Fahrbericht: BMW 640i Gran Coupé 2012 Der Rivale

30.05.2012

Mit dem 6er Gran Coupé hat jetzt auch BMw eine trendige Coupé-Limousine. Mercedes CLS und Audi A7 warten schon. Erster Fahrbericht

"BMW stößt mit dem 6er Gran Coupé einmal mehr in ein neues Segment vor“, verkünden die Münchner und flunkern dabei ein bisschen. denn für solvente Käufer, die gern etwas modischer und exklusiver unterwegs sind, gibt es schon seit 2004 den feinen Mercedes CLS, mittlerweile in zweiter Generation. Und seit 2010 ist Audi mit dem schneidigen A7 ebenfalls im Spiel.

Fragt sich also nur: was hat das fünf Meter lange BMW 640i Gran Coupé hat, was die anderen nicht haben? Erst mal aufreizende Formen, dafür würden manche Männer ihr Konto bedenkenlos überziehen. während Mercedes und Audi gediegene Eleganz zelebrieren, addiert der mit nur 1,39 Meter Höhe extrem flache BMW die scharfe Sportnote mit à la Haifischnase überkippenden nieren, sehr langem Radstand, unendlich gestreckter Motorhaube, knappsten Überhängen, muskulösen Radhäusern und coupéhaftem dach, das wie eine Welle ins Heck fließt.

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Mit ähnlichem Schwung empfängt der Innnenraum, der mehr Fitnessstudio als Wohnzimmer ist. Alles, was im Cockpit mit der Kontrolle der Maschinerie zu tun hat, ist auf den Fahrer konzentriert. der Beifahrer kann aus dem Fenster gucken oder die Fahrt per Navi auf dem 10,2 zoll großen Flatscreen-Monitor verfolgen. Oder sich bitteschön um die Musik kümmern. Der Testwagen kuschelte mit der 6.650 Euro teuren Volllederausstattung „Opalweiß/Amarobraun“ im Mix mit dem Edelholzschmuck „Esche Maser weiß“.

Diesen Barock muss man mögen, aber das Ganze gibt es ja auch in coolem Schwarz. Die großen Sportsitze sind ohnehin über jede Diskussion erhaben: ziemlich zupackend und rückenfreundlich, wie wir auf 250 Testkilometern feststellten. Und im Gegensatz zum zweitürigen 6er Coupé kann man es auch im Fond länger aushalten – gute Kopffreiheit bis 1,90 Meter Körpergröße, individuelle Klimatisierung. Der überraschend große Knieraum ergibt sich aus dem größeren Radstand des BMW 640i Gran Coupé – immerhin plus 11,3 Zentimeter.

Beim Fahren ist vom üppigen Format wenig zu spüren. Dabei reden wir nicht übers Rangieren in dunklen Parkhäusern, sondern über das wilde Leben in Kurven jeder Länge und Krümmung. Die schnupft das Gran Coupé gefühlt wie ein Mini. Ist dann noch, wie in unserem Fall, die Integral-Aktivlenkung an Bord, die mit vorauseilendem Gehorsam geschwindigkeitsabhängig die Lenkwinkel anpasst, zackt der große Wagen um die Ecken wie ein Hase auf der Flucht.

Und weil die Fahrwerkstechnik, Wagemut vorausgesetzt, in engen Kurven bemerkenswerte Drifts zulässt, hat der Fahrer viel Spaß, bevor das Antischleudersystem (DSC) mahnend einschreitet. „Das haben wir gut hinbekommen, nicht wahr?“, grinst Chefentwickler Peter Tünnermann.

Bang&Olufsen-Sound wie im Tonstudio
Auch sonst beherrscht das Auto den Spagat zwischen nett und böse. Beim niederfrequenten Dahincruisen hören wir trotz der Rahmenlosigkeit der Seitenscheiben nur ein leises Rascheln. Das ist das Geräusch, das unsere Handflächen beim Umgreifen auf dem lederbezogenen Lenkradkranz machen. Motor? Wind? Abrollgeräusche? Haben sich abgemeldet. Aber wenn wir mit dem Fahrerlebnisschalter „Sport+“ wählen und dazu das Gaspedal auf den Boden nageln, erwacht böse fauchend das Tier im BMW 640i Gran Coupé.

Ein ansatzloser Satz nach vorn, Tempo 100 laut BMW in 5,4 Sekunden. Dabei fahren wir noch nicht mal das Topmodell, sondern den 320 PS starken Sechszylinder-Turbo 640i. Soll heißen: Mehr braucht man gar nicht. Dringender ist das Bang&Olufsen High End Surround Sound-System, auch wenn es 4.950 Euro kostet. Wir hörten unseren Soul-Liebling Aloe Blacc mit „Loving you is killing me“, waren uns dann aber nicht mehr sicher, ob es die gleiche Platte war – völlig neue Nuancen. Wir mit Aloe im Tonstudio.

Natürlich ließe sich jetzt noch eine Weile über die vielen Vorzüge des BMW 640i Gran Coupé palavern. Zum Beispiel über die hier geteilt umklappbaren Rücksitze (inklusive Durchlade), die das Ladevolumen auf 1.265 Liter erweitern. Über das Komplettangebot von Fahrerassistenzsystemen, über die bestens disponierte Achtstufen-Automatik (ZF) oder die Multimedia-Angebote dieses Autos – inklusive Webradio und Vorlesefunktion für SMS- oder Mail-Nachrichten.

Kritik? Nur auf hohem Niveau. Für oberperfekte Materialverarbeitung hat Audi ein noch besseres Händchen, und unterhalb der unverkleideten metallenen Decke des Kofferraums fanden wir unverkleidete Schraubenköpfe – unfein. Und der reale Kraftstoffverbrauch lag laut Bordcomputer gut über den angegebenen 7,7 Litern, bei kommoder Fahrweise lasen wir Werte zwischen zehn und elf Litern.

Wer hier lieber sparen will, der kann auf den dieselnden Sechszylinder 640d umsteigen – 313 PS, 630 Nm, 83.000 Euro. Er verlangte gut acht Liter Kraftstoff. Bei dieser Gelegenheit soll auch erwähnt werden, dass das 450 PS starke Achtzylinder-Topmodell 650i nur einen Monat später, nämlich im Juli, für 92.600 zu haben ist. Selbstverständlich plant BMW auch eine M-Version mit rund 560 PS. Mit deren Auftritt rechnen wir Anfang 2014.
Wolfgang Eschment

TECHNIK
 

BMW 640i Gran Coupé
Motor R6-Zylinder, 4-Ventiler,
Direkteinspritzung, Turbo, vollvariable
Ventilsteuerung
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 2979 cm3
Leistung bei 235 kW / 320 PS bei 5800 /min
Max. Drehmoment bei 450 Nm bei 1300 bis 4500 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik
Antrieb Hinterrad
Fahrwerk v.: Doppelquerlenker,
Federn, Stabilisator;
h.: Mehrfachlenkerachse, Federn,
Stabi.; rundum: adaptive Dämpfer
(Serie); DSC (ESP)
Bremsen rundum: innenbelüftete Scheiben; ABS,
Bremsassistent
Bereifung rundum: 245/45 R 18
Felgen rundum: 8 x 18
L/B/H 5007/1894/1392 mm
Radstand 2968 mm
Leergewicht / Zuladung 1.750 kg / 570 kg
Kofferraumvol. 460 – 1265 l
Abgasnorm Euro 5
Typklassen noch keine Angaben
0-100 km/h  5,4 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
EU-Verbrauch 7,7 l SP / 100 km
CO2-Ausstoß 179 g/km
Grundpreis 79.500 Euro

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