Opel Ascona A Voyage: Geschichte einer Restaurierung Jugendliebe

Sein erstes Auto war ein Opel Ascona. Kein Wunder, dass der Oldtimer-Sammler Joachim Lütticken als Erinnerung an seine Jugend einen Ascona A Voyage zu neuem Leben erweckte. Die Story einer Restaurierung

„Voyage, Voyage“ klingt es seit 1986 landauf, landab aus dem Radio. Wenn Joachim Lütticken den Song der französischen Sängerin Desireless hört, denkt er zuerst daran, dass er im Frühsommer seiner Frau zum runden Geburtstag einen Opel Ascona A Voyage schenkte.

Oldie-Freaks ist klar, dass es sich bei diesem Geschenk mit dem Produktionsdatum Ende 1970 nur um einen gut erhaltenen oder restaurierten Oldtimer handeln kann. „Ich trage schon seit meiner Kindheit den Opel-Virus in mir“, bekennt der Chef eines Stahlhandels in Neuwied und Wittlich freimütig. Schon als Siebenjähriger verbrachte er viel Zeit bei einem benachbarten Opel-Händler. Logisch, dass als erstes Auto ein Opel her musste.

Es wurde ein Ascona A. Lütticken lebte seine später erwachte Oldtimer-Leidenschaft bisher zudem mit dem Sammeln und Erhaltenvon hochkarätigen Opel Rallye-Ascona, einem Porsche 911 RS, einem Intermeccanica Torino und anderen Modellen aus.

 

AUTOKAUF MIT EMOTIONALEM HINTERGRUND

2011 fragte ihn ein Mitglied eines Opel-Clubs, ob er nicht seinen Ascona A Voyage kaufen wolle, der schon längere Zeit beim Verkäufer stand. Lütticken überlegte nicht lange und erinnerte sich an seine automobile Jugendliebe, den Ascona A.

Die hatte er zwar schon mit seinen Rallye-Autos und einem Ascona A 19 SR aufleben lassen, aber warum sollte er nach den Hochkarätern nicht mal ein Serienauto restaurieren, zu dem er eine ganz besondere Beziehung hatte?

Gedacht, getan. Der angebotene Ascona Voyage, die spezielle und seltene Version des Ascona Caravan, war auch noch ein „Woody“, ein ganz rares Exemplar mit Holzfolie an Seite und Heck. Es gibt nur noch wenige Ascona A Caravan, weil sie fast alle Väterchen Rost anheim fielen.

Doch zur Freude von Joachim Lütticken steckte unter der etwas „verlebten“ Karosserie – beispielsweise mit Rost unter der Holzfolie – eine gut erhaltene Substanz. Dort, wo beim Ascona A besonders im Bereich der A-Säulen und der Vorderkotflügel sonst fast nur noch Rost auszumachen ist, war hier noch reichlich Blech vorhanden.

Bei Auto-Wolf in Rockenhausen, einem ehemaligen Opel-Händler, der sich zum Restaurierungs- Spezialisten für Opel und Porsche entwickelt hat, ließ Lütticken den Ascona Voyage von 2012 an fachgerecht entlacken, entrosten und mit intakten Teilen wie etwa den beiden Vordertüren auf Vordermann bringen.

Lütticken kümmerte sich parallel zu den Basisarbeiten an der Karosserie um die Recherche und Besorgung möglichst originaler Ersatzteile. Besonders die interessante, rote Innenausstattung bereitete Probleme. Selbst ein zweites Fahrzeug, das als Ersatzteil-Lieferant diente, hatte zu schlechte Sitze an Bord: „Das größte Problem war und ist die Beschaffung des Original-Bezugsstoffs.“

Um diese Aufgabe vorläufig zu lösen, installierte das Lütticken-Team rot bezogene Sitze des Ascona-Nachfolgers. Intensive Recherche in diversen Foren und auf Internet-Seiten der Opel-Clubs und Opel-Interessengemeinschaften brachten Lütticken dann über Umwege und einen Tipp („Ich weiß, welcher Händler noch so etwas hat“) in den Besitz einer Dachreling aus dem Opel Zubehör-Programm.

Nur war die für einen Rekord gedacht. Aber fachkundige Helfer stutzten die Rohre der Reling so, dass sie in Länge und Breite auf das Dach des schlankeren Ascona Voyage passte. Einen Kompromiss ging der enthusiastische Ascona-Eigner auch bei den serienmäßigen Stahlrädern mit der Bereifung 165 SR 13 ein.

