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Volvo-Vergleich: XC90, XC60 und V70 Cross Country

Sonnentag am Meer

Auch bei unserem Generationentreffen am Strand der Nordsee übernimmt der XC90 ganz selbstverständlich die führende Rolle, seine Ausstrahlung ist beeindruckend und gewinnend. Letzte Zweifel, ob ein SUV dieser Schuhgröße tatsächlich von einem Zweiliter-Vierzylinder-Turbodiesel standesgemäß angetrieben werden kann, wischt der 225 PS und 470 Newtonmeter starke D5-Diesel lässig beiseite.

Volvo XC90: Vierzylinder mit Wikinger-Bizeps

Mit seidiger Laufkultur und kaum wahrnehmbarem Motorgeräusch schubst er den XC90 runter zum Strand, beim Kickdown zwischen den Dünen wandelt sich das eben noch so zivilisierte Auftreten dann in zupackende Gewalt: unerbittliche Traktion trotz weich rieselnder Unterlage – der Vierzylinder spannt einen gewaltigen Wikinger-Bizeps, mit souveräner Wucht geht es voran. Dazu serviert die Achtstufen-Automatik die jeweils passende Fahrstufe so willig, wohldosiert und mit kaum merklichen Schaltvorgängen, dass letzte Zweifel an diesem Motorenkonzept restlos mit einer steifen Brise auf den Atlantik hinauswehen.

Der mitgereiste Volvo XC60 scheint über diese Erkenntnis wissend zu schmunzeln, schließlich setzt der Bestseller schon seit einiger Zeit auf maßvoll dimensionierte, effiziente und gut im Futter stehende Vierzylinder-Motoren. Der 245 PS starke Turbo-Benziner unseres weißen XC60 T5 marschiert überlegen, mit Kraft und Spritzigkeit, gleichzeitig ist seine Laufkultur erstaunlich: ein absoluter Sahne-Motor!

Der 1998er-V70 XC streunt zuerst wacker durch die Dünen, watet unerschrocken durch jeden Ebbe tümpel und segelt ausgelassen über den Strand. Am Ende kann er dem Kräftemessen seiner Nachfahren aber nur noch verwundert zusehen: Auch wenn seine kernige Fünfzylinder-Maschine immer noch mit großem Charisma, schönem Leistungspotenzial und gutturalem Timbre glänzt, zeigt der Urahn deutlich, was in den vergangenen 17 Jahren Automobiltechnik passiert ist.

Und das gilt nicht nur für die FastRevolution in Sachen Motoreffizienz, sondern ist bereits im ersten Moment im Cockpit wahrzunehmen. Während der V70 noch für typisch quadratschädligen Funktionscharme steht, der die Volvo-Modelle früherer Jahrzehnte so anziehend machte, hat sich bei den jüngeren Generationen das Bild vollkommen gewandelt: Der XC60 lebt im Interieur von Übersichtlichkeit und Klarheit.

XC90: Maritimer Wind im Innenraum des Mittelklasse-SUV

Gleichzeitig repräsentieren ganz eigene Elemente wie die „schwebende“ Mittelkonsole den modernistischen Designanspruch. Das Mittelklasse-SUV wirkt sportlich, elegant, ausgesprochen hochwertig. Alle Bedienelemente sitzen genau da, wo man sie intuitiv erwartet, gleichzeitig weht stilistisch aber ein frischer maritimer Wind. Der Sprung zum XC90 ist dann aber trotzdem noch einmal gewaltig: Komfortable Ledersitze, vielfältig einstell- und anpassbar, umfassen im großen Oberklasse-SUV den Fahrer regelrecht; das Interieur ist edel und geräumig, die Materialanmutung beinahe schon luxuriös.

Dabei sind es erneut die kleinen Details, die den Volvo XC90 2015 aus der automobilen Masse herausstechen lassen: Eine schwedische Minifahne, aufgenommen in eine Naht des Sitzbezugs,weist mit augenzwinkerndem Patriotismus auf die Herkunft des großen Volvo hin; beim Griff zum Start-Knopf auf der Mittelkonsole oder beim Dreh an der kleinen Drive Mode-Walze direkt dahinter sorgt eine Andeutung von Diamantschliff für Griffigkeit und Noblesse – in früheren Volvo-Generationen hätte das etwas deplatziert gewirkt, doch im neuen, sinnlichen Ambiente des XC90 sorgen solche Ideen für glamouröse Akzente.

Alter Schwede! Das entfährt einem garantiert auch bei der ersten Inaugenscheinnahme des hochformatigen Touchscreen-Monitors und der Instrumente in Displayform: Stilvolle Grafiken,  hochauflösende Darstellung, mächtige Individualisierungstiefe, vor allem aber die beeindruckend intuitive Bedienung, die nicht etwa traditionelle Analogfunktionalitäten zu ersetzen versucht, sondern sich wischend und tippend auf das iPad-Zeitalter einlässt – das ist beinahe schon Volvo 3.0. Die überzeugende Neuerfindung einer Marke.

Johannes Riegsinger