenkung fehlt.

Doch meistens ertappt man sich dabei, dass man immer wieder auf den Bordcomputer blickt, um den Verbrauch zu kontrollieren. Schnell packt einen der Ehrgeiz, den geringstmöglichen Verbrauch zu erzielen. Der XL 1 erzieht den Fahrer zum Spritsparen.

Dass bei einem Streckenprofil durch die Alpen ein Verbrauch von 0,9 Litern nicht erzielt werden kann, ist jedem klar. Die besten Teams erreichten am Ende über die gesamte Strecke einen Durchschnittsverbrauch von 1,5 Litern – wirklich eindrucksvoll. Doch der XL 1 ist nur der erste Schritt auf dem Weg zu weiteren Spar-Mobilen von Volkswagen „Einen Großteil der Technik werden wir auch in eine Version des Up und des Golf Plug-in-Hybrid übernehmen“, erklärt uns Ulrich Hackenberg.

250 XL 1 sollen zunächst produziert werden. Ob es dabei bleibt, hängt letztendlich von der Nachfrage und dem Preis ab – den wollte VW Chef Martin Winterkorn in Genf allerdings noch nicht verkünden. Mehr als „wir lassen uns dazu ein schlaues Leasingkonzept einfallen“ war ihm nicht zu entlocken.
Volker Koerdt

FAZIT: VW zeigt mit dem XL 1, welches Spritsparpotential in einem Dieselhybrid steckt. Der XL1 ist aber in erster Linie ein Technologieträger für die Serienautos

TECHNIK
 

VW XL 1 Diesel-Hybrid
Motor 2-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, Partikelfilter
Hubraum 800 cm³
Leistung 35 kW / 48 PS
Max. Drehmoment 120 Nm
E-Motor im Getriebe integriert
Leistung 20 kW/ 27 PS
Max. Drehmoment 140 Nm
Systemleistung 69 PS und 140 Nm
Batterie Lithium-Ionen, 5,5 kWh
Getriebe 7-Gang, automatisiert, Doppelkupplung
Antrieb Hinterrad
Fahrwerk v. McPherson-Federbeine, Doppelquerlenker, CFK-Stabi.;
h.: Schräglenkerachse, Federn, Dämpfer, CFK-Stabi.; ESP
Bremse rundum: Karbon-Keramik-Scheiben; ABS, Bremsassistent
Reifen v.: 115/80 R 15 H, h.: 145/55 R 16 H, Magnesium-Felgen
L/B/H 3888/1665/1153 mm
Leergewicht 795 kg
Kofferraum 120 l
Abgasnorm Euro 6
Fahrleistungen
 
0 - 100 km/h 12,7 s
Höchstgeschwindigkeit² 160 km/h
EU-Verbrauch 0,9 l D/100 km
CO2-Ausstoß 21 g/km
Reichweite insg. 500 km
Reichweite elektrisch 50 km
KOSTEN  
Grundpreis k.A.
  Werksangaben

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