 

Dringend gesucht: Die Original-Radzierringe

Unter den serienmäßigen Chrom-Radkappen klemmen Zierringe aus dem Zubehör. Die Original-Zierringe sucht Lütticken noch. Finder: Bitte melden. Leichter war für den umtriebigen Stahlhändler mit Beziehungen zu vielen Firmen die Beschaffung der Holz-Dekorfolie für die Karosserieverzierung: „3M hat da inzwischen ein gutes Programm und stellt die Folie wieder her. Das von uns aufgebrachte Holz-Dekor entspricht fast dem Original von 1971.“

Es gibt aber Teile am Ascona Voyage, die sind nicht mehr zu beschaffen. Die Zierleisten, die als Rahmen um die Dekor-Folie angebracht sind, müssten – so Lütticken – bei Bedarf von Spezialisten aufwändig angefertigt werden Das Interieur des Voyage präsentiert sich bis auf die Vordersitze und den Drehzahlmesser im Originalzustand.

Die Kombination aus arktisweißem Lack, dunkler Holz-Dekorfolie und rotem Interieur macht den Ascona Voyage so reizvoll, dass selbst die Söhne von Lütticken den Oldie „cool“ finden. Den Ascona übernahm der Stahlunternehmer ohne Motor und Getriebe.

Da dank des Baukasten-Systems Motoren von 60 bis 90 PS im Ascona verbaut wurden, hatte Lütticken die Auswahl und entschied sich für den bewährten 1,9-Liter-Vergasermotor mit 90 PS.

Damit ist der Voyage bei Ausreizung der Leistung über 160 km/h schnell und beschleunigt in etwas mehr als 12 Sekunden auf 100 km/h. Rund 12 Liter Super genehmigt sich der rund 1000 Kilo leichte Opel Edel-Kombi auf 100 km. Das Auto bereitet auch heute noch viel Fahrspaß. Lütticken machten die Kurvenfahrten für unseren Fotografen sichtlich Vergnügen.

Er ließ das 90-PS-Gefährt hurtig über die Bergsträßchen im Westerwald fliegen. Den Fahrspaß-Faktor bescheinigten auch die Testredakteure der AUTO ZEITUNG dem Ascona Voyage im Frühsommer 1972. Vollgepackt mit Urlaubsgepäck sowie Kind und Kegel zog die Testtruppe mit dem Ascona und drei Konkurrenten Richtung Riviera.

Der Ascona Voyage unterstrich dabei seine gute Reisetauglichkeit und sein sicheres und souveränes Fahrverhalten – auch im beladenen Zustand. Wer allerdings einen Riesen-Stauraum suchte, der war beim kompakten Opel fehl am Platz: „Der Voyage ist alles andere als ein Gemüse- oder Lastkarren. Die Kombiform stellt eher eine Limousinen- Schrägheck-Linie dar. Ein in jeder Hinsicht als echtes Reiseauto konzipiertes Fahrzeug“, konstatierten die Tester.

Das fand auch Joachim Lütticken und spendierte seiner Frau im Juni eine Reise nach Italien und dort an den Gardasee, natürlich mit dem im Frühjahr 2014 fertig restaurierten Opel Ascona. Denn Voyage heißt schließlich Reise. Und nichts anderes besingt auch Madame Desireless in ihrem Hit Voyage, Voyage: Reise, reise, unaufhörlich.

„Es war eine tolle Tour, aber im nächsten Jahr fahren wir mit einem modernen Auto mit Klimaanlage“, zieht Lütticken eine Reisebilanz. Denn bei 30 Grad im Schatten ist auch eine emotionale Jugendliebe zwischenzeitlich einem Belastungstest ausgesetzt.

Opel Ascona A Voyage (Bj. 1970-75): Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zyl.; Hubraum: 1879 cm3; Leistung: 66 kW/90 PS bei 4600/min; max. Drehm.: 149 Nm bei 2800/min; Viergang-Getriebe; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Stahlblechkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung vorne: Trapez- und Querlenker; hinten Starrachse, Längs- und Querlenker; v/h. Schraubenfedern, Stabi.; Zahnstangen-Lenkung; Bremsen: v./h. Scheiben/Trommeln, Servo; Reifen: 165 SR 13
Eckdaten
L/B/H: 4180/1632/1400 mm; Radstand: 2430 mm; Leergewicht: 995 kg; Bauzeit: 1970 bis 1975; Stückzahl (19 S): 2393; Preis (1971): 9065 Mark
Fahrleistungen1
0 auf 100 km/h in 12,3 s; Höchstgeschw.: 163 km/h; Verbr.: 12,0 l/100 km
1Testwerte AUTO ZEITUNG

Tags:
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.