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Fiat 125 S, Alfa Giulia 1300 Super & Lancia Fulvia GT: Vergleich

Doppel-Nocker

Wie windschnittig ihre Form ist, merkt man erst bei genauer Betrachtung der Seitenflächen und des Daches mit der integrierten Abrisskante über dem Heckfenster.

Bei Bedarf rennt die Giulia fast 170 km/h und vermag dem Fiat 125 S auf der Autobahn locker zu folgen, obwohl der über ein sattes Leistungsplus verfügt.

MODERNER MOTOR IN KONSERVATIVER HÜLLE

„Keine Kunst, bei 1600 Kubik“, spottet die Giulia über ihn, doch auch sie muss zur Kenntnis nehmen, dass der Fiat im Spurt die Nase vorn hat und sich auch in Sachen Laufkultur nicht hinter ihr verstecken muss.

Der „Twin Cam“-Motor des fünf respektive sechs Jahre nach Fulvia und Giulia vorgestellten 125 Special verfügt über die modernste Konstruktion mit dem geringsten Wartungsaufwand. Fiat-Konstrukteur Lampredi schuf damit den ersten in preisgünstiger Großserie realisierten Doppelnocker.

Allerdings steckt er in einem stockkonservativ ausgelegten Auto. Die rechtwinklige Karosserie ignorierte die Trends zu besserer Aerodynamik und höherer Variabilität, und auch beim Antriebsstrang verzichtete Fiat auf Innovationen. Dabei hatte der technische Direktor Dante Giacosa längst eine zeitgemäßere Konstruktionsaparat.

Er wurde jedoch von Fiat-Chef Agnelli zurückgepfiffen, der meinte, Italiens größter Autobauer dürfe seine Kunden nicht durch zu viel Fortschritt auf einmal irritieren. Giacosas Entwurf mit Quermotor kam eine Klasse tiefer als Autobianchi Primula zur Welt und wurde von Fiat mit Verspätung in Form des 128 realisiert.

In der Mittelklasse hielt der Konzern noch bis in die frühen 80er dem Standardantrieb die Treue. Entsprechend zwiespältig fährt sich der 125 Special. Der Motor steht offenkundig gut im Futter, kann aber sein Potenzial nicht mit der erwarteten Überlegenheit einsetzen, weil Fiat dem altbekannten Viergang-Getriebe lediglich einen langen Fünfter als Schongang hinzufügte, anstatt optimal abgestufte Gänge zu entwickeln.

Die Auslegung ist gut für lange Autobahnreisen, aber nicht optimal, wenn es darum geht, eine zu allem entschlossene 1300er Giulia auf Distanz zu halten. Die nicht ganz so präzise Lenkung und das trägere Kurvenverhalten des Fiat leisten ebenfalls keinen Beitrag zur Fahrfreude.

Die resultiert schon eher aus der geräumigen Kabine und den bequemen, breiten Sitzen. Die Innenausstattung lässt klar erkennen, dass Fiat seine deutlich günstigeren Preise nicht allein über die Stückzahlen realisierte.

Das Kunststoffl enkrad und ein Kombiinstrument mit Zeituhr anstelle des Drehzahlmessers sind zweckmäßig, aber nichts fürs Auge. Unterm Strich gibt sich der 125 Special als großes, bequemes Auto ohne besonders ausgeprägte Charakterzüge – die beste Reiselimousine in diesem Trio, jedoch nicht so charmant wie der Alfa.

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Karsten Rehmann