Mercedes-AMG Project One: IAA 2017 (Update!) Formel-1-Technik für die Straße

von Thomas Geiger 13.09.2017

Nach zahlreichen Teaser-Fotos ziehen die Schwaben auf der IAA 2017 endlich das Tuch vom Mercedes-AMG Project One. 1100 PS, über 350 km/h Spitze und ein Preis von rund drei Millionen Euro sind eine Kampfansage an den Bugatti Chiron. Wir werfen einen ersten Blick auf die atemberaubende Technik!

Bislang hat Lewis Hamilton nur 19 Gegner, doch ab der IAA 2017 (14. bis 24. September) muss sich der Formel-1-Star mit 275 weiteren Rasern messen. Mit dem im neuen Mercedes-AMG Project One (2017) bringen die Schwaben als erster Hersteller die Technik der anspruchsvollsten Rennserie der Welt auf die Straße – wenn auch nur in einer extrem limitierten Auflage für einen ebenso extremen Preis. Knapp drei Millionen Euro werden fällig, wenn man Anfang 2019 diesseits von Nürburgring, Monza oder Silverstone mit Hamilton & Co um die Wette fahren möchte. "Motorsport ist für uns kein Selbstzweck", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche zur Premiere des neuen Silberpfeils bei der Automesse in Frankfurt. "Unter maximalem Wettbewerb entwickeln wir Technologien, von denen später auch unsere Serienfahrzeuge profitieren. Erfahrungen und Erfolge aus drei Konstrukteurs- und Fahrer-Weltmeisterschaften nutzen wir jetzt, um Formel 1-Technologie erstmals auf die Straße zu bringen." Wie ernst es Mercedes und vor allem der schnellen Tochter AMG als Treiber dieses Prestigeprojektes mit der Nähe zwischen Rennsport und der Raserei für Ultrareiche ist, belegt nicht nur die Silhouette des Mercedes-AMG Project One (2017), die verdächtig an Hamiltons Dienstwagen erinnert.

Mercedes-AMG Project One im Video:

 
 

Mercedes-AMG Project One auf IAA 2017

Es ist aber vor allem der im Heck des Mercedes-AMG Project One (2017) montierte Antrieb, der die Brücke zwischen Strecke und Straße schlägt: AMG hat das Formel-1-Triebwerk tatsächlich nur so weit modifiziert, wie es für einen Hauch von Haltbarkeit, Alltagstauglichkeit und Zulassungsfähigkeit nötig war. Daher fährt auch das Straßenfahrzeug mit einem V6-Motor von gerade einmal 1,6 Litern Hubraum vor. Nach den gleichen Skizzen wie für die Formel 1 ebenfalls im englischen Brixworth gebaut, bringt ihn ein elektrischer Turbo auf bis zu 11.000 Touren. Das ist zwar etwas weniger als im Rennen, aber erstens dreht derzeit kein anderes Straßenauto so schnell, zweitens braucht der Silberpfeil dann kein Rennbenzin und drittens wird selbst der reichste Raser nicht alle paar Wochen einen neuen Motor einbauen lassen wollen. Der Benziner wird mit vier weiteren E-Maschinen kombiniert, von denen zwei mit jeweils 120 kW auf die Vorderräder wirken und mit 50.000 statt der bislang üblichen 20.000 Touren drehen. Gespeist werden sie mit denselben Akkus, die Mercedes auch in der Formel 1 einsetzt. "Nur dass wir die Kapazität etwa vervierfachen und so im Alltag bis zu 25 Kilometer elektrischer Reichweite bieten", sagt Moers. Wobei kaum anzunehmen ist, dass irgendjemand den Mercedes-AMG Project One (2017) im Flüstermodus fahren wird oder durch den Hybridantrieb tatsächlich Sprit sparen will. Der aufwändige Antrieb dient allein einer Systemleistung von mehr als 1100 PS und einem Fahrverhalten fernab von dieser Welt: Der Flachmann soll schneller ansprechen und besser um die Kurven kommen als jeder andere Sportwagen. Nicht umsonst verspricht AMG einen Sprint von 0 auf 200 in weniger als sechs Sekunden und ein Spitzentempo jenseits von 350 km/h. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn der Renner nicht auch das schnellste Straßenauto auf der Nordschleife würde.

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Preis: Project One (2017) kostet ca. 3 Mio. Euro

Zum Formel-1-Antrieb des Mercedes-AMG Project One (2017) gibt es ein radikales Design aus dem Windkanal mit einer Luftansaughutze auf dem Dach und einem riesigen Leitwerk mit Längsfinne und Querflügel auf dem Heck sowie ein ungewöhnlich nüchternes Innenleben. Wo selbst SLR und SLS in Lack und Leder glänzten, sieht man im Hypersportwagen nur dünne Karbon-Schalen, ein fast eckiges Lenkrad und zwei fest montierte Tablets anstelle der Instrumente. Lewis Hamilton mag das so luxuriös vorkommen wie eine S-Klasse, doch der gemeine Mercedes-Fahrer wird sich da ein bisschen umstellen müssen. Das gilt beim Hypercar allerdings in jeder Hinsicht: Nicht nur bei Antrieb, Fahrleistungen und Fahrdynamik dringt Mercedes in neue Sphären vor, auch beim Preis sprengen die Schwaben den Rahmen und eifern den knapp drei Millionen Euro des Chiron nach. Das allerdings scheint für die Mercedes-Kundschaft das geringste Übel zu sein. Obwohl den Mercedes-AMG Project One (2017) bislang kaum einer gesehen, geschweige denn gefahren hat, sind die 275 Exemplare bereits vierfach überzeichnet. Und mehr Autos wollen die Schwaben auf keinen Fall bauen. Mit Rücksicht auf den Restwert und auf Formel-1-Star, dem sie nicht noch mehr selbsterklärte Wettbewerber auf den Hals hetzen wollen.#

 

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